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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-11-12 · 45 (12.11.1915) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
45 (12.11.1915)
Date
1915-11-12
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 838 Dr. Blvch's Gedenkfeier für Dr. GustzW Kohn sel. And. in der „Jüd. Toyndeehülle". Mn Sonntag, den 7. November, fand in der ..Jüd. ToynbeehaAe" (Josephine Mendl-Wohlfahrtshaus) der Erössnungsabend der Wintervorträge 1915/16 statt. Der Abend war als Ehrung für den unvergeßlichen Ersten Vizepräsidenten Dr. Gustav Kohn gedacht. Nebst der Familie des Verblichenen waren mehrere Milglieder des Bethausvorstandes für den 1. und 2. Bezirk, die Herren Anton Beck, Rudolf Kohn und zahlreiche illustre Gäste erschienen. Unter den Anwesenden bemerkte man Herrn Hosrat Prof. Dr. A. Politzer, Direktor Jacques B r i ch t a u. a. m. Der Obmann der „Toynbeehalle". Herr Dr. I. Samuely. eröffnete den Abend mit einer warmempfundenen Ansprache, in welcher er das edle Wirken des Dahingeschiedenen in den von ihm bekleideten zahlreichen Ehrenstellen schilderte. Hierauf sprach der Obmann-Stellvertreter Herr Karl Freund in seiner herzlichen Art bewegte Worte des Gedenkens, in denen er besonders die große Kinderliebe des Verblichenen zum Ausdruck brachte. Im Anschluß daran hielt darauf Herr Rabbiner Dr. I. M. Bach seinen Vortrag über „Soziale Ethik im Judentum", wo der Redner in populärer Weise dir erhabenen Prinzipien jüdischer individueller und gesellschaftlicher Sittlichkeit entwickelte. Das zahlreiche Publikum nahm die belehrenden Ausführungen, die vielfach an das ethisch-soziale Wirken des allzufrüh entrissenen Dr. Gustav Kohn anknüpften, mit Dankbarkeit an und zollte dem Vortragenden reichen Beifall. ChanuM-Spenden an unsere Krieger im Felde. Von zahlreichen Offizieren und Mannschaften laufen dringende Bitten ein, unsere tapferen jüdischen Krieger anläßlich des Chanukkafestes mit Liebesgaben zu bedenken. Jüdische Brüder und Schwestern! In diesem größten aller Kriege bekundet jeder unserer jüdischen Soldaten Makkabäermut, jeder fügt neuen Glanz zu dem Ruhme, mit dem einst Juda der Makkabäer und die Seinen unser Judentum verklärt haben, jeder flicht ein neues Blatt zu dem Kranze, der unverwelkt aus jenen Tagen der Vorzeit unsere Gemeinschaft ziert. Zeigen wir uns ihrer würdig und ihnen dankbar! Vergessen wir sie nicht an unserem Makkabäerfeste! Bezalel. Chanukka-Liebesgaben befördert an die im Felde befindlichen Seelsorger zur Verteilung an jüdische Soldaten im Felde Frau Dr. Grunwald, Wien, 2. Bez., Ferdinandsstraße 23. Bisherige Spenden: Firma Josef Schlesinger: 2 Karton Chanukkalichter. Oesterr. Gesellschaft vom Roten Kreuz: Monatsspende 3000 Stück Zigaretten. Einige Jungjuden zur Anschaffung von Liebesgaben Kr. 6.—; 33fo Millinger 10.—. Aufruf! Spendet Bücher für jüdische Kriegsgefangene! Unser Vaterland beherbergt jetzt Tausende und Abertausende unfreiwilliger Gäste aus dem Auslände, lebendige Zeugen der großen, einzig in der Weltgeschichte dastehenden Siege der verbündeten Heere. Unter all den Kriegsgefangenen befindet sich eine recht erkleckliche Zahl von Juden, die in ihrer Mehrzahl glücklich sind, nicht mehr gegen Oesterreich kämpfen zu müssen. Diese Opfer des Zarismus verdienen in hoheni Grade unser Mitgefühl und sind berechtigt, auch unseren Opfermut in Anspruch zu nehmen. Für das physische Wohlergehen der Kriegsgefangenen wird von den zuständigen Stellen in wohlwollendster Weise gesorgt, aber