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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-08-26 · 35 (26.8.1904) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
35 (26.8.1904)
Date
1904-08-26
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Sette 560 Dr. Dlocb's Mlocbenscbrlrr. Nr. 35 Um 6 Uhr nachmittags wurde die Debatte über das Referat Nobel geschlossen und nach einer viertelstündigen Pause die Wahl dreier Ausschüsse vorgenommen, und zwar eines Programmausschusses, eines Ausschusses für Presse und Literatur und eines Ausschusses für die Angelegenheiten der Jugenderziehung. In jedem dieser Ausschüsse sind sämtliche Landsmannschaften vertreten. Sodann folgte als zweites Referat das des Dr. Fink (Wien) über die Fragen der religiösen und weltlichen Jugend- und Bolkserziehung. Dieses Referat faßte das misrachistische Untcrrichtsprogramm in 4 Thesen zusammen, die gedruckt unter den Delegirten verteilt und zur Diskussion gestellt werden sollen. Nachdem Delegierter Bettelheim noch einen Teil des großen telegraphischen Einlauscs zur Kenntnis der Versammlung gebracht hatte, wurde die Sitzung um 8 Uhr Abends geschlossen. ZwciterTag. Preß bürg, 22. August. Der heutige Tag war zumeist den inneren Parteiangelegcnheiten des „Misrachi" gewidmet, insbesondere der Formulierung eines misrachistischen Parteiprogrammes. Es wurde betont, daß dieses Programm kein Novum darstellt, sondern nur die Zusammenfassung und der wörtliche Ausdruck jener zionistischen Prinzipien ist, welche die misrachistische Gruppe schon vor Jahren vereint hat. Die Programmdebatte beanspruchte die ganze Vormiltagssitzung und die Nachmittagssitzung bis 6 Uhr und endete damit, daß der hebräische Programmentwurf des Organisationsausschusses angenommen wurde. Derselbe lautet in freier deutscher Uebcrsetzung wie foH: 1. Der „Misrachi" ist eine Organisation gcsetzestreucr Zionisten, die, auf der Basis des Baseler Programmes stehend, das Bestreben haben, zu schaffen und zu wirken für die Erhaltung der jüdischen Nation im Geiste der heiligen Schrist und der Tradition. 2. Der „Misrachi" verbleibt innerhalb der Gesamtorganisation des Zionismus uud vertritt seine Forderungen innerhalb derselben, indem er nur sür die aus religiösen und kulturellen Zielen erwachsende Arbeit eine eigene Organisation schafft. 3. Es ist die Ausgabe des „Misrachi", durch alle legalen Mittel seine Ideale zur Verwirklichung zu bringen, eine abgeklärte Erkenntnis derselben bei allen Schichten unseres Volkes anzubahnen durch die Schaffung und Verbreitung einer von religiösem und nationalem Geiste getragenen Literatur und durch die Erziehung der Jugend in eben diesem Geiste. Delegierter Dr. Fink (Wien) proponierte dem gegenüber folgende Programmsätze: 1. Der „Misrachi" ist die organisierte Vereinigung jener auf dem Boden des Baseler Programms fußenden Zionisten, welche das uns überlieferte Religionsgesetz zur Richtschnur ihres Lebens machen. 2. Die Organisation des „Misrachi" bezweckt innerhalb der allgemeinen zionistischen Organisation die Vertiefung und die Ausbreitung der Interessen, die aus seinen besonderen Tendenzen ihm erwachsen. Nach langer und eingehender Debatte, an der sich viele Delegierte beteiligten, wurde, wie schon berichtet, der Ausschußentwurf 6n bloe angenommen. Bevor in die Tagesordnung eingegangen wurde, brachte der Präsident Dr. Nobel unter dem begeisterten Jubel der Anwesenden das Antworttelegramm der Kabinetskanzlei Sr. Majestät des Königs zur Verlesung. Dasselbe lautet: „0 csäsz. 6s ap. kir. Fels6ge kabinet-irodäja a cionista rabbinusok kongresszusänak Pozsony. Ischl, augusztus 21-en. 0 csäsz. 6s ap. kir. Fels6ge a kongresszus hödolatä6rt legmagasabb köszönetöt nyilvänitani m6ltoztatik.