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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-07-15 · 29 (15.7.1904) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
29 (15.7.1904)
Date
1904-07-15
Page
– (sequence 15)
Language
German
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str. 29 Dr. JSIocb s Mocbenscbrttr. Geile 475 einzig und allein im Rahmen des Schulchan-Aruch, und es gibt kaum eine Gemeinde in Ungarn, deren religiöse Institution nicht auf Grund desselben geleitet würde, nur hier und dort finden wir in minder wesentlichen Dingen Abweichungen von demselben, man könnte also ganz gut, anstandslos den Antrag einstimmig annehmen; die Frage ist nur die, ob es auch opportun sei; denn wir können es uns nicht verhehlen, daß ein großer Teil des Schulchan-Aruch außer Gebrauch gekommen ist, Vieles, weil einer längst entschwundenen Vergangenheit entstammend, unseren Anschauungen nicht entspricht, vieles obsolet geworden. Wenn nun der Schulchan- Aruch zum sanktionierten Landesgesetz würde, ist da nicht zu befürchten, daß s e l b st I u d e n auf jene nicht einwandfreien Stellen Hinweisen und ausrufen würden: Seht, d.asist Landesgesetz? „Auch ich hatte meine Bedenken, erwiderte hierauf D r. Hildesheimer, ich fragte mich: Bin ich verpflichtet, unbekümmert um die Konsequenzen, für diesen Antrag bis aufs Aeußerste zu kämpfen! Ich konnte die ganze Nacht nicht schlafen, am Morgen fiel mir ein, daß das am Ende eben eine solche „S ch e i l e"*) sei, wie jede andere und ich legte dieselbe auf telegraphischem Wege meinem einstigen Lehrer Rabbiner Jakob Etlinger in Altona vor. Heute nachmittags erhielt ich die telegraphische Antwort: „Kämpfen bis aufs Aeußerste." Der Antrag fiel und der größte Teil der Opposition verließ den Kongreß. Als aber selbst der bescheidene Antrag, es möge in das Statut ausgenommen werden, daß die religiösen Institutionen nach mosaisch-rabbinischem Gesetze, — d. h. also nicht nach karaitischem errichtet und geleitet werden müssen, mit einer einzigen Stimme, 50 gegen 51, in der Minorität blieb, da war der Exodus ein allgemeiner, — nur unser Komorner Delegierter B e u t u m hielt Stand und verließ seinen Platz nicht. Dafür hatte er auch bald seinen Lohn dahin: Er, der als Orthodoxer weggegangen, kam als „Ko ngreßjude" heim — und dieser Name galt als Schimpf. — Als die Statuten von dem Könige sanktioniert wurden, da begann die Agitation gegen dieselben. Gutachten von in- und ausländischen Rabbinen wurden gesammelt, die dahin gingen, daß die Statuten religionswidrig seien, die Teilung der Gemeinde ward vorbereitet, bis endlich im Jahre 1871, nachdem E ö t v ö s gestorben und P a u l e r der Erzjudenfeind, der zur Zeit des Tisza-Eßlarer Prozesses als damaliger I u st i z m i n i st e r viel zur Verschlimmerung der Sache beigetragen, an dessen Stelle getreten war, — die Orthodoxen, an das Abgeordnetenhaus eine Petition richteten, es werde von gesetzeswegen ausgesprochen, daß die Kongreßstatuten für sie, als eineandereKonfession, als nicht bindend erklärt werden mögen. Sie wendeten sich an Franz D e a k, den „Weisen des Landes", um Unterstützung ihrer Sache. Seine erste Frage war, ob zwischen ihnen und den Kongreßjuden ein Unterschied der Dogmen sei, was sie natürlich bejahten. Warum auch nicht? Der Zweck heiligt das Mittel, und Deak trat für sie im Namen der Gewissensfreiheit ein. Ihre Statuten wurden von P a u l e r, der sich freute, zur Teil u n g der Judenschaft etwas beitragen zu können, dem Könige zur Sanktion unterbreitet und — das Schisma in der ungarischen Judenheit wurde zur vollendeten Tatsache. Es gibt nun in Ungarn viererlei jüdische Konfessionen (!): die der fortschrittlichen, der Kongreß-Orthodoxen, der statu quo und der sephardischen Juden. Letztere entstanden in jenen Orten, wo eine Fraktion von der orthodoxen Gemeinde sich lossagen wollte, ohne aber eine