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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-12-23 · 52 (23.12.1904) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
52 (23.12.1904)
Date
1904-12-23
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 52 Dr. ©locb's MocbenscvrM. seile 845 Nackod. (Ehanukafe st.) Wie alljährlich wurde auch Heuer für unsere Schuljugend eine Makkabäerfeier veranstaltet. In dem prächtigen Gemeiudehaussaale versammelte sich außer den Schülern aller Anstalten eine ungemein zahlreiche Festgesellschaft Nachdem die Weihelichter angezündet wurden, ertönten die schönen Klänge des Channkaliedes. Sodann hielt Seine Ehrwmden Herr Dr. Broty die Festrede, welche tiefen Eindruck auf alle Versammelten übte. Zum Schlüsse wurde die Schuljugend mit prächtigen Bonbonnieren beteilt. Bereits am Vormittag des Festes erhielten die armen Kinder unserer Gemeinde warme Leibwäsche und Winteranzüge. Um dieses scköne und humane Fest hatten sich namentlich Herr Knltusvorsteber Jakob Pick, sowie die Vorstandsmitglieder Herren Leopold Stransky und Otto Pick besondere Verdienste erworben. Trebitsck). Wie alljährlich veranstaltete auch heuer das verehrte Damenkomitee zur Bekleidung armer Schullinder am 18. Dezember vor einem überaus zahlreichen Publikum sein Bekleidungsfest in den Lokalitäten des Herrn Josef Spira. Die gesanglichen nnd darstellerischen Aufführungen der Knaben und Mädchen wurden von den Anwesenden recht beftällig aufgenommen. Oberlehrer Freund dankte namens der Jugend und des Lehrkörpers dem löbl. Damenkoimtee für sein schulfreundliches Wirken und schloß seine Ansprache >.nit einem begeisterten „Hoch" auf Seine Majestät, worauf die Volkshymne angestimmt wurde. Hierauf wurden 130 Schulkinder mit vollständigen Winterkleidern, Schuhen, Tüchern re. bekleidet und sämtliche Kinder mit Obst und Bäckereien beteilr. Wärmsten Dank der Komuee- Präsidentin Frau Pauline F e l i x, welche mit bewunderungswürdigem Eifer und Hingebung der guten Sache ihre Kräfte weihte, nnd der allseits geachteten Frau Sophie Fried, die stets bereit ist, das Gute und Edle zu fördern. I. K. Prag- (. A f i k e J e h n il a“ ) Am 15. d. M. fand im Vereine zur Verbreitung und Förderung der Wissenschaft des Judentums der Vortrag des Herrn Rabbiners Dr. Raphael Gugenheimer aus Kolin über das zeitgemäße Thema „Judentum und Wissenschaft" statt, zu welchem sich im großen Saale des „Hotel Bristol" ein zahlreiches, distinguirtes Auditorium einfand. Ter Vortragende, der sich auch bei diesem Anlasse als vedeutender Gelehrter auf rabbinisch-philosophischem und »aturwiffenschaftlichem Gebiete bewährt, wies an der Hand eines überaus reichen Materials in sehr anziehender Weise darauf hin, daß das Judentum und seine Literatur vom philosophischen, geologischen und archäologischen Standpunkte aus betrachtet, mit den Ergebnissen der modernen Wissenschaft übereinstimmt Langanbaltendcr Applaus schloß die Worte des Vortragenden. Györ (Raab). (K i n d e r b e k l e i d u n g.) Ter Raaber und Raabszigeter israelitische Frauenverein hielt, wie alljährlich, 'o auch diesmal unter der Leitung der edelmütigen Präsidentin Frau Johanna Herzl-Keppich eine erhebende Ktnderbekleidungs-Char.nkafeirr. Anwesend waren außer dem Präsidium sämtliche Ansschußdamen und viele geladene Gäste; ferner Ehrwürden Obeirabbiner Herr Dr M. Schwarz, Vereinssekretär Herr G. Will,. Szögyi, Schuldirektor Herr Geza Vajda und von den Lehrer» und Lehrerinnen Frl. Fanny Goll und Herr S. Baumgarten. Herr Oberrabbiner hielt eine solenne Ansprache an die Schuljugend. Ein enthusiasmiertes dreifaches Eljen auf die allgemein geliebte und hochverehrte Präsidentin erscholl von den Lippen der zarten Kinder. Hierauf folgte die Danksagung eines Zöglings und schließlich ergriff der Schuldirektor das Wort, den anwesenden Vereinsdamen den tiefgefühlten Dank der Schuljugend aussprechend. Ein abermaliges Eljen erfolgte. 142 Kinder wurden mit kompleten Wiuteranziigen und einer frugalen Jause bedacht. Teplitz. Herrn Rabbiner Dr. Adolf Kurrein, der gleichzeitig Religionslehrer am hiesigen Staatsgymnasium ist, wurde vom Unterrichtsminister der Titel „Professor" verliehen. Frankfurt a. M. Der hiesige Mendelssohn-Verein, der auf eine 25jährige segensreiche Tätigkeit zurückblickt, läßt am 1. Jänner 1905 eine Jubiläumsnummer seines Vereinsorganes „Populärwissenschaftliche Monatsblatter zur Belehrung über das Judentum für Gebildete aller Konfessionen" erscheinen, das der Begründer und Präsident des Vereines Herr Dr. Adolf Brüll ein Vierteljahrhundert in selbstloser opferwilliger Weise unentgeltlich geleitet hat. Möge ihm für seine hingebende