Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 4 (27.1.1911)
- Date
- 1911-01-27
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 4 Dr. Vkochs Wochenschrift. Sette 63 Künstler und vornehmen Juden, der, wie er erwähnte, ein Förderer der großen Toynbeehalle im XX. Bezirke war. Fräulein Marianne K a t a y sang dann abwechselnd mit Fräulein Lamm und Herrn Dr. Menasche Duette von H i l d a ch, Brüll, Mendelssohn und Brahms. Das Publikum empfand sofort die künstlerischen Abfichten der Sänger, die mehr durch stimmungsvollen Vortrag, echt musikalische Wiedergabe und vornehme Stimmbehandlung wirken wollten, als durch das sogenannte Loslegen. Herr Dr. M e n a s ch e hatte noch im Prolog zu „Bajazzo" Gelegenheit, seine musikalische Schulung zu dokumentieren. Fräulein Katay gab einige Lieder zu, die ihre Vorzüge ins vollste Licht stellten. Die junge Dame behandelt ihren lieblichen Sopran bei aller Natürlichkeit des Vortrages technisch tadellos und sie wirkt so angenehm, daß wir sicher sind, ihr noch im Konzertsaale zu begegnen. Die kräftige Stimme von Fräulein Lamm lohnt weitere Studien. Herr Rudolf N e t t l spielte das Allegretto aus Schumanns Violinsonate in A. moll, ein „Lied ohne Worte" von Tschaikovsky und ein Menuett von Haydn genau so wie gesungen worden war: fein musikalisch, technisch wohltuend, sicher, anspruchslos und darum sehr erfolgreich. Am Klavier waren Frl. Blumenfeld und Dr. Oskar Bendiener, deren Begleitung nicht wenig zum vollen Gelingen des schönen Abends beitrug. Jüdische Toynbeehalle. (XX., Othmargasse 46. (Haltestelle der Elektrischen: Jägerstraße.) Das Wochenprogramm ist wie folgt festgesetzt: Freitag den 27. Jänner: Herr I. Rosner: Bibelvortrag. — Samstag den 28. Jänner: Konzertabend. Arrangement GesangSmeisterin Fräulein Freistädt. — Sonntag den 29. Jänner: Rabbiner Dr. I. M. Bach: Die Juden im Zeitalter Innozenz III. — Montag den 30. Jänner: Dr. Josef Jerusalem: Dienst- und Arbeitsrecht. Zyklus.) — Dienstag den 31. Jänner: Dr. K. Kupfer: Geschichte der Juden in Oesterreich. (Zyklus.) — Mittwoch den 1. Februar: Doktor 1. Samuely: Die Wiener Wasserleitung. — Donnerstag den 2. Februar; Dr. Bernhard Münz: Björnsen Björnson. — Freitag den 3. Februar: Bibelvortrag. Beginn an Wochentagen um halb 8 Uhr, Samstag sowie an Sonn- und Feiertagen um 7 Uhr abends. — Anmeldungen von Vorträgen und Mitwirkungen bei Konzerten an den Obmann Doktor I. Samuely, I., Fischerstiege 6, erbeten. Theateranfführnngen für jüdische Zwecke. Es hat sich iu den Wiener jüdischen Vereinen die Sitte herausgebildet, Theater für eine Vorstellung zu pachten, die Karten in jüdischen Kreisen zu verschleissen und den Ueberschuss dem Vereinszwecke zuzuführen. Das jüdische Volksheim (Beth ha’am) in Hernals, Hormayergasse 7 a hat dieser Gepflogenheit eine neue Seite abgewonnen; es lässt das jüdische Stück eines jüdischen Schriftstellers spielen und zwar „Deborah“ von Mosenthal, das im Bürgertheater mit grossem Erfolge neu in Szene ging. In einem ausführlichen Prospekte wird zu dieser, Sonntag den 26. Februar, nachmittags 3 Uhr stattfindenden Vorstellung eingeladen. Wir geben die Schlussätze dieser originellen Einladung wieder. Nach einer Wiedergabe des Inhaltes von „Deborah“ heisst es: „Fast alle Menschen, die wir in diesem Stücke zu sehen bekommen, sind eigentlich gute Menschen, hart ist nur das Schicksal, besonders das der Juden. Der Bauer sitzt fest und unverrückbar auf seinem angestammten Boden, der Jude zieht unstät und flüchtig durch die Welt. Eine Jüdin greift in das Schicksal des Bauern — für einen Aagenblick nur — denn das alte unausrottbare Vorurteil stellt sich zwischen sie. Der Bauer bleibt auf seiner Heimatserde, der Jüdin wird das Herz gebrochen und das Leben zerstört. Deborah kann, rein dramatisch genommen, durchaus nicht den geradezu beispiellosen Erfolg erklären, den das Stück viele Jahre hindurch behauptet hat. Die Deborah war von den Fünfzigerjahren bis zur Mitte des siebenten Jahrzehnts des vorigen Jahrhunderts die Paraderolle aller Tragödinnen. Deborah war die Gastspiel- und Auftrittsrolle aller berühmten Heroinen, das Schulbeispiel aller Anfängerinnen. Erst die in den Achtzigerjahren einsetzende antisemitische Bewegung vertrieb es von den Bühnen. Was hat nun den fast beispiellosen Erfolg der Deborah geschaffen? Die Vermenschlichung der Tragödie eines Volkes, die Personifizierung Jahrtausende alten Leides, die aus den einzelnen Figuren spricht, sie