Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 39 (28.9.1915)
- Date
- 1915-09-28
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
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Nr. 89 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 735 F. Der den Zaren sehr günstig und sympathisch beurteilende Artikel des amerikanischen Journalisten Mr. Aubrey Stanhope in der „Neuen Freien Presse" vom 21. September, schließt mit dem Ausruf: „Mitleid für Nikolaus Alerandrowitsch!" Nikolaus Aler., wie der ihm sehr geneigte Autor versichert, ist „sehr furchtsam" und ein sehr „guter Familienvater" und angeblich auch über alles unorientiert. Aber Nikolaus Alerandrowitsch trug das Abzeichen der schwarzen Hundert ,',ver Mörder von Kischenew, Odessa, Kiew, Bialystock und vieler anderer Ortschaften", als Fürst Urussow bei ihm in Audienz vorsprach, um sich über diese Massenmorde und teuflischen Massakres, die von der Ochrana inszeniert wurden, als Gouverneur zu beschweren. Dieser furchtsame Mensch und seinbesaitete Familienvater trug kein Bedenken, Tausende von Greisen, Frauen und Kindern massakrieren zu lassen — und hat jeden bei der Tat ertappten (immer sehr milde Verurteilen) ausnahmslos begnadigt. Kruschewan und Puryözkewi sch, die Urheber und Teilnehmer des Kischenewsr Massakres, sind seine persönlichen Freunde! Dagegen läßt er es zu, daß die politischen „Verbrecher", denen oft nichts strafbares, als freie Gesinnung nachgewiesen wurde, auf das unmenschlichste und grausamste — Männer und Frauen ohne Unterschied — behandelt werden. Es ist sehr fraglich, ob Kaiser Tiberius, Caligula und Nero mehr unschuldiges Blut vergossen, mehr Folterqualen auserlegt wurden. Nie ist ein Krieg grausamer und unmenschlicher geführt worden, wie unter diesem „furchtsamen, aber sehr guten Familienvater!" Also Mitleid mit Nikolaus Alerandrowitsch, aber der Gerechtigkeit wegen auch dasselbe mit Tiberius, Nero, Caligula, Dionysius von Syrakus, Tamerlan und Tutti-quanti! „Mein ist die Rache" sagt der Herr, und ihm sei dieselbe überlassen. Wir aber wollen ihn bemitleiden. Freiherrlich von Rothschildsche Künstler-Stiftung. Das Kuratorium der Freiherrlich von Nothfch.lo'sche.r Künstler^ Stiftung verlautbart, daß aus den Erträgnissen derselben mehrere Stipendien im Mindestbetrage von je Kr. 800.— für das Jahr 1915 zur Verleihung gelangen. Kompetenzberechtigt für diese Stiftung erscheinen mittellose jüdische in Oesterreich wohnhafte Künstler oder Künstlerinnen österr. oder Ungar. Staatsbürgerschaft, die ihren Beruf auf dem Gebiete der Architektur, der Bildhauerei, der graphischen Künste, der Malerei oder der musikalischen Kompostt'on selbständig auszuübrn befähigt sind. Unter den, den obigen Erfordernissen entsprechenden Kompetenten genießen jene den Vorzug, welche bereits Beweise ihres Talentes und ihres schöpferischen Wirkens gegeben haben. Von der Verleihung erscheinen diejenigen Bewerber ausgeschlossen, die sich auf anderen Kunstzweigen als den angeführten betätigen, ferner Kunsteleven, sowie überhaupt im Stadium der Vorbereitung für einen künstlerischen Berus befindliche Personen. Die an das Stiftungskuratorium gerichteten Gesuche sind b's längstens 12. Oktober 1915 im Einreichungsprotokolle der israel. Kultusgemeinde Wien, 1. Bez., Seitenstettengasse 4, 2. Stock, zu überreichen. Die Gesuche sind mit dem Eeburts- und dem Heimaisschein, sowie mit Fachzeugnissen und einem currieulum vitae welches den Studiengang, die derzeitige Beschäftigung, die Vermögens- und Familienverhältnisse des Bewerbers in klarer Weise darzustellen hat, zu belegen. Die Bewerber werden ihre Kunstbeilagen — insoferne solche gefordert werden — erst über Verlangen des Kuratoriums zu erbringen haben. Nicht entsprechend belegte oder verspätet überreichte Gesuche werden nicht berücksichtigt. Nähere Auskünfte werden im Sekretariate der israel. Kultusgemeinde (Stiftungsamt) erteilt. Wien, 1. September 1915. Das Kuratorium der Freiherrlich von Rothschild-Kunst e-Stituirg. Kaiser Franz Iosef-Jub iläums-SListung zur Unterstützung israel. Waisen, errichtet von Philipp Thorsch. Anzahl der Plätze: Zwei im Betrage von je Kr. 300.