Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1915-02-19 · 8 (19.2.1915) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
32 (1915)
Issue
8 (19.2.1915)
Date
1915-02-19
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3020846-3022142-3022151--23884-3049105
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 142 Dr. Bloch's Wochenschrift 9fr. 9 tzrserues Kreuz für einen Hverkanlor im österreichisch-ungarischen Heere. Der Oberkantor von Törökzentmiklos, Herr David Tennenbaum, k. u. k. Landwehr-Ersatz Nr. 33, der seit Beginn des Krieges am nördlichen Schlachtfelde gegen Rußland kämpft, wurde wegen seines heldenmütigen Verhaltens vor dem Feinde mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. Er erlitt eine schwere Verwundung und befindet sich derzeit im Krakauer Militärspital. Verzeichnis der in der Zeit vom 1. bis 14. Februar 1915 auf dem Wiener Zentralfriedhof (isr. Abteilung) bestatteten Offiziere und Mannschaften. Beerdigt 2. Februar Emil Welward, Korporal und tit. Zugssührer des Infanterieregiments Nr. 4. „ 5. Februar Samuel Fried, Infanterist des Infanterieregiments 80, 5. Komp. „ 8. Februar Marimilian Kitower, Einj.-Freiw. tit. Korporal des Infanterieregiments Nr. 4, 9. Feldkomp. „ 9. Februar Bernhard Iaeckel, Infanterist des 33. Landwehrinfanterieregiments. „ 9. Februar Karl Klein, Infanterist des 7. Infanterieregiments, 6. Kompagnie. ,, 14. Februar Baruch Heller, Ersatzreservist des Infanterieregiments 66, 4. Kompagnie. Vor dem Feinde gefallen. Die Liste der im Januar in Wien beerdigten Krieger bedarf leider einer Ergänzung. Am 25. v. M. erlag der Einj.-Freiw.- Korporal stud. medic. Abraham Rappaport des 30. Infanterieregiments seiner schweren Wunde, die er Ende Dezember, kaum drei Tage nach dem Eintreffen am nördlichen Kriegsschauplätze, im Augenblicke davontrug, als er einem verwundeten Offizier die erste Hilfe leistete. Der Verewigte hatte sich unter Not und Schwierigkeiten zur Höhe der Wissenschaft emporgerungen und oblag seinen Studien mit ausgezeichnetem Erfolge. Er wurde am 26. Januar unter zahlreicher Teilnahme des hier anwesenden Angehörigen im Heldengrabe der Stadt Wien zur ewigen Ruhe gebettet« Die Trauerzeremonie vollzog Feldrabbiner Dr. Frankfurter. Safonsw und die Judenpogrome. (Aus dem „Berl. Tageblatt"). Bon der Tribüne der Reichsduma herab hat 'Rußlands Außenminister die „Gerüchte" (!) über die Judenpogrome als „mißgünstige Erfindung der Deutschen" bezeichnet und diese „Verleumdung kategorisch dementiert". Herrn Sasonows kühnes Dementi spricht dafür, daß es in der Reichsduma eben keinen Abgeordneten geben muß, der ihn darüber aufzuklären vermag, wo die „feindliche Gegend" liegt, deren jüdische Bevölkerung gelitten hat. Vielleicht erfüllt diesen Ausklärungszweck sowohl für Herrn Sasonow als auch für die von ihm — wissentlich oder unwissentlich — angelogene neutrale Welt der nachstehende Feldpostbrief eines jüdischen Soldaten des russischen Feldheeres, der mit starken Zensurstrichen jüngst im Nowy Woschod" erschienen ist: „Durch Liebe zu der ihnen allen gemeinsamen Heimat geeint, zogen sämtliche Völker Rußlands geschloffen ins Feld. Aus unserem ersten Siegestaumel in Preußen warf uns das Geschick hinüber nach Polen, wo wir, noch ehe wir die Weichsel zu sehen bekamen, bereits das Geheul arglistiger Schakale vernahmen .... Wir vernahmen phantastische Erzählungen über jüdische Spionage, wir vernahmen den offenen Aufruf zum Pogrom. Und was geschah auf den Straßen Warschaus? Die Eindrücke, die ich dort gewonnen, waren so schwer, daß ich geschworen habe, nie wieder diese Residenz des stolzen, „ritterlichen" Landes zu sehen . . Schritt für Schritt führte uns unser Weg an den Spuren von Verwüstungen