Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 21 (25.5.1906)
- Date
- 1906-05-25
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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; «£S-J**3Bi33t«2Ä5£rl Seite 344 Verein beschränkt, sondern in einem Anfalle von Selbstüberhebung auch meine amtliche Stellung mit in seine Bemängelungen einbezogen, und da muß ich diese Anmaßung energisch zurückweisen. Ist denn ein warmes Interesse für Menschenlos und Menschenelend an Grenzen und Marken geknüpft? Fragte ich jemals den Hilfesuchenden um Vaterland und Muttersprache? Ist mein Fühlen für die um ihre Zukunft bangenden Kollegen identisch mit einem „Hinüberschielen jenseits der Leitha", welches den Artikelmacher zur wohlfeilen Phrase verleitet, wenn's mich nach „drüben" zieht, so möchte ich diesem Zuge folgen. Aber geehrter Herr, wo nehmen Sie hiezu den „gewissen Mut" her, welcher Ihnen die Berechtigung gibt, mir Ratschläge zu erteilen, derer Sie in Bezug auf die Ausübung Ihres Berufes ungleich dringender bedürfen? Ich riet Ihnen niemals, wie Sie Artikel schreiben sollen! Ich ignoriere vollends den ganz seltenen Uebergriff eines Vereins-Sekretärs, der gleichzeitig das Fachblatt verübt und habe den. Präsidenten des Oesterr.-ung. Kantorenvereines um die Einberufung einer Vorstandssitzung ersucht.... Dort werden wir Gelegenheit haben, die drohend geschwungene Keule der „Konsequenzen, die ich aus meiner Haltung ziehen werde", uns näher zu besehen und vergleichsweise die unangenehmen Konsequenzen abzuwägen, für mich sowohl als für den Schriftführer des Vereines, der autokratisch sich zur Aburteilung eines Vorstandsmitgliedes vermißt. Bela Guttmann, Oberkantor der Wiener Jsr. Kultusgemeinde. ZVren. (Tempelverein des XIII. Bezirkes der Stadt Wien, Penzingerstraße 132 (Stadtbahnstation Braunschweiggasse.) Sonntag den 3. Sivan 5666 (27. Mai 1906), nachmittags halb 5 Uhr findet die Einweihungsfeier eines neuen Sefer Thora statt. Wie«. (Austritt ausdemJudentum.) Ignaz Ehrenfeld, angeblich am 16. Dezember 1838 in Szered a. d. Waag geboren, verwitwet, IX., Türkenstraße 25, zeigt seinen Austritt aus dem Judentum an. Wien. Am Sch'wuoßfeste findet im Bet-Hamidrasch, IL, Tempelgasse 3, ein Gottesdienst für die Jugend statt. Beginn abends und morgens wie in allen Gemeindetempeln. Aufruf für ein Herzl-Denkmal der österreichischen Studentenschaft. Gleich nach dem Tode Dr. Theodor Herzls ist in zionistischen Studentenkreisen der Plan aufgetaucht, dem Schöpfer des politischen Zionismus ein schlichtes und bleibendes Denkmal studentischer Dankbarkeit und Treue auf palästinensischem Boden zu setzen. Schon damals wurde hiefür jener Platz in Aussicht genommen, auf welchem Herzl bei seiner Palästinareise im Jahre 18^8 eine Zeder pflanzte. Diesen Baum umfrieden und von der zionistischen Studentenschaft dort einen Denkstein errichten zu lassen, ist die Aufgabe des Unterzeichneten Komitees. Wir wenden uns mit diesem kurzen Aufruf vertrauensvoll an die jüdischnationalen Akademiker, ihre Gönner und Freunde in jüdischen Kreisen. Die zionistische Studentenschaft in unserem Lande, die zu Herzls treuesten Anhängern gehörte und die er mit Stolz „seine Studenten" nannte, wird eine Ehrenpflicht erfüllen, wenn sie durch eifrige Propaganda und werktätige Förderung zur baldigsten Errichtung des geplanten Denkmals beitragen wird. Wir erwarten, daß jeder Zionist mit Freuden unseren Plan begrüßen und zur Ehrung unseres großen Führers nach seinen Kräften beisteuern wird, und sind besten gewiß, daß es vieler Worte nicht bedarf und daß ein einmaliger Appell an die Opferbereitschaft aller national gesinnten Juden genügt. Die einlaufenden Beträge sind an Techn. Otto Krasny, 1. Bez., Johannesgaffe 3, oder an die „Welt" zu senden, in welcher sie znm Ausweise gelangen. Sie werden an die Anglo-Palästine-Company in Jaffa abgeführt, deren Direktor Lewontin mit Prof. Boris Schatz und E. M. Lilien die Durchführung des Planes übernommen hat. Wien, Mai 1906. D. Wolffsohn (Köln), Dr. Max Rordau (Paris), Dr. Tschlenow (Moskau), Profeffor Otto Marburg (Berlin), als Mitglieder des großen A. C. Dr. Isidor Schalit für die österreichische Landesorganisation, Stud. Oskar Alexandrowitsch (Verein „Makkabäa", Drobobycz), Stud. Buchsbaum (Verbindung „Hasmonäa" Czernowitz), Phil. Josef Carniol (Verein Theodor „Herzl", Wien), Cand. phil. Oskar Donath (Ferial- Nr. 31 Verbindung „Massadall", Prerau), Cand. phil. Viktor Freud (Verein „Bar Kochba", Prag), I. M. C. Erwin Gallas (Verbindung „Unitas", Wien), Techn. Josef Hahn (Verbindung „Makkabäa", Wien), Cand. phil. Eduard Hessing (Verbindung „Hebronia", Czernowitz), Techn. Jakob Krummholz (Verbindung „Kadimah"), Jur. Alexander Licht (Verein „Bar Giora, Wien), Jur. Josef Mieser (Verbindung „Emunah", Lemberg). Phil. Max Reicher (Ferialverbindung „Hessiana", Mähr.- Ostrau), Med. Aron Sandberg (Verein „Jüdische Kultur", Wien), Stud. Moses Schor (Verbindung „Zephirah", Czernowitz), Techn. Ernst Spitzer (Verbindung „Jvria", Wien), I. U. C. Jaro Stein (Verbindung „Barissia", Prag), Stud. jur. Chaim Tartakower (Verein „Techijah", Brodh), Cand. Jur Rudolf Tramer (Ferialverbindung „Hasmonäa", Friede!), Cand. Jur. Leon Wechsler („Acad. zion. Jugend", Buczacz), Cand. Ing. Ignatz Winkelsberg (Verbindung „Veritas", Brünn). Saaz. Um die bei der israelitischen Kultusgemeinde S a a z erledigte Oberkantorstelle hatten sich fünfzig Bewerber gemeldet. Von den zu Probevorträgen eingeladenen Bewerbern hat Herr Oberkantor Josef Reiner aus Karlstadt (Kroatien) in so hohem Maße entsprochen, daß der Kultusgemeindevorstand einstimmig beschlossen hat, von der Berufung weiterer Probekandidaten abzusehen und dem Gesamtausschusse die Anstellung des Herrn Josef Reiner als Oberkantor zu empfehlen. Tatsächlich wurde in der heute abgehaltenen Sitzung des Gesamtausschusses Herr Josef Reiner mit Stimmeneinhelligkeit zum Oberkantor der hiesigen Kultusgemeinde gewählt. Herr Josef Reiner hat das Konservatorium in Wien mit Auszeichnung absolviert, ist von hochangesehenen Wiener Persönlichkeiten bestens empfohlen und dürfte deßhalb die hiesige Kultusgemeinde an demselben eine sehr gute Akquisition gemacht haben. Teltsch. Herr Rabbiner Dr. Josef Link ist einstimmig zum Rabbiner in Hohenems (Landesrabbinat für Tirol und Vorarlberg) gewählt worden. Mühlhansen bei Tabor. Nach einer äußerst ersprießlichen Seelsorger- und Lehrtätigkeit verläßt unser bisheriger Rabbiner Herr S. Grünberger unsere Gemeinde, um einer Berufung in die israelitische Kultusgemeinde Kuttenber'g Folge zu leisten. Allgemeines Bedauern bei allen unseren Mitbürgern, ohne Unterschied des Bekenntnisses und Standes, äußerte sich bei der Nachricht von dem beabsichtigten Abgang des Herrn Rabbiners. Leider entzog sich Se. Ehrwürden infolge Unpäßlichkeit jeder offiziellen Abschiedsfeier. Berlin. Der „Alliance Jsraelite Universelle" sind im Laufe dieses Monats in Berlin 600 neue Mitglieder beigetreten. _ Feuilleton. Veränderte KedensnerlMIrnsse. Aus dem Englischen übersetzt von A. Steinhaus. III. Am folgenden Abend, als Boris aus der Fabrik nach Hause eilte, fiel es ihm plötzlich ein, wie eigentümlich sein Verhalten gegen den Werkmeister eigentlich sei. Die Arbeit war spärlich und der Werkführer hatte das Amt der Verteilung derselben. Diejenigen, die in seiner Gunst waren, erhielten welche, die anderen gingen leer aus. Er war meistens betrunken und in diesem Zustande war er immer bemüht, witzig zu sein. Boris Lurie hatte heute gerade neben ihm gestanden, als die Verteilung der Arbeit vorgenommen wurde, und gierig auf Arbeit wartend, mußte er sich so weit erniedrigen und seine Witze belachen. Die niederdrückende Lage, die schreckliche A n g st, die Arbeit zu verlieren, hatten schon so auf den stolzen Boris eingewirkt. Als er sich nun mit unbarmherziger Grausamkeit seines eigenen Verhaltens erinnerte und es selbst verächtlich finden mußte, überkam ihn der Ekel. „Elender!" rief er sich selbst zu und knirschte mit den Zähnen. Und im nächsten Augenblick war er nahe daran, über sich selbst und sein eigenes Schicksal in Tränen auszubrechen. Sich vorzustellen, daß er, der nicht ge- Dr. Bloch's Wochenschrift