Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 42 (15.10.1909)
- Date
- 1909-10-15
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 42 Dr. Blochs Wochenschrift. Sette 73? Ein serbischer Patriarch an die Juden. Aus Zemun in Kroatien wird gemeldet: Für das gute und friedliche Zusammenleben der serbischen und jüdischen Bevölkerung in unserer Gegend lieferte uns ein schönes Beispiel die zweitägige Anwesenheit des Oberhauptes der serbisch-orthodoxen Kirche, des Patriarchen und Erzbischofs Lucian Bogdanowitsch, in unserer Stadt. Eingeladen von der serbischen Kirchengemeinde, beteiligten sich sämtliche hiesige jüdische Körperschaften an den Festlichkeiten zu Ehren des Patriarchen, von dem sie auch in besonderer Audienz empfangen wurden. Bei dieser Gelegenheit erkundigte sich der Patriarch über die Verhältnisse der jüdischen Bevölkerung und erklärte mit Nachdruck, daß sich seine Beziehungen zu den Juden allezeit sehr freundschaftlich gestaltet haben. Beim Bankett hat die Begrüßungsansprache unseres Rabbiners (der natürlich nichts genoß) im Aufträge des Patriarchen dessen Sekretär Prof. Dr. Zirtsch mit einer formvollendeten hebräischen Rede beantwortet. Vor seiner Abreise hat der Patriarch der aschkenafischen und sephardischen Gemeinde Besuche abgestattet. Saloniki. Aus dem Deutschen Bureau der Alliance Jsraälite Universelle erhalten wir folgende Mitteilung: Der Osmanische Lloyd meldet aus Saloniki 5. Oktober: Die israelitischen Handwerker, unterstützt von einigen hiesigen Fabrikanten, haben auf Anregung der Vereinigung der früheren Schüler der Alliance Jsraölite Universelle und mit deren Beihilfe eine Ausstellung ihrer Erzeugnisse veranstaltet, die die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich lenkt. Wie immer, so ist auch hier der Anfang sehr schwer gewesen. Die Arbeiter und Handwerker begriffen den Zweck des Unternehmens nicht, schienen mißtrauisch zu sein, so daß es unmöglich war, der Ausstellung den geplanten Umfang zu geben. Man wird jedenfalls bald den Nutzen dieses Unternehmens einsehen und hoffentlich gelingt es, eine zweite Ausstellung ins Leben zu rufen, die die heimische Arbeitskraft und die Industrie schafft. Das wäre eine dankenswerte Aufgabe, denn nicht nur unter den Israeliten, sondern auch unter den Angehörigen aller anderen Nationalitäten finden sich sehr tüchtige Leute, deren Arbeiten umso höher zu veranschlagen find, als sie nicht die Anleitung und nicht die Hilfsmittel besitzen, wie dies in den europäischen Staaten der Fall ist. Wenn aber heute schon ohne besondere Vorbildung und Schulung, ohne entsprechende Modelle so Gediegenes geleistet wird, so muß dies anerkennend vermerkt werden, und die israelitischen Arbeiter von Saloniki, die ihre Produkte ausstellten, sich der öffentlichen Kritik unterwarfen, verdienen alles Lob. Die Ausstellung fand in den Räumen der Mädchenschule der Alliance Jsraölite Universelle statt und umfaßt Möbeltischlerei, Bauklempnerei, Tapezierarbeiten, Parfümerien, Seifen, Bürstenbinderei, Schuhwaren, Herren- und Damenkonfektion, Hüte, Drucksachen, Stickereien, Garnspinnerei. Wattefabrikation, Pumpen und Armaturen, Färberei u. a. m. Die Eröffnung fand am 3. Oktober in Anwesenheit eines gewählten Publikums statt. Die Botschaftersgattin und die türkischen Juden. Die Gattin des amerikanischen Botschafters in Konstantinopel Oskar Straus empfing dieser Tage den Redakteur des spaniolischen Blattes „El Tiempo", bei dem sie sich über die Verhältniffe der Juden in der Türkei nach der Verfassung eingehend erkundigt. Mrs. Straus erklärte dem Redakteur, daß sie die Absicht habe, demnächst die größeren Städte der Türkei, in denen die Juden in größerer Zahl beisammen find, zu besuchen und dort hauptsächlich die soziale und kulturelle Lage der jüdischen Frau kennen zu lernen. In Ausführung dieser Absicht wird