Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 34 (19.8.1904)
- Date
- 1904-08-19
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 552 Dr. Dlocb's MocbenscbrM. Nr. 34 gebührenden Abschied zu Teil werden lassen, derart, daß ihm die Lust zur weiteren Schriftstellerei vergangen wäre. Man würde sich aber einer Täuschung hingeben. wollte man annehmen, daß Pardubitz allein solche Pflanzen auszuweisen hat. Im Gegenteil, es gibt selten eine jüdische Gemeinde im czechischen Teile Böhmens, wo derartige Auswüchse nicht zu finden wären. Dort geben sie eine Zeitung heraus, in welcher sie den Seelsorger einer Nachbargemeinde begeifern und ihm affenmäßig ein „Los von ... ." zurufen. weil er an seinen vorgeschriebenen S tzungen hält, oder einen allseitig verehrten Mann seiner politischen Sympathien wegen denunzieren; hier wieder brüllen sie zu den Fenstern einer koscheren Garküche wie lieb?) „hrom a peklo“ heraus. Da wie dort nichts als ^bULiU688". Wir Juden wißen, was wir davon zu halten haben, und unsere christlichen Mitbürger? Die wiffen's auch. Oder ist es etwa mehr als Geschäftsreklame? Will nicht der Doktor Soundso seine Praxis erweitern, der Andere ollen allein die Zähne herausnehmen? Die „brow a peklo^-Schreier allen Raps allein kaufen, alle Schnürl selbst verkaufen? Man kann ganz gewiß ein guter Sohn feines Volkes fein, ohne sich auf solche Weise bemerkbar zu machen, wozu ein Uebriges tun? Also nur die Leute nicht ernst nehmen und zur Tagesordnung über solche Komödianten. Koliu. Heinrich P o l l a t s ch e k. Prag. Das hiesige „Montagsblatt" schreibt: Die Vergebung der Armeelicferungen anläßlich der Kaisermanöver in Südböhmen erregt den Unwillen der „Nar. Lisch" in hohem Grade. Dieser Unmut ist jedoch keineswegs sachlich begründet, sondern entspringt ganz anderen Motiven. Das jungczechische Blatt schreibt hierüber: „Zum Generallieferanten anläßlich der Kaisermanöver wurde der „jüdische Kaufmann Schulhof" in Jungbunzlau ernannt. Es wird uns berichtet, daß ihm die Lieferung aller Viktualien, vor allem des Fleisches und Brotes, sowie aller Futterstoffe übertragen wurde. Das erforderliche Vieh wird Schulhof in — Serbien kaufen. Die Eindrücke, die ob einer solchen Berücksichtigung der heimischen Handelsinteressen in den zuständigen czechischen Kreisen herrschen, sind naturgemäß sehr erregt und werden nicht ohne Konsequenzen bleiben." Das ist die gewohnte zweideutige Sprache des sich freisinnig nennenden Jungczechenblattes, welche, wie männiglich bekannt, von dessen Lesern mit besonders feinem Instinkt stets nur in einer und merkwürdig stets in richtiger Weise verstanden wird. Ob sich die Leser der „Nar. Lisch" über das von Herrn Schulhof anzukausende serbische Vieh aufregen werden? Netv-Aork. Die beiden großen politischen Parteien Amerikas haben ihre Kandidaten für die im Nowember dieses Jahres stattfindenden Präsidentenwahlen nominiert. Beide Parteien haben in ihren Programmen die unbedingte Zulassung amerikanischer Juden in Rußland gefordert, ohne die Sache selbst zu nennen, indem sie sich nur auf das Prinzip beschränken. Die demokratische Partei, deren Konvent am 10. v. M. in St. Louis abgehalten wurde, ist sehr entschieden. In ihrem Programm heißt cs: ,Wir verbürgen uns, auf billigem gesetzlichen Schutz aller unserer Mitbürger, sowohl im Jnlande als im Auslande zu bestehen, und alle Maßregeln zu ergreifen, welche ihnen seien sie eingeboren oder naturalisiert, ohne Unterschied der Rasie und des Glaubensbekenntnisses den gleichmäßigen Schutz der Gesetze und den Genuß aller Rechte und Privilegien sichern sollen, die ihnen unter den bestehenden Freundschafts- und Handelsverträgen zustehen. Wo unter den bestehenden Verträgen das Recht des Reifens und des Aufenthaltes amerikanischen Bürgern versagt wird, uder wo amerikanischen Pässen in irgend einem Lande wegen Raffe oder wegen Glaubensbekentniffes Anerkennung versagt ist, befürworten wir das Eintreten in Verhandlungen mit den Regierungen solcher Länder, um durch Vertrag die Abstelluug solcher ungerechter Unterscheidungen durchzusetzen. Wir verlangen, daß auf der ganzen Welt der Besitz eines amerikanischen Passes als Zeugnis angesehen werde, daß der Betreffende ein amerikanischer Bürger ist und ihm die gebührende Behandlung zuteil werde." Man schreibt darüber der „Voss. Ztg.": ..Sowohl die