Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 20 (17.5.1912)
- Date
- 1912-05-17
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 30 Dr.- Blochs Wochenschrift Seite 333. 1868 unter dem Pseudonym John Retcliffe einen „Gaöta-Warschau-A)üppel" betitelten Schundroman erscheinen ließ, in welchem einem Rabbiner eine Rede in den Mund gelegt wird, die in jedem ihrer Worte unjüdisch ist, da sie den traditionellen ethischen Grundsätzen der jüdischen Moral geradezu ins Gesicht schlägt. Diese niemals gehaltene Rede eines niemals existierenden Rabbiners gehört also zu jenen Legenden, deren Lügenhaftigkeit von einwandfreien Historikern wiederholt nachgewiesen, die aber von Zeit zu Zeit von den Antisemiten dennoch als angebliche historische Wahrheit aufgetischt werden." Die Versammlung beschloß hierauf, namens der von ihr vertretenen Kultusgemeinden der Entrüstung über systematische Vergiftung der Bevölkerung durch Verbreitung unwahrer Mitteilung Ausdruck zu geben und diesen Protest, sowie die Erklärung des Präsidenten, dem.Protokolle einzuverleiben. Vierzigjähriges Jubiläum der Allgemeinen Poliklinik in Wien. Donnerstag den 9. Mai fand eine Festsitzung der Allgemeinen Poliklinik zur Feier ihres 4Ojährigen Jubiläums im Spitalsgebäude, IX., Mariannengasse 10, statt. Die Poliklinik dankt ihren Bestand hauptsächlich den Spenden der Brüder Baron Albert und Nathaniel v. Rothschild und der Gebrüder David und Wilhelm v. Gutmann, welche Fürstin Metternich für das Spital interessierte, sowie ihren bekannten Redouten und Festveranstaltungen. Seit 40 Jahren wurden fast 2 Millionen Menschen in diesem Institut behandelt, im Spital selbst finden ca. 2500 Kranke jährlich Aufnahme, darunter etwa ein Fünftel jüdische. Da die Poliklinik zugleich die Pflanzstätte für viele Dozenten, Professoren und Assistenten ist, die infolge ihrer Konfession nie oder verspätet eine Staatsanstellung erreichen, so würde sie noch mehr als bisher die Unterstützung von seiten unserer reichen Glaubensgenossen verdienen, damit sie ihr 50jähriges Jubiläum frei von den stets drängenden Eiistenzsorgen dereinst feiern könnte. Wien. Am 28. April l. I. fand die ordentliche Generalversammlung. des Synagogen-Vereines „Beth Israel" im Vereins-Sitzungssaale statt. Der Obmann Herr Mox R o s e n f e l d erösfnete dieselbe, konstatierte deren Beschlußfähigkeit und begrüßte herzlich die zahlreich erschienenen Vereinsmitglieder, sowie den Delegierten des Kultusvorstandes Herrn Kultusvorsteher Adolf S ch r a m.e k. Der hierauf durch den Schriftführer Herrn Alex. Landau verlesene umfangreiche Rechenschoftsbericht schildert auf Grund authentischer Daten die Geschichte des Vereines «Beth Israel" seit seiner im Jahre 1792 unter dem Namen „Beth-Hatefilo-Polen" erfolgten Gründung und hebt hervor, daß der vor 30 Jahren in „Beth Israel" umbenannte Verein nunmehr in das Hundertzwanzigste Jahr seines Bestandes eintritt. Nachdem der Bericht die Kassagebahrung auseinandersetzt, auf die Leistungen des Vorstandes hinweist und allen Gönnern und Spendern des Vereines den Dank ausspricht, widmet er den im Berichtsjahre dahingeschiedenen Mitgliedern einen warmen Nachruf, den die Versammlung stehend anhörte. Nach Erstattung des Revisionsberichtes durch den Revisor Herrn S. S ch i n d e l wurde dem Vorstände einstimmig das Absolutorium erteilt und der Dank ausgesprochen. Bei den vorgenommenen Vorstandswahlen erschienen als Vereinsvorsteher wiedergewählt die Herren: Leo. A g i d, Ignatz I o l l e S, Dr. Karl L i f c z i s und neugewählt Herr Emil Pomeranz, ferner die Herren Js. Grube r, H. K a r p als: Bethausvorsteher, Max Karp. S. S ch i n d e l, B. H. Seinfeld als