Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 53 (30.12.1904)
- Date
- 1904-12-30
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr 53 Seite 833 Dr. Vloch's Wochenschrift. er hätte am liebsten die Flucht ergriffen, doch bannte ihn der Befehl des hohen Rabbi an der Stelle fest. Er riß, seine Angst überwindend, einem der Kindlein die Tachrichim vom Leibe und lief eilends zum Rabbi, der ihn schon am Fenster erwartete und sich haarklein von dem Vorgefallenen'berichten ließ. Plötzlich sahen sie ein kleines nacktes Kindergespenst dahereilen, das flehentlich die Händchen znm Fenster des Rabbi emporstreckte und händeringend um seine Tachrichim bat, da es sonst die Ruhe im Grabe nicht finden könne. Doch Rabbi Löw hielt das Kindchen fest und sagte ihm, daß es erst dann das Verlangte wieder bekommen solle, wenn es angegeben, weshalb diese fürchterliche Pest herrsche. Doch das Kindlein blieb stumm und wollte den Grund nicht sagen; aber als es sah, daß der Rabbi nicht nachgeben würde, teilte es ihm den wahren Grund mit: Eheleute, die in einer nahen Gasse wohnten, hätten durch ihren unfittlichen Lebenswandel den Zorn des Allerhöchsten heraufbeschworen, so daß er mit dieser Seuche die ganze Gemeinde strafend heimsuchte. Um sich von der Wahrheit dieser Mitteilung zu überzeugen, nahm Rabbi Löw das Kindlein und ließ sich den Weg weisen. Nachdem er sich überzeugt hatte, daß das Kindlein ihm wirklich die wahre Ursache mitgeteilt habe, gab er ihm wieder seine Tachrichim. Freudig eilte das Kind zum Beth-Chajim zurück, um endlich süße Ruhe zu finden. Rabbi Löw ließ die verbrecherischen Ehepaare bestrafen und siehe — sofort hörte die Seuche auf. Alles lobte und dankte Gott, daß nun die Gefahr abgewandt und das Leben der unschuldigen Kindlein von nun an nicht mehr gefährdet sei. Die Gasse, wo die verbrecherischen Paare wohnten, erhielt vom Volke den Namen Belelesgasse, weil die eine der Unzucht treibenden Frauen Bella und die andere Ella hieß." Die Sage muß, abgesehen von dem Schluß, der das Gepräge einer späteren Hinzudichtung trägt, als eine der rührendsten bezeichnet werden aus dem reichen Legendenkranze, der den alten Judenfriedhof in Prag seit Jahrhunderten schmückt. Die Gestalten dieser Sagen, sie scheinen noch heute diese eigenartig stimmungsvolle Grabstätte mit ihren sich durcheinander drängenden Grabsteinen und ihrer üppigen und dabei doch so düsteren Vegetation zu umschweben. Der alte Prager Judenfriedhof ist trotz seiner Verstümmelung eine von allen Fremden besuchte Sehenswürdigkeit der böhmischen Landeshauptstadt. Wenn an der neuen Grenze des verkleinerten Friedhofes die Einfrieduag beendet sein wird, dürfte kein Fremder es bemerken, daß ein Teil der Gräberstätte kassiert wurde. Die Gebeine aus den aufgelassenen Gräbern sind pietätvoll in mehreren Gräberschächten wieder beerdigt worden und der Prager Steinmetz Josef Freund hat es mit feinem Stilgefühl verstanden, dadurch, daß er die vielen Hunderte von ihren ursprünglichen Plätzen entfernten Grabsteine in derselben scheinbaren Regellosigkeit auf dem übriggebliebenen Teile des Friedhofes aufstellte, dem ehrwürdigen Denkmal verflossener Zeiten den ihm eigenartigen Charakter ungeschmälert zu wahren. - m. f. Neue Bücher. Altnenland. Monatsschrift für die wirtschaftliche Erschließung Palästinas, I. Jahrgang, Heft Nr. 12. Dezember 1904. Herausgegeben von F. Oppenheimer, S. Soskin, O. Marburg, Inhalt: N. W i l b u s ch e w i t s ch: Die Mühlenindustrie in Palästina. Dr. M. Blanke n Horn: Wetterbericht von Palästina. Dr. Franz Oppenheimer: Die Gewinnbeteiligung im landwirtschaftlichen Betriebe. Palästina und Nachbargebiete. Archäologisches. Neue Literatur. Vermischtes. Marktbericht The New Era lllustrated Magazine. Published monthly by The New Era lllustrated Magazine Company 38 Park Row, N e w - Y o r k, City. Bol. VI. Dezember 1904. Nr. 1, Contents: Moses Receiving the Law Painting by John La Farge. Dr. Moritz Kayserling: Diego de Aguilar. Mohib Eßham: The Cedars of Lebanon. Bernard G. Richards: The Return ok the Deserters. Dr Samuel Krauß: Jesus in History and Legend. 