Mrs. Straus in nächster Zeit nach Salonichi reisen, woselbst sie einige Tage verbleiben wird. Der neue Präsident der Liga der amerikanische» Munizipalitäten. Die League of American Municipalities hat in ihrer jüngsten Versammlung in Montreal, Kanada, Honorable David E. Heinemann aus Detroit einstimmig zu ihrem Präsidenten gewählt. - Heinemann, der sich auch auf jüdischem öffentlichen Gebiete mit Hingebung betätigt, ist, wie das Organ der Liga, „The Bulletin", schreibt, der beste Kenner des amerikanischen kommunalen Lebens und kommunaler Einrichtungen. Die Regierungen der letzten Jahre haben Heinemann wiederholt als Experten in Munizipalangelegenheiten herangezogen und zahlreiche amerikanische Munizipien haben ihre modernen- Gesetze den Anregungen Heinemanns, der von Beruf Jurist ist, zu verdanken. Das O efterreichische Immigranten heim wieder in Ellis Island. Das Oefterreichische Jmmigrantenheim in New-Ior? das' wie seinerzeit berichtet, vom Einwanderungskommissär Williams gemaßregelt wurde, indem er dem Jmmigrantenheim das Recht entzog, einen Vertreter auf der Einwanderungsinsel Ellis Island zu haben, wurde vollständig reorganisiert wieder in Ellis Island zugelassen. Kommiffär Williams hatte es durchgesetzt, daß das alte Regime im Jmmigrantenheim gestürzt und ganz neue Vorsteher und Beamte gewählt wurden, die sich bereit erklärten, das Jmmigrantenheim im Sinne Williams zu führen. Die Natnralisalionsbewegung unter den eingewanderten Juden in New Aork. In letzter Zeit macht sich, wie aus New-Iork berichtet wird, unter den eingewanderten Juden New-Jorks eine besonders starke Bewegung bemerkbar, so rasch als möglich ihre Naturalisation als amerikanische Bürger durchzusetzen. In der Woche vor dem jüdischen Neujahrsfeste war die Zahl der Petenten, die im Naturalisationsbureau erschienen, so groß, daß der Beamte erklärte, ein solcher Andrang sei zum ersten Male in der Geschichte verzeichnet worden. Weit über tausend Menschen warteten von Mitternacht angefangen bis 9 Uhr morgens, um Einlaß ins Bureau zu bekommen. Merkwürdigerweise steht aber für die Entgegennahme der Papiere, die jeder persönlich überreichen muß, bloß ein Beamter zur Verfügung, so daß an jenem Tage nicht mehr als 25 Parteien abgefertigt werden konnten. Die langsame Abwicklung der Naturalisationsgesuche ist für die Petenten um so unangenehmer, weil die meisten, dem Arbeiterstande angehörend, nicht so leicht einen Arbeitstag verlieren können, andererseits aber Alles daran setzen wollen, um bei den nächsten städtischen Wahlen in New-Iork bereits als amerikanische Bürger von ihrem Stimmrechte Gebrauch machen zu können. Gegen die Verunglimpfung der Inden ans der Bühne. Die „New-Iork Times" melden aus Galveston: Die Vorsteher der jüdischen Vereine im Staate Texas sandten an die Direktionen mehrerer Bühnen einen scharfen Protest gegen die in letzter Zeit beobachtete Sitte, Judengestalten auf die Bühne zu bringen, die dem Wesen des Judentums widersprechen und durch welche der Jude dem Spotte preisgegeben wird. An dieser Protestbewegung haben sich auch die großen jüdischen Organisationen beteiligt, ausgegangen ist sie aber aus der Mitte der jüngeren ruffrschen Emigranten, die durch die „Jto" in den letzten Jahren nach Texas gebracht wurden. SEBie gemeldet wird, hat der Protest bereits die Wirkung gehabt, daß mehrere Theaterdirektoren alle jene Stücke auf dem Spielplane gestrichen haben, in denen der Jude als lächerliche oder verächtliche Figur erscheint. Vermischtes. KranzablöfnngSfpenden zugunsten der Chewra-Kadischa in Wien I., Seitenstettengaffe 4 für arme kranke Glaubensgenossen. Anläßlich des Ablebens des fel. Josef P i l z e r: Von Selma und Otto Pilzer K 30.—, Familie Dr. Hoffmann 10.—, Emil und Emma Deutsch 15.—. Zusammen K 55.—. Anläßlich des Ablebens der sel. Julie Weiß: Von Moritz Freund K 6.—.