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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-11-18 · 47 (18.11.1904) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
47 (18.11.1904)
Date
1904-11-18
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 760 L>r. Dlocv s Miocvenscvrttl. Nr. 47 Expropriation eines großen Teiles der Landbevölkerung zu Gunsten der Spekulanten. Durch Pachtverträge, die teilweise seit Jahrzehnten, teilweise sogar noch seit längerer Zeit gelten, und die noch weitere Jahrzehnte durch Verlängerung in Wirksamkeit bleiben dürften, ist eine Anzahl Bauern des Bodens, den sie besaßen, beraubt worden — sei es, daß sie denselben überhaupt nicht mehr besitzen, sei es, daß sie ihn nur als Pächter der Spekulanten besitzen, denen sie seinen Ertrag verpfändet haben." Dem Uebel ist nicht leicht abzuhelfen. Durch die Raiffcisen'schen Volksbanken konnte wohl zum Teil geholfen werden, aber die Gefahr ist groß, daß auch diese Banken von den Wucherern beherrscht werden und daß für die Beschaffung von Geldern der Bauer zu deren Unterschrift Zuflucht nehmen müßte. In diesem Falle würde sich der Wucherer ein gutes Geschenk ausbitten und somit den Unterschied zwischen den Zinsen, welche ihm die Bank für seine Einlage zahlt, und den Zinsen, die er sonst zu berechnen pflegte, wettmachen. Ja noch mehr, er könnte in dieser Art Geschenke auch für die Beschaffung solcher Gelder einstecken, die ihm gar nicht gehören. Nur eine gründliche Reform, welche überhaupt die Lage der Bauern umändern würde, könnte der Landbevölkerung Rettung bringen. Die Regierung befaßt sich zur Zeit eingehend mit der Bauernfrage. Die Frage des Wuchers auf dem Lande in Rumänien hat noch eine andere Seite, die zu wichtig ist, als daß man sie stillschweigend übergehen könnte. Wer sind denn alle diese Wucherer, welche in so grausamer Weise, mit so viel Raffiniertheit die Bauern ausbeuten? Wohl die Juden? Keine Spur. Den Juden ist ja schon seit über 30 Jahren das Wohnen auf dem Lande verboten. Ja noch mehr; wo Herr Protopopescu seine Feststellungen machte, hat nie ein Jude gewohnt, hat nie ein Jude den Boden jener Dörfer betreten. Und Herr Protopopescu hält es für seine Pflicht, festzustellen, daß die Wucherer Christen sind, manche sogar sehr gute Christen, die nie versäumen, in die Kirche zu gehen, die Heiligenbilder zu schmücken, sich durch Stiftungen für Kirchenzwecke Heil zu erkaufen. Einer von den wenigen, die der Vizepräsident der Kammer kennen lernte, hat sogar einen Orden bekommen. Diese Wucherer, die weder ein Gewissen haben noch Mitleid kennen, sind gewiß wüthende Antisemiten, denn hier zu Lande wird leider nur allzu oft Antisemitismus für gleichbedeutend mit Patriotismus gehalten; die Liebe zur eigenen Nation nur hat den Haß gegen die arme jüdische Bevölkerung erzeugt. Wenn aber dem gut christlichen und gut kirchlichen Wucherer die Maske vom Gesicht gerissen wird, dann ist es kein Wunder, daß den Herren von der „Bointza Nationala" ein Licht aufgeht und sie ausrufen: „Wie es scheint, ist die Wuchererseele dieselbe, ob sie gleißnerisch in den Tempeln der Christen oder in den Synagogen ihre Rechtgläubigkeit und Frömmigkeit zur Schau trägt." Daß die jüdischen Wucherer jemals in der Bewucherung der Bauern das geleistet haben, was jetzt Herr Protopopescu den christlichen Wucherern imputiert, ist nicht anzunehmen, weil man es sonst längst breit besprochen hätte. Aber selbst wenn man zugeben wollte, daß es der Fall war, so wird man heute zugleich zugeben müssen, daß man ihnen kein Spezialverbrechen daraus machen kann. Es liegt in den Verhältnissen der Bauern, daß sich das System des entsetzlichen Wuchers auf dem Lande ausbilden kann. Man hat die Juden beschuldigt, daß sie die Bauern auswuchern, man hat sie vom Lande vertrieben, aber der Wucher hat nicht aufgehört, sondern besteht fort, wie er auch dort bestanden hat und noch besteht, wo nie ein Jude gewesen ist. Man hat die Juden beschuldigt, daß sie als Schankwirte die Bauern vergiften. Man verbot ihnen darauf das Schankgewerbe auf dem Lande, aber