Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 25 (1908)
- Issue
- 15 (10.4.1908)
- Date
- 1908-04-10
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite L78 Dr. JBlocb s Mocdenscdrttt. Rr. 16 ÄVieu. Wie man uns mitteilt, wurde Herr Schabse Weiß zum Kantor im Bethaus „Talmud-Thora", II., Malzgaffe 16, gewählt, wo derselbe bei dem an den Peffach-Feiertagen um 9 Uhr vormittags beginnenden Gottesdienste fungieren wird. Wie«. (Verlobung.) Fraulein Gerty v. T a u s s i g, Tochter des Direktors der Bodenkreditanstalt Theodor Ritter v. T a u s s i g, hat sich mit dem Hof- und Gerichtsadvokaten Dr. Ludwig Schüller verlobt. Wie«. (Verlobung.) Herr Richard Vogel, Beamter der israelitischen Kultusgemeinde, hat fich mit Frl. Rosa L ö w, Tochter des Herrn Oberlehrers Ignaz L ö w, verlobt. Wie«. (Trauung.) Am 7. d. M. fand hier die Trauung des Malers und Radierers Ferdinand Schmutzer mit Fräulein Alice Schnabel, Tochter des Herrn Theodor Schnabel, statt. Kaiser Jubiläuws-Wohltätigkeits Vorstellung des Vereines zur Hebung der Gewerbe. Zugunsten eines Kaiser Jubiläumsfonds für Prämiierung von Gehilfen und Lehrlingen inszenierte der Verein am 29 März eine Matine eim „Deutschen Volkstheater". Trotz des verlockenden Sommerwetters war das Haus von einem ganz besonders distinguierten, den besten Ständen angehörenden Publikum dicht gefüllt. Auch die Vorsteher vieler Genossenschaften und Vereine, Herr Sektionschef Profeffor Dr. Exner und Gemahlin, der Präsident der Wiener Kultusgemeinde Dr. Alfred Stern, Industrielle, Architekten, Ingenieure und viele Bankdirektoren rc. bemerkte man. Eingeleitet wurde die Vorstellung mit dem von dem Vereins-Vorstandsmitgliede Franz Frankl verfaßten Fe st spiele: „Des kleinen Meisters Kaiser-Jubelfeier", ein Bild der Gewerbe in Tätigkeit, bei welcher die Künstler Weiß, Lehrer, Strauß und Frl. Müller sich besonders auszeichneten. Der Verfaffer Frankl wurde wiederholt gerufen und mit einem Lorbeerkrmye ausgezeichnet. Sodann wurde das beliebte Charakterstück „Onkel Toni" von Karlweis in ausgezeichneter Besetzung gegeben und mit besonderer Verve zur Aufführung gebracht. Der Verein kann mit diesem glanzvollen Abende zufrieden sein. Verdienste um das Zustandekommen dieses Festes hat sich das Exekutiv-Komitce. bestehend aus den Herren L. Guttmann, Friedman« und Frankl erworben. An Se. Majestät den Kaiser wurde seitens des Präsidenten Brod ein Telegramm mit dem Huldigungs-Berichte entsendet. Dritte ordentliche Generalversammlung des Vereines für «neutgettliche Arbeitsvermittlung an jüdische Hochschüler in Wien. Dieselbe fand am 30. März 1908 im Lokale des Vereines, IX., Liechtensteinstraße Nr. 11, unter Vorsitz des Herrn Hof- und Gerichtsadvokaten Dr. Hermann Wolf statt. Das Ergebnis der Tätigkeit vom 1. April 1907 bis heute war folgendes: Gemeldet hatten fich 287 Arbeitsucher und 110 Arbeitgeber. 25 Perzent der Hochschüler wurden versorgt. Die Bezahlung pro Stunde schwankte zwischen 1 bis 3 Kronen, die als Hofmeister, von denen 26 plaziert wurden, zwischen 50 und 150 Kronen. Die Verpflegung ist im letzteren Falle mitinbegriffen. Dem Vereine kostete eine Versorgung 2 Kronen 50 Heller. Er inseriert ständig in zwei großen Blättern. Die Zahl der Mitglieder wuchs um ein Drittel der früheren. Erfreulich ist, daß außer der Wiener israelitischen Kultusgemeinde auch die von Graz. Troppau, Olmütz, Ostrau, Jägerndorf und Holleschau dem Vereine beitraten. Hoffentlich folgen auch andere Kultusgemeinden diesem Beispiele, so auch Private. Der Jahresbeitrag von 3 Kronen ist so gering, daß jeder die wohltätigen Absichten des Vereines unterstützen kann. Der Zweck ist Versorgung der armen jüdischen Hochschüler mit Arbeit, damit sie sorgenfrei leben können. Acht jüdische Studentenverbindungen waren ebenfalls Mitglieder des Vereines. In den Vorstand wurden gewählt: Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Hermann Wolf als Vorsitzender; k. k. Notar Dr. Julius B e r m a n als sein Stellvertreter; Direktor Dr. Salomon Krenberger als