zog Juden und Christen gleich mächtig an. Und damals glaubte man, dass die Versöhnung der Geister gekommen sei und das goldene Zeitalter herannaht. Heute sind wir reifer geworden, wir wissen mehr von den geheimen Kräften, die das Leben des Juden vergiften und kennen genau die Ursachen unseres Leides. Aber ewig unverfälscht lebt in uns allen das Bedürfnis nach Ruhe und Frieden, nach Ruhe des Gemütes und Frieden mit unserer Umgebung, und darum begrüssen wir es als ein Zeichen erfreulichen WaffenstiUstandes, dass in Wien Aufführungen von Mosenthals „Deborah“ wieder möglich sind, mnTladen Sie nochmals zu dieser Theatervorstellung höflichst ein. Die Aufführung im Bürgertheater wurde von der gesamten Presse sehr günstig beurteilt. Unser Verein hat sich vertragsmässig die Besetzung der ersten Aufführung gesichert. Das Stück darf auch vorläufig vor dem 26. Februar nicht gespielt werden. Für den Vorstand: Dr. Gottlieb Stern, XVI, Thaliastrasse 80, Heinrich York-Steinert XVII., Hauptstrasse 67, Dr. Winter, XVIII., Lacknergasse 74, Frau Emilie Strauss, XVI., Ottakringerstrasse 114.“ Ueber den eminent wohltätigen Zweck dieser neuen Institution ist es wohl nicht notwendig viel Worte zu verlieren. Wir lassen den Prospekt sprechen. „Der Verein „Beth ha’am“ (Jüdisches Volksheim), früher Jüdischer Bildungs- und Geselligkeits-Verein der Bezirke XVI, XVII und XVIII, hat in Hernals, Hormayergasse 7 a ein schönes Lokal für seine Zwecke adaptiert, die darin gipfeln, den ärmeren Schichten der jüdischen Bevölkerung, die draussen an der Peripherie der Stadt in einer stark christlichsozialen Umgebung sich einsam und deklassiert fühlen, einen Ort der Vereinigung, des Genusses und der Belehrung zu bieten. Wir suchen dieses Ziel auf folgende Weise zu erreichen: 1. Zweimal wöchentlich veranstalten wir sogenannte Toynbeehallen-Abende, hei denen jüdische Gelehrte, Künstler und Literaten Mitwirken. Die erste Stunde des Abends gilt zumeist der Belehrung, dann wird Tee mit Weissbrot verabreicht, worauf künstlerische Darbietungen den Abend beschlossen. Huaderte von armen Stammesgenossen erbauen und erquicken sich in einem behaglichen Raume zusammen mit gebildeten Glaubensgenossen und sie ziehen dann in die finstere Winternaeht mit dem Bewusstsein hinaus, dass sie nicht allein und verlassen den schweren Kampf des erwerbenden Juden führen und dass die jüdische Zusammengehörigkeit kein leeres Schlagwort ist. 2. Eine Turnsektion arbeitet daran, die Liebe zu körperlicher Ausbildung zu fördern, die jüdische Jugend aller Kreise körperlich zu kräftigen und widerstandsfähig zu machen. 3. Es wird eine Bibliothek zusammengestellt, damit durch Werke jüdischer Autoren und der Literatur über das Judentum die Arbeiten der Toynbeehallen-Abende im Heim der Besucher eine Fortsetzung finden. Zugleich soll der Verbreitung von Schundliteratur Einhalt geboten werden. Das Theaterkartenbureau, im Vereinslokale XVII., Hormayergasse 7 a, leiten (täglich von 8 Uhr bis 9 Uhr abends) die Herren Hugo Angemahr, XVII., Jörgerstrassse 57, Telephon 3649 (II) Rudolf Pollitzer, XVI., Ottakringerstrasse 43. Siegmund Fenermann. Der jüdischen Wunderknaben ist nun einer mehr. Am 6. d. M. konzertierte im hiesigen Bösendorser-Saale der neunjährige Siegmund Feuermann und wußte die Erwartungen des zahlreich erschienenen Publikums beiweitem zu übertreffen. Das kleine, schwächliche Bürschchen, das Kind eines Musikers aus Kolomea, brachte mit größter Meisterschaft Violinkonzerte von Brahms, Corelli, Paganini und Tschaikowsky zum Vortrage und erntete damit wahre Beifallsstürme der Besucher und uneingeschränktes Lob aller anwesenden Mufikkenner. Der kleine Siegmund, der zu den größten Hoffnungen berechtigt, ist ein Schüler des Profeffors Seveik. W. Wien. (Verein zur Unterstützung israel. Handwerker und Kleingwerbetreibender, IX., B e r g g a s s e 4.) Die 22. ordentliche Generalversammlung findet Montag den 30. Jänner 1911, präzise 7 Uhr abends, in den Räumen des israelitischen Humanitäts- Vereines „Wien" B'nai Brith, IX., llniverfitätsstraße 4, Mezzanin, statt. Wien. (Bethausverein „Chassidim".) Bei der jüngst stattgesundenen Generalversammlung des Bethausvereines „Chaffidim", II., Herminengaffe 8, wurde Herr Marcus May, der dem Vorstande dieses Vereinsbethauses schon seit 25 Jahren angehört, zum Obmanne gewählt. Für seine unermüdliche Tätigkeit im Jntereffe des Bethauses sprach ihm die Generalversammlung den wärmsten Dank aus.