Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 23 (4.6.1915)
- Date
- 1915-06-04
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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Seite 430 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 23 Robert Herzhaft, Violine, wurden mit bewunderungswürdiger Technik zum Vortrage gebracht. Die nächste Programmnummer bildete den Glanzpunkt des Abends. Es war dies A. o r a l n i k's Einakter „Roter Schnee". Die Lisa wurde von Frl. Emmy Klauber mit viel Gefühl und Wärme dargestellt. Die gutjüdische Mutter spielte Fräulein Sissy Freund mit großer Liebe. Herr ' Mar Gerstl spielte den nach Freiheit dürstenden, bedrückten Juden mit innigem Verständnisse, ihn mit Hilfe seines reichen Innenlebens, prächtig widergebend. In Spiel und Maske gleich vorzüglich bot Herr Paul Stein in der Rolle des Großvaters eine gute, patriarchalische Figur. Ferner machten sich um das Gelingen des Stückes Herr Viktor Späh, als Chaim, ein biederer Kaufmann und Herr Arthur Deutsch den Nachtwächter darstellend, wohl verdient. Frl. Emmy Klauber trug sodann Kriegsgedichte in wohl abgetönter Sprache vor, hiebei den Rahmen des Dilettantismus weit überschreitend. Die wunderbare Schilderung „Der Libanon" von Schalom Asch wurde von Frl. Paula Schwager sehr wirksam zu Gehör gebracht. Den Schluß bildete ein Palästina-Lichtbildervortrag, zu dem der Jüdische Nationalfonds die Lichtbilder in liebenswürdigster Weise beistellte. Begleitende Worte sprach Herr Walter Alb recht. Es war für das 'Gelingen der ganzen Veranstaltung gewiß bestimmend, daß die Programmnummern vor einem bis auf den letzten Platz gefüllten Saal vorgeführt werden konnten. In einer wundervoll geschmückten Saalnische wurde eine Nationalfonds-Ausstellung und Verkauf abgehalten. Das Reinerträgnis von Kr. 235.— wurde dem k. u. k. österr. Kriegsfürsorgeamte und dem Türkischen Roten Halbmonde zugeführt. _ O. V. Waag-Neustadtl (Vügujhely). Am 7. Mai wurde der Nestor unserer altehrwürdigen Gemeinde, Herr Emanuel Fuchs, im Alter von 85 Jahren zu Grabe getragen. Der teure Verblichene ragte gleich einem Patriarchen aus der guten alten Zeit in unsere Gegenwart hinein. In schönster Harmonie waren in ihm vereint merziellem Gebiete erwarb er sich große Verdienste. Die von ihm Thora und Der.'ch Ercz. Wohlstand und Wohltätigkeit. '.Huf kunbegründete, seit 60 Jahren blühende Bauholzhandlung ist eine der größten und bedeutendsten Unternehmung dieser Branche in Oberungarn. Seit 15 Jahren etwa zog er sich vom Geschäfte zurück und widmete seine Zeit und den größten Teil feines nicht unbedeutenden Einkommens der Pflege der Thora und der Wohltätigkeit. Viele Arme betrauerten den Hintritt dieses Wohltäters. Auch am Begräbnistage wurden sämtliche Arme unserer Staat, ohne Unterschied der Konfession, reichlich beschenkt. Er war einer der Begründer der Talmud-Thoraschule, die im Rahmen unserer jüdischen Realschule — der »einzigen der Monarchie — segensreich wirkt. Von der Begründung derselben bis zu seinem Tode wirkte segensreich an derselben der teure Verblichene als Präsident. Herr Änavuel Fuchs erfreute sich in vielen Wiener Kreisen großer Beliebtheit. Seit vier Jahrzehnten besuchte er alljährlich Baden bei Wien. Manche Wiener werden seine geistreichen „Wörtchen" und Bibelerklärungen in. angenehmer Erinnerung sein. Beim Leichenbegängnisse erschienen nicht nur alle Mitglieder der Gemeinde, sondern auch sämtliche Behörden der Stadt. An der Bahre sprachen im Trauerhause Rabbiner Dr. Ph. Rosenberg im Namen der Gemeinde, ferner Oberrabbiner Dr. Alois Schweiger aus Eger (Erlau), der Schwiegersohn des Verstorbenen. Am Grabe sprach Herr Dr. Adolf Fuchs, Advokat aus Budapest, ebenfalls ein Schwiegersohn. Zehn Kinder — sämtliche in hervorragender gesellschaftlicher Stellung — betrauern den Hintritt dieses Frommen. Möge sein Andenken gesegnet sein. Wer weiß? Riwke Jatter, rekte Stanzer