Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 52 (23.12.1904)
- Date
- 1904-12-23
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 62 Dr. JSlocb s MoebensorM. r eite 837 überhaupt zu balten wäre. Darauf meinte dieser Gaon, der selbst im Unklaren und von den Mitteilungen Eldald's wie alle Zeitgenossen fasziniert zu sein scheint, daß es wohl solche Stämme gibt, und wenn es in der Bibel Varianten in der Lesart geben rann, ist dies bei der mündlichen Lehre noch eher möglich; maßgebend können aber 'olcbe Lehren nicht sein, nur die des Talmuds, weil die Tradition eine verbürgte ist. Interesse erweckten damals nur zum Zwecke der Sprachenforschung ihre Mitteilungen über den variierenden Sinn mancher hebräischen Worte, der sich bei ihnen, in ihrem abgeschlossenen Gebiete seit altersher konservierte, ebenso manche abweichende Wortformen und Wortbildungen Es läßt sich nicht leugnen, daß die ganze Judenheit damals unter dem Banne der von Eldad erzählten Münchbausiaden stand. Unter dem Drucke seufzend, labten sie sich wenigstens an dem Gedanken, daß ein großer Teil ihrer Glaubensbrüder in politisch unabbäiigigeii und selbständigen Staaten frei lebten. Daß man diese zehn Stämme richtig im fernen Osten vermeinte6), beweist am besten der wohl etwas später von Chasdai Jbn-Schaprut (g gen 95o) an den Chasarenfürsten gerichtete Brief, worin er um Aufschluß über die Verhältnisse dort nachsucht, indem er auf den Eindruck der ersten Nachrichten Eldads in den Zeiten seiner Väter Bezug nimmt und solches als Veranlassung zu diesem Schreiben hervorbevt. (Die Ansiedlung der Cbalisen an der Adria dürfte auch ins IX. Jahrhundert fallen.) Das Land im fernen Osten nannte mail auch darum ps d. h. das Land der Stänime Israels oder das Land der Jude > und die von Eldad hergebrachten Hilchoth Trefa und Schechita wurden deshalb unter dem Namen „Hilchoth Erez Jisroel" in Tossafoth Chulim 2 a rc. zitirt?) Aber das Land an der Adria scheint nach der Ansiedlnng der Ehalisen hier und der vielen von Osten her eingewandelten Jüdin, auch ..Erez Jisroel" genannt worden zu sein") wie Du-.asch C. Tamam in der Vorrede seines Jezira-Kommentars bezeugt: (Munk, Notice snr Abonhvaliil p. 57)9) bx-w paß D’icri *nn '222 vnfep ro npn - Desgleichen erzählt Dnnasch daielbll, daß ihm Saadia's Jezira- Kommentar aus Erez Jisroel überbracht wurde'") und habe ich bereits vnderweitig nachgewiesen, daß auch literarische Produkte auf diesem Handelswege von Babylon hi"rher gelaugten. Daß dieses Sklavenenland Erez Jisroel damals genannt wurde, geht noch dunlicher ans einer Stelle Jbn-Daud's hervor, der bekanntlich ältere Aufzeichnungen Samuel Hanagid's benützte, wo er von der Gefangennahrne der vier Gelehrten, die alsdann die Talmudschnlen anßerbalb Babylons gründeten, erzählt. Die Stelle lautet nach der editio pnueeps: bwar’ “jba in1?» . . ca bv 7>3'22 v'bv rr-22 ssr nrvyi an« rprao wxb dtis 2"2 bv 7^22 . . . "ra22 2"N1 ]V D1 bx pK bv DT1 ks'n "V '2^7N -acb ri2*2c Ttrnab '^2 xmaa oobin vn 2*2211 un 712; thx 1x221122? pncec rxip: 11 in diese soviel mißdeutete Stelle ins richtige Licht zu stellen, muß kurz voransgeschickt werden, daß damals, wie wer bereits anderweitig nachgcwiesen, ein lebhafter Handel ans den östl'chen Ländern über Ragnsa nach Eordova blühte und hat das byzantinische Reich, in dessen Besitz auch Unteritalien (Apulien, Longab. Reich) war, in dem Grenzhafen Sipontum die damals üblichen Seezölle eingehoben. Da das byzantinische Reich in fortwährendem Streite mit dem Sklaveuenlande, welches auch wiederholt zeitweise sein Vasallenstaat war, lebte, trachtete ersteres gewiß diesen Handel nach Andalusien zu unterbinden. Darauf sandte der Chalif in Cordoba, dieser Umstand ist von Jbn-Khaldum bei Gayangos, üistoi^ of the mahometan Dynasties iu Spain II., Nachträge 10, p. 13 > bestätigt, eine Flotte gegen die byzantinischen Schiffe in den genannten Grenzhaftnplätzen aus, die das jonische Meer und deren Inseln passierte und gelangte 0) Wie eine alte Tradition Midrasch Rabba zu Echa und Hieronymus zu Obadja 20 rc. erzählt. 7) Ebenso erwähnt Machsor Vitoy (1100) ein Vokal- und Akzentsystem von dort od r auf dem Handelsweg des Sklavenenlandes kommcnd unter Nikud Erez Jisroel. 