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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-11-05 · 44 (5.11.1915) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
44 (5.11.1915)
Date
1915-11-05
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 44 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 819 Zunächst vollzog sich vor der ausgerichteten Front der militärische Teil der Feier. Mir war es als Amateur- Photographen gegönnt, die ganze Zeit über in der Näh? des Thronfolgers zu verweilen. Nach der offiziellen B?- grüßung wurde die Truppe eingehend besichtigt, sämtliche Offiziere und die dekorierte Mannschaft mit Ansprachen beehrt, worauf der Thronfolger persönlich einer Reihe von Soldaten die Auszeichnungen an die Brust heftete.. Am Eingang des Städtchens lvar eine Triumphpforte errichtet und neben derselben erwartete die gesamte jüdische Bevölkerung des russischen Städtchens P. den Thronfolger, um ihm ihre Huldigung darzubringen. Beiderseits der Straße war ein dichtes Spalier gebildet. Links standen die festlich gekleideten Mädchen, die ersten zwei hielten ein großes, mit Reisig bekränztes Kaiserbild in Händen. Rechts stand die Vertretung der jüdischen Gemeinde, die angesehensten jüdischen Bürger verschiedenen Alters. Einer hielt ein silbernes Tablett mir Salz und Brot, daneben befand sich ein Baldachin, unter dem Vorsteher und Rabbiner, mit dem Tallis umhüllt, die Thora trugen. Hinter der Repräsentanz hatte sich die. ganze Kehilla, an 900 Köpfe, versammelt, alles schön geordnet und im Sabbatgewand. Scheinbar wußte der Thronfolger nichts von dieser Huldigung, denn das Auto hielt erst im letzten Augenblick. Nun traten die Aeltesteu vor, reichten dem hohen Gast Salz und Brot als Willkommgruß, der Rabbiner sprach einen Segensspruch, ein anderer Herr einige Begrüßungsworte, die der Thronfolger in herzlicher Weise beantwortete, worauf er sich mit den Mitgliedern der Deputation leutseligst unterhielt. Dann wandte er sich zu den Mädchen, nahm von denselben eine Huldigungsadresse entgegen, bedankte sich ebenso herzlich und setzte dann nnter brausenden Hochrufen der Versammelten die Fahrt fort. Die Huldigung trug einen echtjüdischen Charakter und machte auch auf die vielen Offiziere, die dieser spontanen Kundgebung beiwohnten, einen ausgezeichneten Eindruck. . . ." Auf dem Iekde der Kyre gefasten. Auf dem Felde der Ehre siel Leutnant Dr. Abraham Werne r, Konzipient bei dem Advokaten Dr. Abraham Kornhäuser in Jaslo, gewesener Präsident des dortigen Vereines „Jeszuru". Er war seit Kriegsbeginn im Felde und wurde in der zweiten Görzer Schlacht als Bataillonsadjutant am 22. Juli verwundet und starb während des Transportes vom Laibacher Bahnhof ins Spital. Er wurde auf dem Friedhofe in Laibach beerdigt. — Vom Verein „Jeszuru" fielen außerdem Kadett Rachmiel S ch i n a g e l, absol. Jurist; N. G o l d n e r, Privatbeamter. Bei Ausbruch des Krieges meldete sich stud. jur. Aron Münz in Tarnow sofort freiwillig zu den Waffen, obwohl er wie sein Vater noch russischer Untertan ist. Er diente als Einjährig-Freiwilliger und wurde bald zuni Zugsführer ernannt. Für die wiederholt bewiesene Tapferkeit war er auch zu einer Auszeichnung vorgeschlagen, als ihn am 15. Juni 1915 bei Cicplica in der Schlacht vor Jaroslau mehrere feindliche Kugeln ereilten, in dem Augenblicke, da er bei einem Sturmangriff seinem Zuge heldenmütig voraneilte. Die Eltern des Gefallenen waren längere Zeit ohne Nachricht, bis sie am 22. August von dem Heldentod ihres Sohnes benachrichtigt wurden. 