Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 26 (1909)
- Issue
- 1 (1.1.1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1 Dr. Bloch’s ****** tm Zentralorgan für die gesamten Unteressen des Judentums. Wien, 1. Jänner 1909 Lrscbeint jeden Freirsg. m Brief-Adresse: Wien» IX/i, Hahngasse 1k. Telegramm-Adresse: Blach'S Wochenschrift» Wien. Inhalt: Leitartikel: Ein Vierteljahrhundert „Oesterreichische Wochenschrift". — Die bevorstehende Konferenz der Mächte. — Weihnachtsbetrachtungen. — Chanuka-Nachklange. — Zwei «Joseph-Dichtungen" aus dem 18. Jahrhundert. — Vom Jahrmarkt de- Lebens: Die Forderungen der Tuniser Juden. Die künstlerische Laufbahn eines Wiener Synagogensängers. Die Juden auf der Balrankonferenz. Die Stellung der jüdischen Lehrer in Deutschland. Von der Judenmisston. Gegen die Mädchenhändler. Heine über seine Taufe. — Das Hanseatische Oberlandesgericht und die Beisetzung von Aschenresten auf einem jüdischen Friedhofe. — Korrespondenzen: Oeffentliche Plenarsitzung des Kultusvorstandes. Anregung in Sachen der Kultussteuer. Hochfchulkurse für Palästinakurfe. Neununddreißigster Jahres- und Rechenschaftsbericht des «Rudolfinum" in Wien. Hilfsverein der Deutschen Juden Kunstgewerbe m Jerusalem. Die Chachambaschi-Frage in Jerusalem. Vermischtes: Vortragszyklus aus jüdischer Geschichte, Literatur und Kultur. Wien. Beth-Hamidrasch „Montefiore". Mädchen- und Frauenverein «Krankenbesuch". Israelitischer Frauen-Wohltatigkertsverein Floridsdorf. Austritte aus dem Judentum. Wels. Linz. Jglan. Falkenau a E. Leipnik. Karlsbad. Teplitz-Schonau. Rabbinerjubiläum. König Salomos Badezimmer. Feuilleton: Methusalem. — Literatur. Briefkasten — Inserate. o G= (? Oo Q M. fc. poNsp«rkairrn«mt dleartngsüetftebt «t. 810.970. «eb altton und SIbmtntftxaUon: Wir» IX/i. Hahngaffe Rr. 15. Telefon Nr. 14.847. nO ...» ..On OG ■'■=vO p 9e|«00prata für Vrfber«üh: 9 HalbjähriA 8 thronen: Sinzelexemplare 50 Heller: Für'» Anslsnd: Halbjährig 10 Krone». Ganzjährig 20 „ Anzeigen: Die 4mal aefpal» tene PeMzeile 24 Heller. (J nO . -Qo Gin Viertrtjahrhundert „Grsterreichische Wochenschrift". Vor fünfundzwanzig Jahren neigte sich die Sonne des Liberalismus deutlich zum Untergang. Von den klerikalen Alpenländern her zog das erste Dunkel über den politischen Horizont und die Schatten des Antisemitismus reckten.sich immer drohender und schwärzer ins Land hinein. Statt der großen Tribunen des Freisinns kamen Demagogen, die das Volk in einen Pöbel verwandelten, der nicht an seiner Ueberzeugung geführt, sondern an seinen rohesten Instinkten gegängelt wird. Feindschaft gegen die Juden mußte ihr erstes Ziel werden. Denn der Jude, in der Schule seiner Religion, seiner Leiden und seiner Bildung zum Demokraten erzogen, stellt sich der Volksverdummung und der Gewaltherrschaft, also dem Feudalismus und Klerckalismus von selbst entgegen, den heimliä en Protektoren und Nutznießern des neuen Bürgerkrieges. Da weiters jedes Volk für den Groll seiner Armut einen Entlader braucht, sei er schuldig oder nicht, so stand wieder der Jude im ersten Gelegenheitsverhältnis. So kamen denn die politischen Kreuzzüge des Kognakbarons von Rosenau und des glatten Verwandlungskünstlers Lueger. Von