Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 50 (13.12.1912)
- Date
- 1912-12-13
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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©ciu 852 Dr. Vlochs Wochenschrift ■Ji 5 mit einer schmackhaften I ii'e und die Beschenknng der Schützli, ge mit Spielzeug und Schreibe q ui fiten beschloß die schöne Feier, welcher die Beteilung der ärmsten Schützlinge mit Kleidern und warmer Wäsche vorausgegangen war. „Beth damit“ (Jüdisches Volksheim) (Wien, XVII. Hormayergasse 7 a). Samstag, den 14. Dezember, 1/3 8 Uhr abends, Vortrag des Herrn Dr. Georg Weiner: „Die jüdische Renaissance". Zn der dichtgefüllten Halle des „Beth-Haam" wurde, wie alljährlich, am 7. d. Ms. das Chanukafest besonders feierlich und in herzerfreuender Weise begangen. Nachdem die Weihelichter angezündet waren, ertönten die schönen Klänge des „Moos-Zur", welche vom Herrn Oberkantor M. B. Kaufmann unter Begleitung des Tempelchores vorgetragen wurden und auf alle Anwesenden tiefen Eindruck übten. Sodann hielt Herr Löw-Vogel eine eindrucksvolle Ansprache über die Bedeutung des Festes. In dem darauffolgenden Konzert erfreute Frau Paula Sommer, Mitglied der Volksoper, die Zuhörer, mit ihrer großen und reifen Kunst. Durch ihre mit künstlerischer Vollendung vorgetragenen Opernarien und Lieder erntete sie rauschenden, nicht endenwollenden Beifall. Nicht minder war der Jubel der Zuhörer, als Herr Oberkantor Kaufmann abermals das Podium betrat und durch formvollendeten, meisterhaften Vortrag von Arien aus „Mignon" und „Tosca", sowie Lieder von Rubinstein, helle Begeisterung hervorrief. Einen liebenswürdigen und entzückenden Eindruck machte auch Herr Alfred Holzer durch sein gefühlvolles und exaktes Violinspiel. llm die Klavierbegleitung machten sich in liebenswürdiger Weise Herr cand. med. Wutz und Herr cand. jur. Rob. Strautz verdient. Anmeldungen von Vorträgen oder Mitwirkungen bei Konzerten wolle man gefl. an Herrn Dr. M. Förster, XVI., Thaliastraße 22, gelangen lassen. Der „Jüdische Schulbereiu" im X. Bezirk veranstalt-re am 4. Dezember im Tempel, X., Humboldtgasse 27, eine Chanukafeier. Es war geradezu eine Augenweide, auf die große Schar der Schüler und Schülerinnen zu schauen. Erhebend war, als aus dem Munde dieser 400 Kinder der „Moos-Zur" im Chor so harmonisch erklang. Das ist ein Verdienst des Herrn Oberkantor I. Schlesinger, der in der Schule des „Jüdischen Schulvereines" alle liturgischen Gesänge mit den Kindern durchnimmt. Den Glanzpunkt dieser Feier aber bildete die gelungene Ansprache Sr. Ehrw. Herrn Rabbiner Dr. Mandel als Leiter dieser Anstalt. An diese Feier werden die Kinder sich noch lange mit Vergnügen erinnern. Der Dichter unv Komponist des Wiener Fiaker- Liedes. Gustav Pick ist achtzig Jahre alt geworden. Den heutigen Wienern sagt dieser Name nicht allzuviel, denn die wenigsten wissen, daß Pick der Verfasser und Komponist eines der populärsten Wiener Lieder ist: des Fiakerliedes. Auch das Lied selbst ist der heutigen Wiener Generation nicht mehr ganz geläufig und der jüngste Nachwuchs kennt es nur vielleicht mehr par Renommee und hat es nie mit eigenen Ohren gehört. Aber einmal ist das Fiakerlied ein klingender wienerischer Begriff gewesen, der untrennbar zu dieser Stadt gehörte, wie