Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-08-19 · 34 (19.8.1904) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
34 (19.8.1904)
Date
1904-08-19
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3020846-3021547-3021582--13836-3038510
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

7 entity mentions

Nr. 84 Dr. Blocb’s TKHocbenscbrift Sette 581 wunderbar ist, wie ein Werk wie das Chamberlain'sche zu« einem solchen Ansehen gelangen konnte. Aber noch mehr. DerZ Leser gewinnt durch das Herrsche Werk einen vollen Einblicke in das, was alles über Rassen gefabelt und gefaselt wird, und z' er ist dann nicht nur mit Chamberlain, sondern mit dem ganzen Rassenschwindel fertig. Unwillkürlich denkt man bei diesen so dreist auftretenden Rassenfexen an die Alchymisten und Astrologen ftüherer Jahrhunderte, die auch scheinbar sich mit der Wissenschaft beschäftigten, in Wirklichkeit aber besten Falls Afterwissenschaft trieben, betrogene Betrüger waren, meist jedoch in ihre Tasche arbeiteten. Die Rassenfexe mögen allerdings nicht immer direkte, pekuniäre Vorteile suchen, sie verfolgen in der Regel noch — gemeinschädlichere Zwecke. Am meisten erinnern die Herren mit ihren modernen Rassentheorien an die — Wahrsager aus Kaffegrund oder die klugen Leute, die das in der Sylvesternacht gegossene Blei deuten. Mit kaum mehr „Wissenschaft" und mit ebensolcher Phantasie, wie diese Figuren sehen und deuten, erfinden die Rassentheoretiker und legen unter, was außer in ihrem eigenen Kopf, in keines vernünftigen Menschen Kopf zu finden ist. Aber, wie die Wahrsager und Zeichendeuter, so finden auch die Rassentheoretiker bei denen, die nicht alle werden, Glauben und Beifall und der beabsichtigte Zweck wird erreicht. Etwas Wahres mag ja hie und da an dieser und jener Rassentheorie sein und vielleicht kommt man auch einmal zu irgend einer wirklich wissenschaftlichen Theorie, bis jetzt aber haben fast alle Erfinder der modernen Rassentheorien den Wald vor Bäumen nicht gesehen, das Nächstliegende nicht beobachtet und das Fernliegendste, ja was nie und nirgends geschehen ist, herbeigeschleppt. Wir sehen, daß Neger, Mongolen, Arier, Semiten anständig, vornehm, klug und tüchtig sein können oder auch nicht. Wir sehen, daß Russen, Juden, Irländer rc. rc. in diesem Milieu gut, in jenem schlecht sind, und wir können vorläufig nur mit jenem Gelehrten übereinstimnen, der da sagte: Rasse in dem Sinne, wie sie die modernen Theoretiker aufstellen, ist Schwindel. Korrespondenzen. Zur Geschichte der Juden in Mödling. In den Tagesblättern lese ich eine Notiz, daß die Stadt Mödling demnächst die Feier ihrer tausendjährigen Gründung begeht. Bei dieser Gelegenheit erinnere ich mich und dürfte es von Interesse sein, zu erwähnen, daß Jssers (gegen 1550) in seiner Responsensammlung Nr. 5 behufs einer Dezision ein halachisches Werk einer rabbinischen Autorität zitiert: na>a p-i ana® na nn ♦ibc mpna np^na Demnach scheint Mödling im Mittelalter auch eine größere jüdische Gemeinde gehabt zu haben. Dieser R. Mose aus Mödling dürfte also im XIV. oder XV. Jahrhundert gelebt haben und sind aus dieser Zeit auch mehrere rabbinische Autoritäten aus Oesterreich' bekannt, wie z. B. Meier Halevy und Abraham Klausner aus Wien, Scholem aus Oesterreich und Jsserlein in Wiener-Neustadt, Israel aus Krems, Heschel aus Hainburg u. A. S. Spinner. Bon der zionistischen Bewegung Die zur Ordnung der politischen Organisation des Zionismus nach dem Tode Dr. Theodor Herzl's einberusene Sitzung des großen Aktionskomitees der zionistischen Partei wurde Dienstag vormittags um 10 Uhr eröffnet. Dr. Leopold Kahn (Wien) begrüßte als Alterspräsident die zahlreiche Versammlung, zu der Vertreter aus aller Welt erschienen waren, worauf Architekt Oskar Marmorek (Wien) die Gedenkrede für Dr. Herzl hielt. Die Sitzung wurde nach dieser Ansprache zum Zeichen der Trauer geschlossen. Sämtliche Anwesende begäben sich hierauf zum Grabe Herzl's auf den Döblinger Friedhof. Dort schmückten die italienischen Delegierten die Gruft mit einer herrlichen Votivtafel aus getriebenem Kupfer. Am Grabe »wiederholte Architekt Marmorek den Schwur, daß man das Werk »Herzlos in seinem Geiste fortsetzen werde. Nachmittags begannen runter dem Vorsitz Dr. I. Tschlenow's (Moskau) und Dr. I. (Bodenheimer's (Köln) die Verhandlungen, die