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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-11-25 · 48 (25.11.1904) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
48 (25.11.1904)
Date
1904-11-25
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 48 Dr. Llocd's MocvcnscvrM Sette 777 auch nicht, und sv könnten wir über die Angelegenheit ruhig hinweggehen, wenn er es sich nicht dennoch hätte angelegen sein lassen, doch auch hier einen gewissen Kausalnexus zwischen jenem Schuljungen und dem Judentum herzustellen. Und da wird der Verkünder der Religion der Liebe allerdings bösartig und gefährlich. Man weiß, daß die Jdeenassoziation zwischen der verweigerten Reverenz vor der Hostie und dem Judentum schon namenloses Unheil über das letztere gebracht hat. Sie hat sich immer als nicht minder verhängnisvoll erwiesen, als die ruchlose Blutbeschuldigung des Ritnalmordes. Mit der direkten Beschuldigung ging es' hier nicht, und so kommt denn der hochwürdige Artikelschreiber — hinten herum. Vorher hat er schon dargetan, daß es die Juden sind, die das katholische Gefühl des Volkes untergraben und daß sie daran schuld sind, daß „unsere Jugend längst keine Achtung mehr hat vor der religiösen Einrichtung wenigstens der katholischen Kirche". Dann aber fährt er fort: „Den Schuljungen von Margarethen erhoben die Judenzeitungen, verteidigten die im Judensolde stehenden Genossen, sogenannten sozialdemokratischen Arbeiter. Und die Christen? Die Ureinwohner? Sie trugen ihr Helotenjoch, beurteilten den Buben so, wie es die eingewanderte Herrscherrasse vorgeschrieben hatte". Das ist gehetzt, stark gehetzt und unverantwortlich gehetzt; denn jedes Wort ist da eine Unwahrheit. Wir lesen doch auch Zeitungen, auch jene, welchen Dr. Scheicher den Kosenamen Judenzeitungen beilegt. Welche Judenzeitung hat den Margarethner Schulbuben um seines Streiches willen „erhoben", wo stand das zu lesen? Als Politiker, Parteiführer und Priester hat Dr. Scheicher die doppelte und dreifache Verpflichtung die Wahrheit und nur die Wahrheit zu reden. Wo stand das geschrieben? Heraus mit der Antwort' Die Antwort wird ausbleiben und das wird Herrn Dr. Scheicher weiter nicht anfechten. Denn zu den notwendigen Merknialen der Hetzerei gehört es durchaus nicht, daß das, womit gehetzt wird, auch der Wahrheit entspreche. Weiter: Gehen wir über die unsinnige und ebenfalls unwahre Redensart ' hinweg, daß die sozialdemokratischen Arbeiter im Judensolde stehen, über wir fragen, wie und wo haben sie jenen Schuljungen verteidigt? Wer das glaubt, glaubt schließlich auch, daß bei uns die Juden die Herrscherrasse sind (s. Landtag und Gemeinderat) und daß sie den Christen ein Urteil über den Margarethner Schuljungen vorgeschrieben hätten. Mit der ganzen Geschichte hatten die Juden nicht das Mindeste zu tun, aber es war von Belang, die gewisse aufreizende und erbitternde Jdeenassoziation herzustellen. Weiter hatte es keinen Zweck. Whig. Das große Kibrlmystermm. (Aus der Wochenschrift „Die Umschau", Frankfurt a. M., Nummer 4:).) Es galt bisher als ausgemachte, wenn auch nie exakt erwiesene Tatsache, daß die Bibel der Hauptgegner der Darwinischen Theorie, überhaupt aller streng wissenschaftlichen Anthropologie sei. Diese Meinung versucht I. Lanz-Liebenfels in einer ganz merkwürdigen