Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 35 (26.8.1904)
- Date
- 1904-08-26
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Rr. 35 Dr. Dlocb s TKRocbenscbrtft Sette 561 Nach Wiederaufnahme der Sitzung wurde die Wahl der Parteileitung vorgenommen. In derselben nehmen Delegierte Und Rabbiner aus Rußland, Rumänien, Ungarn, der Schweiz, England, Amerika, Oesterreich und Deutschland Platz. Mit der unmittelbaren Exekutive wird für Rußland ein siebengliedriges und für die übrigen Länder ein fünfgliedriges engeres Komitee betraut; ersteres mit dem Sitze in Lyda (Rußland), letzteres mit dem Sitze in Frankfurt a. M. Rabbiner I. Reines verbleibt das Oberhaupt der Partei und in den westlichen Ländern steht Rabbiner Dr. Nobel (Leipzig) an der Spitze der Leitung. Nachdem somit alle Gegenstände der Tagesordnung erledigt waren, bestieg der Präsident der Preßburger Zionisten, S. Bettelheim die Präsidententribüne und sagte: Es naht der feierliche Moment des Abschiedes. Was zwischen den beiden Momenten der Begrüßung und des Abschiedes liegt, wird uns unvergeßlich sein als eine glänzende Manifestation der unbegrenzten Opferwilligkeit für das Judentum, welches wir durch unsere Arbeit zu erlösen hoffen. Hier konnten sich nur starke Herzen versammeln, die die Hindernisse der Entfernung ebenso überwinden konnten wie die Hindernisse, die uns in der Form von Protesten den Weg verlegen wollten. Die schwachen Elemente sind zurückgeblieben, unser starkes siegreiches Heer jedoch hat gesiegt. Redner dankte sodann dem Komitee, das ihm bei der Vorbereitung des Kongresses hilfreich zur Seite stand, ferner der städtischen Behörde, insbesondere aber der Lokalpresse, welche dem Kongreß ein sympathisches Verständnis entgegengebracht hat. Redner schließt mit dem Wunsche, daß die Delegierten den Sieg, den sie hier errungen haben, durch alle Länder tragen mögen. (Lebhafter Beifall.) Delegierter Reichenthal (Tyrnau) dankte dem Kongreßpräsidium namens der Versammlung sür die ausgezeichnete Leitung der Verhandlungen. Dr. Leopold Kahn vom Aktions-Komitee in Wien, mit lebhaftem Beifalle begrüßt, sagte in seiner Schlußrede, daß er im Anfang befürchtet habe, diese Weltkonfercnz des „Misrachi" könnte die Einheit der zionistischen Bewegung gefährden. Indem aber die glückliche Formel gefunden worden ist, daß die Misrachisten in erster Linie Zionisten sind und in dieser Beziehung in den Landesorganisationen verbleiben und nur zur Förderung ihrer religiösen Bedürfnisse eine besondere Organisation bilden, so seien seine Bedenken geschwunden. Del. Dr. Abrahamsohn ließ das Präsidium des hiesigen Zionistenvercincs hochlebcn. Vorsitzender Dr. Nobel dankte in längerer Schlußrede der Versammlung und bezeichnete die Kongreßtage als wirkliche Festtage. Wenn wir über unsere eigenen Einzelinteressen hinausgehoben werden, wenn wir empfinden, daß das Gute in uns Gehör findet und wir uns selbst gebessert fühlen, dann können wir sagen, daß wir einen Festtag erleben. Redner schloß mit den Worten: Für unsere Lehre, für unser Volk und unser Land; das ist unsere Devise. Leschanah habaah bjiruschalajim! (Stürmischer Beifall.) Vizepräsident Rabbiner Landau ermahnt die Anwesenden, ihre Begeisterung auch in Taten umzusetzen, und dankte insbesondere den Hörern der hiesigen Talmudhochschule dafür, daß sie in Befolgung ihres gut zionistischen und misrachisttschen Gefühles den Verhandlungen des Kongresses beigewohnt haben. Dr. Fink ließ den Vater des misrachisttschen Gedankens, den ehrwürdigen Rabbiner Reines, hochleben. Zuletzt schloß Rabbi Reines, wie er ihn eröffnet hatte, den Kongreß mit einer schwungvollen hebräischen Ansprache. Herr S. Bettelheim lud hierauf die Anwesenden zu dem vom Vereine „Aawath Zion" veranstalteten Festkommerse ein. General Stössel und Pan Verganew. Der „Ehrenbürger von Mühldorf" publiziert in der Nummer vom 24. August einen