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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-03-17 · 11 (17.3.1911) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
11 (17.3.1911)
Date
1911-03-17
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Sette 174 Dr. Blochs Wochenschrift. Nr. 11 Stadt, Oberstadthauptmann Armin Geroe mit der Begründung verboten, daß in Großwardein Vorträge in fremder Sprache untersagt seien. Merkwürdigerweise erfolgte das Verbot zu einer Zeit, da das Publikum im Saale bereits versammelt war und auf den Beginn der Vorträge wartete. Das überaus zahlreiche Publikum protestierte gegen die Verfügung, aber Oberstadthauptmann Geroe blieb, obgleich mehrere angesehene jüdische und christliche Bürger der Stadt bei ihm wegen Zurückziehung des Verbotes intervenierten, bei dem ursprünglichen Verbot. Mit Unrecht machen einzelne ungarische Blätter zu dieser Nachricht die malitiöse Bemerkung, daß in diesem Falle von einem Antisemitismus nicht die Rede sein könne, da Oberstadthauptmann Armin Geroe selbst Jude ist. Es gibt eben auch einen jüdischen Antisemitismus. Ein Rekord in Mischehen. Laut der amtlichen Statistik wurden in Ungarn im Monate Dezember 76 Mischten zwischen Juden und Christen eingegangen. In 3vFällen gehörte die Braut, in 40 Fällen der Bräutigam der jüdischen Konfession an. In bezug auf die Religion der Kinder haben bloß 15 Brautpaare vorher Vereinbarungen getroffen, und zwar, mit Ausnahme von zweien, sämtliche zu Gunsten der christlichen Religion. Mit diesen Ziffern wurde der bisherige Rekord in jüdisch-christlichen Mischehen während eines Monates in einem Lande geschlagen. Stemhvrst. In diesem Jahre wird der Gutshof unserer Anstalt, in welcher bekanntlich junge Israeliten zur Landwirtschaft ausgebildet werden, ganz neu äufgebaut. U. a. wird ein Vichstall errichtet, der auf etwa 100 Haupt Rindvieh berechnet ist — ein Stand, mit dem wir rechnen müssen, wenn unsere im Fortschritt begriffene Moorkultur zu Ende geführt sein wird. Gleichzeitig wird auch das Gut mit modernen maschinellen Einrichtungen versehen. Die Möglichkeit hierzu wurde durch tatkräftige Hilfe der I. C. A. in Paris^gegeben. Die Entwürfe zu den Wirtschaftsbauten stammen von der Baustelle der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft in Berlin. Bezüglich des neuen Lehrlingsheims sind auch andere Architekten zur Konkurrenz herangezogen worden. Das Interesse an unserem jungen Unternehmen wächst ständig. Nachdem die Aufnahmen zu diesem Frühjahr bereits abgeschlossen sind, empfiehlt es sich für solche Ellern, die ihre Söhne zum Herbst nach Steinhorst schicken wollen, nach Möglichkeit bereits jetzt anzumelden. Sind die neuen Gebäude fertig, so können im Herbst noch etwa 8 Lehrlinge Aufnahme finden. Diesbezügliche Gesuche nimmt die A. und F. Simonsche Stiftung, Hannover, Hansahaus, Aegidientorplatz, - entgegen. Chacham Baschi und russischer Botschafter. ~ Begreifliches Aufsehen erregt in Konstantinopel der Besuch, den der russische Botschafter Tscharikoff in Begleitung des ersten Dragomans Mandelstamm dem Chacham Baschi Ehaim Nahum vorige Woche abgestattet hat. Der Botschafter hatte vor einiger Zeit eine Tochter durch den Tod verloren und erhielt aus diesem Anlasse ein Beileidschreiben des Eroßrabbiners und kam nun, ihm persönlich den Dank abzustatten. Das Gespräch drehte sich zunächst um die jüngste Palästinareise des Chacham Baschi und wurde dann auch auf die Juden in Rußland hinübergelenkt. Der Botschafter sagte u. a., daß er in Rußland viele jüdische