Abhandlung „Anthropozoon biblicunr* (d. i. „Das Menschentier in der Bibel") in der „Vierteljahrsschrift für Bibelknnde')", I. Jahrg., Heft und 4 zu zerstören und nachznweisen, daß im Gegenteil entwicklnngsgeschichtliche Fragen mit den Hauptinhalt der Schrift darstellen. Wir geben hier im Anszuge den Gedankengang der Lanz'schen Untersuchung wieder, ohne uns in allem und jedem seinen Darlegungen anzuschließen. Die Bibel ist, obwohl sie eines der bekanntesten und gelesensten Bücher ist, doch noch immer ein Buch voll dunkler Rätsel. Was hat die Geschichte Adam's und Eva's, der „Snndenfall" (Genesis III) zu bedeuten? Warum werden Adam und Eva nach Genesis III gottähnlicher? Wer sind die „Gottessöhne" (baue ' elohiin), die sich anscheinend gegen den Willen Gottes mit den „Adams-Töchtern" vermischen (Gen. Vl.)? Wie ist es möglich, daß Noah die „Erdkriecher" (remes), „Meerfische" (clagor), „Himmelsflatterer" (op) in die Arche unterbringen kann, wenn darunter die gesammte Fauna zu verstehen ist? Warum haßt Gott Esau und die von ihm abstaminenden Edomiter? Gott selbst befiehlt die Ausrottung der Urbewohner Palästinas (Deuteronomium XX, 16), billigt die Niedermetzelung der Sichemiten (Genesis XXXIV) und die blutige Schlächterei im Baalstempel (3. Buch der Könige IX. und X). G'nckich unverständlich ist, was an vielen Stellen von den „Götzen", von „Holz, Stein, Zedern" etc. ausgesagi n-irb. In Habakuk II, 11 fd)' ''icn ..Skeine" und „Holz"; in Jeremias HI, 9 wird mit „Holz" und Stein gebuhlt. In Exodus XXXIV, Id treiben die Kanaaniter niit ihrem Göttern Unzucht. Altberühmt wegen ihres dunklen Sinnes ist Jeremias XXXI, 22: „Der Herr wird ein Neues im Lande schaffen: Das Weib wird den Mann umgeben" und 27: „Es kommt die Zeit, spricht der Herr, daß ich das Hans Israels und das Hans Judas besamen will, beides mit Menschen und Vieh (bekemah)". Was hat das Vieh mit der Genesung des Menschengeschlechts zu tun? Wo ist da nun die Lösung? Lanz findet sie in zwei assyrische» Monumenten. Das eine ist der im britischen Museum befindliche „schwarze Obelisk" mit Inschriften des Königs Salmanassar II (805—d70). Wir sehen ans dem Bilde ganz merkwürdige zweibeinige Wesen, mau kann sie nicht Affen und kann sie nicht Menschen nennen. Tie Inschriften nennen iie baziati nnd udumi. Genau so schwierig ist es, die Wesen zu klassifizieren, die ein zweites Monument, ein Relief bringt. Das Relief stammt ans Nimrnd (dem alten Kalach bei Ninive) und enthält eine Beischrift der Königs Assurnassirbal (910—80 ). Diese Wesen werden ans der Inschrift paun genannt. Lanz will einer genauen Zuweisung dieser gewiß ganz merkwürdigen nnd vom zoologisch n und anthropologischen Standpunkt gleich interessanten Wesen nicht vorgreifen und nennt sie auf Grund anderweitiger historischer Berichte einstweilen „Anthropozoa". Lanz erörtert zuerst die Verläßlichkeit dieser Monumente und begründet sie folgendermaßen: Beide Monumente sind reiu historische, wenn man will staatspolitische Dokumente. Die Inschrift des „schwarzen Obelisken" ist eine trockene nnd nüchterne Annalenschrift, ebenso die Inschrift auf dem Nimruder Relief. Jedes Mythologisieren nnd Phantasieren im Geschichtsbericht ist ausgeschlossen, da diese Wesen in Tributlisten in durchaus realer Umgebung aufgezählt werden. In ebenso realer