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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1907-03-15 · 11 (15.3.1907) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
24 (1907)
Issue
11 (15.3.1907)
Date
1907-03-15
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 11 Dr. JSlocb’ß MocdenscbrM. Seite 193 die in der Perlmutter-Fabrik des Herrn Heinrich Adler verfertigten, sehr fein ausgestatteten Damenspenden eine reizende Ueberraschung. Das finanzielle Ergebnis ist auch ein sehr günstiges und dürfte für den Tempelbaufond ein ansehnlicher Betrag entfallen. Fiume. (Todesfall.) Am 10. März wurde hier der langjährige, in großem Ansehen stehende und der allgemeinen Sympathien sich erfreuende Kultusbeamte Herr Ignatz Liebermann zu Grabe getragen. Welcher Beliebtheit sich der Verblichene erfreute, gab Zeugnis die große Beteiligung am Leichenbegängnisse. Am offenen Grabe hielten Herr Rabbiner Dr. Josef Frank und Herr Religionsprofessor Adolf Braun, letzterer ein langjähriger Freund des Verstorbenen, warme Nachrufe. Feuilleton. gjtimvke Ardel oder Gin Merk der gtarsehnng. Aus dem Englischen von »Amelie Steinhaus. (Fortsetzung.) „Ist es wirklich wahr, daß sein Branntweinladen geschlossen wurde? Das tut mir leid!" Rouvke war von aufrichtigem Mitgefühl für seinen einstigen Dienstherrn erfüllt, der immer gütig gegen ihn gewesen und dem er aufrichtig ergeben war. Doch neben dem Gefühl des Mitleids stieg auch etwas wie Triumph in ihm auf. „Was ich doch erlebe!" schien Rouvke zu sich selbst zu sagen. „Ich bin also jetzt reicher als Reb Peretz! Und Rouvke erinnerte sich frohlockend seines Sparkassenbuches in der Brusttasche. „O, ich bedauere ihn sehr," sagte er wieder. „So ein ehrlicher Jude! Und wie geht es Hanele?" „Wie früher," antwortete der Schadchen, „sie ist noch immer nicht verheiratet. Aber es geschieht Reb Peretz recht (möge Gott mich für meine harten Worte nicht strafen). Wenn ich ihm auch die besten Partien angetragen haben, ihm war niemand gut genug für seine Tochter. Er hätte einen König haben wollen." Und der alte Schadchen sprach mit einer gewissen Erbitterung und bewegte dabei seinen rechten Arm, und Hand und Finger führten die merkwüdigsten Gesten aus. „Wie sieht sie aus?" fragte Rouvke von Neuem. „Ist sie noch immer so schön?" „Das ist sie nach wie vor," erwiderte der Heiratsvermittler grimmig. „Aber desto ärger für sie! Wäre sie weniger hübsch gewesen, so hätte ihr Vater weniger Ansprüche für sie erhoben und sie wäre längst verheiratet." „Ach, es wird ihr nicht schwer fallen, einen Mann zu bekommen bei ihrer großen Schönheit," bemerkte Rouvke. Am Nachmittag desselben Tages lag Rouvke auf seinem Bette und dachte traumverloren an Hanele. Sie war zwar eine Zeit hindurch seinem Gedächtnisse schon entschwunden gewesen, aber jetzt stand ihm if)ra gutmütiges, schwarzäugiges Gesicht mit den roten Lippen, die immer die schönen, weißen Zähne blicken ließen, wieder deutlich vor Augen. Er hörte förmlich das Rauschen ihres frisch gewaschenen Batistkleides, und ihr „Gut Schabbes", das sie dem aus der Synagoge heimkehrenden Vater zurief, klang in seinen Ohren. Dieses Bild rief aber nicht die Sehnsucht in ihm hervor, wie es zu Beginn seines New-Iorker Aufenthaltes der Fall gewesen. Aber der Gedanke an sie verließ ihn nicht mehr, und er schloß die Augen, um ungestört ihrer zu gedenken. „Wie wäre es, wenn ich sie heiraten würde," flog es ihm plötzlich durch den Sinn. Aber es war ja unmöglich! Wie gerne wäre er jetzt in Kropowetz zu Besuch gewesen. Wie hätte man ihn dort bewundert! Was für ein Aufsehen hätte seine amerikanische Kleidung, sein sicheres Auftreten, seine Wohlhabenheit gemacht. Ach, wie erstaunt wäre man, Rouvke Arbel so elegant zu sehen. Wer besitzt in Kropowetz einen Ueberzieher, einen braunen Hut, eine