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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-08-15 · 33 (15.8.1913) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
33 (15.8.1913)
Date
1913-08-15
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 33 Sette 591 Dr. Blocks Wochenschrift. Sauerbrmm bei Wiencr-Ncustadt. Seit einigen Jahren zählt Sauerbrunir zu den beliebtesten Sommerfrischen in der Nähe Wiens. Insbesondere stieg die Frequenz dieser Sommerfrische seit der Zeit, als Dr. Grimm sein mit den modernsten Einrichtungen und Kurbehelfen versehenes rrnd musterhaft geleitetes Sanatorium eröffnete. Diese bei Aerzten und Laien sehr beliebte Anstalt beherbergt Herz- und Nervenkranke, Magen- und Darmkatarrhe, Bronchitiden und rheumatisch Kranke, die alle dank der aufmerksamen und gewissenhaften ärztlichen Behandlung durch den Leiter der Anstalt genesen oder gebessert dieselbe verlassen. Für Zucker- und andere Stoffwechselkranke wird eine eigene Küche geführt und viele Zuckerkranke verlassen geheilt die Anstalt. — Nach dem Ausspruche des Herrn Hofrat von Noorden wirkt das erdig-alkalische Säuerling vorzüglich bei Zuckerkranken. — Die Ortschaft selbst, eine der herrlichsten Gegenden in der Nähe Wiens, ist infolge ihrer geschützten Lage eine Zufluchtsstätte von Erholungsbedürftigen und Rekonvaleszenten geworden. Das milde Klima, die reine, stark ozonhältige Luft, die von Nadelholzwaldungen rings unigebene Ortschaft beseitigt die schwersten Bronchitiden und Asthmaanfälle. Auch an Arterienverkalkung Leidende fühlen sich in dieser Luft wohler. Hervorzuheben wäre noch, daß in der Kur-Anstalt des Dr. Grimm außer Wasserkuren Bäder Nauheimer Art aus der kohlensäurereichen Quelle daselbst und mit den verschiedensten Zusätzen zu haben sind. Von heilkräfiiger Wirkung ist der dortige Säuerling, der unter dem Namen Esterhazy Paulquelle bekannt ist, dessen Depot in Wien, XII., Tivoligasse existiert. Selbstverständlich ist, seitdem die Frequenz stark gestiegen ist, für Zerstreuungen und Vergnügungen in ausgiebigem Maße gesorgt. M. S. In Laa a. d. Thaya verschied Herr Gottfried Kohn, welcher durch nahezu 20 Jahre als Vorbeter und Religionslehreran der dortigen städtischen Volksschule wirkte. Derselbe zeichnete sich durch seine treue, gewissenhafte Pflichterfüllung aus und war bei seinen Schülern und bei der dortigen Bevölkerung sehr beliebt. Das Leichenbegängnis fand unter lebhafter Teilnahme der Bürgerschaft von Laa, des dortigen Eemeinderates, sowie der dortigen Schulbehörden statt. Er hinterließ eine arme, kranke Witwe in: Alter von mehr als 70 Jahren und wird hoffentlich für dieselbe gesorgt werden. - Gedächtnisfeier für weiland Herrn Geheimrat Dr. Ignaz Hirsch. Wie alljährlich fand auch in diesem Jahre am 10. August, am Sterbetage des Geheimen Sanitätsrates Dr. Ignaz Hirsch, langjährigen Primararztes des israelitischen Badehospitales, Stadtratcs und Ehrenbürgers von Teplitz-Schönau. eine von den Patienten des Hospitales veranstaltete weihevolle und erhebende Gedächtnisfeier statt, bei welcher einer der ältksten Patienten den Heimgegangenen Wohltäter in tiefempfundener Rede feierte. Die zum Andenken an den Verewigten von den Patienten des Hospitales gestiftete und im Jahre 1909 enthüllte Gedenktafel war reich mit Blumen und Blattpflanzen geschmückt. Nach der einfachen, aber erhebenden Feier begaben sich sämtliche Patienten des Hospitales auf den Friedhof, um am Grabe des großen Wohltäters in stiller Andacht zu beten. Der Feier wohnte auch der derzeitige Primararzt und Sohn des Verewigten Herr Dr.