Rechnungsrevisoren, Ferd. Berger, Wilh. Flieg, Norbert Rappaport als Schiedsrichter. In Erledigung der weiteren Tagesordnung wurden die Herren David Ko lieb und Jakob Weichselbaumfln Würdigung ihrer besonderen Verdienste um den Verein von der Generalversammlung einstimmig zu Ehrenmitgliedern ernannt. Am 7. Mai l. I. hat die Konstituierung des Vorstandes stattgefunden, wobei gewählt wurden, die Herren: Max R o s e n f e l d zum Obmanne, Ignaz I o l l e s zum Obmannstelloertreter, Dav. K o l i e b zum Schriftführer, Dr. Karl L i f c z i s zum Schriftführerstellvertreter, Emil Pomeranz zum Kassier. Ein russischer Judentag über die kommenden Dumawahlen. In Rußland werden bald die Wahlen in die vierte Reichsduma stattfinden. Aus diesem Anlasse wurde eine Konferenz nach Petersburg einberufen, an welcher die bekanntesten jüdischen Führer aus allen russischen Städten teilnehmen werden. Den einzigen Beratungsgegenstand dieser Konferenz wird die Stellung der Juden in der bevorstehenden Wahlkampagne bilden. Es sollen hauptsächlich Beschlüsse darüber gefaßt werden, welche Partei die Juden m den einzelnen Wahlkreisen zu unterstützen haben und unter welchen Modalitäten dir Wahl eines jüdischen Deputierten in Odessa gesichert werden könnte. Ein jüdischer Blumentag in Warschau. Eine Anzahl jüdischer Wohltätigkeitsanstalten in Warschau haben am verflossenen Sonntag zugunsten ihrer Vereinszwecke einen Blumentag veranstaltet. Dieser erste jüdische Blumentag hatte einen durchschlagenden Erfolg, denn er weist bisher einen Reingewinn von 20,000 Rubel auf. Dieser Erfolg ist um so beachtenswerter, als die zwei antisemitischen polnischen Blätter „Gonirz" und „Glos Warschawski" alles aufgeboten haben, um ihre Leser von dem Kaufe der jüdischen Blume abzubringen. Es muß jedoch konstatiert werden, daß die Christen, besonders die Arbeiter und demokratischen Bürger, sich zu einem solchen Boykott der Wohltätigkeit nicht, verleiten ließen und ostentativ die Blumen kauften und ins Knopfloch steckten. Allerdings muß auch hervorgehoben werden, daß die Warschauer Juden sich gleich ihren Glaubensgenossen in anderen Städten und Ländern niemals abseits hielten, wenn es galt, für humane Zwecke Opfer zu bringen. Vom Orientalisten-Kongreß in Athen. Der Orientalistenkongreß, der vom 7. bis 14. April dieses Jahres in Athen abgehalten wurde, fiel mit emer anderen griechisch-nationalen Jubelfeier zusammen. Es war dies das Jubiläum der nationalen Universität von Athen. Unter den hervorragenden Persönlichkeiten, welche aus diesem Anlasse zu Ehrendoktoren der Athener Universität ernannt wurden, befinden sich, wie bereits bekannt, auch mehrere jüdische Gelehrte. Unter ihnen Professor Dr. Ehrlich, Frankfurt a. M., der Berliner Augenarzt Prof. Dr. Hirschberg. Prof. Dr. Philippsohn. Bonn. Dr. Mar Rordau, Paris, und mehrere andere. Am Kongreß haben auch mehrere hervorragende jüdische Orientalisten als Delegierte und Referenten te:lgenommen. Unter anderem der bekannte Forscher Professor Dr. Goldziher und der Aegyptologe Maler aus Budapest, Morris Iastrow aus Philadelphia, der Direktor des Rabbinerseminars Danon und der Ehrensekretär der Pariser Rationalbibliothek Moise Schwarz. Von den Referaten seien besonders hier _ hervorgehoben „Der Ursprung des Alphabets", ferner „Türkische Elemente in der jüdisch-spaniolischen Sprache". Professor Haupt referierte über die Manassechronik und das Deuteronomium. Andere interessante Referate betrafen „Epigraphische Beiträge zur Geschichte des Judentums in Griechenland und im Orient", über den Ursprung des Wortes Zizith. In diesem Referat wurde der Nachweis erbracht» daß das Wort aus dem Babylonischen stamme. Von Interesse waren auch die Referate : ein