bis spät in die Nacht dauerten. Nach einer sehr lebhaften, mitunter stürmischen Debatte wurde mit großer Majorität beschlossen, dem engeren Aktionskomitee das volle Vertrauen auszusprechen und es zur Bewältigung der gerade jetzt so zahlreichen und wichtigen Agenden für die Zeit bis zum nächsten Kongreß durch fünf Mitglieder zu verstärken, die aus dem großen Aktionskomitee gewählt wurden. Die Wahl fiel auf die Herren Dr. Alexander Marmorek (Paris), Dr. I. Bodenheimer (Köln), Mr. I. L. Greenberg (London), Dr. I. Tschlenow (Moskau) und Ingenieur M. Usischkin (Jekaterinoslaw). Hierauf begann die Debatte über die eventuelle Aenderung des Organisationsstatuts. Die Jahreskonferenz der zionistischen Partei, der sogenannte „kleine Kongreß", wurde vom Alterspräsidenten Doktor Lippe (Jassy) Mittwoch eröffnet, der zu Vorsitzenden das Präsidium des großen Aktionskomitees vorschlug. Hierauf übernahm Dr. Bodenheimer (Köln) den Vorsitz. Er hielt zunächst einen Nachruf auf Dr. Herzl und begrüßte die Anwesenden. Nach einer kurzen Geschäftsordnungsdebatte über die Reihenfolge der Referate berichtete Direktor Wolfsohn (Köln) über den Geschäftsstand der jüdischen Kolonialbank, die in diesem Jahre trotz der Krise im Osten günstigere Erfolge aufweise wie im Vorjahre. Namens des Aufsichtsrates der Bank sprach Dr. O. Kokesch (Wien), dann hielt Prof. O. Marburg (Berlin) namens der Palästinakommission, der auch Dr. Franz Oppenheimer angehört, ein äußerst beifällig aufgenommenes Referat über die Tätigkeit dieser Kommission. Ferner sprach Prof. Marburg über das Ostafrikaprojekt und teilte mit, daß die Expedition nach Uganda noch nicht abgegangen ist, weil das erwartete Geld nicht vorhanden war. Erst im letzten Augenblick wurde ein Anbot von 2000 Pfund Sterling der Kommission gemacht, mit denen eine kleine Expedition ausgerüstet und demnächst abgesendet wird. In der Nachmittagsitzung erstattete Architekt Oskar Marmorek (Wien) den gestern genehmigten Bericht des Aktionskomitees. Der Bericht erregte eine äußerst stürmische Debatte, die abgebrochen und auf heute vertagt wurde. Abends wurde über den Nationalfonds beraten. Im Namen der Nationalfondskommission referierte Dr. Farbstein (Zürich). Es wurde beschlossen, als Sitz des Nationalfonds London zu bestimmen und den Fonds zu einer Aktiengesellschaft zu verwandeln, die sich aus allen Besitzern von Gründershares der jüdischen Kolonialbank zusammensetzen soll. Komödianten? Also „Rozvoj" neunen sie das neue Blatt, mit welchen uns die Pardubitzer Herrschaften beglücken wollen. Ist da kein Irrtum unterlaufen, hätte es nicht anstatt „Rozvoj" (gedeihliche Entwicklung)„Rozbroj" (Spaltung, Unfrieden) heißen sollen? Der kurze Bericht aus Leitomiscbl, dessen die „Oesterreichische Wochenschrift" in ihrer letzten Nummer Erwähnung tut, wirft wenigstens ein solch grelles Licht auf die Tendenz dieser neuesten Zeitungsmache, daß Jeder die Bezeichnung „Rozbroj" für richtiger halten wird. Ich habe diese Zeitung — das neueste vom czechisch-jüdischen Büchertisch — zwar noch nicht gelesen, dürfte auch noch lange nicht dazu kommen, denn, wie es schemt, hat man sie weiter wie nach Leitomischl noch nicht verschicken wollen, allein, wenn sie schon in Prelauö aufliegen sollte, oder gar bis hierher gedrungen wäre, so genügt es mir. den Namen des Leiters zu kennen, um das Blättchen ruhig am Nagel hängen zu lassen. Wir in Kolin hatten sattsam Gelegenheit» den Leiter des „Rozvoj" kennen zu lernen, hatte doch , dieser Herr die Ungeniertheit vor einiger Zeit mit einer in Pardubitz zusammengestellten Schmiere nach Kolin zu kommen und uns hier ein von ihm verfaßtes „Theaterstück" aufzuführen; eine Mache, in welcher er den Juden nicht nur persifliert, sondern den jüdischen Charakter im Allgemeinen in den Kot zerrt. Ich glaube, die „Budapester" würden es ablehnen, ein solches Stück aufzuführen. Damals erlaubte ich mir in der „Oesterreichlschen Wochenschrift" die bescheidene Anfrage an den Verfasser, ob er denn die Charakterbilder, die er zeichnete, seiner Bekanntschaft oder seiner Familie entnahm? Leider haben die Koliner von heute ihn angehört, ich bin überzeugt, daß das in früheren Zeiten nicht stattfinden hätte dürfen, unsere Alten hätten dem Verfasser eines solchen Schundstückes den

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.