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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1908-02-21 · 8 (21.2.1908) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
25 (1908)
Issue
8 (21.2.1908)
Date
1908-02-21
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Sette 150 Br. Lloeb's Mocbeflscbrtn. Nr. 8 der zusammen mit dem isr. Kultusvorstand das Pflegerinnen- Justitut ins Leben gerufen und deren Kurse im Spitale der isr. Kultusgemeinde eröffnet. Der Vorstand wandte sich demgemäß an Herrn Baron Albert Rothschild mit der Bitte, zu gestatten, daß die Widmung von 100.000 Kronen diesem Institute zugewendet werden dürfe. Freiherr von Rothschild hat in einem Schreiben an den Vorstand seine Zustimmung hierzu bereitwilligst erteilt. (Lebhafter Beifall.) Der erste Sekretär kais. Rat Dr. Lieben unterbreitet die Vorschläge des Vertreter-Kollegiums betreffs eines Mehrerfordernisses von K 2744.—. Im Budget pro 1908 sind K 54.000 für periodische Unterstützungen vorhergesehen Da jedoch die Ausgaben K 56.744.— betragen, stellt das Vertreter- Kollegium den Antrag, die Ueberschreitung pro K 2744.— zu bewilligen. Wird einstimmig angenommen. Herr Dr. Alfred Berger stellt an den Präsidenten eine Anftage' betreffs der Vorgänge im „Hause der Barmherzigkeit" recte Unbarmherzigkeit in Währing. Es ist bekannt, daß in diesem Hause an jüdischen Insassen Bekehrungsversuche vorgenommen werden. Seine heutige Anfrage beziehe sich auf einen bestimmten Fall. Er wiffe noch immer nicht, ob dieser arme Kulka aus Leipnik aus seiner Lage befreit sei. Samstag wurde wieder von einem anderen Fall erzwungener Konvertierung erzählt. Man hat eine schwerkranke Jnsaffin vor die Wahl gestellt: Exmittierung oder Taufe! Redner richtet an den Präsidenten die Bitte, er möge nach dieser Richtung hin Warnungen erlaffen und Vorkehrungen treffen, damit unsere armen kranken Glaubensgenoffen geschützt werden. Der Präsident Dr. Alfted Stern erwidert, daß die Ausführungen des Herrn Dr. Alfted Berger vollkommen den Tatsachen entsprechen. Was den speziellen Fall betrifft, so konnte der arme Mann nicht in's Siechenhaus gebracht werden, da seine Krankheit nicht eine derartige ist, daß seine Aufnahme möglich wäre. Der Mann kam aus Leipnik und hielt sich nur einige Wochen in Wien auf. Alle Bemühungen, den in diesem Falle zuständigen Leipniker israel. Stadtvorstand zum Einschreiten zu bewegen, blieben trotz brieflicher und telegraphischer Mahnungen bisher erfolglos. Der Präsident erklärt weiters, daß die Wiener Gemeinde bereit ist, überall zu helfen, wo es nur irgendwie angeht. Soeben lägen wieder mehr als 50 Gesuche um Aufnahme in das Siechenhaus vor. Er könne die erfteuliche Mitteilung machen, daß die Vermehrung der Plätze um 25 in Aussicht genommen ist. Aber auch das reicht nicht hin; es werden koloffale Anforderungen gestellt. Schließlich erwähnt der Präsident die Aufnahme einer Frau in das Siechenhaus, welche vom Versorgungshause in Lainz mittelst Schub nach ihrer Heimat befördert hätte werden sollen. Er habe die Aufnahme zugesichert und erbitte hiefür die Jdemnität. Dr. Alfted Berger ist gerne bereit, die in diesem Falle gewünschte Jdemnität zu erteilen, doch ist dieser Fall nicht anders als der des Leipniker Mannes. Er bittet also auch den Fall Kulka nochmals zu beraten. Nachdem der Präsident die bezüglichen Erhebungen verlesen, wird die Jdemnität erteilt. Es erhalten die jüdischen Studentenvereine und Verbindungen an Subvention: „Jvria" K 150.—, „Kadimah" K 490.—, „Libanonia" K 250.—, „Theodor Herzl" K 100.—, „Unitas" K 250.—. „Bar Giora" K 100.—, „Bar Kochba" K 240.—, „Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler" K 600.—, „Jüdische Kultur" K 100.—. Der Sekretär kais. Rat Dr. Lieben unterbreitet die spezialisierten Anträge des Vertreter-Kollegiums betreffs Erhöhung der Gebühren für Leichenbegängnisse, Beilegungen, Grabstätten und Grüfte. Dr. Markus Spitzer ftagt, wie sich nach dieser Erhöhung das finanzielle Ergebnis gestalten werde. Der Präsident erklärt, daß bloß die oberen Klassen um 25 Prozent erhöht wurden, die unteren Klaffen werden wesentlich ermäßigt. Durch die Reform ergebe sich eine Mehreinuahme von zirka K 75.000.