an. der jüdischen Oesfentlichkeit ist es, die Pflicht tzsu übernehmen, wenigstens die bescheidensten geistigen Bedürfnisse der jüdischen Kriegsgefangjenen zu befriedigen. Die Einsamkeit und Abgeschiedenheit vom heißgeliebten Familienherd verursacht unseren Glaubensgenossen in der Gefangenschaft des Kummers und der Sorge ge- Wochenschrist Nr. 45 nug, und es gibt für diese schmachtenden Seelen kein besseres Heilmittel als ein gutes Buch, welches bie^ traurige Wirklichkeit vergessen läßt. Für uns Juden, das Volk des Buches, hat stets die Lektüre und das durch sie angeregte Denken zu einem wesentlichen Teil den Lebensinhalt bedeutet. Auch die jüdischen Kriegsgefangenen sollen in guten und anregenden Büchern Trost und Erbauung finden. Unsere bisherige Tätigkeit in dieser Richtung hat uns vielfach den Beweis erbracht, wie groß und stark das Verlangen nach geistiger Nahrung bei den jüdischen Kriegsgefangenen ist. Viele Briefe voll des Dankes sind uns zugekommen. Ein jüdischer Kriegsgefangener schreibt uns: „Heute ist ein halbes Jahr seit dem Tage verflossen, an welchem ich dank Ihrer Bemühungen die erste jüdische Zeitung: -die „Wiener Morgenzeitung" bekommen habe. Ich werde nie vergessen das Licht und den Trost, welche das lebendige jüdische Wort Meinem jetzigen Leben gebracht hat. Ich bin also doch nicht abaeschnitten von der Welt — von meinem Volk — in so ernster Zeit — von seinen großen Sorgen und seiner großen. Freude. ..." Wir richten daher an alle mitfühlenden Juden die Bitte, Möglichst viele Bücher und Zeitungen in jüdischer und hebräischer Sprache oder Geldspenden für diesen Zweck an die Adresse des Herrn Rabbiners Dr. Grunwald in Wien, 2. Bez., Ferdinandsstr. 23, zu senden. D a s KoMite e. Verein „Einheit". Dieser Verein, der seit Kriegsbeginn täglich über 4000 Menschen, darunter Beamten- und Angestelltenfamilien, gegen ganz geringes Entgelt und zum großen Teil sogar unentgeltlich mit gesundem Essen ausspeist, bat es auch auf sich genommen. unsere in den verschiedenen Spitälern befindlichen jüdischen Soldaten rituell auszuspeisen. Dem Verein ist nun von der Zentralleitung des Roten Kreuzes ein überaus schmeichelhaftes Dankschreiben zugekommen, welches wie folgt lautet: „Die Verwaltungskommission unseres Vereins-Reservespitals Nr. 9 hat uns mitgeteilt. daß der Verein „Einheit" anläßlich der israelitischen Feiertage allen tr diesem Spitale untergebrachten verwundeten Soldaten israelitischer Konfession AusspeisungsMarken unentgeltlich zur Verfügung gestellt hat. Wir beehren uns. dem geehrten Präsidium für sein hiedurch und auch früher schon wiederholt bewiesenes humanitäres und patriotisches Wirken unseren verbindlichsten Dank auszusprechen. Für die Vereinsleitung: Franz Gras Thurn m. p." Anschließend wollen wir noch erwähnt haben, daß einige an der Svitze des Vereines stehende Vorstandsmitglieder sich auch um das Rote Kreuz vielfach verdient gemacht haben und dafür auch entsprechend ausgezeichnet worden sind. Es sind das die Herren: Bezirksrat Philipp Bak. Direktor Alerander Geig-er und Dr. Wolsgana Vollaczek. Der Verein „Einheit" hat erst kürzlich einen Aufruf *ur Unterstützung seiner edlen Zwecke veröffentlicht und begeht wirklich jedermann ein gutes Werk, der es deM heute bereits unentbehrlichlen Vereine möglich macht, seine segensreiche Tätigkeit ungeschwächt aufrechtzuerhalten, denn ohne reichliche Unterstützung wäre dies bei den heutigen Lebensmittelpreisen kaum mehr möglich.

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