vorbei, die für alle Zeit den blutigen Abdruck rächender Hände tragen, denen das Meer vergossenen Blutes kein Ansporn gewesen ist zum Vergessen alter Fehde . . . Kann man denn noch einen Menschen nennen, dem Leid, allgemeines Unglück und heiliges Blut leere Begriffe sind? . . . Doch genug von den Fremden; kehren wir zurück zu unseren alten, gemarterten Volk. Es leert jetzt die Neige seines Leidenskelches . . . Das ist unser, der armen Juden Los..." .Soweit der veröffentlichte Teil des Feldpostbriefes. Auch die von der Zensur zur Veröffentlichung nicht zugelassenen Zeilen werden sicher alles andere erbringen, als einen Beweis für Herrn Sasonows Behauptung von der „Mißgünstigen Erfindung der Deutschen". Der k. u. k. östcrr.-ungar. Konsul in Jerusalem. In einem Briefe, den der Vorstand der österr.-ung. Jfraelitengemeindc in Jerusalem an den Herrn Kultusvertreter kais. Rat Adolf S ch r a m e k in Wien gerichtet hat, wird in begeisterten Worten der sozialen und humanen Wirksamkeit des k. u. k. österr.-ung. Konsuls Herrn Friedrich Kraus gepriesen. „In dieser bösen Zeit der Kriegsnot entfaltet der österr.-ung. Konsul eine unermüdliche Tätigkeit zum Schutze österreichischer und ungarischer Untertanen ohne Unterschied der Nationalität und der Konfession. Seine Humanität ist vor allem besorgt, unsere Armen vor dem Hungerlod zu retten, er unterstützt hilfreich, wo die größte Not ist, und alle Österreicher und Ungarn sind eines Lobes voll für seine Tätigkeit und spenden ihm Worte herzlichen Dankes". Es ist immerhin hoch erfreulich, daß ein öfter ru n g. K o n s u l i m A u s l a n d solcher ungeteilten Anerkennung sich erfteut und daß seine Wirksamkeit von dankbaren Herzen gepriesen wird. Korrespondenzen. Kejsachaktion der „Werblichen Kürsorge". Aufruf! Den jüdischen Armen Wiens, insbesondere den Flüchtlingen aus den vom Feinde besetzten Gebieten, droht eine ernste Gefahr. Während die Menge der Zu erzeugenden Mazzoth in diesem Kriegsjahre mit Rücksicht auf die allgemeine Brotversorgung einer gesetzlichen Beschränkung unterliegt, wird die Nachfrage durch den Zustromder streng rituell lebenden Flüchtlinge sich um eür Vielfaches steigern. Diese Armen, deren Hauptnährungsmittel das übrige Jahr hindurch das Brot bildet, wären, wenn nicht rechtzeitig für einen Ersatz gesorgt wird, dem Verhungern preisgegeben. Das Schicksal von mehr als 20.000 jüdischen Seelen steht in Frage! Um der verhängnisvollen Wirkung des Mazzothmangels nach Möglichkeit vorzubeugen, hat das Unterzeichnete Komitee beschlossen, für diese Notleidenden während des Pessachfestes statt des entfallenden Brotes eine Erdäpfelverteilung und -Ansspeisung einzurichten. Zur Durchführung dieses Beschlusses sind aber erhebliche Geldmittel erforderlich, und bei der starken Inanspruchnahme aller öffentlichen Stellen sind wir Zur Aufbringung der Kosten unseres Unternehmens auf private Beihilfe angewiesen. Wir wenden uns deshalb an alle mitleidigen Herzen mit der eindringlichen Bitte, unser Werk nach Kräften durch einen Geldbeitrag Zu unterstützen. In Anbetracht der Wichtigkeit und Dringlichkeit unserer Bitte erhoffen wir von den Vermögenderen reichliche Unterstützung; wir machen jedoch ausdrücklich darauf aufmerksam, daß wir auch die kleinste Gabe willkommen heißen. Genügt doch schon auf dem von uns gewählten Wege eine Krone, um drei Menschen drei Tage lang vor Hunger zu bewahren! Jeder Menschenfreund lasse sich unseren Ruf zu Herzen gehen! Die Hausbesitzer und -Inspektoren in allen Flüchtlingsbezirken Wiens, namentlich im 2. und 20. Bezirk und in der Pratergegend, werden gebeten, uns für die Zeit vom 26. März bis 8. April geeignete Räume sowohl

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.