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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-12-02 · 49 (2.12.1904) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
49 (2.12.1904)
Date
1904-12-02
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Sette 796 * Dr. Llocb's Mocbenscbrtrr. «v. 49 litz, L 10.—; Dr. Emil Wolf, Brunn, K 20.-; Aufrichtig, Chirlitz, K 10.—; Dr. Isidor Schnabl, Wien, L 11.80; Familie Spitz, Brünn, K 6.—; Karl Seidl, Pohrlitz, K 10.—; Moriz S. Schnabl, Pohr» litz, K 5.—; Julius Feiwel, Brünn, L 30.—; Eduard Brunner, Pohrlitz, K 5.—; Sigmund S. Schnabl, Brünn, 10.—. Zusammen K 156.50. Berlin. Die Wahlen für die jüdische Gemeinde Hecken mit dem Siege der Liberalen gegen die vereingten Konservativen und Zionisten geendet. Die gewählten Kandidaten sind die Herren: Rentier Moritz Mannheimer, Stadtverordneter Louis Sachs, Professor Dr. S. B l a f ch k e, Kommerzienrat und Stadtverordneter Julius Martin Friedländer, Prof. Dr. Ludwig Geiger, Kaufmann Adolf Mayer, Syndikus Dr. Georg Minden, Stadtrat Dr. Max Weigert, Kaufmann Benas Lewy, Kaufmann W. Löwenthal, Justizrat Dr. Hermann Veit Simon, Augenarzt Dr. W. Veilchenfel d, Professor Dr. K a l i s ch e r, Kaufmann Emil P i u k u s, Fabriksbesitzer Emil Rosenow, Rentier Louis Eduard Sachs, ^rrsmakler Paul Schlochhauer. Berlin. (Theodor Herzl's Nachlaß.) Wie dem hiesigen „Kleinen Journal" aus Wien gemeldet wird, hat der mit der Sichtung von Theodor Herzl's literarischem Nachlaß betraute Schriftsteller Balduin Groller seine Arbeiten bereits vollendet. Es wurde in dem Nachlaß kein Werk vorgefunden, das literarischen Wert besäße, mit Ausnahme von zwei Novellen, die bei Notaren erliegen. Diese Novellen hat Herzl seinerzeit bei einer Konkurrenz eingereicht und sie mußten, da die Konkurrenz noch nicht abgeschlossen ist, bei zwei Notaren deponiert werden. Außerdem wurde ein intereffantes Tagebuch zionistischen Inhalts vorgefunden, in dem Theodor Herzl seine Gespräche mit Souveränen und hervorragenden Persönlichkeiten über die Gedanken des Zionismus niedergelegt hat. Paris. Das Zentralkomitee der Alliance Israölite Universelle beschloß in seiner Sitzung am 16. November d. I., an folgende Gemeinden, die infolge der jetzigen Verhältnisse in große Not versetzt wurden, Hilfsmittel zu senden: Nikolajeff (Gouvernement Cherson) 2000 Rubel; Sdunska-Wola (Gouvernement Kalisch) 1000 Rubel; Brest Litowsk (Gouvernement Grodno) 1000 Rubel; Boguslaw (Gouvernement Kiew) 1000 Rubel. London. (Ein jüdischer Bürgermeister.) Nachdem im vergangenen Jahre der Lord-Mayor von London und der Mayor des vornehmsten Distrikts, Westminster, Juden gewesen, ist auch in diesem neuen Wahljahr wieder ein jüdischer Mayor gewählt worden und zwar für den Bezirk Hammersmith. (Die Stadt London hat 28 Bezirksbürgermeister.) Der neue Bürgermeister I. M. Levy ist seit der vor vierzehn Jahren erfolgten Begründung der Hammersmith- und West-Kensington- Synagoge Vorstandsmitglied dieser Gemeinde und einer der eifrigsten Besucher chres Grttesdienstes. Er versäumt keinen Gottesdienst. Mr. I. M. Levy ist in seinem Bezirk in allen Kreisen und bei den Bekennern aller Konfessionen beliebt und verehrt. Zürich. „Wach auf, JerusalemI" In der Kirche Unterst r a ß hielt vor Kurzem der Züricher Bürgerschullehrer K i h m einen durch Projektionsbilder belebten Vortrag über seine P a l ä st i n a-Reise und kam dabei auch auf die Zionsbewegung zu sprechen. Nach dem Berichte des „Züricher Tagesanzeigers" äußerte sich der Vortragende, wie folgt: „Kein Fluch liege auf dem schönen Lande. Die Türkische Mißwirtschaft nur sei schuld daran, daß alles so öde sei. Die Zionsb.wegung habe dort bereits gute Erfolge zu verzeichnen, so daß man hoffen könne, daß einst neues Leben aus den Ruinen erblühe." Vor dem Vortrage hatte ein Knaben- und Madchenchor das Lied: „Wach auf, Jerusalem!" vorgetragen. Zürich. Israelitische Handwerker aus Rußland, meldet der „Züricher Tagesanzeiger" vom 8. v. M., treffen fast täglich in Bern ein, die in Folge des Krieges und der zerrütteten wirtschaftlichen Verhältniffe zum Auswandern gezwungen sind. Die gelernten Arbeiter (Schuhmacher, Maurer rc.) haben laut „Berner