Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 42 (14.10.1904)
- Date
- 1904-10-14
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 680 Dr. Dlocb's Mocbenscbrltt. Nr. 42 S. Bro d nach dem neuerbauten Warenhause des Vereinsmitgliedes HerrnA.Gerngroß, VII., Mariahilferstaße46—48. statt, an welcher auch Damen und Gäste teilnehmen können, Zusammenkunft 7,3 Uhr nachmittags „Caf6 Elektr a", VII., Mariahilferstraße 79. Wien. (Spende.) Laut Aufruf in Nummer 38 unseres Blattes sind uns ferner für den armen Flickschuster Leiser Graf in Wien, II, Odeongaffe 7, II. Stock, Tür 9 wohnhaft, der das Unglück hat, zwei blinde, taubstumme Kinder zu besitzen, unter „Wilhelm St." K. t.— zugekommen. Wien Die Einschreibungen in Adolf R o t t e r's H e b r. Sprach- und Bibelschule, III., Kolonitzgasse J5, finden Donnerstag den 13. d. M. 4 bis 5 Ubr statt. Der Unterricht beginnt Montag den 17. Oktober und ist für Mittellose unentgeltlich. Bade«. (S i m ch a s-T h o r a f e st.) Ein erhebendes und stimmungsvolles Fest wurde am verflossenen Simchas-Thora nachmittag vom Vorstande der Badener israelitischen Kultusgemeinde anläßlich des Schlnßfestes und zu Ehren der zur Thora gerufenen „Chasanim" — Se. Ehrwürden Rabbiner Wilhelm Reich als „Chaffan-Thora", Herr Präses Moriz Lettner als „Chassan- Bereschit" und Herr Albert Deutsch als „Chaffan-Maftir" — allen Tempelbesuchern gegeben. Nach dem Minchagebete, das ausnahmsweise um halb 3 Uhr stattfand, begab sich die ganze Versammlung, ansehnlich durch Persönlichkeiten und Zahl, in den Sitzungssaal der Kultusgemeinde, wo eine mit Obst und Karmelwein geschmückte Tafel stand. Als besondere Zierde aber diente dieser Tafel der Präsident der Wiener israelitischen Kultusgeuieinde Herr Dr. Alfred Stern, der mit seinem Erscheinen dem Vorstande und Rabbiner feine Anerkennung für den weihe- und würdevollen Gottesdienst im Gemcindctcmpel, dem er an sämtlichen Feiertagen anwohnte, zum Ausdrucke bringen wollte. Dieser illustre Gast cröffnete auch den Neigen der Toaste mit einer Ansprache, die von seiner religiösen Gesinnung und seinem tiefen Empfinden für seine Glaubensgenoffen lautes Zeugnis ablegte. Diese warmen Herzensworte gaben Sr. Ehrwürden H rrn Rabbiner Wilhelm Reich zu zwei geistreichen Reden Anlaß, welche großen Eindruck auf die Festgäste machten und der durch die hierauf erfolgte Erwiderung des Präses Herrn Moriz Lettner noch nachhaltiger wurde. Intensiver gestaltete sich die festliche Stimmung durch die gesanglichen Produktionen des Oberkantors Herrn M. Seifert mit dem Tempelchore. Den Schluß bildete eine Apostrophierung des Präses Herrn L e i t n e r an die Mitglieder der Kultusgemeinde. ihn in den neu eingeführten Gottesdienst, der einen herzerfreuenden und zugleich frommen Fortschritt bildet, aufs kräftigste zu unterstützen, worauf ihm von allen Setten ein-donnernder Bravoruf entgegenschallte. Schl'eßlich ist noch zu erwähnen, daß am Sabbat-Schuwo der Enkel des kaiserl. Rates Heinrich Klinger, Franz, Sohn des Herrn Ernst Klinger, im Tempel als Bar-Mizwah zur Thora gerufen wurde und das Maftir mtt gründlichem Verständnis vorgetragen hatte. Krems, lieber die Trauerfeier des verstorbenen Rabbiners Herrn Dr. David Weiß wird uns gemeldet: Der Entschlafene wurde vom Sterbehaus in den israelitischen Tempel getragen. Der Tempel war schwarz umflort. Hunderte von Menschen waren anwesend. Herr Rabbiner Dr. Feuchtwang