'Die Ungewißheit über das Schicksal des Sohnes und sein Tod brachten seine Mutter zu einer solchen Verzweiflung, daß sie in Melancholie verfiel und schließlich wahnsinnig wurde. Sie befindet sich jetzt in einer Heilanstalt -in Krakau. Der 19 jährige Kadett eines polnischen Legionärregiments Ladislaus Steinhaus, der Sohn des Reichsratsabgeordneten uno Mitgliedes des Obersten polnischen Nationalkomitees Dr. Ignaz Steinhaus, ist im Militärspital in Kowel den schweren Verletzungen, die er bei einem Patrouillenritt auf dem nördlichen Kriegsschauplätze erlitt, erlegen. Die Leiche des auf dem Felde der Ehre gefallenen Rechtshörers, der vor drei Wochen bei einer Patrouillenstreifung sich ausgezeichnet hatte und für eine Auszeichnung in Vorschlag gebracht worden war, wird mit Zustimmung der Militärbehörden zur Beerdigung nach Krakau gebracht. Den Eltern des Gefallenen wendet sich die allgemeine Teilnahme zu. Am 22. Oktober siel als Held fürs Vaterland Joses Lichten st e r n, k. k. Oberleutnant des Landsturm-Infanterieregiments Er war Kaufmann in Mährisch-Oftrau, Sohn eines angesehenen Fabrikanten und hinterläßt eine junge Frau und ein Kind. Wie er sich, in seiner Heimatstadt durch redliche Arbeit und durch Wohltätigkeitssinn eine angesehene Stellung verschafft hat, so wußte er auch im Felde die Freundschaft seiner Kollegen und hie Liebe seiner Soldaten für sich zu gewinnen. Als er seine Kompagnie zum Sturm anführte, wurde er von einer feindlichen Handgranate in den Kopf getroffen.und fiel tot zu Boden. Die Leiche könnt? eingebracht werden und wurde auf einem Soldatenfriedhof begraben. Feldrabbiner Dr. Tauber, der zu seinen Freunden zählte, nahm vom gefallenen Helden warmen Abschied, dessen Grab an der Reichsgrenze ein „Galed", ein Denkmal des Opfermutes eines jüdischen Offiziers fein wird. Sein Andenken sei gesegnet. Atlr Sohn des Kafchauer Uokizeihauptmarmes. Der älteste Sohn des Kafchauer Polizeihauptmannes Moritz Juhasz, Geza Juhasz, Kadett, ist am 23. September auf dem nördlichen Kriegsschauplätze im Alter von 19 Jahren den Heldentod gestorben. Der betrübte Vater, ein treuer, bewußter Jude und überzeugter Zionist, hat die ihm gewordene Trauerbotschaft, wie wir der „Zsido Szernle" entnehmen, der ungarländischen zionistischen Organisation in Budapest durch folgendes rührendes Schreiben bekanntgegeben: Brechen Sie nicht den Stab über mich, daß ich in meiner Arbeit für unsere heilige Sache schwach geworden bin, würden Sie jedoch meinen Seelenzustand kennen, so würden Sie Nachsicht mit mir üben. Wie könnte ich jetzt arbeiten, da mich nach einem Jahr langen Bangen der schwerste Schlag getroffen hat. Mein guter, erstgeborener Söhn, der Mein väterliche; Herz zu so vielen schönen Hoffnungen berechtigt hatte, hat am 1. Sukkothtage bei Nowo- Potzajow den Heldentod erlitten. Ich kann ^es sagen, daß er gelitten hat, denn sein Leiden währte neun Stunden lang, und seine letzte Mitteilung und sein letzter Gedanke war, daß seine Ellern nicht irgendwie erschrecken mögen. Aber der gütige Gott, zu dem unser Volk in dieser schweren und nur dem Chorbanhamikdosch vergleichbaren traurigen Zeit mit tränenden Augen und in stummem Schmerz emporblickt, war^ mir und meinem verewigten Sohn auch in diesem großen ^chicksalsschlage gnädig. Der Rabbiner von Pocsojow schrieb mir in einem hebräischen Brief durch einen Sendboten und auch von Freundesseite wurde es mir geschrieben, daß der Rabbiner meinen armen Sohn in das Haus eines Juden bringen ließ, dort wachten sie bei ihm, streng nach jüdischem Ritus und am 25. September, an einem Samstag, begleitete er und die ganze Gemeinde meinen teuren Toten auf seinem letzten Wege weit über die Gemarkung der Stadt hinaus, von wo er über Befehl eines Generals mit militärischem Pomp nach Brody gebracht wurde, um im jüdischen Friedhofe bestattet zu werden. Gott belohne diese pietätvolle Tat, diese Tugend des wahren Eemillus Chasodim, jener wackeren Kultusgemeinde, unseren guten Brüdern, welche auch inmitten des Kanonendonners auf ihrem Platze waren. Ich werde mich bemühen, meinem Sohne, dem Kadett Geza Juhasz, der noch ein 19jähriges Kind war, ein Denkmal zu stellen, um seinen Namen in das goldene Buch eintragen zu lassen.

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