Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 27 (1910)
- Issue
- 47 (25.11.1910)
- Date
- 1910-11-25
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3020846-3021873-3021921--19742-3044743- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
IahrgsngLLVN Dr. Bloch’s Zentralorgan für die gesamten Unteressen des Zudentums. -□_za- Wien, 25. November 1910 Erscheint jeden Freitag. Brief-Adreffe: Wien, IX/i. Hahngaffe 15. Telegramm-Adreffe: Bloches Wochenschrift, Wien. Mr. 910.976. Redaktion und Administration: w i e n' H/i, Hahngasse Nr. 15. Nr. 14.847. ft. PrrflsxarftalsenÄMk OO - ~ =DO P Ve;ngsprrks für Vesterreich: Q Halbjährig 8 Kronen: Einzelexemplare 50 Helle:. Für's Au^lrind: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die 4mal gespaltene Peltrzeile 24 Heller. C n O — "~rQ O Inhalt: Leitartikel: Die Kultuswahlen. — Alliance Jsraelite Universelle. — Korrespondenzen: Aus der Plenarsitzung des Kultusvorstandes vom 6. November und vom 13. November 1910. Wien. Der Kampf gegen den Frauenhandel in Galizien. Mensa Academica Judaica in Budapest. Charakterlosigkeiten. Der Sabbat in Australien. Köln. Halberstadt. Judenvertreibungen aus polnischen Dörfern. Kischenew in Beffarabien. Präsident Tafts Besuch in Ellis-JZland. Die Rede eines zionistischen Missionärs. Die Inden in Südamerika. American Jewish Historical Society. —Vermischtes. — Feuilleton: Jüdische Pilger in Marokko. — Literatur. — Briefkasten. — Notizen. — Inserate. Die KnLtrrsnmljleir. Der Wahltag der Kultusgemeinde sttht vor der Tür. Das große Wahlkomitee präsentiert den Wählern eine sorgfältig zusammengestellte Liste von Bewerbern für die freigewordenen Vertrauensstellen. Es wären noch viele andere sehr ehrenwerte Herren mit großen Vorzügen vorhanden, welche sich für die Mitarbeit bei der Leitung der Gemeinde wohl geeignet hätten. Das mit der heiklen Aufgabe der Auswahl betraute Komitee hat geglaubt, mit seinen endlichen Beschlüssen das Beste zu tun, ohne verletzende Absicht gegen irgend jemanden. Nur bittet es die Wählerschaft um eine möglichst einmütige und geschlossene Unterstützung, vor allem aber um eines: recht zahlreich bei der Urne zu erscheinen! Das Ehrenamt eines Kultusvorstehers bietet seinem Inhaber nichts als eine moralische Genugtuung für sehr viele und angestrengte Arbeit. Ein Teil dieser Genugtuung besteht schon darin, daß es möglichst viele sind, welche dem Einzelnen bei der Wahl ihr Vertrauen ausdrücken. Wenn er das Bewußtsein hat, daß eine große Menge seine Ideen und Anstrengungen mit Zuversicht erwartet, so wird der berufene Kandidat die nötige große Kraft zur Erfüllung seiner großen Aufgaben daraus gewinnen. Wer einmal seinen Platz am Beratungstisch der Kultusgemeinde oder in den ausführenden Kommissionen eingenommen hat, belastet sich mit einer großen Reihe schwerwiegender Pflichten. Denn das Wirkungsgebiet unserer großstädtischen Gemeinde, einer der g ößten der Welt, ist weit verzweigt und ausgedehnt. Religiöse, erziehliche, soziale und im Nebenamte politische Bedürfnisse mit Einschluß vieler untergeordneter Agenden und mit einem Kostenaufwand von Millionen sind zu befriedigen. Das Wort politisch braucht eine Erklärung. Allerdings kann und darf die Kultusgemeinde zu den politischen Fragen des Tages das Wort nicht ergreifen, wenn auch der selbstverständliche Einfluß der Männer ihres Kreises nicht ohne Bedeutung ist. Offiziell wird sie jedoch nur gegenüber Kundgebungen, welche gegen das Gesamtjudentum von gefährlicher, feindlicher Seite gerichtet werden. Dann werden aber auch ihre Erklärungen an kompetenter Stelle mit Aufmerksamkeit gehört. Denn die Kultusgemeinde hat es durch ihr würdevolles Auftreten und ihre Führung der Geschäfte verstanden, sich ein großes und berechtigtes Ansehen zu verschaffen. Sie hat immer Männer in ihrer Leitung besessen, welche mit Eifer, Verständnis und Hingebung strebten, mit den vorhandenen Mitteln das möglichst Beste zu erreichen, welche die großen jüdischen Ideale mit Patriotismus für das Judentum pflegten, die Einigkeit aufrechterhielten und alle Kräfte aufzurufen verstanden, um ihre Brüder in der Zeit der Bedrängnis vor dem Aergsten zu schützen. Das Ansehen der Wiener Kultusgemeinde steht im Staate wie eine Säule und hat bei den Behörden einen Respekt hervorgerusen, welcher in vielen kritischen Situationen von großem Wert für die jüdische Gesamtheit war. Die notwendigen Verwaltungsgeschäfte werden in einer finanziellen Ordnung geführt, welche die strengste Kontrolle in jeder Sekunde erwarten kann. Dem Schulwesen wird das schärfste Augenmerk und Gewissenhaftigkeit zugewendet und auch alle anderen Obliegenheiten werden von Sachverständigen im Ehrenamte musterhaft geleitet. Das sind alles höchst schätzbare Güter, welche erhalten werden müssen, indem man das bisherige System schützt und erhält. Nicht als ob die Leitung der Kultusgemeinde verknöchern und in ihren Grundsätzen veralten würde. Sie wird stets dem Fortschritte und allen Neuerungen Raum geben, welche dem Geiste der Zeit entsprechen und sie hat das immer getan. Aber sie lehnt es entschieden ab, die Kultusgemeinde gewagtenExperimenten und einer Politischen M e t h o d e auszuliefern, welcher die Mittel gleichgiltig sind, wenn sie nur zu fragwürdigen persönlichen Erfolgen führen. Eine Instanz der Judenheit ist ungefährdet zu erhalten, welche durch ihre innere Bedeutung eine natürliche Zentrale der'österreichischen Judenheit ist, angesehen selbst bei unseren Feinden, musterhaft geführt und voll Leidenschaft für das Judentum. Zu dieser Erhaltung beizutragen haben die Kandidaten des Wahlkomitees versprochen. Wer nun wünscht, daß die altehrwürdige Gemeinde ihre große Rolle behalte und nicht den Feinden Freude mache durch übel angebrachte Streitigkeiten und durch gefährliche, lärmende und sinnlose Demogagie, mache seinen Willen zur Tat und erscheine bei der Wahl.