8 ewis M. Isaacs: Musie in the Synagogue. Ulrich Frank: The Tale of Two Sabbaths. Frank F. HecqUet- C r a m e r: Anton Rafael Mengs. StanleyBerv: (Jemilath Chassodim. The Conscript: Rus.sian Jewish Folk Song. Gerson Rubinvwitz: The Struggle of the Zemstvos. Minnie D. Louis: The Hebi'ew Technical School for Girls. Rebecca G. Altman n: The First Hebrew Novel. B e xAri) ci M. Sm ith: The Trade in Russian Antiques. Rev. Dr. David PHilipson: The Future of the Synagogue. I e () u b a Labus Pere tz: Michel the Klezemer. The B o o k W o r 1 d; Rev. Dr. Max Schlesing e r: An Anthology from Rabbinieal Literature. S. P. FraN k: The Critic of Zion. The Editorial Survey. Of Interest to Jewish Readers. A Reviews of Jewish Reviews. Oderrabbiner Dr. N. Ehrenfeld. S a l o m o n K o h n s. A. Trauerrede bei der am 5. Kislew 5665 (13. November 1904) in der Klaussynagoge in Prag veranstalteten Gedächtnisfeier gehalten. Heraüsgegeben von der Prager israelitischen Kultusgemeinde-Repräsentanz. Heinrich Btnm S a l o m o n B r e i e r's Werdegang. Humoristisches Lebensbild. Kommissionsverlag von L. n. A. Brecher, Brün n. Briefkasten. Im Begriffe, die Adreßschleifen für das Zahr 1905 neu in Druck legen zu taffen, ersuchen wir unsere geschätzte« Abonnenten, etwaige Richtigstellungen im Namen, Charakter oder Adresse gefl. postwendend an uns gelangen zu lassen. Die Administration. K. K. Das Unjüdische Inder Formel;ist nicht die Bezeichnung Gottes als „Herr", denn diese Formel kommt auch in der jüdischen Liturgie vor; unjüdisch und spezifisch christlich ist die Sprachwendung „selig im", was ans einer dogmatischen Anschauung des Christentums erfließt Sind. der Medizin. Die medizinischen Anschauungen im Neuen Testament und im Talmnd sind in jüngster Zeit von Dr. Wilhelm Ebstein sorgfältig studiert und?usainmeiigestellt worden. Auf diese Weise hat sich ergeben, daß bei den Inden zur Zeit Christi in Bezug auf Krankheitsbehandlnng, mehr aber noch in Rücksicht auf Diätetik und Hygiene manches bekannt war, was heutzutage geübt wird und als Errungenschaft der neuen Zeit gilt. So z. B. haben die Talmudisten schon eine ganz gute Vorstellung von Uebertragung gewisser Jnfektionskeime durch Jniekten und durch den Wind gehabt. Sie kannten und übten die Hautpflege, besaßen Enthaarungsmittels und Kosmetika ähnlich unser« Parfüms. Selbst das Einsetzen von Zähnen wurde ausgeübt. Auch gab es Krücken und Stelzfüße, sogar ausgepolsterte. Man nahm größere Operationen vor, nachdem man dem Kranken einen Schlaftrunk gegeben hatte. Schon im Schöpfungsbericht wird hervorgehoben, daß Gott bei Erschaffung des Weibes ähnlich verfuhr, indem er den Adam in einen tiefen Schlaf versenkte und ihm währenddessen eine Rippe fortnahm. Der Talmud enthält auch zahlreiche feine Bemerkungen und seltene Beobachtungen. So findet sich eine Strafandrohung für den Eigentümer eines Hahnes, wenn dieser Hahn „ein Glas zerschreit". Daß durch den Schrei eines Hahnes ein Glas springen kann, ist Tatsache, aber sie kommt so selten vor, daß bis zur Gegenwart kaum jemand daran geglaubt haben wird. K. Weisz in O. Der Verstorbene gehörte der christlichen Religion an, der Bruder ist Jude. Samuel W« Pascheies, Verlagsbuchhandlung, Prag, Zeltnergasse 4, nächst dem Ring, offeriert in reichster Auswahl Professor Kampfs allgemein teoliebto Brantgebelbhcher und deutsche Andachtsbncher für israelitische Frauen und Jungfrauen in elegantesten Einbänden, ferner Seiden- und Woll-Talesim, Gold- und Silber-Borten. _ Im Verlage von Samuel W. Pascheies, Prag, Zeltnergasse 4, nächst dem Ring, in neuer Auflage und prachtvoller Ausstattung erschienen das berühmte Praclii werk pro!. Ir. Julius flrzi'z illustr. fünf Weder jffose mit deutscher Uebersetzung, erläuternden Erklärungen und über 230 Illustrationen. Ein Geschenkwerk ersten Ranges! Preis in hochelegantem Prachtband ö. W. fl. 6—. Die f ruhere Auflage ist gänzlich au »wer kauft. Versendung ertolgt gegen Einsendung des Betrages.