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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-11-11 · 46 (11.11.1904) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
46 (11.11.1904)
Date
1904-11-11
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 46 Dr. Blocb s MocbenscvrM. Seite 745 Wien. (Privat-Reliqiousschule der Adaß I i sroel, II., Negerlegasse 2.) Wir erlauben uns die P. T. Eltern aufmerksam zu machen, daß nur mehr wenige Plätze an unserer Schule frei sind und die Ausnahme ehestens geschlossen wird. Einschreibung: Sonntag 8—12 Uhr vormittags, Mitiwcch 2-v Uhr nachmittags. Für Knaben und Mädchen im Alter von 7—14 Jahren. Wien. Allgemeine Teilnahme erregt das tragische Schicksal des Herrn Julius K l a r n e t, Inhaber der Anstalt für Gas-, Wasser- und Heizanlagen, welcher Montag den 31. Oktober in Ausübung seines Berufes, als er seine Arbeiter inspizieren wollte, von einem Gerüst 3 Stockwerke tief abgestürzt und nach einigen Minuten qualvollen Leidens verschieden ist. Der Verstorbene war langjähriges Mitglied des Josefstädter Tempelvereines und des Vereines zur Hebung der Gewerbe. Freitag den 4. d M. fand das Leichenbegängnis statt. Der Vereinsrabbiner Herr Dr. Bauer widmete dem Verblichenen einen warmen Nachruf und im Namen des Vereines zur Hebung der Gewerbe sprach der Präsident Herr S. Brod, welcher den Verstorbenen als das Muster eines Handwerkers, eines guten Menschen und treuen Familienvaters schilderte. Wien. (Spenden.) Für die Sammlung zu Gunsten des verarmten Schriftstellers Adalbert H a f f n e r sind uns vom Herrn Dr. Julius Graf in Triest K 5.—; unter: „Wenig aber vom Herzen" von Frau Karoline Berger, XVI/1 X 2.—; vom Herrn Leo H e r z b e r g-F r ä n k e l in Teplitz X 5.— zugekommen. Prestburg (Martini-Gänse.) Alljährlich am 11. November wird der Preßburger israelitischen Gemeinde die hohe Ehre zutheil, dem allerhöchsten Herrscherhause die üblichen Martini-Gänse überreichen zu dürfen. Aus diesem Anlasse begaben sich die beiden Gemeindesekretäre Wilhelm G r ü u s f e l d und Leopold L ö w y nach Wien, um in der Hofburg in den betreffenden Kammerämtern die prachtvollen, mit Nationalbändern geschmückten Gänse feierlichst zu übergeben. Im Kammeramte Seiner Majestät werden solche vier Stück, im Kammeramte des Erzherzogs Franz Ferdinand zwei Stück überreicht. Nach der Ueberreichung begibt sich die Deputation unter Führung des VorstandesLazar Gestetner, Ignatz Herzfeld und Dr. Stein nach Budapest, "um von Seiner Majestät in Audienz empfangen zu werden. Nagh-Kanizsa. Wir stehen vor einer Feier der Ovation eines unserer ersten Kultusbeamten, des Gesangsprofeffors und Oberkantors Herrn Leon Kartschmaroffs, welcher zufolge seiner künstlerischen Berufsfähigkeit als Korvphäe seines Standes anerkannt ist. Mit den Ablaufe dieses Jahres beschließt auch Herr L Kartschmaroff seine vierzigjährige hierortige Amtstätigkeit uno die Nagy-Kanizsaer Gemeinde rüstet sich, ihrem sich allgemeiner Hochachtung erfreuenden, verdienstvollen Oberkantor eine seinen herrlichen Leistungen würdigende Jubiläumsfeier zu bereiten. Es ist bereits ein Festkomitee zusammengetreten, welche seine diesbezüglichen Vorschläge dem Gemeindevorstande unterbreiten wird. Das Jubiläum wird am 24. und 25 Dezember, und zwar wird die Anja le’ Thora und Mi sehe berach Samstag abgehalten, am 24. und nachdem die Familie des Jubilanten, erst tagsdarauf hier eintrifft, wird die eigentliche Jubiläumsovation bestehend in einem Separat-Gottesdieuste mit Predigt und Gesang — wozu der Regenschori Herr Moritz Eckstein zwei neue Piecen mit den Mitgliedern des Gesangsvereines und mehrere eigens hiezu erbetenen Damen einstudiert — ferner der Festsitzung des Gemeindevorstandes und dem Empfange von Deputationen und Gratulanten 2t. ani 25. stattfinden. Wir enthalten uns über die hohe Bedeutung unseres Jubilanten als Scheliach Zibur, Sänger und Musiker jeder weiteren Anpreisung und überlassen dieses der geübten Feder eines seiner Fachgenossen Lemberg. Am Samstag den 22. d. M. Abends hat der Vorsteher der großen Synagoge „T u r a uho f" Herr Moses Reiß vier Sefer Thoras samt wunderschöner Bekleidung vier Gotteshäusern zum Geschenk gemacht. Aus diesem Anlaß versammelten sich die Vorstände aller Bethäuser im Vereine mit dem ehrw. Herrn Rabbiner Schmelkes und den Beisitzern Herrn Leib Rody und Herrn Meschulim Salat in der Wohnung des Herrn Reiß, sowie ein großes Publikum, wo der Oberkantor samt Ehor (der großen Vorstadt-Synagoge) einige Psalmen zum Vortrage brachte. Gegen 