Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 31 (1914)
- Issue
- 50 (18.12.1914)
- Date
- 1914-12-18
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr, 50 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 881 gungen sonst grundsätzlich keine Beachtung schenkt, so sieht sie sich doch veranlaßt, einer Anklage in der Öffentlichkeit entgegenzutreten, die die Ehre eines nicht unbedeutenden Teiles unseres Heeres antastet. Es wurde nämlich durch anonyme Zuschriften unter anderem auch an der Tüchtigkeit und Verläßlichkeit von Heeresangehörigen jüdischer Konfession gezw.eiselt und der schwere Vorwurf erhoben, daß viele von ihnen Mittel und Wege wußten, sich dem Dienst in der Front zu entziehen. Diese Anschuldigungen sind durchaus unbegründet. Der stellvertretenden sechsten Jnfanteriebrigade ist kein solcher Fall bekannt geworden. Sie ist vielmehr überzeugt, daß unsere jüdischen Soldaten sich. bemühen, hinter ihren christlichen Kameraden an Vaterlandsliebe, Opferwilligkeit und Tapferkeit keineswegs znrückzustehen. Wer aus konfessioneller Unduldsamkeit andere verdächtigt, hält schlecht zu seinem Kaiser, dessen Wort heute allen voranleuchten muß: „Ich Anne keine Parteien mehr, ich kenne nur Deutsche!" Do geschehen in Deutschland. Aas Ende eines antisemitischen Kehötattes. Die antisemitische „Staatsbürgerzeitung" wurde vom Oberkommando auf Kriegsdauer verboten, weil sie die Bekämpfung einer Gruppe von Staatsbürgern fortsetzte und Gebietserweiterungen erörterte. (Die „Staatsbürgerzeitung" hat vor einigen Wochen erklärt, daß sie ihre Haltung ändern wolle. Offenbar ist es dem gewerbsmäßigen Antisemitismus unmöglich, auch nur einige Zeit lang anständig zu bleiben, das liegt in der Natur des Geschäftes.) , Verleumderische Behauptungen des belgischen Gesandten in Kopenhagen. Ganz nach dem Vorbild der antisemitischen Ritnalmordlügen. Die „Kölnische Zeitung" meldet aus Berlin vorn 0. d. M.: Nach Meldungen aus Kopenhagen bringt das dortige Mittagblatt „Aftenblad" ein Interview mit dem belgischen Gesandten in Kopenhagen, Allart. Der Gesandte mußte bekanntlich die Geschichte von der Verstümmelung eines kleinen Mädchens durch deutsche Truppen selbst für unwahr erklären. Diese Feststellung ist bereits durch die Presse gegangen. Der Gesandte fügt aber der Mitteilung des „Aftenblad" hinzu, er könne belgische Kinder nennen, die während des Krieges verstümmelt worden seien, auch Zeit und Ort angeben, lvo kleinen Mädchen die Hände abgehauen worden seien für kein geringeres Vergehen als das Schwenken der belgischen Flagge. Er wisse den Namen einer ganzen Familie, Vater, Mutter und vier Kinder, die sämtlich von beit Deutschen ermordet worden seien. Das jüngste Kind, ein Mädchen von 3l,'j Jahren, habe man als Leiche gefunden, und inan habe gesehen, daß sich der Vater im Todeskampfe über das Kind gewälzt habe, um 'es mit seinem Körper zu schützen. Der Herr Gesandte des Königs Albert beim neutralen Dänemark wird hierdurch aufgesordert, möglichst bald in greifbarer Form die Angaben zu machen, die er über angebliche deutsche Greuel zu besitzen vorgibt. Geschieht dies nicht, so würden wir zu der Annahme gezwungen sein, daß der Gesandte sich einer gewissenlosen Verleumdung schuldig gemacht hat. Amerikaner gegen Zapan. Die „Morning Post" vom 4. d. M. bringt folgendes Telegramm ihres Korrespondenten aus Washington: Mr. Jakob H. Schiff, eines der hervorragendsten Mitglieder der Newyorker Bankfirma Kuhn, Loeb & Co., welche innige Beziehungen zur deutschen Regierung unterhält, hat seine Mitgliedschaft an der Japanischen Gesellschaft niedergelegt, weil Japan sich auf die Seite Rußlands gestellt hat. Während des Russisch-Japanischen Krieges hat die Firma Mr. Schiff eine große japanische Anleihe in Amerika vermittelt. — Mr. Oskar Strauß, vormals Botschafter der Vereinigten Staaten in der Türkei, hat gleichfalls auf feine Mitgliedschaft an der Japanischen Gesellschaft resigniert. Ein jüdischer Soldat öeim Einmarsch der Helterreicher 178!) in Belgrad. Auf dem alten jüdischen Friedhof zu B a t t e l a u (Mähren Jglauer Kreist lesen wir auf einem Grabstein den Namen Elsig (Isaak) Poppe r, eines ausgedienten jüdischen Kriegers/ der, wie mein gelehrter sel. Vater mir mitteilte, kurz nach „Jom Kippur" 1789 mit dem siegreichen österreichischen Heere in Belgrad einzog." Es war unter Feldmarschall Laudon, und gerne erzählte der jüdische. Veteran, wenn er vor dem altehrwürdigen Gotteshause seiner oben genannten Heimatsgemeinde zur Andacht sich einfand, von den Ruhmestaten der österreichischen Armee, deren Zeuge er selbst gewesen war. Moritz A n t f ch e r l. K. k. allgemeine Verkehrsöank. in^Waidhofen a. d. Hßös. Löbliche Redaktion von Dr. Bloch's „Oesterr. Wochenschrift", Wien. Höflichst bezugnehmend auf die infolge meiner Zuschrift an Sie in Ihrem geschätzten Blatte vom ll.d. M. erschienene Notiz unter dem Schlagworte „K. k. allgem. Verkehrsbank, Waidhofen a. d. Ibbs", ersuche ich nochmals um Aufnahme nachstehender Zeilen: Der Vorstand der hiesigen Filiale der Verkehrsbank hat mir die Erklärung abgegeben, daß es ihm fernegelegen war, konfessionelle und nationale Empfindlichkeiten zu verletzen und mir sein Bedauern über die unzeitgemäße Stilisierung der bezüglichen Stellenausschreibung ausgedrückt. Ich nehme daher keinen Anstand, diese Erklärung zur öffentlichen Kenntnis zu bringen. Mit dem Ausdrucke vorzüglicher Hochachtung ergebenst Siegfried Baumgarten.