8) Nachträglich finde ich, daß der Verfasser des Buches Josippon, wirklich die vom fernen Osten herkommenden im Sklaveuenlande sich angesiedelten Juden als zu den zehn Stämmen gehörig hielt und drückt er damit gewiß nur die Ansicht seiner Zeitgenossen aus. Er sagt Kap. XIV (Jllyrien) Tpnb'x pK2 D'iiTTi 'pao nx 7i*?nn X'271 x\-n ,Il2©b D'22 2'22V DVD Ursprünglich, bevor die Slaven an der Küste des adriatischen Mer res sich niederlicßen, hieß dieses Königreich Jllyricum, und meint dieser Autor, daß Ptolomäas einst von hier die heiligen Schriften der Juden nach Alexandrien brachte, indem er hinzufügt: „Daselbst haben sich mehrere Stämme Israels angesiedelt". Dies bewerft klar und deutlich, daß die Juden damals allgemein glaubten, die hier eingewanderten Juden gehören den zehn Stämmen Israels an. Diese Stelle bestätigt alle meine übrigen Behauptungen vollauf. 9) Munk will zwar daraus schließen, daß Dnnasch mit Eldad in Rapport stand. Abgesehen davon, daß Eldad früher lebte, zeugt ja hier die Anwendung der Pluralform dagegen, da hier von vielen Lne Hadani gesprochen wird, und können hier nur die "311 '32 gemeint sein. '") Dnnasch nennt den Ueberbringer auch '31 12K. bis Erez Jisroel (sklavenische Land), dort haben sie auf ein Schiff gestoßen, das von Bari nach Siponte seinen Weg nahm. Daraus ist also unzweideutig nachgewiesen, daß dieses Sklavenenland wegen dieser seiner aus dem fernen Osten eingewanderten zahlreichen jüdischen Bevölkerung von den Zeitgenossen „Erez Jisroel" genannt wurde. Einen wie großen Teil dieser Bevölkerung die jüdischen Chalisen dort ausmachte, läßt sich selbstverständlich nicht mehr wissen. Jetzt beschränke ich mich auf diese einigen Bemerkungen, gedenke aber demnächst ausführlich darauf zurückzukommen. Wien, 1904. S. Spinner. Korrespondenzen. Aus der öffentlichen Plenarsitzung des Krrltrrsvorftandes vom 18. Dezember 1904 unter dem Vorsitze des Präsidenten Herrn Dr. Alfred Stern. Beginn der Sitzung 1« Uhr vormittags Im Einlaufe werden bekanntgegeben: An Spenden: Von Frau Flora Biach zur Errichtung einer „Notar Schiffmann-Studenten-Widmung.K 200.— Als Ergebnis einer Sammlung des Herrn Doktor Alfred Berger für die Brigittenauer Schulküche.. 149.— Von Frau Rosalia Goldschmidt für die Brigittenauer Schulküche.„ 100.— Von „ex Votou für die Brigittenauer Schulküche . „ 30.— „ Frau Rosa Kamsler für den Waiseu-Verein.„ 20.— „ „ Karoline Lichteustern zur Erhaltung des Tempels im k. k. Allgemkinen Krankenhause.„ 20.— „ I. P. als Sammluugsergebnis für die Erhaltung eines Tempels im k. k. Allgemeinen Krankenbause . . . . „ 18.40 „ Frau Marie Stern für die Erhaltung des Tempels im k. k. Allgemeinen Krankenhause.„ 6.— „ L. S. in Teschen für die armen israelitischen Schulkinder in der Brigittenau.. 2.— „ Frau Sophie von Borkenau ein Paar Silberleuchter für den Tempel im k. k Allgemeinen Krankenhause. ,. Frau Karoline Lichteustern: 1 Proches, 1 Schulchan-Decke, 1 Menorah. 1 Besomim-Büchschen 1 Scferband für de» Tempel im k. k. Allgemeinen Krankenhause. Ferner ein Dankschreiben des Kultusvorstehers Herrn David Ritter von G u t m a n n für die ihm anläßlich seines 70. Geburtstages überreichte Glückwunschndresse. Im Prüsidialberichte erwähnt der Präsident, daß verschiedene, teils anonyme oder pseudonyme Zuschriften, teils Zuschriften von Personen, welche ihre nähere Adresse nicht angeben, entlaufen, in denen über die israelitische Abteilung auf dem Döblinger Ortsfriedhofe verschiedene Beschwerden enthalten sind und das Begehren gestellt wird, daß der Kultusvorstand dagegen irgendwelche Schritte unternehme. Demgegenüber muß der Präsident bemerken, daß die israelitische Abteilung des Döblinger Ortsfriedhofes nicht der Kultusgemeinde gehöre, nicht im Besitze der Kultusgemeinde ist, daß sonach dem Kultusvvrstande eine Einflußnahme auf die Angelegenheiten der gedachten Friedhofabteilung nicht zustehe, daß vielmehr auch diese Friedhofabteilung gleich dem ganzen Fnedhvfe im Besitze der Stadtgemeinde sich befinde und demnach die Erwerber von Grabstellen oder Grüften den hiefür entfallenden Kaufpreis beim Magistrate oder beim magistratischen Bezirksamte bezahlen. Der Kultusvorstand sei sonach nicht in der Lage, über das vorher erwähnte Begehren irgend eine Verfügung zu treffen. Ferner erstattet der Präsident einen Rapport über die finellen Ergebnisse bis zum 15. Dezember 1904. Agnoszierung der Wahlen. Nachdem gegen die am 27. November 1904, beziehungsweise 9. Dezember 1904 vorgenommenen Wahlen innerhalb der statutarisch festgesetzten Frist eine Einwendung nicht erhoben wurde, werden diese Wahlen vom Vorstande anerkannt. Gewählt erscheinen: