Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 32 (1915)
- Issue
- 9 (26.2.1915)
- Date
- 1915-02-26
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 166 Dr. Bwchs Wochenschrift. Nr. 9 Schaffet Zentralen! Pilsen, 9)atte Februar 1915. Die Frage der galizischen Flüchtlingssürsorge hält uns rroch immer in ergreifender Spannung. Auch in guten, sonnigen Tagen ist der Osten für uns Juden nicht das Land des leuchtenden Sonnenglanzes. Galizien war von jeher unser Schmerzenskind. Viele Jahre sind entschwunden, seitdem dieses Wort geprägt wurde "und volle Gegenwart ist es geblieben. Und je mehr die einzelnen Städte chre Mauern den Flüchtlingen verschließen, umsomehr öffnen wir chnen unsere Herzenskammern, darin warmes Empfinden, glutvolles Leben für diese Unglücklichen pulsiert. Vieles ist nach dieser Richtung in unseren Gemeinden geschehen. Doch zu dem guten Willen und der Opferfreudig'keit des Einzelnen — heißt er nun Einzelindividuum oder Einzelgemeinde — muß sich im Angesichte der großen Aufgabe, die zu lösen ist, eine von einer großen Körperschaft ausgehenden, auf das Ganze gerichtete zielbewußte Tätigkeit gesellen. Um Großes zu gewinnen, darf man sich nicht in Kleinigkeiten verlieren, und darum soll die Fürsorgetätigkeit einen großzügigen Charakter annehmen, kann nicht jede Flüchtlingskolonie eine Einheit für sich bilden. Vor jeder Erörterung dieses Problems sei es darum gleich herausgesagt, wie ich mir die Sache vorstelle. Schaffet Zentralen! Für uns in Böhmen hätte diese Konzentrierung eine erhöhten Bedeutung, da in diesem Falle jeder Flüchtling genau wüßte, zu welcher Zentrale er gehöre, und andererseits durch die Abgrenzung des Tätigkeitsgebietes die andere Zentrale wüßte, wo ihr Arbeitsfeld beginnt. Aber auch aus einem anderen Grunde sind Zentralen notwendig. Durch die Schaffung derselben würde man in Deutschland, wo der Flüchtlingsfrage großes Interesse entgegengebracht wird und man uns gerne die helfende Hand entgegenftrecken möchte, genau wissen, wohin man die Geldmittel, die vielen Kisten mit Kleidern und Wäsche schicken soll. In derselben Weise wie in Pilsen durch Herrn Kultusvorsteher Dr. Schanz er eine solche Zentrale geschaffen wurde, die zwanzig Bezirke umfaßt, so müßten solche etwa acht bis zehn in Böhmen kreiert werden, damit jede dieser Zentralen von der großen Körperschaft, die ich im Auge habe, finanziell gefördert werde. Wie ich von maßgebender Seite in Deutschland unterrichtet bin, wird dort eine abwartende Haltung beobachtet, bis eine Klärung der Situation eingetreten. Viele größere Hilfsvereine in Deutschland halten mit den. ihnen für galizische Flüchtlingsfürsorge vorbereiteten Geldern noch zurück; sie wissen eben nicht, wer denn eigentlich die Zentrale bildet. Aus Wien, Prag, Pilsen, Karlsbad, Saaz kommen Notschreie, die an die Seele greifen. Es kommen aber auch! aus ganz kleinen Gemeinden, ja sogar von. einzelnen Flüchtlingen solche Jammerbriefe, daß gewisse Kreise rat- und darum auch tatlos dastehen, weil sie nicht wissen, wo der Hebel anzusetzen ist. Soll daher die Flüchtlingssürsorge eine nach allen Richtungen zweckdienliche und entsprechende sein, so muß hier ein kräftiges Zusammenwirken zur Schaffung von Zentralen einsetzen. Wir Juden, obwohl wir schwer zu organisieren sind, haben doch ein ausgezeichnetes Organisationstalent; darum tut euch zusammen, wirkt und schafft durch Zentralen, damit unseren armen Flüchtlingen rasche und reichliche Hilfe werde. Dr. Link. Gm Aachktang zum AeMs-Krozeß. Peter s b u r g, 23. Februar. Am 21- Februar a. St.N wird in Petersburg die Revisionsverhandlung gegen die Rechtsanwälte.stattfinden, die. seinerzeit gegen den Beilis- Prozeß protestiert hatten. Von über 80 Angeklagten waren 25 Rechtsanwälte in erster Instanz zu Gefängnisstrafen von sechs bis acht Monaten verurteilt, in zweiter Instanz jedoch sreigesprochen worden. Gegen dieses Urteil hatte der Staatsanwalt Revision eingelegt. Vermischtes» Kranzablösungsspenden zugunsten der Chewra-Kadischa iu Wien I., Settenstettengaffe 4 für arme kranke Glaubensgenossen Anläßlich des Ablebens des sel. Hermann Mechlowitz: Alfred Neurath, Wien Rx. 5.—,, Olga Tauber, für Flüchtlinge 5.—, Brüder Leibold 5.—. Julius Bellak 20.—, Salomon Guttenberg 10.—. Zusammen Kr. 45.—. Anläßlich des Ablebens des sel. k. u. k. Fähnrich Friedrich Langgras: Sigmund Beck Kr. 10.—, Dr. Grün und Dr. Kraus 25.—, Fannlie Adolf Fuchs 10.—, Familie Alma Junas, für Flüchtlinge 10.—, Albert Mayer 20.—, Hermine Squarenina 10.—, Jakob Janko Karpeles 10.—, Magda und Mar Winterberg 10.—. Zusammen Kr. 105.—. Anläßlich des Ablebens des fel. Josef Penizek: Ludwig Lazaresky, Budweis Kr. 10.—, Rudolf Penizek, Wien 10.—, zusammen Kr. 20.—. Anläßlich des Ablebens der sel. Karoline Tausky: Rudolf Tausch, Berlin, und Anna Brief, Wien, für galizische Flüchtlinge Kr. 50.—. Anläßlich des Ablebens des fel.- Arthur Kennedi: Direktor Ludwig Eeorgi Kr. 100.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Philipp Weil: Mar Justiz Kr. 10.—, Hermann Pisk 20.—, M. Weil 4.—, Dr. Heinrich Weiß 20.—, Josef Irene Menks, für Flüchtlinge 10.—. Zusammen Kr. 64.—. Anläßlich des Ablebens der sel. Anna Fellner: Jennö und Johanna Friedmann Kr. 10.—, Kathi Kohn, für Flüchtlinge 10.—, Kornette Kohn, für Flüchtlinge 10.—, Cigm. Kornmehl 10.—, Samuel und Hilda Fellner Kr. 10.—. Zusammen Kr. 50.—. Anläßlich des Ablebens der fel. Eva Weiß: Dr. Adolf Weiß Kr. 20.—, Ignatz Ehrenpreis 20.—. Zusammen Kr. 40. Anläßlich des Ablebens des sel. Johann Deutsch: Berthold Kulka Kr. 5.—.