einer Garde von Lügenschreibern wissenschaftlicher, volkswirtschaftlicher, journalistischer ^Richtung umgeben, begannen sie zugleich den Kampf auf allen Fronten. Da trat die „Oesterreichische Wochenschrift" auf den Plan. Sie warb nicht und fand augenblicklich Tausende von Freunden. Von keiner Partei unterstützt, stand sie doch sofort im Mittelpunkt des Interesses. Denn wie Minerva gewappnet dem Kopfe des Zeus entsprang, des obersten Gebieters, entsprang unser Blatt dem obersten Gebot, den der Selbsterhaltung, als eine Waffe der bedrängten Juden. Der Zuruf von hüben, der rasende Wutschrei von drüben zeigte ihrem Gründer bald, daß er auf dem richtigen Wege war und diesen hat denn auch unser Organ bis zum heutigen Tage nicht verlassen. Das erhebende Bewußtsein erfüllter Pflicht ist unsere Festesfreude, da wir auf ein Vierteljahrhundert publizistischer Tätigkeit im Dienste de- Judentumzurückblicken können. Daß die ,. Österreichische Wochenschrift* ihre Aufgaben glänzend erfüllt hat, können wir als eine notorische Tatsache ohne Unbescheidenheit behaupten. Denn wer weiß, welch große, die Judenheit zerschmetternde Erfolge die ersten österreichischen Antisemiten errungen hätten, wenn nicht unser Blatt gewesen wäre. Das waren keine Parteihäuptlinge, die ein kleines politisches Geschäft im Umherziehen betreiben. Mit einem unerhörten Fanatismus wurde der Kampf geführt, die ganze Gesellschaft bis zu den höchsten Spitzen in maßlose Erregung versetzt, das Judentum im Herzen gefährdet, als die Artikel des Kanonikus Rohling und des Pfarrers Deckert in vielen hunderttausenden Broschüren in die Oeffentlichkeit hinausgeschleudert, von Tausenden von Agitatoren schrankenlos ausgebeutet wurden. Die Dreyfus- und die Hilsner-Zeit sind schwächere Bilder jener Tage, an welchen Rohling den Talmud als ein Buch des Christenhasses darstellte, dann später Deckert einen angeblich faktisch begangenen Ritualmord durch einen falschen Zeugen bewies. Ratlos, hilflos stand die Judenschaft dieser ungeheuerlichen Verleumdung gegenüber, obwohl man zitternd der Gefahr von Judenexzessen und Ausnahmsgesetzen gegenüberstand. Damals trat die „Oesterreichische Wochenschrift" mutig in die Bresche. Mit dem Schilde des Wissens, dem Schwerte der Wahrheit ausgerüstet, zwang Dr. Bloch die antisemitische Kanaille in den Gerichtssaal. Er lief große Gefahr, denn er stand ja doch nur vor christlichen Geschwornen ohne Verantwortung. Die Augen von ganz Europa waren auf ihn gerichtet. als er Rohling und Deckert entgegen trat, als er Paulus Mayer, Briman, Rodkinsohn entlarvte und es war ein Triumph der Kultur, als er diese Lügenbrut vernichtete. Die ersten Kapazitäten priesen diese Taten als reif für die Kulturgeschichte, die Undankbarkeit der Epigonen kann die Erinnerung daran nicht vergessen machen. Es waren aber nicht nur die Sensationskämpfe, in welchen die „Oesterreichische Wochenschrift" an der Spitze des Judentums stand. Sie hat Zeit ihres Bestehens dem Antisemitismus ausdauernd Widerstand geleistet auch in den kleinsten Tagesfragen, hat keine Lüge unwidersprochen, keine Tücke verdeckt gelassen, sie war ehrlich bemüht, sich die Feindschaft der Antisemiten redlich zu verdienen. Und wenn heute