Stephansturm und Prater: ein Wahrzeichen im Dreivierteltakt. Und es ist eigentlich gar nicht so lange her, daß das Fiakerlied zum erstenmal gesungen wurde. Etwa 25 Jahre, bei einem von der Fürstin Metternich in der Rotunde veranstalteten Wohltätigkeitsfest. Der damals auch noch an Jahren junge Girardi sang es und die Hauskapelle des Barons Nathaniel Rothschild begleitete ihn. Durch Girardis unvergleichlichen Vortrag, der dabei eine lebensechte Figur, einen Typus aus der Wiener Wirklichkeit schuf, wurde das kleine einfache Lied weltberühmt, llm so unbekannter blieb zunächst sein Autor, denn das Lied war anonym erschienen. Erst später erfuhr man, daß es kein Berufslibrettist, kein gelernter Musiker war, dem dieser Schlager geglückt sei, sondern ein Dilettant aus der Wiener Gesellschaft. Gustav Pick, ein Sohn der Schwester des verstorbenen Baron Scheu, vermählt mit Fritzi Brandeis-Wcikershcim, gehört einer alten Wiener jüdischen Patrizierfamilie an und war von Beruf Finanzmann, obwohl er eigentlich von Haus aus iür die diplomatische Karriere bestimmt war. Das Metier hat Pick nicht gebindert, eines Taees sein musikalisches Talent zu entdecken. Ohne daß er Noten lesen konnte, komponierte er sein Opus 1, das Fiakerlied. Vielleicht nach einem Souper, die Zigarre im Mundwinkel und auf dem Klavier gedankenlos improvisierend, was ja eine spezifisch wienerische Kunst ist. Pick hat später noch manches schöne Lied geschrieben, darunter das gemütvolle „Dös was nur a Weaner, wia i aner bin", das der alte Guschelbauer so prächtig vortrug. Aber er selbst hat sich nie in die Oesfentlichkeit gedrängt und sozusagen gegen seinen Willen wurde er populär. Aber auch das ging vorüber, es kam eine andere Zeit, die nicht mehr wußte, was Gustav Pick war und die nur sein Fiakerlied sang und pfiff — die größte Popularität: die namenlose. . . Und dann kam eine ganz andere Zeit, in der das Fiakerlied aufhörte, populär zu sein, weil sein Objett, der Fiaker, es nicht mehr wa.. Wien. Samstag, den 7. Dezember, veranstaltete der Frauen- Wohltätigkeitsverein „Providentia" in den Räumen seiner Heimstätte für schwachsinnige Kinder, il., Darwingasse 5, eine Chanukafeier, verbunden mit einer Handarbeitsausstellung seiner Zöglinge. Herr Direktor Löw hielt zuerst eine weihevolle Ansprache, dann folgten Vorträge der Kinder, die Zeugnis ablegten von den Fortschritten, die die Kinder unter der Leitung ihrer vortrefflichen Lehrerin, Fräulein Wüller, machen. Die Zöglinge, 26 an der Zahl, wurden zum großen Teil von den Vorstandsdamen, zum Teil auch von edlen Gönnern, vollständig neu bekleidet. Eine vortreffliche Jause der Kinder bildete den Abschluß der schönen Feier. Mittwoch den 4. Dezember veranstaltete der Verein zur Ausspeisung armer isr. Schulkinder für den XVI. und XVII. Bezirk, wie auch Knaben- und Mädchenhort, in ihren Lokalitäten, XVI., Grüllemeiergasse 5, in Anwesenheit ihrer Vorstandsmitglieder eine Chanuka-Feier, die sich eines starken Besuches erfreuen konnte; es waren 140 Schulkinder in Begleitung ihrer Eltern erschienen. Eingeleilet wurde diese schöne Feier durch eine sehr geistreiche Ansprache ihres sehr rührigen Obmannes Herrn Benno Kahane, Prokurist der Firma Moritz Freiherrn von Kuffner, welcher den Kindern die Bedeutung der Chanukafeier erklärte; sodann