-Med. Rudolf Hirsch, welcher das ihm von seinem edlen Vater überkommeue Werk der Barmherzigkeit und wahren Menschenliebe in der aufopferndsten und uneigennützigen Weise fortsetzt, bei. Mar Großmann. ' Mar Großmann der vorige Woche in Budapest zu Grabe getragen wurde, war einer der Begründer der sozialdemokratischen Organisation in Ungarn, deren hervorragendster Führer er bis an sein Lebensende blieb. Ursprünglich Schriftsetzer, hat er sich durch Selbststudium eine umfassende Bildung erworben, die ihm bei seiner späteren Agitation und Führertätigkeit große Autorität verlieh. Mar Großmann ist formell aus dem Judentums nicht ausgetreten, blieb aber in der Perhorreszierung jeder religiösen Zeremonie bis an sein Lebensende intransigent. So hat er der Verbindung mit einer Jugendliebe nur aus dem Grunde entsagt, weil die Eltern des jüdischen Mädchens auf einer rituellen Trauung bestanden. Er lebte dann mit einer Schauspielerin in freier Ehe. Trotzdem Mar Großmann sein ganzes Leben der Förderung der sozialdemokratischen Idee in Ungarn widmete, und er später auch Vizedirekter der Landesarbeiterkrankenkasse geworden, starb er vollständig mittellos, so daß die Frau, mit der er in freier Ehe lebte, heute gezwungen ist, wieder zur Bühne zurückzukehren. Man mag darin ein gewisses Walten der Nemesis erblicken, daß dieselbe Arbeiterkrankenkasse, deren Entstehen im Aufblühen hauptsächlich Mar Großmann zu danken ist, nach seinem Tode seiner Frau die Pension verweigern mußte, weil sie nicht in der Lage wap, die statutarisch vorgeschriebene Trauungsurkunde vorzulegen. Es sei jedoch hinzugefügt, daß die Angestellten der Arbeiterkrankenkasse, deren Zahl im Lande ungefähr 3000 beträgt, aus Dankbarkeit für ihren in Armut verstorbenen Chef das ihnen auf einen Tag zukommende Einkommen der Witwe angeboten haben. Teplitz-Schönau. Das h. o. konzess. Mädchen-Pensionat R. u. C. Aitschul, Teplitz-Schönau, dessen Uebersiedlung in die eigene Villa wir im Vorjahre unseren p. t. Lesern mitteilten, hatte sich auch im eben abgelaufenen Schuljahre eines guten Besuches zu erfreuen. Eine stattliche Anzahl junger Mädchen aus den besten jüdischen Faminen belebte die Räume der „Villa Regina", welche allen Anforderungen moderner Hygienie in musterhafter Weise entsprechen. Die Zöglinge finden im Pensionate sorgsamste Pflege, wofür am besten die Tatsache spricht» daß auch im verflossenen Schuljahre kein einziger ernsterer Krankheitsfall vorlag. Regelmäßiger Turnunterricht, Jugendspiele auf dem eigenen Spielplätze, die Möglichkeit, während des ganzen Jahres zu schwimmen, Gelegenheit zur Ausübung des Wintersportes, gewährleisten eine gedeihliche körperliche Entwicklung. Der geistigen Ausbildung her jungen Mädchen wird die größte Sorgfalt gewidmet, Reben allen Lehrgegenftünden des Mädchenlyzeums wird auf das Studium des Französischen und Englischen, auf Musik- und Handarbeitsunterricht großer Wert gelegt. Die Erfolge des Stenographiekurses wurden durch ein Wettfchreiben dargelegt, aus welchem drei Zöglinge als preisgekrönt* hervorgingen. Die' Erziehung im Pensionate ist eine religiöse, die Zöglinge besuchen regelmäßig den Tempel und werden mit allen jüdischen Sitten und Gebräuchen bekannt gemacht. Das Schuljahr wurde am 12. Juli durch eine interne Feier abgeschlossen, bei welcher die Zeugnisverteilung erfolgte. Wir -können unseren werten Lesern das Pensionat, welches unter der umsichtigen Leitung der Besitzerin Frl. Carla Altschul immer gedeihncher emporblüht, auf