Tagblatt" alle Arbeit gefunden, während ein Teil ungelernter Arbeiter in der Chokoladefabrik Tobler tätig ist. Es sind meist junge, kräftige Leute, die still und ruhig ihrer Arbeit nachgehen und am Abend in der Lesehalle des akademischen Zionisten Vereines sich treffen, wo sie Unterricht in deutscher Sprache, Arithmetik, jüdischer Geschichte und Hebräisch erhalten. Die ruffischen Zionisten nehmen sich ihrer in wohlwollendster Weise an. Feuilleton. Zum Cha«uka-Fest. Eine Betrachtung von Jda Oppenheim. Es wehte heute von lieber Hand ein Briefblatt zu mir, und nach wenigen Zeilen, die mit Liebe und Innigkeit all das berührten, was mir teuer und wert ist, fand ich einen Ausspruch, der mich zum Denken angeregt und vergangene Tage wachgerufen, die in dem rastlosen Ringen des Lebens oft in der Erinnerung schwinden und die dann plötzlich durch ein Wort, einen leisen Klang klar und licht vor der Seele stehen. Prophetenworte, die vor Jahrtausenden verkündet, schrieb jene liebe Hand für mich. Sie lauten: „Siehe, es wird kommen eine Zeit, daß Ich einen Hunger in das Land schicken werde", spricht der Herr, „aber nicht einen Hunger nach Brot, sondern nach Höherem, nach Wahrheit." Heute sucht die Welt Wissenschaft; was sie brauchen würde, ist Weisheit und davon ist sie weit entfernt, weiter entfernt, als vor alter Zeit! Denn die Religion, die wahre Herzensreligion, die gepaart mit umfassender Bildung — sie kann nur jenes Ideal verwirklichen, das man Weisheit nennt! Sie kann aber nicht gelehrt werden, sie kann nur gezeigt und geübt werden. Setz' dir Perrücken auf von Millionen Locken, Stell' dich auf ellenhohe Socken — Du bleibst doch immer, der du bist! Das Angenommene ist nur Schein, das Wesen selbst ist die Erziehung! Eine solche Zeit des geistigen Hungers ist wohl jetzt für uns herangekommen. Im Drang des Lebens, in dem aufreibenden Kampf mit dem Dasein sucht jeder Einzelne seine Kräfte zu entfalten, sich nach jeder Weise hin zu betätigen und immer weiter, immer höher hastet er vorwärts; je mehr er erreicht auf geistigem Gebiete, desto heißer wird die Sehnsucht, immer mehr sich zu eigen zu machen. Und je steiler der Pfad zur Erkenntnis ist, desto kühner und gewagter strebt er empor, zerreißt gefühllos alle Schleier, die vielleicht Dunkles, nie Ergründetes noch bedecken, und tastet sich scheinbar bis zum Unendlichen vorwärts, um dann mit einem Male zu erkennen, daß seinem Begehren ein Ziel gesetzt und daß er von höchster Spitze aus, von der Grenze menschlichen Denkens hinübersieht mit geistigem Auge in unendliche Fernen! Weit ab vom Ziel steht er, hungernd, sich aufreibend in rastlosem Sinnen und Denken. Sein Wissen ist Stückwerk. Es paart sich nicht mit der Weisheit, jenem göttlichen Sichgenügenlassen, sein Geist verzehrt sich im Hunger nach Wissen, aber sein Herz ist nicht gleich genährt mit jenen hohen Gaben und darum findet er nicht den Trost und den Ausgleich. Wir begegnen im Leben vielen Menschen, deren Unsumme von Kenntnissen uns in Erstaunen setzt, doch wenigen, die eine Herzenssaite in uns erklingen lassen, deren weises Wort wir wie ein Prophetenwort in uns aufnehmen. Der Verstand hat Nahrung, aber das Herz hungert. So fehlt all' jenen, die die Stufen des Wissens erklimmen, häufig jene Herzensbildung, jene göttliche Heiterkeit, die eigentlich erst den Menschen zum Ebenbilde Gottes macht und ihn so seiner hohen Bestimmung entgegenreifen läßt. Gebildete Menschen erzieht unsere Zeit wohl in Fülle, doch edlen, rein sittlichen Charakteren begegnet man selten. Der Mangel ist wohl darin zu suchen, daß in frühester Jugend nicht den Kindern durch die Religion der feste Stab gegeben ist, der sie sicher durch die Irrwege des Lebens leiten soll. Wohl lernen sie in den Schulen die Geschichte ihres Volkes; man führt sie ein in die Vergangenheit und sie begeistern sich im Moment für alles Große, Erhabene und Schöne, was darin ausgezeichnet und erhalten geblieben, doch finden fie daheim keine Nahrung für das, was sie erfüllt. Ihr Heim und das, was in der Schule gelehrt, was ihnen dort geboten, steht im vollsten Widerspruch zu einander. Ein Zwiespalt beunruhigt

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