Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1905)
- Issue
- 1 (6.1.1905)
- Date
- 1905-01-06
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 1 Dr. Blocb s MocbenscvrM, Sette 11 setzen sie sich auch allerhand Vorwürfen aus, weil sie bei ihrer Bedürfnislosigkeit zu niedrigen Preisen arbeiten. Viele jüdische Einwanderer wenden sich auch gelehrten Berufen zu, jüdische Studenten sind an der Columbia-Universität in der Majorität. Großen Fleiß und Eifer entwickeln die Einwanderer im Selbstunterricht. Man findet sie in großer Zahl in den öffentlichen Bibliotheken, und sie lesen dort nicht etwa Romane, sondern suchen sich nur solche Werke aus, die ihren Geist fördern und ihr Wissen erweitern. Natürlich haben nicht alle eingewanderten Russen dieselbe Lebensauffassung; einige haben die Absicht, in dem neuen großen Weltreich ein isoliertes jüdisches Leben zu führen, die Mehrheit aber hat eingesehen, daß der nach Amerika eingewanderte Jude auch danach trachten muß, Amerikaner zu werden. Deshalb nimmt eine große Anzahl der eingewanderten Juden regen Anteil am öffentlichen Leben und schmiegt sich den Gewohnheiten ihrer Umgebung an. Das wichtigste Mittel zur Amerikanisierung ist die Erziehung der Kinder. Es kommt vor, daß junge Leute schon nach mehrjährigem Aufenthalt in Amerika nicht gern den Zusammenhang mit ihrem Geburtsland zugestehen. In den öffentlichen Schulen, im gemeinsamen Unterricht mit geborenen Amerikanern erfassen die Kinder schnell den amerikanischen Geist, sind stolz auf seine Flagge, seine großen Männer, seine freie Verfassung. Für diese jungen Einwanderer wird das Sternen- und Streifenbanner bald zum Symbol der Menschenrechte und der Freiheit. Sie können nicht anders als das liberale Land lieben, das ihnen eine Freistatt geöffnet hat. Die Amerikanisierung wird den Eingewanderten um so leichter, als zwischen dem amerikanischen und dem jüdischen Geist ein ganz seiner Einklang herrscht; der amerikanische Geist ist auf Freiheit begründet, und lehrt nicht der jüdische Geist Freiheit, Bruderliebe und Gerechtigkeit gegen alle Menschen und alle Völker? Zum' Schluß erwähnt der Vortragende den Anteil der Juden am politischen Leben Amerikas, und daß die Juden bei der letzten Präsidentenwahl in großer Zahl für Roosevelt votiert haben, und spricht die Meinung aus, daß der Zionismus in den Vereinigten Staaten keine große Zukunft habe. Die Zionisten sind ja an Zahl nicht gering, es sind aber meist platonische Zionisten; die Majorität der eingewanderten Juden hat nur den einen Wunsch: sie wollen amerikanische Bürger werden und Juden bleiben. Der mit großem Beifalle aufgenommene Vortrag fand im Saal des israelitischen Konsistoriums statt. Ueber die Zustände in unserem Heere hat der gewesene Kriegsminister Andre in der Dcputiertenkammer seinerzeit folgende Enthüllungen gemacht. Er sagte in seiner Rede: Wenn es sich um israelitische Offiziere handelt, so geschehen unerhörte Dinge. In gewissen Regimentern bestehen wahre Jnquisitionsgerichte. Man zwingt die Offiziere, ihren Taufschein vorzulegen und schließt sie von jedem kameradschaftlichen Verkehr aus, solange sie dies nicht tun. Selbst an der Schwelle der Schule macht die Intoleranz nicht halt. Ein Examinator gibt einem israelitischen Prüfling die ausgezeichnete Note vierzehn. Der Oberst aber erklärt, er wolle keinen Juden im Regiment haben und setzt die Note willkürlich auf zwei herab. Kriegsminister Andre erzählt weiter folgende Tatsachen: In Orleans hat der diplomierte Kapitän Picard israelitischen Glaubens einen Kameraden gegrüßt, welcher den Gruß nicht erwiderte. Er sagte: „Ich grüße keinen Juden". Kapitän Picard forderte ihn. Er antwortete: Ich schlage mich mit keinem Juden. (Hört! Hört! links.) Kapitän Picard beklagte sich bei seinem Obersten, dieser aber bat ihn, keinen Lärm zu machen, und schlug die Affaire nieder. Der jüdische Offizier wird dann „in Quarantaine gelegt". Es werden verschiedene Anklagen gegen ihn erhoben, welche er nicht kennt. Der Minister erhält von diesem Falle auf indirektem Wege Kenntnis. (Gelächter rechts.) Er fordert, daß man ihm das, Resultat der Untersuchung mitteile. Der Divifionsgeneral anerkennt, daß die gegen den Offizier erhobenen Anklagen falsch find und drückt demselben seine