der Alkoholismus hat sich weiter entwickelt und wirkt verheerender denn je unter der Bauernbevölkerung. Sollten da unsere Antisemiten, wenn sie überhaupt etwas einsehen wollen, nicht einsehen, daß die verschiedenen Uebel, welche sie den Juden zuschreiben, weder spezifisch jüdisch, noch mit der Vertreibung der Juden zu beseitigen sind? (Fr. Ztg.) Jndenansiedelungen in Cypern. Athen. Schon im Jahre 1898 tauchte bei der englischen Regierung der Plan auf, in Cypern die Niederlassung von Juden zu begünstigen. Der erste Versuch zur Verwirklichung der Idee wurde zwei Jahre später mit Juden gemacht, die aus Rumänien auswanderten. Er mißlang namentlich deshalb, weil die Zugewanderten völlig mittellos waren und baldigen Verdienst auf der Insel nicht finden konnten; die Zugewanderten zogen daher kurz nachher weiter. In den letzten Monaten sind neue Einwanderungen, insbesondere von russischen und rumänischen Juden erfolgt. Sie treffen in kleinen Gruppen ein, ihre Gesamtzahl beträgt jedoch schon annähernd Tausend und weiterer Zuzug steht bevor. Das zahlreiche griechische ^Element Cyperns hat wiederholt während dieser Jahre durch Beschlüsse in Volksversammlungen und im Parlament gegen diese Einwanderung protestiert. Es befindet sich generell in ständiger Opposition zur englischen Verwaltung und hat in den letzten Jahren mehrfach durch Petitionen und Volksversammlungen der englischen Regierung und dem Könige von England seine hellenischen Gesinnungen kundgegeben und um Vereinigung mit Griechenland ersucht. Die englische Förderung der Judeneinwanderung wird in Cypern und hier als ein Gegenschlag der englischen Administration gegen diese nationalpatriotischen Gesinnungen aufgefaßt und in diesem Sinne haben sich auch hiesige Zeitungen letzthin in längeren Ausführungen geäußert. Nun haben die hier ansässigen Cyprioten in ihrem Vereine beschlossen, einen Protest der englischen Negierung, dem Könige Eduard und den Großmächten zu übersenden. Der Ton des Beschlusses ist recht verfehlt. Er bezeichnet die englische Begünstigung der Judeneinwanderung als eine neue Unehrenhaftigkeit der Regierung, welche mit der Großmut des britischen Volkes nicht in Einklang zu bringen sei und kündet an, daß die Cyprioten im Notfälle mit Gewalt die Juden austreiben würden. Dafür, daß die Einwanderer eine Subsistenz finden, hat nach Meldungen der cypriotischen und hiesigen Presse der „Israelitische Kolonisationsverein" gesorgt. Derselbe habe seit längerer Zeit ausgedehnten Grundbesitz auf der Insel erworben und ganze griechische Dörfer sollen in jüdische Hände übergegangen sein. Vermischtes. Wien. (Verlobung.) Herr Hugo Bondi, Gesellschafter der Firma Jacob Neurath, hat sich mit Fräulein Martha G u m p e r tz, Tochter des Herrn Hermann G u m P e r tz aus Hamburg, verlobt. Wien. (T r a u u n g.) Sonntag den 27. November l. I. findet die Trauung des Frl. Rosa B e t t e l h e i m, Tochter des Herrn Gottlieb B e t t e l h e i m, Obmann des Tempelvereines des IX. Bezirkes, mit Herrn Hans Lemberger statt. Wien. (T r a u u n g.) Sonntag den 27. November l. I. um 7*2 Uhr nachmittags findet im Tempel IX., Müllnergasse die Trauung des Fräulein Rosa B r a m m e r, Tochter des Herrn Moriz B r a m m e r, mit Herrn Max Adler statt. Wien. (T r a u u n g.) Sonntag den 20. d. M., 1 Uh nachmittags, findet im Tempel Seitenstettengasse die Trauung des Beamten der Lebensversicherungsgesellschaft „Oesterreichischer Phönix", Herrn Ludwig Fischer, Sohnes der Witwe nach dem hebräischen Schriftsteller Jakob Fischer, mit -Fräulein Berta Z w e i g e n t h a l, Tochter des Oekonomen Herrn Leopold Zweigenthal in Altstadt, statt. Wien. (Talmud-Thora-Verein für die Bezirke XU—XV.) In Anerkennung der hohen Verdienste, welche sich Herr Kommerzialrat Gottlieb T a u s s i g als stellvertretender Obmann des Vereines um dessen erfreuliches Gedeihen erworben hat, wurde ihm auf einstimmigen Beschluß der Generalversammlung die Ehrenmitgliedschaft des Vereines verliehen. Es ist dies das erstemal, daß der Verein

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