aus Belz, Galizien, sucht ihre Schwiegermutter Sarah Stanzer aus Belz und ihren Onkel Kojwcie Großmann aus Lubaczow. Gütige Auskunft erbeten an das Rabbinat in Welwarn, Böhmen. Chiel Meier Degen, aus Biala bei Rawaruska, schwer krank im Garnisonsspital Pozsony, Abteilung X, sucht seine ■ Frau Jitty und seine Kinder Falik, Sime und Basia. Mar Arzt, aus Sieniawa, schwer krank, ebenda, Abteilung XI, sucht seine Frau Gittel samt fünf Kindern, sowie seine Eltern Kalman und Chaja Arzt. Leon Cinader aus Drohobycz, ebenda, Abteilung XI, sucht seine Eltern Leiser und Serel Cinader. Naftali Meininger, ebenda, Abteilung XII, sucht seinen Vater Benjamin Meininger aus Rvpczyce und seinen Bruder Feiwel Schächter aus Tarnow. Leutnant Rudolf Politzer,' 49. Jnf.-Reg., zog am 1. August ins Feld, kam am 28. August ins Spitals seither fehlt von ihm jede Nachricht. Auskunft erbittet sein Vater Eduard Politzer, Wien, XI1!., Hütteldorferstraße 127. Feuilleton. Die Anden in Polen mährend der Kosaken, Tataren-, Küssen- und Kchwedenkriege (1648—1660). Vortrag, gehalten am 11.. Februar 1915 im Festsaale des Ingenieur- und Architekten-Vereines in Wien über Einladung des Vorstandes der israelitischen Kultusgemeinde Wien. Von Prof. Dr. Majer Balabau (Schluß.) V. ~ Unser Gewährsmann kam nach vielen Leiden nach Königsberg und schiffte sich von hier in Amsterdam ein. Andere Juden flohen nach H a mb u r g, wo sie sowohl von den portugiesischen wie auch von hochdeutschen Glaubensgenossen reichlich unterstütz! wurden. In Amsterdam bildete sich schnell eine eigene Gemeinde polnischer Juden und schon im Jahre 1657 erschien hier das erste jüdische Jargonblatt der Welt: die jüdische Zeitung. Sogar nach Venedig, Livorno und in die Ewige Stadt, nach Salonichi und Konstantinopel kamen diese Unglücklichen und suchten einen ruhigen Winkel. Die meisten Flüchtlinge kamen nach Mähren (nach Nikols bürg) und, wie heute, nach Wien. Hier in der Judenstadt „Im unteren Werd" sandelt sich die Horowitz, die Landau, Kalahora, Poper und andere Krakauer Juden ein. Der Krakauer Rabbiner R. I o s u a Heschel wohnte hier Zwei Jahre, der Krakauer Jeschiwa-Rektor R' Chaim Büchner schlug .hier sein Lehrhaus auf und Her Posener Rabbiner R' Labbatai. Acheftel Horowitz wurde zum Wiener Rabbiner erwählt: So wie heute drängten sich die Flüchtlinge in die Synagogen und studierten fleißig in den Lehrhäusern Talmud und die gastfreundlichen Wiener wußten nicht, daß auch, sie, nach kaum zehn Iähren, den Leidensweg der polnischen Flüchtlinge antreten werden und, daß am Giebel chrer Synagoge in der Großen Pfarrgasse das Symbol des Christentums erglänzen wird. Und doch geschah es int Jahre 1670! * - * * Und die Juden, die in Polen blieben, die waren arm und elend, ohne Fach, und ohne Dach. Die 'glänzende Organisation, der Judenreichstag, begann sich auszulösen, die großen Talmud-Akademien standen leer, keine Jugend und keine Lehrer. Eine Verwilderung der Sitten trat ein und mit ihr eine Intoleranz gegen Arme und Ungebildete. Die große Masse der östlichen Juden suchte bei Wundermännern ihr Heil und erwartete täglich das Kommen einer transszendent,alen Erlösung. Das war der urbarste Boden für die Lehre Saübatai Zwi's. Sogar die Gebildeten glaubten an seine Messianität und zwei Söhne des größten Lemberger Rabbiners R'. David Halevy waren die Verkünder des Propheten ans Smyrna! So war das Leben nach innen, im Ghetto. Und nach außen? Da mußten die Juden die furchtbare Intoleranz der Umgebung über sich ergehen lassen. Tie Schwedenfreundschaft wurde allen verziehen und vergessen, nur für Andersgläubige gab es keine Gnade! Zwar wußte man, daß tausende Juden über die schwedische Klinge gesprungen sind, daß der Jude Josue vom König Johann Kasimir zum Hofsekretär ernannt wurde, da er — dank seiner technischen Kenntnisse, — die ganze polnische Artillerie aus dem Dniester gerettet, kein Mensch kümmerte sich aber darum.