das wärmste empfehlen. Tempeljubiläum in Jglau. Im kommenden Monate werden es 50 Jahre sein, daß der hiesige Tempel feierlich eingeweiht wurde. Es galt als ein wichtiges Ereignis, als in der zweitgrößten Stadt Mährens, der einstigen Bergstadt, die im Mittelalter eine stattliche Judengemeinde besessen, nach Jahrhunderten der Bau einer Kultusstätte neuerdings in Angriff genommen und am 9. September 1863 — dem 25. Elul 5623 — seiner Bestimmung feierlich übergeben wurde. Außer Dr. Anger, der schon drei Jahre damals im Amte tätig war und großer Sympathieen sich erfreute, weihte auch der Wiener berühmte Kanze!- redner Dr. Ad. Jellinek den Jglauer Tempel ein, der seitdem täglich zur regelmäßigen Andacht seine Pforten öffnet. Durch mehr als 49 Jahre sahen die Tempelbesucher ihren Seelsorger bei jeder Andacht als Ersten und Letzten im Eotteshause und hofften alle, daß Dr. Anger, der den Tempel eingeweiht, auch beim 50 jährigen Jubiläum zu seiner Gemeinde werde sprechen können. Es kam indes leider anders. Wenige Stunden, nachdem er am Abend vorher noch dem öffentlichen Gottesdienst beigewohnt hatte, verschied am 16. Oktober des vorigen Jahres der allbeliebte und hochgelehrte Seelenhirte seiner Gemeinde kurz vor seinem 86. Geburtstage. Reben schon bestehenden Stiftungen für weil. Rabbiner Dr. Anger soll eine Gedenktafel im Eotteshause anläßlich des bevorstehenden Tempeljubiläums der Dankbarkeit der Gemeinde für ihren langjährigen geistigen Führer Ausdruck verleihen. Moritz A . . . Mähr.-Schönberg. (Todesfall.) Hier starb im 71. Lebensjahre Herr Jakob Stern, der lange Jahre hindurch Vorsteher der israelitischen Kultusgemeinde Mährisch-Aufsee und des Synagogenvereines in Mähr.-Schönberg war und in dieser doppelten Eigenschaft nahezu ein Menscheualter hindurch eine selbstlose Tätigkeit segensreich entfaltete. Gartenfest zu Gunsten der Aemeniteu- Siedlungen in Uug- Brod. Die jüdische Jugend von Ung -Brod und Umgebung, repräsentiert durch die 4 Vereine: Jüd. akad. Ferialverbindung „Achiwah", Jüd. Gesangverein „Hasomir". Jüd. Handlungsgehilfenvrrein Ung. Hradisch, Zion. Vereinigung Ung. Hradisch, veranstaltet am 14. Ab (17. August) ein Gartenfest zu Gunsten der D meniten-Siedlungen mit reichhaltigstem Programm. Als Glanznummern figurieren die Produktionen des I. Brunner jüdischen Turnvereins, sowie der Gesangsvorträge des „Hasomir". Das Fest wird durch gemeinsamen Abmarsch vom Hotel „Smetana" durch die Stadt zum Fest platze eingeleitet. Rückzug mit Lampions. Bei ungünstiger Witterung wird durch ein Saalfest mit unverändertem Programme den P. T. Besuchern voller Ersatz geboten. Zur Rettung der Krakauer Jefchrdah. Seit 12 Jahren besteht in Krakau eine Jeschibah, die einen stark gesuchten geistigen Mittelpunkt der galizischen orthodoren Judenschaft bildete, wo berühmte Vortragende in altem Geiste Talmud, Dezisoren und kalmudische Literatur vortrugen. Anfangs hatten sich die Krakauer Orthodoxen um diese wichtige Anstalt gekümmert, und zur Erhaltung derselben auch bedeutende Opfer gebracht. In den letzten Jahren war die Jeschibah vollständig sich selbst überlassen, so sehr, daß die Bachurim in großer Zahl herbeigeströmt waren, sich selbst ein Schulgeld auferlegten, um die Sperrung der Jeschibah hintanzuhalten. Es scheint nun, daß die Krakauer Orthodoxen es doch nicht auf dieses Aeußerste haben ankommen lassen wollen, denn vorige Woche traten unter Führung zweier angesehener orthodoxer Juden, und zwar des Kultusrates

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