zündete der Vorstand Herr Jakob Kohn das Chanukalicht an. Hierauf brachten die Hortkinder unter Leitung ihrer Lehrkräfte einige Theaterstücke zur Aufführung, welche schallende Heiterkeit beim Publikum erweckten. Bei dieser Gelegenheit wurde eine Jause, wie auch Bäckerei, den Kindern auf Kosten des Obmannes verabreicht. Die Vorstandsdame, Frau Rosa Reumann, hatte zum Gelingen dieses Festes sehr viel beigetragen. Bethausverein „Tefitarh Jeschurun". Der Bethaus-Verein „Tefilath Jeschurun" im Prater veranstaltete Dienstag den 7. Dezember im dritten Kaffeehaus eine Akademie mit Tanzkränzchen, unter den Namen „Chanukafeier". Die Veranstaltung, welche unter der bewährten Leitung des Obmannes Herrn Heinrich Bondy glänzend verlief und sämtliche Besucher vollauf befriedigte, trug zur Stärkung des Bethaus- Erhaltungsfondes erheblich bei. Unter den Anwesenden bemerkte man die Herren Bezirksräte M. Back und Günther, Herrn Oberkantor Jos. Morgenstern. In würdiger Weise reihte sich dem Festabend die eigentliche Chanukafeier, welche Sonntag den 8. Dezember, 4 llhr nachmittags, im Bethause abgehalten wurde, an. Etwa 200 Schüler und Schülerinnen der Lese- und Vibelschule waren mit ihren Angehörigen versammelt, um das schöne Fest zu begehen. Andächtig lauschten sie den Gesängen und Vorträgen. Nach feierlichem Entzünden der Chanukalichter durch zwei Knaben, brachten weitere 6 Knaben und 17 Mädchen eine große Anzahl das Chanukafest behandelnde und andere Gedichte religiösen Inhaltes in vorzüglicher Weise zum Vortrag und ernteten allgemeines wohlverdientes Lob. Vollste Anerkennung für ihre Mühe und Fleiß, mit welchem sie die Feier, unter der zielbewußten Leitung des Bethaus-Vorstandes Herrn Moritz L. Bondy, in Szene setzten, erwarben sich die Herren Marc. Pick und B. Benedict, welch' letzterer die Festpredigt in wirkungsvoller Form gehalten hat. Die kantoralen Funttionen versah Herr Oberkantor Chajtmann. Herr Obmann Heinrich Bondy hob die Verdienste der Herren Lehrer um die Schule in seiner Ansprache besonders hervor. Mit einem Kaisergebet und der Volkshymne schloß die schöne Feier. Wien. (Populär-wissenschaftliche Freitag- Abend-Vor träge — auch Frauen zugänglich — am „Bet- Hamidrasch Talmud-Thora", II., Malzgasse 16. Am 13. Dezember, 7x/2 abends: „Was erzählt uns der Monat Tebet?" von Herrn Prof. Mor. Antscherl. Am 20. d. Ms. zur selben Stunde: „Die Psalmen", von Herrn Rabbiner H. Schenk. Austritte aus dam Judentum [Vom 1. Dezember bis inkl. 7. Dezember 1912. Bader Stefanie, Private, geb. 13. Dezember 1884, Wien, XVI., Roseggergasse 47 Fürth Victor Georg, Bankbeamter, geb. 3. Jänner 1888, Teplitz, Böhmen, II., Rueppgasse 29 Hirsch Julins, Privatbeamter, geb. 14. Jänner 1869, Budapest, II., Kaiser Josefstrasse 1 Hitz Fanni Marie, verwitw. Wolf, geh. Weinberger, Hausmeisterin, geb. 24. August 1854, Komorn, IX., Ayrenhofgasse 8 Hoffmann Robert, Student, geb. 13. Juli 1892, Wien, III., Hörnesgasse 2 Kornitzer Marie, Private, geb. 16. Jänner 1895, Wien, II., Rueppgasse 9 Lwow Heinrich, slud. med., geb. 23. Dezember 1892, Przemysl, IX., Mariannengasse 52 Mandl Valerie, Private, geb. 17. Oktober 1888, Wien, VI., Linke Wienzeile 40 Roger Grethe, Aspirantin der Pharmazie, geb. 23.[November 1892, Schönbrunn, Schlesien, II., Nordbahnstrasse 32