republikanische als auch die demokratische Konvention in den Vereinigten Staaten haben anläßlich der Aufstellung der Präsidentschaftskandidaten eine Resolution angenommen, dahingehend, daß die Regierung darauf sehe, daß die Pässe aller amerikanischer Bürger gleichviel welcher Religion oder Raffe anerkannt werden. Eventuell sollen neue Verträge mit denjenigen Ländern abgeschloffen werden, in welchen ungeregelte Unterschrede gemacht werden. Diese Resolutionen sind speziell auf Rußland gemünzt. Nun wird allerdings schon seit wer weiß wie vielen Jahren von der amerikanischen Regrerung das hier Gewünschte zu erreichen gesucht. Alle Noten, alle mündlichen Vorstellungen, die namentlich Staatssekretär Hay dem russischen Botschafter Grafen Cassini gemacht hat, sind ohne Erfolg gewesen. Aber man hofft jetzt, daß gegenüber dem einhelligen Wunsche der Vertreter der ganzen amerikanischen Nation die russische Regierung doch andere Saiten aufzieheu wird. Man betrachtet in den Vereinigten Staaten die Paßfrage keineswegs als eine nur die Juden angehende Frage, sondern als eine Frage der nationalen Würde. Der Annahme der Paßresolution in beiden Konventionen sind voraugegangen zahllose Volksversammlungen, in denen entsprechende Resolutionen gefaßt worden sind. Wie man weiß, hat sich auch die deutsche Regierung vergeblich bemüht, durchzusetzen, daß die Pässe deutscher Bürger jüdischen Glaubens an der russischen Grenze respektiert werden. Man hofft nun in Amerika, daß jetzt alle Kulturstaaten an Rußland die gleiche Forderung stellen werden und daß Rußland die Erfüllung dieser Forderung nicht mehr ablehnen werde. Der vor einiger Zeit in New-Dork interviewte Fürst Uchtomski hat eine solche Konzession an die amerikanischen Juden nicht für unmöglich erklärt. Wie dann das Gleiche dem benachbarten und befreundeten Deutschland verweigert werten könnte, ist schwer einzusehen." Die Sozialisten New-Dorks. Fünftausend Mitglieder der sozialistischen Cooper Union bejubelten in einer unlängst nachts abgehaltenen Versammlung den Bombenwerfer als Helden der Freiheit und Gerechtigkeit, der die Welt von dem „Monstrum Plehwe" befreit habe. Vermischtes. Kranzablösungsspenden zu gunsten der Chewra - Kadischa Wien, I-, Seitenstettengasse 4 für arme kranke Glanbensgenossen. Anläßlich des Ablebens des seligen Herrn Bruno A l t m a n n: Von Familie Fellner K 10. , Hermann Denesz K 5.—; zusammen K 15.—. S p enden: Frau M. L statt eines Kranzes auf die Gruft des Herrn Ignaz Lustig K 20—, Malvine Deutsch K 2—; zusammen K 22.—. Wien. (Auszeichnungen.) Der Kaiser hat dem Präsidenten des Vereines zur Errichtung und Erhaltung der Ersten Wiener Suppen- und Teeanstalt Hof- und Gerichtsadvokaten Dr. Moriz Singer und dem Schriftführer dieses Vereines kaiserl. Rate Johann Lichten st ad t, Redakteur der „Wiener Morgen-Zeitung", das Ritterkreuz des Franz Josef- Ordens verliehen. Wien. Nachdem heuer der israelitische Versöhnungstag auf Montag den 19. September fällt und die israelitischen Fleischhauer den auf diesen Tag fallenden Viehmarkt nicht besuchen könnten und eine Verlegung des Marktes vom Gemeinde-, beziehungsweise Stadtrat nicht bewilligt wurde, sprachen am 10. l. M. der Obmann des Vereines Herr Leopold Weinwurm mit dem Schriftführer Herrn Jakob Mittler beim Statthalterei- Vizepräsidenten Excellenz Grafen Giovanelli vor. Herr Weinwurm unterbreitete dem Statthalterei-Vizepräsidenten die Bitte, diesen Markt aus den bezeichneten Gründen um einen Tag später abhalten zu lassen, wie dies öfters, z. B. in der Ostcrn- und Pfingstwoche, der Fall ist. Statthalterei-Vizepräsident Graf Giovanelli empfing die Herren in liebenswürdigster Weise und gab ihnen die Zusicherung, diesbezügliche Erhebungen von Seite des Marktamtes pflegen zu lassen, und wenn keine gewichtigen Bedenken obwalten, die vorgetragene Bitte einer womöglich günstigen Erledigung zuzuführen. Dobrisch. Die israelitische Kultusgemeinde in Dobrisch begeht am Sonntag den 28. August d. I. um Va2 Uhr nachmittags die feierliche Einweihung ihrer neuerbauten Synagoge. Programm: 1. Ueberführung der Thorarollen. 2. Begrüßung der Festgäste durch Ehrwürden Rabbiner Dr. Link aus Dobrisch. 3. Uebergabe der Synagogenschlüssel an den Vertreter der k. k. Behörde durch Fräulein Erna B o n d y. 4. Ansprache des Kultusvorstehers Alfred B o n d y. 5. „Ma-Towu" und „Wajhi