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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-09-23 · 39 (23.9.1904) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
39 (23.9.1904)
Date
1904-09-23
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 89 Dr. JSlocb s Mocbens orttt. Seite 627 Schilde des neuerwachten jüdischen Gefühles entsteht ein häßlicher Rostfleck, die Nichtachtung oder gar Mißachtung der jüdischen Reli ion — und der Leute, die sich ä la Brieger-Wasservogel eine jüdische Nation ohne jüdische Religion konstruieren möchten, sind nicht zu wenig! Diesem Wahn heißt es entgegentreten durch einen Unterricht, der Liebe, Stolz, Begeisterung für die Religion erweckt! Mit den Anschauungen des „Schulmannes", Erweiterung des Unterrichtes, Vermehrung des Stoffes, Unterricht gegen die Familie und Rückkehr zur konfessionellen Schule wird dieses Ziel nicht erreicht. Soll unser Judentum den Kämpfen von Außen und Innen Stand halten, muß sich nicht bloß der Religionsunterricht, sondern auch das Judentum selbst „den modernen Verhältnissen anpassen", und ob da das Schreiben am Samstage von solch weittragender Wichtigkeit bleibt, wie der „Schulmann" ihm beilegt, das wird die Zukunft lehren! Die nihilistischen Attentate in Rußland ««hl die Wiener Antisemiten. Herr S ch e i ch e r ist ein katholischer Seelsorger, ein Prediger der vielberufenen „christlichen Nächstenliebe", die für ihn gleichbedeutend ist mit blutigem Judenhaß. Selbst der Russen nimmt er sich gegen die Juden an und warnt sie vor dem Judentum, vor allem vor dem schlechten „jüdischen Geist". Es ist ja ein schönes Zitat aus der „Nowoje Wremja", das uns neuerdings vorgeführt wird. „Seit die Schranken des Ghettos gefallen sind, überflutet der breite Giftstrom des jüdischen Geistes unbehindert das gesamte europäische Kulturleben. Der jüdische Geist glaubt an nichts und leugnet alles. Nichts ist ihm heilig oder ehrfurchtgebietend. Deshalb ist er der Feind jeglicher Autorität und der Bahnbrecher des Anarchismus. Wenn man dem Ursprünge aller anarchistischen, revolutionären und sozialistischen Bewegungen nachforschen könnte, so würde man sich überzeugen, daß der Gifthauch des jüdischen Geistes hierbei eine Hauptrolle spielt." Der „jüdische Geist" glaubt an nichts, darum haben die Juden auch mehr als zwei Jahrtausende so viel wie kein anderes Volk für ihren Glauben gelitten. Er leugnet alles, nur das nicht, dessen Ableugnung den Juden Gut und Blut gelassen, ihnen Ruhe und Frieden, Ehren und Macht eingetragen hätte. Nichts ist ihm heilig — nur der unsichtbare Gott seiner Väter: nichts ehrfurchtgebietend — aber die jüdische Religion schreibt Ehrfurcht vor, selbst vor fremden Majestäten und Größen, ja vor schlichten alten Leuten. Und der „jüdische Geist" endlich soll, seit die Schranke des Ghetto gefallen, in allen anarchistischen, revolutionären und sozialistischen Bewegungen die Hauptrolle spielen. Hatte der „jüdische Geist" etwa auch bei den deutschen Bauernkriegen die Hauptrolle gespielt? In England und Amerika sind die Schranken des Ghetto am gründlichsten gefallen, und in diesen Ländern gerade spielt die Sozialdemokratie gar keine Rolle und auch von revolutionären Bewegungen hört man dort wenig oder nichts. Mit den Revolutionen in den süd- und zentralamerikanischen Republiken dürften die gefallenen Ghettoschranken gleichfalls nichts zu schaffen haben. Dagegen hört man fortwährend von revolutionärer Bewegung und von terroristischen Gräueln in dem einzigen großen europäischen Reiche, in welchem das Ghetto noch existiert, in der Heimat der „Nowoje Wremja", in Rußland. Wenn die Juden wirklich revolutionär wären, in Rußland wahrlich hätten sie allen Grund dazu gehabt. Ebenso wie nach Felix Dahn es begreiflich gewesen wäre, wenn die Juden im Westgothenstaat, den sie, fortwährend bedroht an Freiheit, Ehre, Gewissen, Leben, als lebenslängliche Strasgesangenschast, ohne Verbrechen, betrachten mußten, „mit dem Auslande konspiriert hätten, um durch eine bewaffnete Erhebung ihr Joch zu erleichtern", so wäre es auch begreiflich, wenn die etwa fünf Millionen russischer Juden zu revolutionären