aus Wien hielt im Tempel dem Verblichenen einen tiefempfundenen Nachruf, der bei den Zuhörern eine mächtige Wirkung zurückließ. Im Tempel waren anwesend: Der £ k. Bezirkshauptmann Herr H u f n a g l, Oberkommissär der Bezirkshauptmannschaft Herr Mert, Bürgermeister Hofbauer mit den Gemeinderäten, Vertreter des Bezirksschulrates, des Armenrates und aller Behörden. Vom Tempel wurde die Leiche auf den Friedhof geführt. Eine große Menschenmenge folgte der Bahre und vor dem Grabe sprach der Kultusvorstand im Namen der Kultusgemeinde dem verewigten Rabbiner den Dank der Gemeinde in rührenden Worten aus. Hollefchau. (Todesfall.) Unter reger Beteiligung sämtlicher Gemeindemitglieder wurde am Freitag den 7. Oktober Frau Rosa Grätzer, die Gattin des Vorsteher-Stellvertreters Herrn Abraham Grätzer, zu Grabe getragen. Die Verewigte zeichnete sich als wackere, treffliche Frau durch Edelsinn und Menschenfreundlichkeit aus. An der Babre der zu früh Verblichenen hielt Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Jakob Freimann eine ergreifende Trauerrede, welche die Verdienste der Verewigten in beredten Worten treffend schilderte. Ehre ihrem Angedenken! £§ Mißlich. Durch das frühzeitige Ableben der Frau Johanna Hauser, Präsidentin des hiesigen Frauenvereines, wurde nicht nur die Familie derselben, sondern unsere ganze Gemeinde in tiefe Trauer versetzt. Das am 30. September d. I. stattgefundene Leichenbegängnis legte davon Zeugnis ab, welcher Wertschätzung und Verehrung sich die Verblichene erfteut hat. Im Trauerhause fanden sich korporativ ein d'e Vertretungen der Jsraelitengemeinde und der Kultusgemeinde Mißlitz, die Chewra-Kadischa und sämtliche Damen des Frauenvereines. In der Zeremonienhalle des Friedhofes hielt Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Schorstein einen tiefempfundenen Nachruf. Anläßlich der Haskarah am Lobimiui «Leretb wurde des Lebens und des langjährigen, verdienstvollen Wirkens der Präsidentin des Frauenvereines seitens unseres Herrn Rabbiners in rührenden Worten gedacht. Triefch. Mit außergewöhnlich großen Ehren wurde der Herr Moritz Meißner, der Altvorsteher unserer Kultusgemeinde und Mttglied des k. k. Bezirksschulrates, im Alter vom 87 Jahren zu Grabe geleitet. Sein Verdienst um die altehrwürdige Triescher israelitische Kultusgemeinde, die er mit der ganzen Jnuigkeii seiner frommen Seele liebte, wird ein unverwelkliches Blatt seines auf Erden erlangten Ruhmes bilden. Die Synagoge, in welcher ihm bei Anwesenheit des von Jglau herübergekommenen edlen Herrn Statthaltereirates Dr. Mollinek die Todtenfeier veranstaltet wurde, war von einheimischen und aus Jglau, Batlelau, Teltsch und Pirnitz herbeigeströmten Trauergästen überfüllt. Herr Kantor Laub verrichtete, begleitet von einem Männerchore, in rührendster Weise die Trauergesänge. Der Rabbiner Dr. M. L. Stern, mit dem er während 19 Jahre, seitdem er ihn persönlich aus Mährisch-Kromau nach Triesch geholt hatte, in innigster Freundschaft lebte, hielt ihm den ihm sehr wohl gebührenden Nachruf. Von den meisten und angesehensten mährischen Kultusgemeinden (Brünn, Jglau, Trebitsch, Nikolsburg, Holleschau, Olmütz, Proßnitz, Boskowitz, Kostel, Kremsier, Schaffa, Gewitsch, Bisenz, Auspitz, Datschitz, Groß-Meseritsch, Walachisch- Meseritsch, Rausnitz), von der k. k. Bezirkshauptmannschaft und vom k. k. Bezirksschulräte kamen an den hiesiegen Kultusvorstand