Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 1 (1.1.1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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®ett« s Mx. Moch's Mocdenscdritt. ^r-1 in den großen jüdischen Kreisen das Bewußtsein ltbt, daß neben dem jüdischen Gymnasium die Einrichtung einer Lehrwohl die antisemitische Partei größer geworden sei, nicht kanzel für jüdische Altertümer an der Wiener Universität aber der Antisemitismus, so nehmen wir diese Wahrheit durch Berufung eines geeigneten jüdischen Gelehrten. Die als ein Verdienst unseres Blattes in Anspruch, welches Realisierung dieses Wunsches war bereits nahe genug. Der immer auf der Wacht stand und immerfort die geistigen Ministerpräsident Graf T a a f f e hatte die Erfüllung zu- Waffen aufbrachte, mit denen die Tagespresse und alle gesagt und kein Geringerer als Geheimrat Pros. Franz denkenden Menschen den Anschuldigungen der antisemitischen Delitzsch in Leipzig, die erste Autorität auf diesem Gegner vernichtend eutgegentreten konnten. Wissensgebiete unter den deutschen Gelehrten, hatte den Abgesehen von dieser negativen Seite ihrer Tätigkeit Herausgeber der „Oesterr. Wochenschrift" schriftlich für hat die „Oesterreichische Wochenschrift" auch ein positives diese Berufung beim Minister wärmstens empfohlen. Die Programm verfolgt, suchte für das Denken und das prak- Klerikalen, die Freunde Rohlings in Wien, erfuhren tische Leben der Juden anregend und maßgebend zu werden, davon und setzten alle Hebel au, um dieses Vorhaben zu Schon zur Zeit, als der Zweifel am deutschen Liberalismus hintertreiben, und es gelang ihnen durch den Vorsteher Herrn als Ketzerei betrachtet wurde, hat sie das moralisch und Em. Baumgarten, den Grafen T a a f f e zu — überpraktisch verhängnisvolle Copua der Assimilation erkannt zeugen, daß infolge einer solchen Ernennung bei der Wiener und die Rückkehr zu einem selbstbewußten und stolzen, Judenschaft gegen die Regierung eine tiefe Verstimmung modernen und einigen Judentum viel früher empfohlen, als platzgreifen würde. die Verhältnisse dazu zwangen. Sie hat eine jüdische Monroe- Das hat die „Oesterr. Wochenschrift" nicht gehindert, Doktrin vertreten, ein übersetztes svüj k svemu, hat für die der Kultusgemeinde bei deren positiven und erstrebenswerten Pflege aller uns eigentümlichen Kultureinrichtungen und Werken uneingeschränkten Beistand zu leisten, vraküschen Bedürfnisse gearbeitet. So hat sie die jüdische Der großen Liste unserer Erfolge auf allen diesen Studentechchaft stets gerne unterstützt; wie lebhaft sie sich Gebieten könnten wir eine weit größere anfügen von mit der Em lg r antenfr ag e beschäftigt hat und für Koloni- Gelegenheiten, bei welchen wir in die Entwicklung des sationsprojekte auf jüdischer Grundlage eingetreten ist, dafür jüdischen Lebens eingegriffen haben. Das sind positive klu Zeichen, daß Theodor Herzl ihrem Herausgeber seinen Ergebnisse, welche uns über manche böswilligen Angriffe „Judenstaat vorlas und in den Spalten mseres Blattes hinwegheben. Wir veröffentlichen sie nicht, um uns ihrer seine erstell jüdischen Artikel veröffentlichte. Auf Anregung zu rühmen, sondern um uns selbst die Lust zu weiterer der „Wochen! chrfft" und oft nach mehrjähriger Propaganda Arbeit im Dienste des Judentums zu erhalten: um unsere in. chrem Rahmen sind ferner entstanden: Die „Österreichisch- Zwecke zu kennzeichnen, die wir verfolgt haben, und zu sagen, Israelitische Uuwn" als Schutz und Selbstwehr gegen alle daß wir ähnliche auch künftighin anstreben wollen. Denn nach antlsemrtffcheu Uebergrrffe. Die „Jüdisch-Theologische Lehr- Grillparzer ist die Vergangenheit das Tor, durch das die anstall" als Hochschule des Mischen Wissens bildete unsern Zukunft wieder eintritt. Unsere Freunde mögen sehen, ob sie Programmpunkt bei Abfassung des „Union"-Statutes. Der ihre Förderung würdig angewendet haben. Wir wollten unser „jüdische Arbeitsnachweis" als