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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1905-03-31 · 13 (31.3.1905) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
22 (1905)
Issue
13 (31.3.1905)
Date
1905-03-31
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 206 Dr. Llocb's Mocvenscvrm. Nr. 13 Flusse, „El-Udscha" genannt, vorbei und trafen einen Araber, der uns aus demselben kurz vorher frisch gefangene, karpfenähnliche, einhalb bis ein Kilo schwere Fische zum Kaufe anbot. Es war ein Donnerstag und mein Reisebegleiter aus Jaffa kaufte gleich einige, wie er sagte, „lechowaud schabbos“, zu Ehren des Sabbaths. Ob er wohl auch in einem dieser Fische eine kostbare Perle fand, wie einst der fromme Sabbathverehrer R. Josef? Dies dürfte kaum der Fall gewesen sein, aber eine sehr wertvolle Perle besaß doch mein Reisegefährte, wie er mir während der Fahrt erzählte und zwar in seiner wackern, frommen Frau, die namentlich zu Sabbathen uud Festtagen die besten kulinarischen Genüsse ihrem mich begleitenden Gatten und ihren Kindern, aber auch ihren sonstigen Gästen zu bereiten fich stets bemühte und in allem und jedem eine Zierde ihres Hauses war. Bevor wir nach Jaffa kamen, sahen wir noch ein echtes Beduinenlager seitwärts von der Straße. Mein Reisebegleiter sagte mir, daß hier überall und in den Kolonien die größte Sicherheit in Bezug auf Hab und Gut und die Person herrsche. In Jaffa kam ich mit meinem Reisegenossen Herrn Kornitzer wieder zusammen. Hier besorgten wir einigen Mundvorrat für die Seereise: Eier, Selchwaren, mürbes Backwerk, Obst re. Bemerken wollen wir noch, daß uns auf der Reise mürbes, mit Kokosnußfett (Kunerol) erzeugtes Backwerk sehr gute Dienste leistete; es blieb schmaHast, ohne zu verderben. Bei Kamenietz kräftigten wir uns noch vor unserer Seereise an einem schmackhaften Mahle — dem letzten auf heiligem Boden —, beteten mit „Mesuman“, holten an der Douane unsere Paffe und bestiegen ein Boot, um zum großen Lloyd-Dampfer „Cleopatra", der weit draußen im Meere vor Anker lag, zu gelangen. Die See war, weil scharfer Wind herrschte, sehr bewegt. Unsere arabischen Bootssührer, geschickt die zahlreichen Klippen umfahrend, sangen laut: „Allah bisadena“ („Gott helfe uns!") und frisch ging es hinaus ins Meer, bis wir um 6 Uhr beim Dampfer anlangten. Die Araber hoben dann jeden der 8 Passagiere unseres Bootes geschickt auf die Schiffstreppe, über die wir rasch emporkletterten, Gott dankend, daß wir auf dem großen und sicheren Dampfer wieder festen Fuß fassen konnten. Mittlerweile wurde noch viel Ware eingeschifft und es war ganz dunkel geworden. Unser liebenswürdiger Hotelier, Herr Kamenietz, gab uns freundlich bis auf das Schiff das Geleite und sprach zum Abschiede laut die traditionellen Segensworte. Gegen 9 Uhr wurden bei völliger Dunkelheit die Anker gelichtet. Die Maschinen begannen zu arbeiten und das Schiff setzte sich in Bewegung. Wir sahen den Leuchtturm und die beleuchteten Fenster der Hafenstadt sich von uns immer mehr entfernen. Lange wandten wir vom Verdeck aus unfern Blick nach dem Gestade des Heiligen Landes. Andächtig beteten wir unser Nachtgebet „MAriw“, immer nach Osten blickend. Die Sterne, wie einst in jener denkwürdigen Nacht unserem Patriarchen Abraham, leuchteten auch auf uns hernieder, das letzte Licht vom Gestade des Landes unserer Väter entschwand unseren Augen und wir suchten unsere Kajüte auf. All die herrlichen Bilder, die wir gesehen, zogen noch einmal an unserm Auge vorüber, als wir entschlummerten. lieber Port Said in Alexandrien tags darauf angelangt, besuchten wir die Stadt, mußten uns zuvor, aus Quarantaine- Rückfichten, alle ärztlich untersuchen lassen, bestiegen dann den neuen herrlichen Lloyd-Eildampfer „Bohemia", der uns nach anfangs stürmischer Seefahrt in kaum 4 Tagen nach Triest brachte, von wo wir, nach glücklicher Fahrt, wohlbehalten, nach säst zweimonatlicher Abwesenheit, anfangs September in Wien wieder eintrafen. Literatur. Ein Sammelwerk über de« Zionismus. Mit großem Jntereffe werden die jüdischen Leserkreise das unter dem Titel „Die Stimme der Wahrheit" eben erscheinende Jahrbuch für wissenschaftlichen Zionismus begrüßen, welches