Umgebung (neben Elefanten, Pferden, Menschen rc.) erscheinen sie auch auf den Abbildungen. Gerade in den Tierdarstellungen sind die Assyrier, was Realismus anbelangt, heute kaum übertroffen Es ifi daher nicht anznnehmen, daß der Künstler die Darstellungen frei erfunden hätte. Vielmehr macht die ganze Komposition den Eindruck der Naturwahrheit. Der Künstler hat höchstwahr'cheinlich direkt nach Modellen gearbeitet. Denn die Inschriften erwähnen ans rücklich, daß Assurnassirbal die pagutu in seinem Thiergarten zu Kalach, also an dem Ort, wo die Monumente gefunden wurden, hielt und mit anderen ähnlichen „Anthropozoa" züchtete. Alle drei „Anthropozoa"arten stammen nach den Inschriften aus Aramäa; gerade aus dieser Gegend wird uns in anderen Geschichtsquellen von derartigen zwischen Mensch und Tier stehenden Wesen berichtet. Wir haben schon aus der älteren Steinzeit Figuren und Zeichnungen, die uns derartige Wesen in fast völlig übereinstimmender Darstellung überliefern. Lanz verweist unter anderen auf ein Knochenstück ans Masd'Azil, das Piette der Pariser anthropologischen Gesellschaft vorlegte und das auf der einen Seite eine affenähnliche Gestalt zeigt2) Tie Haltung des behaarten, plump und gebeugt auf zwei Beinen einherschreitendeu udumu ist vollkommen identisch mit der Haltung des behaarten und beschwänzten menschenartigen Wesen auf dem Kommandostab von Madeleine. Die baziati sind den in den egyptologischen Museum zu Dutzenden anfbewahrten Ptah-Statuettchen gleichzusetzen, auch die sprachlichen Gleichungen stimmen, indem nach Herodot der egyptische Ptah und die phönizi'chen Pataiken ein nnd dasselbe sind und nach Lanz pataikoi baziati ist. Die Aehnlichkeit der. baziati mit den in der „Umschau"?904, Nr. 5 barg«, stellten egyvtischen Zwergen ist in die Augen springend! Haben nun diese Wesen wirklich existiert, haben sie nach den Keilinschr.ftcn in Aramäa existiert, so wäre es, so schließt Lanz, merkwürdig, wenn die Bibel davon nichts wüßte nnd die alten Schriftsteller davon keine Kunde gehabt hält n. Um b.it Uebergang in die Bibel und klassische Literatur zu finden, verfolgt Lanz das Wort „mluimi“ und kommt zn dem Schluß, daß udumn die vollkommen exakte assyrische Umschrift des hebräischen Adam oder Edom ist. Die biblische Landschaft Edom heißt in den Keilinschristen vUdimmu. Nun wird uns gerade Esau, der auch Edom heißt, in der BibA als ein haariger Men'ch geschildert, genau so wie das udumu auf dem Obelisken als zottige Bestie dargestellt in. In Gciii sls XXVII, 11 heißt Esau ein is sej>, was die lateinische Bibel mit pilosus gibt Die sejrjm kommen jedoch noch an anderen Stellen, z. B. Jesaias XIII, 22 vor, wo offenbar derartige „Anthropozoa" zu verstehen sind, denn die griechische B'b-I redet von tanzenden „Dämonen". Aber den letzten Fetzen von dem Mysterium reißt Leviticas XVII, 7 weg, wo es heißt: „Und mit Nichten ihre Opier hinfort den Feldteufeln (äez'rim) opfern, mit denen sie Unzucht treiben." Das ist nach Lanz das große Geheimnis aller alten Religionen, die Sodomie mit diesen Menschentieren (Anthropozoa) u.b gerade gegen diese scheußliche Buhlerei hat sich die Bibel gerichtet nnd sie mit flammenden Worten verboten und verflucht. ') Berlin, Calvary. ') Globus LXXXIV-, 97.

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