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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-05-26 · 21 (26.5.1905) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
21 (26.5.1905)
Date
1905-05-26
Page
– (sequence 1)
Language
German
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/ V-. 21 Iahrga«- XXII Or. Bloch’s ♦ C ♦ Central orgsn für die gefsmmten Interessen des Iudenthums. -M n. k. Pofisparraffen-Aml Clearing-Verkehr Nr. 610.876. LrLartton und Ndministratton: wir« IX/1, Verggaffr Nr. 88. Tolephon Nr. 14.847. *=====* -~—-H.-- Mien. 26 Mai li)05. -> «. —- Lrsch eint jeden Freitag. ->— ■» , . <- Brief-Adresse: Wie«, H/1» Berggasse 38. Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, Wie« f vrprg»Prri» fltr Srstrrrrtch- Halbjährig 8 Krone». Einzelexemplare SO Heller. Mr'» Nuoleiud: Halbjährig 10 Krone». Ganzjährig 20 * Anzeigen: Die<malgespaltene Petitzeile 24 Heller. T *= Inhalt: Leitartikel: Dokumente zum Judenmord in Schitomir. — Ein Kassabuch der Wiener Judenschaft. — Karoline Gompertz- Bettelheim. — Strohdachs Nachfolger. — Die große jüdische Stiftung in Dessau. — Korrespondenzen: Zionistische Parteileitung. Zur Frage des Hausiergesetzes. Verein zur Unterstützung israelitischer Handwerker und Kleingewerbetreibender. Verein zur Versorgung.hilfsbedürftiger israelitischer Waisen. Die Juden im Ackerbau. Eine Protestversammlung gegen die Fremden-Bill. New-Iork. — Vermischtes: Die XXXII. ordentliche Generalversammlung der Israelitischen Allianz zu Wien. Wiener Schachtverbot. Wien, Baden, Agram, Budapest, Neu-Raußnitz, Lobositz, Straßnitz, Pribram, Prag, Rozsahegy. — Feuilleton: Aus finstern Zeiten. — Literatur. — Neue Bücher. — Briefkasten. — Inserate. Dolmrnrnte zum Iudenmord i« Schitomir. „Mich wundert es nur, daß der Himmel über Europa sich nicht aus Scham über den russischen Absolutismus gerötet hat. Mich wundert es, daß es in Europa noch Juden gibt, die nicht fluchen, die vor Schmerz bei den Nachrichten über diese Mordtaten nicht weinen, daß es hier in Europa noch Freunde und Verbündete des russischen Selbstherrschertums gibt. Das eine weiß ich: dieser schreckliche Schandfleck, der die Blätter der russischen Geschichte besudelt, kann durch nichts ausgelöscht werden und wird in alle Ewigkeit dort nicht verschwinden. . . . Die Politik der russischen Regierung in der Judenfrage ist der Gipfel der Niederträchtigkeit, Verräterei und Bestialität." So schrieb unlängst Professor M. v. Reusner in einem Artikel in der „Zeit": Daß die Judenschlächtereien von der Regierung selber planmäßig organisiert werden, leidet jetzt gar keinen Zweifel. Als der Krieg ausgebrochen war, sagte ein sehr gut unterrichteter russischer Patriot, ein harter Gegner der russischen Juden zu einem Mitarbeiter des „Kleinen Journal" spöttisch: „Der Krieg ist kein Unglück für Rußland, wenn es auch dabei Unglück haben sollte. Aber er ist eine Katastrophe für die Juden. Man wird so viele man nur kann als Kanonenfutter verwenden und die anderen für Krieg und Niederlagen verantwortlich machen. Man wird sie plündern und erschlagen, wenn die Japaner siegen, um dem patriotischen Schmerze Luft zu machen, und man wird ihnen die Häuser über dem Kopfe anzünden, wenn man Freudenfeuer wegen etwaiger Siege benötigen sollte. Die Kriegssteuern wird sich der Muschik bei ihnen holen wollen, und der Obrigkeit wird das weit sympathischer sein, als wenn sie einen rechtgläubigen Russen durch den Pfändungskommissär von Haus und Hof vertreiben müßte. Noch schlimmer wird es ihnen aber gehen, wenn der Frieden wieder geschlossen wird. Das zurückkehrende Heer wird sich an ihnen für die Unbill, die Entbehrungen im Felde schadlos halten wollen." — Ja, was wäre denn dann für die russischen Juden die Rettung? — „Wenn sie nicht mehr leben würden oder wenigstens nicht in Rußland", war die prompte Antwort. Und als dann die revolutionäre Bewegung ausbrach, meinte derselbe Kenner der Höhen und Tiefen seines Vaterlandes: „Jetzt sind die Juden verloren. Stellen sie sich in die Reihen der Revolutionäre, so erwürgt sie die Regierung, weil sie Hochverräter sind, und bleiben sie zu Hause, so ermorden sie die andern, weil sie die „gute Sache" verraten. Nach diesem Rezept verfährt die russische Regierung und versaßt ihre offiziellen „Berichte". Wir haben bereits in der vorigen Nummer auf die „Erklärung" der Petersburger Regierung hingewiesen und notieren sie nochmals wörtlich als ein wichtiges historisches Dokument: „Daß die Zahl der Opfer bei den Unruhen in Schitomir verhältnismäßig gering ist, ist den energischen Maßnahmen zuzuschreiben, die die Regierung zur Unterdrückung und zur Verhütung von Unruhen ergriffen hat. Bereits seit dem 21. April haben die Juden in Schitomir eine herausfordernde Haltung an den Tag gelegt; so gebrauchten sie zum Beispiel das Bild des Kaisers als Ziel für Schießübungen. Dem Ministerium des Innern, so fährt das Blatt fort, liegt eine Reihe von Berichten über von Juden auf der Straße gegen Christen verübte tätliche Beleidigungen vor. Am 25. April wurde in Schitomir ein Aufruf des Wolhynischen Komitees der sozialrevolutionären Partei verbreitet, worin eine Judenhetze angekündigt wurde. Die Verantwortung hierfür falle der Verwaltung am Orte zu, wodurch ein Teil der Bevölkerung gegen den anderen aufgereizt sei. Das oben erwähnte herausfordernde Betragen der von der revolutionären Propaganda «beeinflußten Juden habe nicht nur die Maßnahmen der Verwaltung gegen die Unruhen beeinträchtigt, sondern sogar Konflikte geschaffen. Um solche unmöglich zu machen, habe der Minister des Innern den Gouverneuren vorgeschrieben, neben energischen Maßnahmen auch dem gutgesinnten Teil der Judennahezulegen, daß sie im Interesse der jüdischen Massen ihre in den politischen Kampf hineingezogenen Glaubensgenossen vor einer Feindschaft erzeugenden herausfordernden Haltung gegen die Christen warnen mögen." Daß die Schergen des Zaren hier faustdicke Lügen in Europa verbreiten wollen, war sofort klar. In Rußland trüben

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