Mitteln gegriffen hätten, um ihr unerträgliches Joch abzuschütteln. Aber die Juden in Rußland sind teils bereits zu schlaff und müde, um überhaupt noch über genügende Energie zu irgend einer außerordentlichen Tat zu verfügen, teils sind sie noch zu religiös, um nicht nach jüdischem Gebot für die Ruhe des Landes zu beten, in welchem sie leben, um nicht geduldig das zu tragen, was nach ihrer Meinung Gott über sie verhängt hat. Wohl werden auch Juden dem großen revolutionären Heere in Rußland sich angeschlvssen haben. Sie haben es getan aus Verzweiflung sowohl über ihre eigene Lage als auch über die traurige Lage ihres Vaterlandes. Im revolutionären Heere aber sind sie kaum noch eigentliche Juden. Im Gegensätze zu wohl allen Geistlichkeiten dürsten die Rabbiner, seit die Juden unter den Völkern der Erde leben, schwerlich semals die Gläubigen zur Empörung aufgestachelt haben, in Rußland oder anderswo. Nachstehendes ist die vollständige Liste der Personen, nebst der Bezeichnung ihrer Konfession, welche schuldig befunden wurden, an dem letzten Attentate gegen Kaiser Alexander II. teilgenommen zu haben. 1. Jeliaboff, Student der Universität, Haupt der Nihilisten, griechisch-katholisch. 2. Kibaltisch, Sohn eines Beamten, Verfertiger der Bomben, weiche den Kaiser töteten, griechisch-katholisch. 3. Ryssakoff, Student, warf die erste Bombe, welche den Wagen des Kaisers heschädigte, griechisch-katholisch 4. Grinewitzky, Student, warf die zweite Bombe, welche den Kaiser tötete und ihn selbst tätlich verwundete, römisch-katholisch. 5. Sophie Sörowska, Enkelin eines früheren General-Gouverneurs von Sibirien, griechisch-katholisch. 6. Sabline, bei den Bomben aufgefunden, erschoß sich als er verhaftet wurde, griechisch-katholisch. 7. Michaeloff. überführt, an der Fabrikation der Bomben mitgewirkt zu haben, griechisch-katholisch. 8. Helfmaun, Geliebte des Sabline, starb im Gefängnis, war eine Jüdin. 9. Sonkhanoff, Offizier, überführt an der Verschwörung teilgenommen zu haben, zu Cronstadt erschossen, griechisch-katholisch. 10. Bogdanowitsch, Inhaber des Ladens, der mit der Mine unter der Marla-Sadowa-Straße in Verbindung stand, griech.-kath. 11. Figner, geschiedene Frau eines Beamten, ebenfalls überführt, an der Verschwörung teilgenommen zu haben, griech.-kathol. 12. Jsscüeff, in dessen Haus die Bomben fabriziert wurden, griechisch-katholisch. Von diesen 12 Verschwörern, welche den Tod des Kaisers Alexander TI. herbeifübrten, war nicht einer ein Jude. Es gab allerdings darunter eine Jüdin, die indessen nur ein Werkzeug in den Händen ihres Liebhabers, eines orthodoxen Katholiken, gewesen zu sein scheint. Während der 26 Jahre der Regierung Alexanders II. kamen sechs Attentate vor: 1. 1866 in St. Petersburg durch Karawwff, griechisch-katholisch. 2. 1867 in Paris durch Beresowsky, griechisch-katholisch. 3. 1879 in St. Petersburg durch Solovieff, griechisch-katholisch- -I. 1879 in Alexandrowsk durch fünf Verschwörer, Frolenko, Kolodkh-vitch, Merkuloff, Kibaltisch und Figner. Alle fünf griechisch katholisch. n. 1879 bei Moskau, wo auf der Eisenbahn eine Mine explodierte, an einer Stelle, die der Kaiser passieren sollte. Attentäter Hartmann, griechisch-katholisch. 6. 1880 in St. Petersburg, im Winterpalast durch drei Verschwörer, Kalthonrine, Presniakoff und Jeliaboff. Alle griechischkatholisch. Das Leben Alexanders III. war ebenfalls zweimal bedroht, zuerst bei Borki, und dann in St. Petersburg am 13. März 1887. Die zwei Lokomotivführer, welche nach dem ersten Attentat verschwanden, und die zwei in das zweite verwickelten Personen waren alle griechisch-katholisch. Auf Nikolaus II. ist nur einmal ein Attentat ausgeübt worden und zwar, während er noch Kronprinz war, auf seiner Reise in Japan von einem Japaner. Es geht aus Obigem hervor, daß unter 2V Personen, die hier ausgezählt wurden, welche versucht hatten, den gegenwärtigen Kaiser und seinen Vater und Großvater zu ermorden, sich kein Jude, sondern nur eine Jüdin befand, die durch ihr Geschick an ein Mitglied der griechisch-katholischen Kirche gekettet war.

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