Lazar Schön im Verlage von N. Philippi, Würzburg, herausgibt. Denn seit langem schon machte sich das Bedürfnis nach einer gründlichen wissenschaftlichen Bearbeitung der Probleme des Zionismus, wie sie hier zum erstenmale geboten wird, geltend. Der Inhalt des Sammelwerkes ist ein überaus reicher. Trotzdem die Autoren den verschiedensten Richtungen angehören, tritt in der Mehrheit der Aufsätze unverkennbar eine neue Strömung im Zionismus hervor. Man sieht ein neues Programm sich krystallisieren. Im Gegensatz zu dem früher populären, ausschließlich diplomatischen System bekennt sich die Mehrheit der Autoren zum Programm der Realpolitik und einer wirtschaftliche und kulturelle Probleme berücksichtigenden Gegenwartsarbeit. Die umfangreichste, so ziemlich alle Seiten der jüdischen Frage berührende Programmarbeit liefert an leitender Stelle Dr. Alfred Nossig. Ueberdies schreiben über programmatische Fragen Dr. Max Nordau, Heinrich Iork- Steiner, Mathias Acher, Dr. Daniel Pasmanik, Dr. Arthur Ruppin, Lazar Schön. Aber auch alle anderen Hauptprobleme des Zionismus werden von berufenen Autoren in methodisch zusammengestellten Gruppen von Aufsätzen beleuchtet. Wirtschaftliche, kulturelle und organisatorische „Palästinafragen" behandelt M. Ussischkin, Israel Zangwill, Oberingenieur Josef Lau, Dr. Hillel Joffe. In den „Stimmen über Dr. Theodor Herzl" errichten hervorragende Parteigenossen dem unvergeßlichen Führer des Zionismus ein literarisches Denkmal. Es folgen Aufsätze „Für und wider den Zionismus" von Professor Dr. Ludwig Geiger, Samuel Lublinsky, Dr. Mirkin, M. Kleinmann und Ansichten bedeutender christlicher Autoren über den Zionismus, wie Ferdinand v. Saar, L. v. Ditfurth, Friedrich Duckmeyer, Dagobert v. Gerhardt-Amyntor, Ernst Ogilvie, Dr. C. v. Rappard u. v. A. lieber zwei hochwichtige Themen wird zum erstenmal eine erschöpfende Diskussion eröffnet: „Zionismus und Kultur", „Zionismus und Religion". Den Beschluß bilden die Abteilungen „Der Zionismus und die Frau", „Zur Geschichte des Zionismus" und „Zionistische Literatur". Es gibt kein den Zionismus berührendes Thema, welches in dem Jahrbuch nicht eine gründliche Bearbeitung erfahren hätte. Heute, wo das Aufrollen der Ugandafrage und des Territorialismus und das Ableben Dr. Th. Herzl's den Zionismus zu einer neuen Orientierung drängen, wird „Die Stimme der Wahrheit" zu einer willkommenen, ja unerläßlichen Informationsquelle. Das luxuriös ausgestattete Sammelwerk ist mit einem schönen Titelbilde von Coschell und zahlreichen Bildnissen geschmückt. Preis: broschiert Mk. 6.—, vornehm gebunden Mk. 7.50, Luxusausgabe auf Kunstdruckpapier Mk. 10.—. Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden. Herausgegeben vom Bureau für Statistik der Juden, Berlin-Halensee, Westfälische Straße 46. Redaktion: Dr. Arthur Ruppin. I. Jahrgang. Heft Nr. 3. März 1905. Inhalt: I. Abhandlungen. Dr. Alfred Nossig, Berlin: Die Auserwähltheit der Juden im Lichte der Biologie. Dr. Richard Weinberg, Dorpat: Das Hirngewicht der Juden. Dr. Arthur Cohen, München: Statistik und Judenfrage. II. S t a t i st i s ch e s Archiv. Unterrichtsverhältnisse in Bayern. Sterblichkeit in Budapest im Jahre 1903. Zahl und Bewegung der jüdischen Bevölkerung in Rumänien. Die Juden in der Levante, in Syrien und Palästina. Mitteilungen: Aus dem Jahresbericht des Vereines für Statistik der Juden (E. V.) in München. Kriefkasten. M. G. Die Mitteilung findet sich in der Zeitung „Poltawtschina", daß vor Ausbruch des Krieges ein Ukas erschien, der den Juden verbot, in Port Arthur und auf der ganzen Kwantun-Halbinsel sich ansässig zu machen. Vor Abgang der Truppen aus Odessa waren einige neugierig zu erfahren, ob es auch Juden unter diesen Regimentern gibt, die berufen wurden, jene Grenzen zu beschützen, oder ob dieses Verbot auch auf die Soldaten eine Anwendung hat. Es erwies sich, daß in vielen Regimentern sich 20 Perzent Juden befanden. Darauf wurde die Bewilligung nachgesucht, daß die jüdischen Soldaten sich eine Thorarolle mitnehmen dürfen. Jetzt befindet sich dieselbe, wie die Zeitungen berichten, bei den Japanern in Gefangenschaft.

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