Achtung aus. So mußte man, sagt Andre, Vorgehen, um den verdächtigten Offizier zu rehabilitieren. Noch ein Faktum. In Mans steht Leutnant Glück im Verdacht, Israelit zu sein. Er wird boykottiert. Da wird ein preußischer Helm aus dem Waffensaal gestohlen. Man beschuldigt den Offizier dieses Diebstahls. Der Oberst, bei welchem Beschwerde geführt wird, antwortet: „Sympathien lassen sich nicht kommandieren". Man versetzt den Offizier, aber in Mans bleiben jene Offiziere in Quarantaine, welche gute Beziehungen zu Glück unterhalten haben. Ich habe es, fügt General Andrö hinzu, ungeachtet vierjähriger unausgesetzter Anstrengungen noch nicht erreicht, die Einigkeit in der Armee herzustellen und jene toleranten und herzlichen Beziehungen zu schaffen, welche so sehr wünschenswert sind. (Beifall links.) Der hierarchische Apparat unterstützt mich nicht so, wie er müßte. Ich habe immer das Gefühl, daß die alten Parteien ihre Hiebe führen. Aber das wird mich von meiner Pflicht nicht abbringen lassen. — Diese Rede des Ministers lehrt den Fall Dreyfus völlig verstehen. Wie mögen seinerzeit die Nationalisten vor Wut darüber geschäumt haben, daß ein ungetaufter Jude sogar in das „Allerheiligste" des Generalstabs seinen Einzug hielt. Der mußte heraus, koste es, was es wolle. Da wurde das Bordereau fabriziert, Dreyfus mußte zum Verräter gemacht werden, wie Glück zum Dieb des preußischen Helmes. Es gibt aber doch in Frankreich eine starke Partei, welche auch das Recht schützt,wenn es sich um Juden handelt. Vermischtes. Kranzablösungsspenden zugunsten der Chewra-Kadischa Wien, I-, Seitenstettengasse 4 für arme kranke Glaubensgenossen. Anläßlich des Ablebens der seligen Rosalia Lu dmer: Von Isaak Ludmer, Kiew X 20 —, Nathan Ludmer K 10.-; zusammen X 30. . Anläßlich des Ablebens des sei. Herrn Alfred B e n v e n i st i: Bon kais. Rat Max Duschnitz X 50.- . Anläßlich des Ablebens des sel. Herrn Theodor Kantor: Bon Ignaz Rosenberg X 10.—. Anläßlich des Ablebens der seligen Elvira H a m b e r: Bon LeonLindner, k. k. Notar X 10.- , Eduard Goldstein 5.—; zusammen K 15.-. Anläßlich des Ablebens des sel. Herrn Michael Straß er: Bon Ludwig Stroß X 20.—, Dr. Jakob Singer 10.—; zusammen X 30.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Herrn Ferdinand H n l l e s: Bon Rosa Hulles X 5.—, Sigismund Rochmes 5.—; zusammen X 10.-. Anläßlich des Ablebens der seligen Clara Fritsch: Bon F. Schönau X 10.— . Anläßlich des Ablebens des sel. Herrn Adolf Frankl: Von Julius Steiner samt Familie X i0. - . Anläßlich des Ablebens der seligeil Rosalia G u t t m a n n: Von Alois Guttmann X 10.-. Anläßlich des Ablebens des sel. Herrn Wilhelm Michaels: Von Hermann Weinberg X 10.—, Julius Baad 10.—; zusammen X 20. . Anläßlich des Ablebens der seligen Rosalia Ranzenhofer: Von Regine Popper X 5.—. Anläßlich des Ablebens der seligen Fanni K o h n : Von Dr. H. Böhmer X 2.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Herrn Professor Dr. Emil S z a n t o: Von Rudolf Auspitz X 50.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Herrn Jakob Vogel: Von S. G. X 10.-. Anläßlich des Ablebens des sel Herrn Jakob Schick: Von Ignaz Eisenschimmel X 20.— , Albert Kaiser und Frau 10.-, Ludwig Schick lo.—, P. V. Eisenstädter 10.—, Josef Mandl 10.-, Ludwig Ullmann 3.—, Simon Braun 2.-; zusammen X 65.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Herrn Ignaz R o s e n b l ü h: Von Lion Braun und A. Kaiser X 8.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Herrn Hermann L ö w b e e r: Von Nathan Grünwald X 10.-, Rudolf Kohn 5.—, Leopold Kohn 5,—, Leopold Weiß 5.—, Bernhard Weiß 5.—, Hermau Kohn 5.—, Alexander Kohn 5.—, Mela N. 2.—, Michael Kellner 2.—, Ignaz Wolf 1.—; zusammen X 45.—. Anläßlich des Ablebens der sel. Adele S ch i m e t s ch e k: Von Adolf und Jenny Freund X 10.—, Dr. Moritz Politzer 10.—, zusammen X 20.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Herrn Samuel K a u d e r s: Von Herrn Leopold Langer X 20.—, Wiener Wechsler-Verein 50.— , Dr. Josef Breitenstein 5.; zusammen X 75.— Anläßlich des Ablebens des sel. Herrn Ignaz L ö w e n t h a l: Von Max Honig X 2.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Herrn Max Waldapfel: Von Max Zerner X 5.—, Verein „Jugendschntz" 5.—; zusammen X 10.-.