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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1913-01-03 · 1 (3.1.1913) · p. Seite 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
30 (1913)
Issue
1 (3.1.1913)
Date
1913-01-03
Page
Seite 8 (sequence 10)
Language
German
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®lttf 8 Dr. Blochs Wochenschrift Professor Tschlenow ist kein Jude! Zn verschiedenen jüdischen Blättern wurde gemeldet, datz der bekannte zionistische Führer Dr. E. W. Tschlenow zum Professor der Moskauer Universität ernannt worden sei. Wie der Korrespondent des „Jewish Lhronicle" nun feststellt, entbehrt dieses Gerücht jeder Grundlage. Der zum Professor ernannte Dr. M. A. Tschlenow hat mit der zionistischen Bewegung nichts zu tun, da er schon vor längerer Zeit aus dem Zudentume ausgetreten ist. Die JllVensLämmlilrge im russischen Kadettenkorps. Wie aus offiziöser Stelle in Petersburg gemeldet wird, hat der Kriegsminister vor einigen Tagen an die Korpskommandanten den strengen Befehl erlassen, aus allen Kadettenkorps diejenigen auszuscheiden, die, sei es mütterlicherseits oder väterlicherseits, von Juden! abstammen. In Hinkunft sei die Qualifikation jedes, Aspiranten nach dieser Richtung genau zu prüfen. Verbot der Sabbatarier-Sekte in Rußland. Laut einer jüngst erflossenen Senatserklärung wurde die Sekte der Sabbatarier in Rußland als verbotene Sekte deklariert. Die Sabbatarier haben in Rutzland einen sehr großen Anhang, und vor noch nicht langer Zeit haben sich die Bewohner ganzer Dörfer en masse der Sekte der Sabbatarier angHchlossen. Der Senat wittert nun hinter diesen Sabbatariern Juden, die auf diesem Umw^e in die Lage kommen, den Sabbat zu hüten und in den Besitz aller bürgerlichen Rechte zu gelangen. Die Regierung will nun dem Ueberhandnehmen dieser Sekte Einhalt gebieten und hat sie trotz des kaiserlichen Manifestes über die Glaubensfrechleit vom Jahre 1905 einfach auf die Liste der verbotenen Glaubens-Sekten gesetzt. Ein Jude Stipendist fiir eine militärmedizinische Professur in Rutzland. Wie bie Petersburger „Rjetsch" berichtet, hat die Petersburger militär-medizinische Akademie einen Konkurs auf einen Stistungsplatz für einen besonders begabten Studenten ausgeschrieben, der sich der akademischen Laufbahn für Militärmedizin widmen will. Das Rektorat der genannten Akademie hat nun dieses Stipendium dem jüdischen Mediziner M. Wolk verliehen, der seine Studien bisher immer mit Auszeichnung abgelegt hat. Man ist nun in dev beteiligten Kreisen gespannt, ob das Kriegsministerium diese Stiftungsverleihung an einen Juden bestätigen wird. Der Mette Kongreß des jüdischen Jugenddundes in Italien. Vom 22. bis 25. Dezember fand in Turin der Meile Kongreß des jüdischen Jugendbundes von Italien statt. Von den interessanteren Referaten heben wir die folgenden hervor: Advokat Alfonso Pacifici (Florenz) über: >,,Die hebräische Sprache": Dr. David Prato (Florenz): „Die Juden in Tripolis und der Cyrenaica"; Rabbiner Dante Lattes (Triest) über: „Religiöse Hebungen": Professor Rabbiner Dr. Elias Artom (Florenz) über: „Die jüdische Schule in Italien" und Rabbiner Dr. Umberto Echsuto (Florenz) über: „Die Notwendigkeit der Verfassung einer Geschichte der Juden in Jtälien". i l Der Nachfolger Henri Pomcares in der französischen Akademie. __ Die Pariser Akademie der Wissenschaften hat für den durch das Ableben des berühmten Akademikers Henri Pöincare freigewordenen Sitz den berühmten Mathematiker Hadamard gewählt. Hadamard ist Jude, und zwar ein Schwiegersohn des vor einigen Jahren verstorbenen Direktors des Pariser Rab- , hiner-Seminar, Trenel. und demnach ein Schwager der Rabbiner Hagenau und Debre. Hadamard zählt zu den bedeutendsten Mathematikern der Gegenwart und ist Professor für Analyse am Pariser Polytechnikum. Rr. 1 Auszeichnung eines jüdischen Gelehrten. Aus Paris wird uns geschrieben: Die Pariser Akademie der Wissenschaften hat den Professor der Medizin an der medizinischen Fakultät in Lille, Dr. Wertheimer, für seine Werke über die moderne Physiologie und in Anerkennung seiner Verdienste um' die Förderung dieser Wissenschaft mit dem La-Gaze-Preis in der Höhe von 10.000 Franken ausgezeichnet. Die Lösung der Oberrabbinerfrage in London. Wie aus London berichtet wird, ist die Wahl des Oberrabbiners von London für Ende Jänner 1913 festgesetzt worden. Als Kandidaten wurden Dr. Herz, Dr. Hyamson und Dr. Drachmann nominiert. Die Nominierungskommission wird in kürzester Zeit zusammentreten, und darüber Beschluß fassen, wer von diesen Dreien, der Plenarversammlung zur Wahl vorgeschlagen werden soll. Professor Ignatz Kont. Zn Paris starb vorige Woche der Professor der ungarischen Sprache an der. Sorbonne, Dr. Ignatz Kont, im 56. -Lebensjahre. Kont, ein Sohn armer jüdischer Eltern in Ungarn, hat seine Studien in seiner Heimat absolviert. Er wurde Mittelschülprofessor, konnte aber unter dem damaligen Kultusminister Tresort als Jude in Ungarn zu keiner Anstellung gelangen. Da ging er nach Paris hinaus, machte sich durch seine hervorragende literarische Tätigkeit bemerkbar und erhielt eine Professur an der Sorbonne. Bezeichnend für seinen Eharakter ist es nun, daß, trotzdem sein Vaterland ihn von sich wies, er selbst in der Fremde seine ganze Fähigkeit in den Dienst der Propaganda für die ungarische Literatur und ungarisches soziales - Leben stellte. .Besonders auf diesem Gebiete hat sich Professor Kont, der bis an sein Lebensende ein treuer Jude blieb und an allen großen Problemen des Judentums lebhaften Anteil nahm, große Verdienste um sein Geburtsland erworben. Sin Antisemit (Smmmmt von Jerusalem. Dem „Jewish Chronicle" wird aus Konstantinopel geschrieben: Wie ich aus authentischer Quelle erfahre, wurde Tahir Haireddin Bey zum Gouverneur von Jerusalem ernannt. Das hierauf, bezügliche kaiserliche Jrade ist .bereits erlassen worden. Diese Ernennung wird inj Palästina den peinlichsten Eindruck erwecken müssen, da der neue Gouverneur als Judenfeind bekannt ist. Als Herausgeber des Organs der „Liberal Entente", aus bereu Mitte das gegenwärtige Kabinett gebildet wurde, war Haireddin der erste, der das Signal zur antisemitischen Kampagne in seinem Blatte „Ehenrah" gegeben hat. Ich zweifle bloß, ob er diesen seinen neuen Posten lange inne haben wird. Tivenas, 17. Dezember. In der benachbarten Kolonie Megdel ist die Cholera ausgebrochen und verbreitete sich bald in unserer Stadt, hauptsächlich in den von Juden bewohnten engen Gassen. Viele Familien flüchteten nach Safed,. wurden aber unterwegs.aufgehalten und mußten unter freiem Himmel die behördlichen Verfügungen abwarten. Am nächsten Tage wurden für diese Unglücklichen Notzelte errichtet, in denen sie bereits acht Tage interniert sind. Jn-- zwischen wurde unsere Stadt unter Quarantäne gestellt, was die allgemeine Notlage nur noch verschlimmerte. In dem Zeiträume von 12 Tagen sind an 80 Personen, unter diesen etwa 60 Juden, an der Cholera gestorben. Die hiesige Gemeinde wandte sich telegraphisch an mehrere Stellen um Hilfe, die leider sehr spärlich und nicht rasch genug eingetroffen ist. Die erste Hilfe kam aus Jerusalem namens der Amsterdamer Pekidim, .im' Wege des hiesigen Komitees, welches die Institution des Armenarztes und Armenapotheke im Aufträge der Pekidim verwaltet. Der Verein Lemaan Zion ließ Medikamente aus Jerusalem senden. In Jerusalem bildete sich ein Hilfskomitee, welches nahezu. 1000 Franken, .für das Rettungswerk aufbrachte. Namens des Hilfsvereines

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