Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-07-15 · 29 (15.7.1904) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
29 (15.7.1904)
Date
1904-07-15
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3020846-3021547-3021577--13750-3038419
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

6 entity mentions

Seite 470 Dr. JSlocb’s Mocbenscbrttt. Nr. 39 ihnen nichts gegeben, als den Glauben an sich selbst, den sic zum größten Teile fast ganz verloren. Bor uns fließt der Jordan. Die Ungetreuen bleiben diesseits — die Treuen ziehen jenseits. Herzl fand Liebe und Gunst in den Augen Aller. Tränenströme sind um ihn geflossen aus guten, alten, treuen Augen, die Pulsschläge einer nach Hunderttausenden zählenden Gemeinde pochten nach ihm am Tage, als man den Schatz in die Erde legte. Herzl's Andenken sei Allen heilig und gesegnet. Er zog in den Krieg, wenn auch nicht im Namen der Religion, denn wer so für sein Volk kämpft, kämpft für Gott." Nach einem Trauerchor folgte eine Reihe von Ansprachen seitens der verschiedenen zionistischen Korporationen. Architekt Oskar Marmorek (Wien) gab dem großen Schmerze Ausdruck, den das Judentum durch Herzl's Tod erlitten, desten kühner Geist sich aufbäumte über die Verfolgung und Niederdrückung der Juden. Er schritt an die Ausführung des Gedankens, daß cs nicht immer so bleiben könne, und ergriff die Fahne der Makkabäer und die Hacke, um die Wälle zu ebnen, die der Egoismus um das Judentum aufgeführt, um es vor jeder Regung eines eigenen Willens zu bewahren. Er besiegte die Hindernisse, mißachtete Hohn und Spott und ging den geraden Weg. Marmorek feierte Herzl als den größten Juden, der seit Jahrhunderten erstanden. Man trauere um ihn, wie um einen Vater. Das Aktionskomitee sei niedergeschmettcrt durch den einzigen Schmerz, den er ihm bereitete. Er war ein Meteor am Himmel; wenn auch seine Flamme erloschen, haben sich Tausende an ihm entzündet. ' Es sprachen ferner in ähnlichem Sinne Schriftsteller Sokolow (Warschau) in hebräischer Sprache, ferner Direktor Dr. Krenberger (Wien). Er sagte u. a.: Das Judentum habe seinen Führer begraben, den Vordersten in der Liebe zu seinem Volke. Dann sprachen Josef Cowen (London) in englischer Sprache, Dr.-Jur. Alfred Klee (Berlin), Ingenieur Michael Ussischkin (Jekaterinoslaw) in russischer Sprache, Dr. Alexander Marntorek (Paris), Prediger Dr. Lewin (Wilna), der Herzl als modernen, weisen und gerechten Richter im weiten Sinne des Volkes schillerte, Rechtsanwalt Dr. Alkalay (Belgrad) in spaniolischer Sprache und Schriftsteller Adolf Stand (Lemberg) in polnischer Sprache. Für die Studentenschaft sprach Philosoph Oskar Frankl (Kremsier). Er betonte, daß Herzl der jüdischen akademischen Jugend ihren Lebenszweck gab und sie dem jüdischen Volke zurückführte. Den Beschluß machte Nathan Groß (Wien), der Herzl namens der jüdischen Handelsangestellten und jüdischen Arbeiter pries. Mit einem tief ergreifenden Choral schloß gegen 1 Uhr die Feier. Aus Berlin wird gemeldet: Die Trauelfeier für Dr. Theodor Herzl, die im Architektenhause veranstaltet wurde, nahm einen tief ergreifenden Verlauf. In dem schwarz verhängten Saale drängten sich die Freunde und Verehrer des Dahingegangenen; sie füllten den Borraum und die Treppengänge und, wenn auch nicht alle sich als Anhänger der zionistischen Idee bekannten, der Theodor Herzl sein Leben geweiht: alle waren einig in den