Schriftführer; k. k. Profeffor Max Guttmann als Stellvertreter; Bankier Jakob Langer als Kaffier; die Herren Sekretär Julius Braun, Rabbiner Dr. David Feucht wang, Inhaber eines Jnseratenbureaus Ignaz Guttmann, Regierungsrat Professor Doktor Wilhelm Jerusalem, Dr. Heinrich Pollak, Lucian Brunner als Beiräte. Die Geschäfte leitet ein studentisches Exekutivkomitee, an dessen Spitze Herr Josef Thieberger mit besonderer Tatkraft steht. Versammlung des jüdischen Bürgervereines „Jto" in Wien XV am 3L März 1908. Mit dieser im Kinderhorte, XV., Herklotzgasse 21, abgehaltenen Versammlung inaugurierte diese erste Wiener Bürgervereinigung zur Förderung der territorialistischen Idee eine Erhebung über die materielle und geistige Judennot in den östlichen Ländern Europas. Der rühmlichst bekannte Schriftsteller und Sekretär der Baron Hirsch-Stiftung, Herr Dr. Arnold Ascher, war der erste, der die Erhebung einleitete. Er sprach über den „Pauperismus unter den Juden in Galizien". Der glänzende, wahrhaft wissenschaftliche Vortrag wird im Druck erscheinen. Soll doch durch diese Erhebungen das Tatsachenmaterial geboten werden, um daraus den Schluß zu ziehen, den Israel Zangwill realisieren will, den Schluß, daß zur Steuerung der Judennot ein Land nötig sei, und zwar je eher, desto besser. Die vielen Daten, die Herr Dr. Ascher brachte und nach ihm Herr Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Josef Z i p s e r bestätigte, geben ein unglaubliches, den Westjuden fast unverständliches Bild des großen Elends unter den Juden Galiziens. Wer da noch zögern wollte, rasch zu handeln und einzugreifen, scheine ohne Herz und Verstand. Und das einzige Heilmittel, das drängte sich allen Zuhörern auf, ist Entfernung vom jetzigen Boden und Verpflanzung in ein eigenes Land. Wien-Mariahilf. Am 1. d. M. wurde Frau Hedwig Kraus, Gattin des bekannten Großindustriellen und Vorstandsmitgliedes des Mariahilfer Tempelvereines Herrn k. k. Kommerzialrates Karl Kraus, zu Grabe getragen. Die Heimgegangene war eine Frau im besten Sinne des Wortes, begabt mit seltener Geistes- und Herzensbildung, einL Freundin und Förderin alles Guten, und Schönen. Fern lag ihrem schlichten Wesen die öffentliche Betätigung ihres edlen Herzens, aber ungezählte Wohltaten hat sie im Stillen geübt, die Linderung von Not und Elend ihrer Mitmenschen war ihr ein aufrichtiges Lebensbedürfnis. Ein grausames Geschick hat sie in den letzten Jahren mit schwerer Krankheit heimgesucht und ihr jede Lebensfreude versagt, aber mit übermenschlicher Geduld trug sie die ihr auferlegten Prüfungen, stets nur besorgt, fremdes Leid zu lindern, Hilflosen beizustehen. Die aufrichtige Trauer um die frühzeitig Verblichene und die allgemeine Anteilnahme für den tief trauernden Gatten zeigten sich bei dem Leichenbegängnisse, das in der Zeremonienhalle des Zentralfriedhofes eine große Anzahl von den besten Gesellschaftsklassen angehörenden Leidtragenden vereinigte. Eine wahre Menschenfreundin ist mit Hedwig Kraus heimgegangen. Ehre ihrem Andenken! B . . y. Wien Der neue Damen-Schwimmklub „O e st e rreichischer Damen-Schwimmklub „Wien", hat für das Training seiner Klubangehörigen den Meisterspringer Otto Satzinger und den Meisterschwimmer Leopold Mayer gewonnen. Beide Herren haben in liebenswürdigster Weise die Funktionen eines Springwartes, respektive Schwimmwar tes übernommen. Klubstundeu: Dienstag und Freitag von lf2b bis Vs7 Uhr im Dianabade. Auch Gäste haben Zutritt. Anmeldungen an der Klubkassa im Dianabade. Jüdische Toynbee-Halle XX., Othmargasse 40. Mit einem Vortrage des Reichsratsabgeordneten Dozent Arthur Mahler wurde am Sonntag den 5. d. M. die Vortragssaison 1907/8, welche 15 5 Abende umfaßte, geschlossen. Das Publikum, welches die Halle bis auf das letzte Plätzchen füllte, bejubelte die ebenso geistreichen, als belehrenden Ausführungen des Redners und bereitete demselben stürmische Ovationen. Nach der üblichen „Tee-Pause" dankte der Obmann Dr. I. Samuely dem Vortragenden und wies auf den Aufschwung hin, dessen sich die Toynbee-Halle