Freunde habe und besonders in dem verstorbenen Baron Günsburg den Verlust eines seiner besten Freunde betrauere. Schließlich erklärte der Botschafter, daß er besonders Gewicht darauf lege, mit dem Chacham Baschi freundschaftliche Beziehungen aufrecht zu halten und bat, ihn häufiger im Votschafts palais begrüßen zu dürfen. Kopenhagen. Wie bekannt, ist Herr Oberrabbiner Dr. Lewenstein von der hiesigen Gemeinde gerichtlich belangt worden^ weil er unter Berufung auf die ihm zuteil gewordene und nicht annullierte Königliche Bestätigung sich trotz seiner Entlassung weiter als Oberrabbi betrachtete. Nach der nunmehr stattgehabten Verhandlung ist es der Gemeinde in diesem. Punkte gelungen, ein obsiegendes Urteil zu erlangen. Das Gericht hat dahin erkannt, daß die Königliche.Bestätigung stillschweigend mit dem Momente der Entlassung erloschen sei. Die Entschädigungsklage, welche Herr Dr. Lewenstein gegen die Gemeinde angestrengt hat, soll sich noch in der Schwebe befinden. Herr Rabbiner Dr. Schornstein ist sonach auch von der Regierung in seiner Würde als Oberrabbiner anerkannt. Ein Vilderalbum über die jüdische! Emigration. Das Bureau der Gesellschaft zur Regulierung der jüdischen Emigration in Petersburg versendet folgendes Rundschreiben. Die Gesellschaft beabsichtigt in nächster Zeit ein Album von Bildern (Original oder Kopien) herauszugeben, die sich auf die jüdische Emigration beziehen. Die Gesellschaft bittet, ihr mit möglichst reichhaltigem Material hierbei behilflich zu sein. Besonders wichtig wäre es, genaue Abbildungen von Emigrantentruppen, Auswandererbaracken, Hotels usw. in den Durchzugsländern, von der Tätigkeit der Anstalten, Bureaus usw., welche der Unterstützung von jüdischen Auswanderern dienen, zu erhallen. Die Gesellschaft nimmt auch Berichte dankend entgegen, in denen solche Photographien abgedruckt erscheinen. „Man zwingt mich von Petersburg aus . . Im „Rjetsch" lesen wir die folgende bezeichnende Geschichte: Der Smolensker Gouverneur erließ den Befehl, daß jeder Jude, der ins Gouvernement kommt, einen besonderen Erlaubnisschein vom Gouverneur besitzen müsse, um sich auch nur vorübergehend im Gouvernement aufhalten zu können, ohne Rücksicht darauf, ob der betreffende Jude selbst Kaufmann oder Reisender einer Firma ist. Viele jüdische Kaufleute begaben sich zum Gouverneur, um ihn um Aufhebung seiner Verordnung zu bitten. Als der Gouverneur der Juden ansichtig wurde, ließ er sie, ohne sie anzuhören, unter Beschimpfungen aus dem Palais jagen. Bald darauf ließen sich zwei reiche jüdische Waldhändler, Disker und Liebensohn, beim Gouverneur melden, die eine Erlaubnis für ihre Geschäftsreisenden, im Smolensker Gouvernement reisen zu dürfen, erwirken wollten. Der Gouverneur empfing die beiden Herren sehr höflich und entschuldigte sich wie folgt: „Glauben Sie nicht, daß ich Judenfeind bin aus Ueberzeugung, aber man zwingt mich von Petersburg aus, gegen die Juden so vorzugehen ..." Das spricht Bände. Große Spende. Aus Petersburg wird gemeldet: Der Port Arthürer Millionär M. A. Günsburg in Petersburg, spendete in den letzten Tagen abermals 220.000 Rubel für jüdische Zwecke und zwar: 200.000 Rubel zur Errichtung eines Stiftungshäuses, in welchem arme Juden billige Wohnungen erhalten können. Ein Teil der Wohnungen soll ganz unbemittelten Juden vollständig unentgeltlich überlasten werden. 20.000 Rubel entfallen gleichfalls auf eine soziale Einrichtung und zwar auf die Errichtung eines jüdischen Greisenheimes.

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