—. Die Vorschläge der Kommission für Friedhofs- und Beerdigungs-Angelegenheiten werden mit allen gegen eine Stimme angenommen. Kultusvorsteher Kommerzial-Rat Leopold Simon interpelliert wegen eines in der „Neuen National-Zeitung" erschienenen Berichtes betreffend die Sperrung des unbefugten Betlokales des Vereines „Schomre Hadath". Der Präsident antwortet: Seit einigen Jahren schießen in Wien diese kleinen Bethausvereine wie Pilze aus dem Boden. Zuerst entstehen sie in Form von Wohltätigkeitsvereinen und schreiten sofort zur Eröffnung eines Betlokales. Die vorhandenen Minjanim übersteigen bereits weit die Bedürfnisse. Wo bei einigen Mitgliedern Unverträglichkeit herrscht, entstehen als Folge der Sezession neue Vereine. Es ließen sich hier unzählige Beispiele anführen, wie jeder neue Verein aus seiner Mitte einen zweiten Verein entstehen läßt mit einem neuen Betlokal. Der Verein „Schomre Hadath" gibt dem Vorstande und den Behörden viel zu schaffen. Bis heule hat er alles angewendet, um die verfügte Schließung hintanzuhalten. Von welchen Folgen die unbefugten Minjanim sein können, lehrt die Geschichte der Sechshauser Gemeinde, welche durch solche geradezu in ihrem Bestände gefährdet war. Uebrigens wird in dem fragliche« Zeitungsartikel seitens der Vereine die Vorlage eines Memorandums angekündigt, welches aber bis jetzt nicht vorliegt. Nach diesen Erklärungen schließt der Präsident die öffentliche Sitzung. In der nach Schluß der öffentlichen Sitzung stattgehabte« vertraulichen Plenarsitzung wurde nach Erledigung verschiedener, das Spital der Kultusgemeinde betreffender Angelegenheiten in Ausführung eines früheren Plenarbeschlusses ein Turnus festgesetzt, nach welchem die Herren Oberkantor Josef Singer, Oberkantor Bela Guttmann und Oberkantor-Stellvertreter Don Fuchs die kantoralen Funktionen bei Leichenbegängnissen ohne Rücksicht auf den Wohnort der Verstorbenen zu versehen haben werden. Schluß der Sitzung 2 Uhr nachmittags. Seelenfang. Das „D. V." meldet am 15. Februar unter dem Schlagwort: „sTaufe eines Juden.) Im Krankensaale der Abteilung des Primarius Dr. Pal wurde gestern der schwerkranke Privatbeamte Rosenzweig getauft." Wie wir erfahren, hat Rosenzweig, nachdem er im Krankenhause getauft worden war, dem Wiener Rabbinate trotz seines schwerkranken Zustandes den schriftlichen Wunsch zukommen lassen, wieder Jude zu werden und als Jude auf dem jüdischen Friedhofe zur ewigen Ruhe zu gelangen. Ein in das Krankenhaus entsendeter Vertreter des Rabbinates nahm in Gegenwart zweier Zeugen Rosenzweig in die jüdische Gemeinde wieder auf, worauf auch die Abmeldung aus dem Christentume beim Magistrate erfolgte. Trotzdem trug der Totenschein des bald darauf verstorbenen Rosenzweig den Vermerk, daß der Verstorbene „katholisch" gewesen sei, so, daß seine Beerdigung nach katholischem Ritus angeordnet wurde. Erst infolge des energischen Dazwischentretens der Verwandten Rosenzweigs wurde der Leichnam den Verwandten ausgefolgt und diesen Sonntag vormittag auf der israelitischen Abteilung des Zentralfriedhofes nach jüdischem Ritus zu Grabe getragen. Der Dank der Antisemiten an Rothschild. Wir erhalten folgende Zuschrift: Sehr geehrter Herr Redakteur! In der vorletzten Nummer der „Oesterreichischen Wochenschrift" brachten Sie unter der Spitzmarke „Dank der Antisemiten an Rothschild" eine Notiz, in welcher Sie unter Anführung einer in der vom P i u s v e r e i n erhaltenen „Reichspost" erschienenen Sudelnotiz darauf hinwiesen, wie schlecht die interkonfessionelle 20 Millionen-Stiftung des Baron Nathaniel R o t h s ch i l d bei den Klerikalen und Antisemiten angebracht war, und gleichzeitig den jedem selbstbewußten Juden aus dem Herzen

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