Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 34 (25.8.1905)
- Date
- 1905-08-25
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Ur. 34. r. Bloch’s ♦ Central organ * -.=m B. ft. Pofisparrslfen-Amk Clearing-Verkehr Nr. 610.876. ArdsrNon und Adnlinistration: w Wir« IX/1, Berggaffr Nr. 39. Telephon Nr. 14.847. ' "=g für die gelammten Interessen des Indenthums. Wien^ 25. August 1905. Erscheint jeden Freitag. - -i'-- Brief-Adresse: Wien, IX/I» Berggaffe LS. Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift» Wien. a - - »erugsxrri, für Sestrrrrtch: Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplare 50 Heller. Für'» Fft»l«mdr Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 . Anzeigen: Die 4mal gespaltene 'rtitzeile 24 Heller. ' - * Inhalt: Leitartikel: Schächten oder Schlachten? — Das Verfassungs-Manifest des Zaren. — Zum Kapitel: Religionsschule.— Vom Jahrmarkt des Lebens: Die neuernannten holläildischen Minister. Jüdische Künstler. Der Erfinder des „Esparanto" — ein Jude. Die Juden in Südafrika. „Der Sidur als Schulbuch." — Korrespondenzen: Zum 75. Geburtstag. Wien. Hofrat Professor Pollitzer. Erzherzog Friedrich in Sarajevo. Priester und Offizier. Sommerbrief ans Sauerbrunn. Ebenfurt!/ Bielitz. Julius Oppert. — Vermischtes: Kranzablösungsspenden zugunsten der Ehewra-Kadischa in Wien. Wien. Der theologische Verein. Wien. Gewitsch, Prag, Hannover. — Feuilleton: Ein braver Mann. — Literatur. — Neue Bücher. — Briefkasten. — Inserate. Schächten oder Schlachte«?*) Durch das vor Kurzem durch den Gemeinderat der Stadt Wien in so jäher Weise verfügte — aber von der mederösterreichischen Statthalterei sofort wieder aufgehobene — Verbot des „Schächlens", d. i. der Schlachtmethode nach jüdischem Ritus, ist der willkommene Anlaß geboten, diese so oft aufgerollte Frage objektiv und ohne Parteileidenschaft neuerdings zu besprechen, um — auf Grund wissenschaftlicher Experimente und fachmännischer Beobachtungen aus der Praxis — die Entscheidung zu fällen, welche von den gebräuchlichen Arten der Tötung unserer Rinder die „humanste" ist, und zu untersuchen, ob diese uralte, mosaische Vorschrift der ethischen Grundlage entbehrt oder nicht. Das radikalste Vorgehen in moralischer Hinsicht bestünde zweifellos darin, überhaupt kein Tier zum Zwecke unserer eigenen Ernährung seines Lebens zu berauben. Wir kämen hiedurch unseren neuesten Lehrmeistern, den Japanern, gleich, welche durch ungefähr zwölf Jahrhunderte nach den Vorschriften Buddhas der Fleischnahrung sich enthalten hatten und erst durch die Europäer und Amerikaner wieder zum Fleischgenuß gebracht wurden. Wie aus dieser Einflechtung hervorgeht, läßt sich bei keiner Todesart, somit auch beim Schächten, ein gewisser Grad von Tortur in Abrede stellen. Nur läßt sich schon jetzt aussprechen, daß, wenn das vielumstrittene Schächten selbst nur von dem gleichen Ausmaß au körperlichen, wie auch seelischen Qualen für das arme Tier begleitet wäre, wir dann verpflichtet sind, uns für die Beibehaltung dieser anscheinend primitivsten aller Methoden zu entschließen. Dann tritt die Rücksicht auf den Menschen in ihre Rechte, indem, wie gleich bemerkt werden soll, die Qualität des Fleisches infolge des viel gründlicheren Ausblutens nicht allein schmackhafter, sondern vor Allem weniger gesundheitsschädlich ist. Bekanntlich bildet ja Blut einen vorzüglichen Nährboden für Bakterien und es ist daher aus *) Vorstehende Abhandlung ist durch die Mitwirkung weiland des Herrn Hofrates Professor Dr. H. Nothnagel ausgezeichnet. Seine Herzensgüte fand sich durch die im Gemeinderate geführten Debatten im Innersten getroffen. Anmerkung der Redaktion. diesem Grunde erklärlich, daß das geschächtete Fleisch sich sogar im Sommer zwei Tage länger konservieren läßt. Begreiflicherweise beschäftigte die Frage, ob „rituell" geschächtet werden soll oder nicht, schon wiederholt die Wissenschaft, es wurden viele Abhandlungen hierüber geschrieben und eingehende Untersuchungen angestellt, namentlich durch Professor Schwarz-Stolp in der Zeitschrift für Fleisch- und Milch-Hygiene, „über neuere Schlachtvieh. Betäubungschiparate", Heft 9, 1893. Auch begreift es sich, daß zeitweilig immer wieder Sturm gelaufen wird gegen ein Verfahren, daß nur den Schein gegen sich hat, weil man sich nur schwer von dem peinlichen Eindruck befreien kann, den das jäh und massenhafte Hervorströmen des Blutes stets hervorbringt. Die dagegen in's Werk gesetzten Agitationen, namentlich der Tierschutzvereine, haben jedenfalls den einen Erfolg, daß die Aufmerksamkeit dem Gegenstände stets zugewendet bleibt, was im Interesse der pünktlichen Einhaltung aller Vorschriften nur wünschenswert genannt werden wuß. Mit hervorragender Gründlichkeit und für Laien sehr gut geschrieben, behandelt eine vcr mehr als zehn Jahren erschienene, aber immer noch aktuelle Schrift des russischen Arztes und Hofrates Dr. D e m b o *) — ein durch den am 21. Jänner 1891 in Petersburg tagenden Kongreß sämtlicher russischer Tierschutzvereine veranlaßtes Referat — alle gegen die verschiedenen Todesarten möglichen Einwürfe und kommt, wie gleich vorausgeschickt werden soll, zu dem 'Schlüsse, daß die altehrwürdige Schächtmethode die humanste oder besser gesagt, die wenigst inhumane sei. Schöpfen wir aus dieser reichen Fundgrube tiefen Wissens und mühevoller Forschungsarbeit das Wichtigste heraus, so möchten wir mit der am Schlüsse mitgeteilten Reminiszenz aus der Geschichte beginnen, wonach S e n e c a, der berühmte Naturforscher und Lehrer Neros, von diesem zum Tode verurteilt, bei der ihm zur Wahl überlassenen Todesart, sich für die Ausblutung im Wege der Durchschneidung der Arterien entschied. Er wußte genau warum! *) Das Schachten im Vergleich mit anderen Schlachtmethoden. „Vom Standpunkt der Humanität und Hygiene beleuchtet, von Dr. Med., I. A. D e m b o," Leipzig, Slavische Buchhandlung, H. Roskoschny, 1894.