—. Bewerbungsbere chtigt sind: Arme Kinder israel. Konfession, welche das 14. Lebensjahr noch nicht erreicht haben und nachzuweisen vermögen, daß ihr Vater in Wien gestorben ist, oder daß derselbe bis vor seinem Tode in Wien sein ordentliches Domizil hatte. Eesuchsbrilagrn: Geburtsschein, Armutszeugnis, Totenschein des Vaters (im Falle dieser nicht in Wien gestorben ist, erscheint ein legaler Nachweis erforderlich, daß derselbe bis vor stinem Tode sein ordentliches Domizil in Wien hatte), Schulzeugnisse. Letzter Tag der Einreichungsfrist: 15. Oktober 1915. Einreichstelle: 1. Bez., Seitenstettengasse 4, 2. Stock (Einreichungsprotokoll). > Komponist Oskar Straus-Stiftung für dürftige Mittelschüler in Wien, aus Anlast des 60. RegierungSjahreS Sr. Majestät des Kaisers errichtet. Anzahl der Plätze: Einer im Betrage von Kr. 60.—. Bewerbungsberechtigt sind: Arme, würdige israel. Wiener Gymnasialschüler. Verleihungstag: 4. November 1915 (27. Marcheschwan). Gesuchsbeilagen: Geburtsschein, Armutszeugnis, Studienzeugnisse. Letzter Tag der Einreichungsfrist: 15. Oktober 1915. Einreichstelle: 1. Bez., Seitenstettengasse 4, 2. Stock (Einreichungsprotokoll). _ M. L. Biedermann-Stiftung für Rrligionsschülee. Anzahl der Plätze: Zwei im Betrage von je Kr. 120.—. Bewerbungsberechtigt sind: Hiesige bedürftige Knaben, vorzugsweise Waisen, welche die israel. Unterrichtsanstalten (Talmud- Thora-, Lese-, Sprach-, Bibel- oder Talmud-Schulen) in Wien mit gutem Fortgang besuchen. Gesuchsbeilagen: Geburtsschein, Armutszeugnis, Schulausweise, Bestätigung des Religionslehrers über die Würdigkeit des Bewerbers, eventuell Verwaisungsnachweis (Totenschein k.). Letzter Tag der Einreichungsfrist: 15. Oktober 1915. Einreichstelle: 1. Bez., Seitenstettengasse 4, 2. Stock (Einreichungsprotokoll). _ Stiftung zur Unterstützung israel. Studierender, gewidmet von Tr. Sem. Plohn zum Andenken an seinen Vater Jakob Plohn. Anzahl der Plätze: Unbestimmt im Betrage von zusammen Kr. 690.—. Vewerbungsberechtigt sind: 1. Israel, hilfsbedürftige und unterstützungswürdige eheliche Nachkommen der Geschwister des Herrn Jakob Plohn, welche eine öffentliche Mittel- oder Hochschule in Oesterreich besuchen (Betrag des Stipendiums Kr. 200.—). —- 2. Für den nach Beteilung der sub 1. bezeichneten Bewerbungsberechtigten etwa verbleibenden Restbetrag israel. hilfsbedürftige und unterstützungswürdige Studierende der k. k. Akademie für Musik und darstellende Kunst. Eesuchsbeikagen: Geburtsschein, Studienzeugnisse, Armutszeugnis und eveni. Verwandtschaftsnachweis. Letzter Tag der Einreichungsfrist: 15. Oktober 1915. Einreichstelle: 1. Bez., Seitenstettengasse 4, 2. Stock (Einreichungsprotokoll). _ Mar Marmarofch-Stiftung für Schüler der Wiener Handelsakademie. Anzahl der Plätze: Einer oder zwei im Betrage von Kr. 600.— bezw. Kr. 300.—. Vewerbungsberechtigt sind: Arme israelitische Schüler der Wiener Handelsakademie. Bevorzugt sind: Bewerber, welche mit dem Stifter, Herrn Jakob Marmarosch, mit dessen Gattin Frau Rachel geb. Löbl, oder tnit deren Schwiegersöhnen Herrn Hermann Lemberger und Herrn Karl Pisling verwandt sind, ferner in zweiter Linie solche, welche in Bukarest geboren oder dort ihre Erziehung ganz oder zum Teile genossen haben. Verleihungstag: 12. November 1915 (5. Kislew). Gesuchsbeilagen: Geburtsschein, Armutszeugnis, Schulzeugnisse, eventuell die ein Vorzugsrecht begründenden Nachweisungen. Letzter Tag der Einreichungsfrist: 30. September 1915. Einreichstelle: 1. Bez., Seitenstettengaffe 4, 2. Stock (Einreichungsprotokoll). Samuel Süstermann-Stistung für Talmudschüler. Anzahl der Plätze: Zwei im Betrage von je Kr. 225.—. Bewerbungsberechtigt sind: Schüler einer hiesigen Mittelschule, „welche sich beim Unterrichte in der Bibel und im Talmud durch Fleiß und besondere Erfolge hervortun". Die mit dem Stipendium Bedachten haben sich bei dem von dem Vorstand der Kultusgemeinde bestimmten Lehrer dem Talmudunterrichte zu unterziehen. Bevorzugt sind: Unter übrigens gleichen Verhältnissen jene Mittelschulbesucher, welche aus der Talmud-Thora-Vereigsschule in die Mittelschule übergetreten sind. Gesuchsbeilagen: Geburtsschein, Armutszeugnis, Studienzeugnisse und Nachweis des erfolgreichen Bibel- und Talmud-Studiums. Letzter Tag der Einreichungsfrist: 15. Oktober 1915. Einreichstelle: 1. Bez., Seitenstettengasse 4, 2. Stock (Einreichungsprotokoll).