Tätigkeit aus diesem Anlasse die verdiente Anerkennung und Teilnahme aus den weitesten Kreisen seiner Mitarbeiter und der Leser der Blätter zuteil werden und möge es dem Mendelssohn- Verein auch in der Folge der Zeiten schieden sein, sich der Segnungen seines Wirkens zu erfreuen. Breskau. Vorige Woche verschied hier der als Historiker rühmlichst bekannte o. Professor Dr. Jakob Caro. Das Leichenbegängnis gestaltete sich zu einer großen Ehrung des beliebten Universitätslehrers. Sämtliche Verbindungen mit ihren Fahnen, 30 an der Zahl, folgten der Leiche. Am Grabe sprach der jüngste Bruder des Verstorbenen, der Rabbiner der israelitischen Kultusgemeinde in Lemberg, Dr. Jecheskel Caro. Von Seiten der Fakultät hielt Professor Dr. Parsch einen die wissenschaftliche Bedeutung des berühmten Forschers würdigenden und ehrenden Nachruf. Feuilleton. Kor künftig Jahren. (Aus alten Zeitschriften.) Mitgeteilt von Dr. Max G r ü n f e l d. I. Es gewährt einen eigenartigen Reiz, nach Verlauf einer bestimmten Zeit einen Rückblick zu werfen aus die Tage, die nun vergangen sind, besonders wenn für uns selbst die deutlichen Zeichen sichtbar werden, daß wir uns in den „Jeme Jeridah“ befinden. Der Zeitraum von 50 Jahren ist nun nicht nur für den Naturhistoriker, sondern auch für den Historiker ein kurzer und doch nicht unbedeutsamer. Das sagt uns schon die Bibel. In einem »olchen Jobel-Abschnitte kann viel geschehen, aber wir können auch oft die andere Wahrnehmung iimd en, daß wir es in dem halben Säcnlum gar nicht „so herrlich weit gebracht". Besonders für uns Juden scheint sich die Weltgeschichte in der Spirallinie zu bewegen. Wir bemerken, daß einem bedeutenden Fortschritt nicht selten ein noch gewaltigerer Rückschritt entspreche, Aktion und Reaktion sich, fast möchten wir sagen, in bedenklicher Weise das Gleichgewicht halten. Diesen Gedanken mußten wir nachhängen, als uns jüngst eine jüdische Zeitschrift aus den Fünfziger-Jahren des vorigen Jahrhunderts in die Hände fiel, und gestehen wir es nur gleich, wir lasen sie nicht nur mit Vergnügen, sondern haben auch aus ihr manche Belehrung geschöpft. Schade, daß solche Zeitschriften das Schicksal der Eintagsfliegen teilen, daß sie Journale nur sind in des Wortes eigenster Bedeutung. Wir aber wollen Einiges aus dem Inhalte jener Zeitschrift der Vergessenheit entrücken und damit eine Art Jubiläum feiern, denn gerade in ihrem Jahrgange 1855 scheint uns manches Mitteilenswerte enthalten zu sein. So erfolge denn zunächst die Vorstellung. Die Zeitschrift, von der wir sprechen, ist „Der israelitische V o l k s l e h r e r". Sie erschien zuerst im Jahre 1851 und ging nach elfjährigem Bestände selig in den Herrn ein. Wie man sieht, zeichneten sich schon damals jüdische Zeitschriften gerade nicht durch langes Leben aus. Wahrlich, der „V o l k 6 l e h r e r" hätte einen längeren Bestand verdient! Redigiert wurde diese Monatsschrift von Leopold Stein und S. Süßkind; zuletzt war auch ein Familienblatt, der „Freitagabend" mit ihr verbunden. Leopold Stein genoß als Prediger und Dichter keinen unverdienten Ruf. Geboren 1810 zu Burgpreppach (Bayern), war er Rabbiner in Burgkunstadr und 1844 in Frankfurt a. M.; 1862 legte er seine Stelle nieder, Predigte aber noch hie und da in der sogenannten amerikanischen „West- Union"-Synagoge. Viele seiner Predigten sind auch in der von ihm redigierten Zeitschrift erschienen. Als Dichter von poetischer Gestaltungskraft zeigt er sich in seinem Drama „Die Hasmonäer" (1859) und in den beiden Tendenzdramen „Der Knabenraub von Carpentras" und „Hans Ehrlich oder die Feste" (1863). Das erste Drama versucht eine dichterische Gestaltung der damals die ganze Welt bewegenden Mortarageschichte, das zweite soll die religiös-fortschrittlichen Ideen des Verfassers zum Ausdruck bringen. (Vgl. über ihn Dr. M. Kayserling „Die jüdische Literatur von Moses Mendelssohn bis aus die Gegenwart", bei Winter- Wünsche „Die jüdische Literatur", 3. Bd.). Ein Mann der entschiedenen Reform, ein freisinniger Prediger, war Stein Mitarbeiter der von Abraham Geiger herausgegebenen „Wissenschaftlichen Zeitschrift für jüdische Theologie" (1835 zuerst erschienen) und in dem genannten „Israelitischen Volkslehrer" kommen die Vertreter der Reform der damaligen Zeit, insbesondere: Ho'.dheim, Steinheim, Aub, Salomon, Saalschütz, Gutmann, Wechsler, zum Worte. Doch kehren wir zu unserer Zeitschrift selbst wieder zurück. Leopold Stein sagt, er habe sich entschlossen, die Monatsschrift „Der israelitische Volkslehrer" herauszugeben, um die religiösen Ideen rein und geläutert in anregend volkstümlicher

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