Schutz gegen unser soziales Recht begründen, sie auch fernerhin um tatkräftigste Unter- Elend und dre Last der Emigration. Das „Ferienheim" und stützung zu bitten. Eine Menge von jüdischen Problemen eine Reihe verwandter Korporationen als Musterinstitutiouen wartet noch auf Ausführung. Die Separatintereffen jedes für Mische Wohltätigkeit, deren bevorstehende Zentralisation Standes, die Gesamtinteressen des Judentums werden in der wir stets propagierten. Der große und verdienstvolle „Hilfs- „Oesterreichischen Wochenschrift" stets eine offene Tribüne verein für die notleidende jüdische Bevölkerung Galiziens", finden, einen Ratgeber und einen Mahner, einen Diener und Der „Verein zur Hebung der Gewerbe" unter dem aus- Führer, dessen Motto einfach das Recht sein wird. Unseren gezeichneten Präsidium des Herrn S. Brod, eine Institution Feinden ein unliebsamer Feind, den Juden ein herzlicher des Mittelstandes, für welchen die „Oesterr. Wochenschrift" Freund zu sein, wird der Stolz der „Oesterreichischen Wochenstets mit Feuereifer eingetreten ist. Endlich der „Oesterr. schuft" in den nächsten Jahren bleiben, wie er es durch ein Israel. Gememdebuud", der berufen erscheint, die Einigung Vierteljahrhundert war. Dafür bitten wir um allseitige der Judeuheit durchzuführen. Unterstützung und hoffen, daß auch in Zukunft der schöne Zu dem Vorstand der Wiener israelitischen Kultus- Erfolg unseren guten Willen kröne! gemeinde stand die „Oesterr. Wochenschrift" nicht selten in scharfer, sachlicher Opposition und die Gegnerschaft erhielt sogar hie und da heftigen, leidenschaftlichen Ausdruck. Es m« Lanfereni der Mackte ist vorgekommen, als in den Spalten des Blattes die Ein- »w gpiuiq**. richtung eines jüdischen Gymnasiums in Wien propagiert Der russische Minister des Auswärtigen hat mit wurde, daß der Präsident mit Vertretern des Vorstandes, seiner Dumarede den Stein vom Herzen der europäischen den Herren Arminio Cohn, Angelo Ritter v. Kuh und Völker und Börsenbesucher teilweise heruntergewälzt. Be- Philipp T h o r s ch, beim Kultusminister :— damals kanntlich hat sich die Zarenregierung zum Wächter des vou Conrad — in Audienz erschienen, um ihm mündlich slavischen Interesses aufgeworfen. Sie täte gut daran, bei mitzuteilen, daß der Vorstand die Haltung der „Oesterr. dem größten slavischen Stamme anzufangen, dem russischen. Wochenschrift" mißbillige und die von. diesem Blatte publi- Es ist nicht die mindeste Gefahr vorhanden, daß unter den zierten Artikel tief bedauere. Slaven des Annexionsgebietes monatlich an die Hunderte Auch bei Kultuswahleu stand die „Oesterr. Wochen- Hinrichtungen und Verschickungen vorgenommen, die Arbeiter schrift" häufig genug in den Reihen der Opposition. Zu den füsiliert, die Bauern zu hündischen Hungersklaven gemacht Männern, die mit Unterstützung der „Oesterr. Wochenschrift" werden, daß man den Straßenpöbel zu Mörderbanden als Kandidaten der Opposition mit überwältigender Majoorganisiert, wie das alles in Rußland geschieht. Dort rität in den Vorstand gewählt wurden, zählen unter Anwären also die stärksten, blutigsten, größten Slaveniuteressen deren auch der gegenwärtige Präsident und der erste zu wahren. Aber die Machtfrage in der Politik richtet sich Vizepräsident, die Herren Dr. Alfred Stern und nicht nach Sentimenten und der Größe des Rechtes, sondern Doktor G. Kohn, während allmächtige Vorsteher von nach der Zahl der Bajonette und Europa darf froh sein, autokratischem Einfluß, wie zum Beispiel der in diesem daß Rußland mit oder ohne Seitenblick auf den geleerten Jahre verstorbene Herr Emanuel Bäumgarten, Staatssäckel seine Gewalttätigkeit nicht bis zum Aeußersten der gewiß nicht ohne Verdienste war, dieser Opposition fortsetzt. weichen mußten. Zu den nicht r e ali s i er t en Wünschen Es wird also nicht zum Kriege kommen, sondern zu und Programmpunkten der „Oesterr. Wochenschrift" zählt zu einer Konferenz. Für uns Juden ist es interessant, das