Kravatte und einen steifen Hemdkragen? Und wäre es nicht entzückend, in der Synagoge zu Kropowetz etwas spenden zu können!" „Armer Reb Peretz!" sagte Rouvke zu sich selbst und überdachte die Vormittags gehörte Neuigkeit von seines Dienst- Herrn Verarmung. Arme Hanele! Wieder erschien ihm das Mädchen aus Kropowetz. Jetzt sah er sie weinen. So hatte er fie einmal gesehen, als ihr die Aussicht auf ein neues Kleid zerstört worden war. Rouvke dachte nach, ob er Reb Peretz 50 Dollars schicken soll, was der beträchtlichen Summe von hundert Rubel gleichkam. Doch der großmütige Plan verlor sich in einem Labyrinth von Personen, Rechnungen Gedanken über seine geschäftliche Lage und seine dollarsüchtige Seele wurde sich der Bedeutung von hundert Rubeln bewußt. So lag er in Gedanken verloren da, als sich die Türe öffnete und jemand eintrat. „Gut Schabbes," sagte der Gast. Es war Reb Feive, der sich mühselig zwischen Tür und Bett ins Zimmer drängte. „Seid nicht böse, daß ich nicht angeklopft habe. Ich bin noch nicht an die amerikanischen Gebräuche gewöhnt." „Ah, Reb Feive! Gut Schabbes!" gab Rouvke mit nicht besonders erfreuter Miene zurück. Er fürchtete schon, um pekuniäre Hilfe angegangen zu werden. „Ratet einmal, Rouvke. was mich herführt!" „Wie soll ich das wissen?" sagte Rouvke mit erzwungenem Lächeln. „Uebrigens warum solltet Ihr an einem Sabbath nicht zu mir auf Besuch kommen? Ihr seid mir ein willkommener Gast! Setzt Euch." fügte er noch hinzu, indem er den einzigen Stuhl Reb Feive anbot und sich selbst auf das Bett setzte. „Wie dieser Bettler es nur wagen kann, mich zu besuchen." dachte Rouvke bei sich selbst. „Wozu solche Leute wohl nach Amerika kommen." „Nun, wie gehen die Geschäfte in Kropowetz?" fragte Rouvke, um etwas zu sagen. „Schwach, sehr schwach," doch möge mich Gott nicht strafen, daß ich am Samstag von Geschäften rede." „Lassen wir also das Geschäft beiseite." »Ja, Ihr solltet lieber auf die Botschaft hören, die ich Euch bringe!" sagte der Heiratsvermitler und gestikuliert mit seinen Händen. „Höret, ich habe eine Partie für Euch!" „Eine Partie?" brach Rouvke erleichtert aus und freute sich, daß seine anfängliche Besorgnis unbegündet war. „Ja, ich habe einen Schidach für Euch und was für einen! Ihr habet von solch' einem Schidach nie geträumt, dessen bin ich sicher. Ihr brau' t Euch nicht zu schämen! Warum seid Ihr so verlegen? Ist es denn für einen jungen Mann in Eurem Alter nicht höchste Zeit, sich zu verheiraten?" „Ich bin ja gar nicht verlegen," protestierte Rouvke unter heftigem Erröten. Er hätte gerne den Namen der Schönen gewußt, die ihm zugedacht war, schämte sich aber, diese Frage zu stellen. „Ja," sagte Reb Feive lächelnd und drehte sich die Seitenlöckchen, „ich bin nicht so grausam, um Eure Geduld länger auf die Probe zu stellen. Kommen wir zur Sache. Ich denke an Hanele, die Tochter des Reb Peretz, des Branntweiners. Was haltet Ihr davon?" fragte der Schadchen nun flüsternd und blickte den jungen Mann voll Neugierde ins Gesicht, um die Wirkung dieses Namens zu beobachten. Rouvke errötete bis in die Haarwurzeln und sein Mund öffnete sich zu einem Grinsen! Man wußte nicht recht, sei er im Begriffe, zu schreien oder zu lachen. „Reb Feive, Ihr wollt wohl spaffen. Ich denke übrigens nicht daran, mich zu verheiraten," stammelte Rouvke. . . . Der plötzlich unerwartete Antrag des Schadchens hatte ihm die Besinnung geraubt, und wenn der Gegenstand auch seine Seele mit Entzücken erfüllte, fürchtete doch, sich zu verraten. Aber Reb Feive war nicht der Mann, der sich ein Geschäft so schnell entgehen läßt. Er entwickelte eine nicht endenwollende Beredtsamkeit und erhöhte den Eindruck seiner Rede durch kräftiges Gestikulieren mit den Händen. Er hob nach echter Schadchenart

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