Beileidskundgebungen. Kostel. (R a b b i n e r w a h l.) Herr Dr. Karl D u s ch i n s k y, Sohn des Oberrabbiners B. D u s ch i n s k y aus Namesto, wurde am 26. September einstimmig zum Rabbiner unserer Gemeinde gewählt. Herr Dr. D u s ch i n s k h entstammt einer berühmten Gelehrtenfamilie. Er ist ein Enkel des großen Rabbi Koppel Charif, Neffe des Budapester orthodoxen Oberrabbiners K. Reich und der Herren Rabbiner Reich in Baden, Wien und Baan. Schon die Traditionen dieser Familie bürgen dafür, daß unsere Gemeinde in Herrn Dr. D u s ch i n s k h eine glückliche Wahl getroffen hat. Dobrisch. In die Zeit düsteren Herbstes fällt das Scheiden unseres ehrwürdigen Rabbiners Herrn Dr. Link aus unserer Mitte, und die Stimmung in der Gemeinde an den letzten Festen trug auch einen herbstlich-wehmütigen Charakter an sich. Nachdem alle Bemühungen des Kultusvorstandes, Herrn Dr. Link zum Verbleiben im Amte zu bestimmen, ftuchtlos geblieben — die Kultusgemeinde bot Dr. Link 1000 Kronen Gehaltszulage jährlich und definitive Anstellung — mußte man nun daran gehen, den verdienten Rabbiner würdig scheiden zu lassen. Am 14. September war es die reifere Jugend, die an einem zu Ehren des scheidenden Rabbiners veranstalteten Deklamations- und Vortragsabend — Herr stud. Ml. Hugo Bergmann sprach in fesselnder Weise über Morris Rosenfeld — von ihrem Meister und Lehrer Abschied nahm. Herr Dr. Link dankte in tiefbewegten Worten und lehnte jede Ovation für seine Person entschieden ab, da er nur seine Pflicht getan. Nachdem Fräulein Hedwig Fleisa.mann noch ein schönes Ehrengeschenk im Namen der ehemaligen Schüler und Schülerinnen überreichte, trugen letztere Gedichte von Morris Rosenfeld vor. Auch der hiesige israelitische Frauenverein ehrte Herrn Dr. Link, indem er ihn der Sitzung vom 22. v. M. zum Ehrenmitgliede ernannte und wurde ihm am Simchath Thora vom Vorstande des Vereines eine kostbare Silber-Jardiniöre zum Andenken überreicht. Da Herr Dr. Link, beziehungsweise seine Familie erst Ende November nach Pilsen übersiedelt, wird er erst um diese Zeit in der Synagoge die Abschiedsrede halten, und sind ihm anläßlich dieses Tages mehrfache Ehrungen zugedacht. Dobrisch. (Schluß-Spendenverzeichnis zum Tempel bau.) Sammlung durch Rabbiner Dr. Link. Frau Rosa Porges, Pkibram, K 115; Frau Katharina Beck im Namen ihrer Tochter Jda Reis aus Kilb Iv 70; Frau Bertha Lewinsky K 100; Frau Klara Kellner K 200; Herr Julius Lewinsky und Gemahlin, Prag, K 230; Herr Dr. Karl Fleischmann, Wien, K 100; Herr Otto Fleischmann, Wien, X 20; Diverse K 34. Allen edlen Spendern sei hiermit der wärmste innigste Dank ausgesprochen. Im Namen des Kultusvorstandes Alfted Bondy, Vorsteher. Breslau. (VomAerzte-und Naturforscher- Kongreß.) Unter den Teilnehmern des diesjährigen Aerzte- und Naturforscher-Kongresses war, wie auch in den früheren Tagungen, erklärlicherweise eine große Anzahl von Aerzten und Naturforschern jüdischen Glaubens erschienen. Bemerkenswert erscheint jedoch, daß diesmal an dem Kongreß, und zwar zum ersten Male, auch eine Jüdin teilnahm, die bekannte Bakteriologin und Schülerin Krebs', Frau Dr. Lydia Rabinowitsch. Auf Vorschlag von Geheimrat Flügge wurde sie sogar zur Vorsitzenden einer Nachmittagssitzung der Sektion für Hygiene und Bakteriologie mit Applaus ernannt. Es ist auch das erste Mal überhaupt, daß bei der Naturforscherversammlung einer Frau der Vorsitz