8 Uhr wurden die letzten Silben in den Thora-Rollen beendet und der Zug setzte sich in Bewegung u. zw. voran unter Baldachin Se. Ehrw. Herr Rabbiner Schmelkes, sodann Herr Reiß der eine Sefer-Thora trug und sein Neffe Herr Sigmund Bogad aus Brünn, ferner die Neffen Herr Jacob Reiß, Josef Staud, Oskar Bogad und Leon Bauer, unter geziertem Baldachin Herr Leib Rody mit Herrn Vorsteher Moses Polturak, und so bewegte sich der Zug Uber den Goluchowskiplatz unter Vorangehen einer jüdischen Musikkapelle des „Chasyus" und einer nach tausenden zählenden Menge mit Fakeln, Lampions und Lichter zur großen Synagoge „Tura Suhof". Hier brachte der Oberkantor einen Psalm zum Vortrage. Die Musik spielte beim Einsetzen des Sefers und Seine Ehrwürden Herr Rabbiner Schmelkes hielt eine schöne Ansprache, in der er die Bedeutungen dieses erhabenen Festes schilderte Von hier begaben wir uns wieder mit den Sefer - Thoras über den Goluchowskiplatz zum Bethause „Kwaji t ym Storu", wo der Vorstand mit den Thorarollen uns entgegengekommen ist. Hier rezitierte der Oberkantor einen Psalm, die Musik spielte die Volkshymne und Herr Leib Rody hielt eine wunderbare Ansprache, worauf Herr Jacob Goldberg ebenfalls in dieiem Sinne eine Rede hielt. Von hier aus begaben wir uns zu dem Beihaus „Gomel Chasndim", welches Herr Reiß in seinem Haufe errichtet hat. und von da in die ebenfalls vom Herrn Reiß erbaute „Klaus" „Sichrem Jicchok", wo nach derselben Zeremonie das Sefer-Thora eingesetzt wurde. Ein großes Festmahl vereinigte die Gäste in der besten Stimmung bis gegen 5 Uhr morgens Während der Tafel spielte die Musik. Nach dem zweiten Gange sprach Herr Sigmund Bogad aus Brünn als geladener Gast seines Onkels Herrn Reiß einen Toast auf Herrn und Frau Reiß und seine Ansprache wurde von sämtlichen Gästen mit Begeisterung ausgenommen Breslau. Anläßlich des 50jährigen Jubiläums des hiesigen jüdisch-theologischen Seminars wurde Herr Seminarrabbiner Dr. Israel Lewy der Profeffortitel verliehen. Feuilleton. Gesühnt. Von Dr. 5*. Rieh. Heinschel (Fortsetzung und Schluß.) In der kurzen Zeit ihres Ehelebens war Rieke ernster, gereifter, energischer geworden. Der Schmerz und die Enttäuschung hatten ihr Herz von den Schlacken der Leichtfertigkeit geläutert. Sie wurde edler und gemütvoller. Als die Scheidung vorüber war, brach sie vollständig zusammen. Sie sehnte sich nicht nach dem Vater, sondern nach dem treuen Mutterherzen. Zwei kurze Zeilen richtete sie an die Mutter: „Ich kehre ruhig in Dein jüdisches Haus zurück, zu Dir, geliebte Mutter, als Deine unglückliche Tochter." Und als sie in D. dem Zuge entstiegen, fing sie die Mutter in ihren ''Arme auf. „Mutter!" sprach sie und sank ihr an die Brust. Doch plötzlich begann sie am ganzen Leibe zu zittern. Die Mutter hielt ihre kranke Rieke fest und führte, trug sie halb zu dem geöffneten Wagenschlag. Schwer glitt sie nieder. In wenigen Augenblicken waren sie im Hinterhause und Rieke in ihrem Mädchenzimmer. Willenlos ließ sie alles mit sich geschehen, sich auskleiden, zu Bette bringen. Sie konnte sich nicht regen, nicht sprechen, so matt war sie, das Bewußtsein aber war ungetrübt. Die Mutter wich nicht von ihrem kranken Kinde, der Vater, diese Konzession mußte Frau Sarah nun doch machen, kam, so oft ihn sein Beruf frei ließ, und er wußte, was seiner Tochter fehlte. Es war grenzenlose Schwäche, Kräfteverfall. Das Versagen aller Nahrungsaufnahme war die sichere Auflösung. Sie nahm wohl aus der Hand des Vaters einige Tropfen der Stärkungsmittel, die er ihr einzuflößen trachtete, aber die Stärkungsmittel blieben wirkungslos. So oft der Vater sie verließ, flüsterte sie der Mutter zu: „Beten, beten." Und sie hielt ihr das Gebetbuch vor die Augen, weil ihr selbst die Kraft fehlte, es zu halten. Rieke lag still und ruhig, wie apathisch auf den weißen Kissen. Das Gesicht war noch bleicher als das Linnen. Schmelzen schien sie nicht zu empfinden und so lag sie in tiefer Ruhe, in scheinbarer Teilnahmslosigkeit und doch war das Bewußtsein klar und ungetrübt. Es war ein langsames Hindämmern, ein allmähliches Erlöschen. Das Gesicht wurde immer schmäler, die zarten Hände, die die Mutter krampfhaft umschloffen hielt, wurden immer schlanker. Acht Tage mochten vergangen sein, seitdem sie wieder in ihr Mädchenzimmer eingezogen war. Da öffnete sie die Augen und flüsterte: „Josef." Ein einziges Wort nur, hingehaucht, kaum verständlich gesprochen und wenige Augenblicke später betrat er die Krankenstube.

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