Artikel, welcher in Sttl und Sprache die Rohheit antisemitischen Lumpentums getreulich wiederspiegelt. In diesem Artikel heißt es: „Den heutigen Nachkommen der Makkabäer gehen aber Sinn und Verständnis, was den Heldenmut ansmacht, fo vollständig ab, daß sie nicht nur selbst total unfähig sind, heldenhaft zu handeln, sondern dast sie auch außerstande sind, es anmerkennm oder zu bewundern. wenn Anaebörige arischer Nationen Taten vollbringen, die keinem anderen Gefühle entspringen, als dem im Herzen des Tapferen lebenden Heroismus, dem Drange, lieber das Leben zu rpfern als die Ehre. Diese Unfähigkeit, sich aus den Niederungen bei allem den eventuellen Nutzen oder Schaden vorausbercchnendcr Spekulation auf die höhere Warte einer Anschauung emporruschwingen, welche den Empfindungen des Ariers cM'prickt. zeigt sich gerade jetzt wieder, da in Osiaiicn um den Besitz Port Arthurs ein heißes Ringen statifindet, in geradezu drastischer Werse. Fast jrdes einzelne der W.cner jüdischen Blätter hat sicb schon einen Leilmtiket geleistet, in welchem das Erstaunen darüber zum AuSdnicke kommt, daß die Verteidiger der barlbedrängtcn rnisiichen F strng noch immer nicht kapilttlicrcn wollen und die Anffordernng der Japaner, sich zu ergeben, mit einem strikten ..Nein' beantworteten. Die Be trachlttngcn. w-lche dre Schmocke darüber uuslcllen. welchen Nutzen das wertere Blntvcraießcn habe und wie General Stössel dasselbe verantworten könne, sind so charakteristi'ch, daß si: einen tiefen Einblick in das Wesen des Juderiluilres gestalten." „Wenn die Besatzirna Port Arthurs aus Starnmesgeirossen der R.'dakteure der semitischen Prcsse bestehen würde, das Schicksal der Festung wäre längst besieg.lt, die Fahne Japans würde längst auf ihren Mauern aufgepflanzl sein." „Wir wollen den Juden weiter gar keinen Vorwurf daraus machen, daß ihnen der Beruf, der Ideen- und Pflichtenkreis eines Soldaten böhmische Dörfer sind. Es gibt Herrenvölker und solche Rassen, in welchen nur die niedrigeren Instinkte zur Entwicklung kommen, welchen id ater Schwung, edler Mut und brennender Ehrgeiz vollständig mangeln." Dem gegenüber fei in Kürze konstatiert: Schon in diesem Kriege haben jüdische Soldaten der russischen Armee, sowohl nach offiziellen Berichten als nach Mitteilungen deutscher Kriegsberichterstatter, z. B. jenes der „Köln. Ztg.", durch Mut und Todesverachtung sich ausgezeichnet. Aus den Kämpfen am Jalu wurde dem „Rußj" telegraphiert: Der an beiden Füßen verwundete Kapellmeister des 11. Regiments, Loß, erzählte, beim Angriff habe sein Musikkorps einen Marsch und dann die Nationalhymne gespielt. Als der Kapellmeister getroffen zu Boden stürmte, verblieben bei ihm ungeachtet des furchtbaren feindlichen Feuers zwei jüdische Hoboisten, L e w i n und Schmidt. Das aus 31 Mann bestehende Orchester fuhr fort zu spielen, bis es auf 15 Mann zusammcngeschmolzen war. Diese ergriffen die Gewehre verwundeter Soldaten und stürzten sich auf den Feind. Dem jüdischen Arzt Dr. L u r j e aus Elisabethgrad hat der höchstkommandierende General Kuropatkin, bekanntlich ein verbissener Judenfeind, das Georgskreuz wegen bewiesenen Heldenmutes verliehen. Allein auch General Stössel, der Verteidiger Port Arthurs, ist ein Sohn jüdischer Eltern. Und zwar ist die Vaterstadt des Generals Brünn. Die Familie Stöffel's bekannte sich früher zum mosaischen Glauben. Verwandte des Generals leben noch heute in Brünn und, wie es heißt, auch in Nikolsburg. Mit seinen Brünner Verwandten hat General Stössel noch zu Beginn des Krieges korrespondiert. Der beispiellose Heroismus, mit dem General Stössel und seine Truppen den wilden, todesverachtenden Angriffen der Japaner und dem entsetzlichen Bombardement der feindlichen Geschütze Widerstand leisten, wird nunmehr von den arischen Preßlumpen als zweckloses Ritualmorden verdammt und aus den „semittschen Blutdurst" zurückgesührt werden.