Kongreß- oder statu guo-Gemeinde werden zu wollen. Welche Verheerungen diese Teilung in den Gemeinden angerichtet, läßt sich kaum ermessen! Wo früher ein kräftig pulsierendes Gemeinwesen, eine blühende Schule gewesen, dort ist durch die Zweiauch Dreiteilung des einheitlichen Körpers an die Stelle der gesunden Entwicklung Siechtum und Niedergang getreten, die Kräfte wurden zersplittert und zehrten sich in unfruchtbaren Kämpfen aus. Und wie viele Existenzen armer Leute wurden vernichtet! Derselbe Schächter, welcher Vormittags noch als tadellos fromm und vollkommen vertrauenswürdig gegolten, wurde von der nachmittags orthodox gewordenen Gemeinde als A btrünniger und das von ihm geschlachtete Vieh als „tr6feu erklärt. Ein Beispiel für Viele, wie weit die Kluft zwischen den Parteien geworden: Im Jahre 1873 ist unser guter Rabbiner Frieden heimgegangen, seine Leiche wurde, wie üblich, in die Synagoge gebracht, wo Trauerreden gehalten wurden, und da standen einige seiner A m t s- und Gesinnungsgenossen draußen vor der Türe und wollten die Stätte nicht betreten, auf der der Hingeschiedene ein ganzes Jahrzehnt sein Gebet verrichtet hatte. Dies nur darum, weil der Almemor „verrückt" geworden! (Fortsetzung folgt.) Neue Bücher. Oft und West. Illustrierte Monatsschrift für modernes Judentum. Verlag von „O st und W e st" G. m. b. H., Berlin X. W. 23, Altonaerstr. 36. IV. Jahrg. Heft Nr. 7. Juli 1904. Inhalt: Dr. S. Bernfeld: Unsere Lage. Heinrich Redlich: In der Bibliothek. Dr. M. Schorr: Die mosaische Gesetzgebung im Lichte des Kodex Hammurabi. Lothar Brieger-Wasservogel: Im Trotz (Gedicht). Dr. Julius Lew in (Paris): Der Bildhauer Raum Aronson (mit 22 Illustrationen). Dr. Max Eschelbacher: Die Juden und die öffentliche Wohltätigkeit. M. Sch er lag: Eines Juden Lied (Gedicht). Dr. I. Eliaschow: Samuel Frug: A. I. M a z e r o l l e : Der Prophet Elias (n. e. Gemälde). Bar Ami: Eliah, der Prophet. Jehuda S t einb erg : Das versäumte Kadischgebet (Erzählung). Wilhelm F e l d m a n n : Ghetto-Idylle (Erzählung). Theodor Herzl s. A: Revue der Presse. XI. Jahresbericht der Israelitisch -Th e o logischen Lehranstalt in Wien für das Schuljahr 1903/1904. Voran geht: Psendo-seder Eliahu zuta (Derech Erec und Pirke R. Eliezer) nach Editio princeps des Seder Eliahu und einem Manuskripte, hierzu drei Abschnitte der Pirke d’ Rabbi. Eliezer, Kap. 39—41. Kritisch bearbeitet von Lektor Fried mann. Verlag der Israelitisch-Theologischen Lehranstalt, Wien, II., Tempelgasse 3. 1904. Briefkasten. Sub. St. Tr. Ihre Vermutung ist nicht richtig. Den Namen des Verfassers zu nennen, sind wir nicht berechtigt. S. S. Wie das „Berner Tagblatt" erfährt, wird der nächste (7.) Zionistenkongreß im Dezember dieses Jahres in Basel stattfinden. Der Kongreß werde sich nur mit Fragen organisatorischer Natur beschäftigen, da die nach Ostafrika in aller Kürze abgehende Expedition erst im April 1905 zurückkehren könne. P. Der untergegangene norwegische Dampfer „Norge" hatte neben 30t Norweger, 79 Dänen. 58 Schweden auch 236 polnische Juden an Bord, die mit Ausnahme eines einzigen sämtlich bei dem schrecklichen Unglück umkamen. Dr. B. in B. Unseren Lesern längst bekannt. Simon G. Jawohl. Generalmajor von Schweitzer und Generalingenieur Siegfr. Popper. Leop. Schwarz, Brünn. Sie haben recht, hervorzuheben, daß auch die erste christliche Hochschule für Heilkunde in Europa, die seinerzeit hochberühmte und bis ins 14. Jahrhundert berühmteste medizinische Schule, jene zu Salerno (gegr. i I. 1150), wenigstens zum Teile auf jüdisches Wiffen und Wirken zurückzuführen ist. Die drei Gründer waren nämlich ein Jude, ein Araber imb ein Grieche, also Repräsentanten der drei fortgeschrittensten Kulturvölker jener Zeit. In Deutsch» land gab es im frühen Mittelalter beinahe aus» schließlich nur jüdische Aerzte. *) Religiöse Frage.

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