“ Nachdem die Fljen-Rufe und der brausende Beifall, mit welchem dieses Zeichen der Allerhöchsten Huld entgegengenommen wurde, sich gelegt hatten, stimmten die ungarischen Delegierten den Kölcsey'schen Hymnus an, der stehend zu Ende gesungen wurde. Begrüßungstelegramme kamen neuerdings aus allen Teilen Europas an. Hierunter befand sich auch eine warme telegraphische Begrüßung des Präsidenten Reines, sowie von Seite des bekannten ungarischen Reichstagsabgcordneten und Schriftstellers Nikolaus Szemere. Nach Beendigung der Programmdcbatte ergriff als Korreferent für die Fragen des Unterrichtes Delegierter Rabbiner Landau das Wort, um über die Lage der „Jugenderziehung unter den Juden des Ostens" zu referieren. Schuldirektor Delegierter Vajda (Galgocz) betonte im Anschlüsse hieran die Wichtigkeit der Mädchencrziehung. Grünberg (London) verlas einen hebräischen Protest dagegen, daß die antimisrachistischen Rabbiner die Einladung des Kongreßpräsidiums, einen Vertreter zu entsenden, unberücksichtigt gelassen haben. Hierauf referierte der Wilnaer Schriftsteller Delegierter Javctz über Literatur und Presse. Um halb 8 Uhr abends war auch dieses Referat beendigt. Hiemit schloß die Nachmittagssitzung. Dritter Tag und Schluß. Als erster Redner ergriff Delegierter I. S. Schlesinger (Preßburg) das Wort, um darzutun, daß der vorliegende Statutenentwurf des „Misrachi" das konservativ-religiöse Moment zu wenig berücksichtigt und daß cs notwendig sei, die Art der Verwendung der für Palästina bestimmten Gelder in den Statuten zu regeln. Rabbiner Guttumnn (New-Iork) hält es für bedenklich, daß das Gebot der religiösen Gesetzestreue auch auf die einzelnen Personen als unbedingt verpflichtend ausgedehnt werde, da dies sich nicht kontrollieren lasse und der Begriff der Frömmigkeit im Allgemeinen ein relativer sei. Nur die Vereine als solche können zur Respektierung des religiösen Konservatismus verpflichtet werden. - - u Delegierter Kraßnyanßky schließt sich den Ausführungen des Vorredners an. Dr. Fink proponiert die Gründung von misrachistischen Frauen- und Jungfrauenvereinen, deren Mitglieder das aktive, jedoch nicht das passive Wahlrecht haben sollen. Delegierter Lieben wünscht, daß die Resolutionen der Referenten für Presse und Unterricht den entsprechenden Kommissionen zugewiesen werden mögen. Der Antrag wird gleichfalls angenommen. In der Nachmittagssitzung referierte zunächst Rabbiner Grünhaus (Trok) über die Besiedlung Palästinas und über die Verwertung landwirtschaftlicher Produkte dieses Landes. Zu diesem Referat bemerkt Delegierter I. S. Schlesinger (Preßburg), daß die Errichtung einer Fabrik zur Herstellung ritueller Betmäntel in Palästina sich empfehlen würde. Aktien von kleinem Nominalwert können zu diesem Zwecke leicht plaziert werden. Delegierter Lipker meint, dies könnte den armen Juden, die sich mit dieser Industrie in Europa befassen, schaden. Außerdem verlangt Redner Auskünfte über den gegenwärtigen Stand des jüdischen Nationalfondes. Dr. Leopold Kahn vom Wiener Aktionskomitee erteilt die gewünschten Auskünfte und beziffert die gegenwärtige Höhe des Nationalfondes auf beiläufig 1 Million Franks. Delegierter Rosner (Miava) beantragt die Drucklegung der größeren Reden, die auf dem Kongresse gehalten werden. Vorsitzender Dr. Nobel stellt die Herausgabe eines vollständigen offiziellen Protokolles in Aussicht. Die beschlossenen Statuten werden auf Antrag des Delegierten Stern (Kereßtur) jedem misrachistischen Vereine von amtswegen gesendet werden. Hierauf zogen sich die einzelnen Landsmannschaften zur Kandidatur der in-die 25gliedrige Parteileitung zu entsendenden Delegierten zurück.

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