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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-08-18 · 33 (18.8.1905) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
33 (18.8.1905)
Date
1905-08-18
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Str. 33 Dr. JSlocb’s MlocbenscbrM. Seite 527 Naivität, mit welcher in dem „Lied von der Erschaffung der Welt" der Marschalik Gabriel Nachod in Prag — gegen Ende des XVILT. Jahrhunderts — die biblische Geschichte bis zum Einzug in das gelobte Land schildert. Es folgen R. Liffau, I. H. Wagner, Prof. Antscherl, Dr. Margel und Dr. I. Heckscher mit Liedern, Sprichwörtern, Spielen usw. Dr. A. Löwenthal liefert einen Nachtrag zu den in den „Mitteilungen" veröffentlichten Arbeiten Bersohns über Holzsynagogen. „Die Holzsynagoge in Czieschowa" in Oberschlesien, auf welche der Herausgeber schon vor Jahren aufmerksam gemacht hat, bildet den Gegenstand der gründlichen Darstellung. Die „Jüdischen Volksweisen", welche von Kirchenrat Dr. Kroner, Stuttgart, sowie Rabbiner Beilin in Irkutsk gesammelt und von Profeffor Kirschner in München kritisch besprochen find, reihen sich würdig den musikalischen Beilagen früherer Jahrgänge an. Mit besonderer Gründlichkeit bespricht Dr. Heckscher einige jüdische Hamburgensien, unter anderem berichtigt er die übliche abfällige Charakteristik des bekannten Ghettodichters Hermann Schiff. Jeder künftige Biograph dieses unglücklichen Vetters Heinrich Heines wird sich an Heckschers Arbeit orientieren müssen. Den Schluß, bis auf ein Verzeichnis der Eingänge zu den Sammlungen der Gesellschaft für jüdische Volkskunde in Hamburg, bilden „Kleine Beiträge zur jüdischen Kunstgeschichte" von Dr. G r u n w a l d. Vor uns liegen da bisher unbekannte Briefe Gabriel Rießers und seiner Familie, ein Brief Mosers an Wohlwill, ein Brief über Heinrich Heine aus der Feder seines Gegners Wihl. Briefe des Ehepaares B. v. Eskeles in Wien und von Prof. Hupfeld schließen den ersten Cyklus dieser „kleinen Beiträge". An diese „Hamburgensien" schließen sich Dokumente „aus der Zeit des Hoffaktors", so ein Schreiben „des alten Deffauers", Indiskretionen aus der Finanzpolitik deutscher Fürsten mit allen ihren Kalamitäten, aus denen der Hofjude um jeden Preis, und kostete es sein Geld und seine persönliche Freiheit, heraushelfen mußte. Denn nur so ist offenbar der gegen den Deffauer Hofjuden Moses Benjamin Wolf verhandelte Prozeß wegen Einführung fremder Münze in Oesterreich zu erklären. Ueber Leffmann Behrends erhalten wir neue Aufschlüsse aus Wiener Archiven, ebenso über den jüdischen Erfinder Hartog von Lan, dessen Zugehörigkeit zum Judentum bisher unbekannt war. Aus der Fülle des Stoffes, der hier in bestimmte Rubriken geordnet vorliegt, erwähnen wir noch Briefe des Ehepaares Leopold und Adelheid Zunz, ferner sehr aufschlußreiche Briefe von Zach. Frankel, Grätz und W. Landau, Dresden, welche für einen Historiker des Breslauer Rabbinerseminars manches Beachtenswerte enthalten, ferner etwas über David Friedländer und ein interessantes „Testament aus der Zeit Kaiser Joseph II.", dessen Original sich im Besitze des Wiener Hof- und Gerichtsadvokaten Dr. Marcell Hoffmann befindet. Schon diese flüchtige Uebersicht läßt erraten, wie viel des Wissenswerten dieses neue Heft der „Mitteilungen" umschließt. Möge sich das nächste nicht von ihm in den Schatten stellen lassen! X. „Aus kranken Tagen", betitelt sich eine von Alfred Nathan herausgegebene Gedichtsammlung, die uns an Heine'schen Weltschmerz mahnt, manche Saite in unserer Seele erklingen läßt, die volltönend noch lange nachhallt, nachdem wir das Buch geschlossen. Der Autor hatte seine stimmungsvollen Gedichte in Tagen der Krankheit, da er sich schon der Schwelle des Jenseits wähnte, geschaffen; es zeigt sich in ihnen ein abgeklärter Geist, tiefes, wehmutsvolles Empfinden. „Ich habe dich so heiß geliebt Du wunderschönes Leben" singt der Dichter und der Schmerz, diesem schönen Leben Valet sagen zu müssen, tönt wie eine Trauerklage, herzergreifend, stimmungsvoll. Ein glückliches Geschick hat indeß den Autor nach schwerer Krankheit diesem „wunderschönen Leben" erhalten. Möge es ihm vergönnt sein, in Tagen der Freude seinen Pegasus zu satteln und uns noch manche Probe seines vielseitigen Talentes zu geben. I. Barber. Neue Bücher. Unsere Hoffnung. Monatsschrift für die reifere jüdische Jugend, Redaktion und Administration: Wien, 111/2, Untere Viaduktgasse 25. II. Jahrgang. Heft 8. August 1905. Inhalt: El ihn ben B e r a ch e l: Zum Todestage Theodor Herzl's. Ben Samuel: Zur Lektüre der jüdischen Jugend. Ernst Müller: Die Frage. Eh. Tartakower: Die „Iwrith be Jwrith"-Methode. F. A.: Zur jüdischen Literatur. Buki ben Jogli: Das Lied der Nachtigall. Bücherschau. Rundschau. Kriefkaste«. Rabbiner D. B. Winter in Cborostkow. Sie haben gewiß recht, doch zum Abdruck nur in einem wissenschaftlichen Fachblatt geeignet. Dr. S. B. Man spricht wieder viel von einer russischen Anleihe, für die Herr Witte in Deutschland wie in Frankreich und am meisten in Amerika den Boden urbar machen soll. Nur selten wird dabei eine schüchterne Mahnung an die Finanzwelt laut, doch auch der unglücklichen russischen Juden zu gedenken und vor Abschluß des Geschäftes für sie gewisse Garantien zu fordern. Wenn schon die Nachkommen frommer und großer Männer im Judentum die Mörder von Kischenew und Homel finanziell zu rangieren unternehmen, so sollten sie dabei doch auch gewisse Garantien für die künftige Stellung der russischen Juden fordern. Dies gilt in erster Linie vom Hanse Rothschild! AVer wir gestehen offen, daß wir in dieser Beziehung viel mehr auf die amerikanischen Finanziers vertrauen als auf die europäischen. Sch. in L. Der angebliche Rabbiner O. Krohn in Borszezno (Galizien) ist kein Rabbiner, sondern ein Gauner und Hochstapler, welcher sich nur darauf verlegt, Schnorrbriefe unter verschiedenen Bor- Wänden abzuschicken, um die Mildtätigkeit reicher und hochgestellter Personen auszunützen. Dieses Individuum war schon mit einigen Monaten Kerkers für solch betrügerische Briefe und Fälschung von Amtssiegeln verschiedener Kultusgemeinden bestraft. „Zionist." David Rubent war ein Abenteurer, der im Jahre 1552 als angeblicher Abkömmling des Königs David auftrat; er suchte in Italien, Spanien und Portugal Truppen zur Eroberung Palästinas zusammenzudringen. Im Jahre 1533 wurde er von Karl V. gefangengenommen und starb in einem spanischen Gefängnis. Wortgrübler. Das im jüdischen Jargon gebrauchte Wort „petite“, das gewöhnlich die Bedeutung von Uedervorteilung bei Geschäften hat, dürfte von dem italienischen Worte „partito“ kommen, das die Bedeutung von einem kleinen Raubmge im Kriege, z. B. Beutezügen von Maiodeuren, hat. Im Deutschen wurde dieses letzte Wort während des dreißigjährigen Krieges, aber dann auch noch später, z. ,B. von Abraham a Sancta Clara, stark gebraucht. Die Teilnehmer an einem solchen Beutezuge hießen „Partitengänger". Im Wiener Dialekt hieß es „Partitenmacher", doch wird es jetzt schon sehr selten gebraucht. „Germanicus". Nicht im Jargon allein wurden die Namen verstümmelt. So wurden aus oem griechischen Vornamen Alexander die deutschen F miliennamen Sander und Zander, aus Ambrosius Brose und Brösicke, aus Andreas Enders, Enderlein, Drewes und Dreews, aus Bartholomäus Mewes und Möbius, aus Johannes Jahnke, Jäckel, Hensel, aus Jakob Köbke und Köppke, aus Markus Marx, aus Abraham Brahms usw. &. L. „Ein Weiser verlangt alles nur von sich; ein Dummer alles von anderen" ist ein chinesisches Sprichworts „Dr. K., 1fr/7". Jüdischer Abstammung. Eingesendet. An die jüdischen Abiturienten Böhmens k Immer näher rückt der Tag heran, der uns Abiturienten die Tore der freien Hochschule öffnet. Mit freudiger Erwartung sehen wir dem Augenblicke entgegen, von welchem ab wir den stolzen Titel „akademische Bürger" führen dürfen. Allein, sind schon die Befürchtungen, die wir notwendigerweise bei jedem Entschluß hegen müssen, der uns an irgendwelche Berufswahl bindet, geeignet, den Glanz der akademischen Freiheil, die uns winkt, zu trüben, so mutz all das, was wir über die Zustände an den Hochschulen selbst leichthin erfahren können, unser Ehrgefühl empfindlich treffen. Aus öffentlichen Mitteilungen wird Euch, liebe Kommilitonen, wohl bekannt sein, daß rohe und offene Anfeindungen seitens der antisemitischen Studenten-- schaft sich von Tag zu Tag häufen, der Rassenhaß in all seiner unbegreiflichen Unmenschlichkeit stets lauter seine Stimme hören läßt. Erst vor Kurzem wußten die Zeitungen — all denen zum Schrecken und zur heilsamen Belehrung, die wider ihre bessere Ueberzeugung ein Abnehnlen des Antisemitismus zu konstatieren sich bemühen — von jenem allen durch Bildung nur halbwegs geklärten Anschauungen direkt ins Gesicht schlagenden Beschluß der antisemitischen Studenten Wiens zu berichten, der die jüdische Intelligenz in den freien akademischen Studien beschränken will. Weit schmerzlicher aber berührt eS uns, wenn wir sehen, daß viele, ja weitaus die meisten unserer eigenen Stammesbrüder Vereinigungen unbedenklich beitreten, die zwar im Prinzip den rohen Raffenhaß verurteilen, tatsächlich aber ein

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