tiefen Schmerz mn das Scheiden eines reinen und guten Menschen, eines überzeugten und ehrlichen Kämpfers für sein erwähltes Ziel. Die Feier wurde durch eine Ansprache des Dr. Katz und durch den Vortrag des 16. Psalm begonnen. Dann folgte eine nach Form und Inhalt vollendete Rede des Rabbiners Dr. Eschelbacher, der Theodor Herzl als Menschen und als Führer der Seinen charakterisierte und die Versammelten durch die Wärme seiner Worte bis ins Innerste erschütterte. Nach einer weiteren Rede des Dr. H. Löwe und einem Schlußwort des Dr. Katz fand die ernste Feier ihr Ende. In Ung.-Hradisch fand in Anwesenheit nahezu sämtlicher Gemeindemitglieder — mit dem Vorstande und allen Honoratioren an der Spitze — am II Juli a. c. im hiesigen Tempel ein feierlicher Trauergottesdienst statt. Se. Ehrw. Herr Rabbiner Dr. Josef B u r st y u hielt die Gedenkrede. Oberkantor L u st i g mit Begleitung von Orgel und gemischtem Chor exekutierte einige Trauergesänge. Man meldet aus London r Der Chiesrabbi Dr. Adler entschuldigt sich bei der Redaktion des „Jew. Chron.", daß er wegen Krankheit verhindert sei, in der großen Synagoge eine Trauerfeier für Herzl abzuhalten. Dr. Gaster, Chacham der portugiesischen Gemeinde Londons, widmet Herzl in der Zeitschrift „Morning Leader" einen warmempfundenen Nachruf, in dem er einen Vergleich zieht zwischen Montefiore und Herzl und wobei er dazu gelangt, dem offiziellen Zionismus vielfach entgegenzutreten. Der Verfasser des „Königs der Schnorrer" bringt seinen Tribut in Form eines kleinen Gedichtes, das beginnt mit den Worten: „Fahr' wohl, o Fürst, fahr' wohl" und schließt: „Next year“ we cry. „next year, Jerusalem.“ Eine Kredit- und Morschich-Genossenschaft fiir den II. und XX. Kejirck An die löbl. Redaktion der „Oesterr. Wochenschrift", Wien. Mit der Veröffentlichung der auf die beabsichtigte Gründung einer Kredit- und Vorschuß-Genossenschaft für den II. und XX. Bezirk bezughabenden Zuschriften haben Sie sich ein großes Verdienst um die Sache erworben, indem hierdurch ein öffentliches aktuelles Interesses zur Diskussion gestellt wurde, das erst mit dem Momente aufhören wird, als die beregte Genossenschaft vom gegenwärtig embryonalen Zustande ins Leben getreten sein wird. Es ist eine allbekannte Tatsache, daß die Kreditverhältnisse in unserer Großstadt sehr im Argen liegen und daß von diesen mißlichen Zuständen die mittleren Schichten, namentlich die jüdische Bevölkerung, hart betroffen werden. Wenn auch die Kreditquellen in der Großstadt reichlich fließen, für den mittleren Mann, Gewerbetreibenden und Beamten, sind fie nicht vorhanden, und wie oft müssen diese Kategorien von Leuten, um sich fortfristen zu können, zu Mitteln greifen, die sie sonst verschmähen würden, und wie Viele müssen Verpflichtungen zu den erschwerendsten onerosesten Bedingungen eingehen, deren Erfüllung außer dem Bereiche der Möglichkeit liegt und wovon das Endresultat der völlige Ruin ist. — Die auf dem Prinzipe der Gegenseitigkeit und Selbsthilfe beruhenden Genossenschaften haben vornehmlich den Zweck, den gerügten Uebelständen abzuhelfen, aber leider haben die Erfahrungen der letzten Zeit gezeigt, daß alle bisher geschaffenen, der Initiative jüdischer Kreise zu verdankenden ähnlichen Institutionen diesem hehren Zwecke nicht entsprachen. Die im letzten Dezennium aufgetauchten Kreditgenossenschaften mußten teils wegen Unzulänglichkeit der Fonds, teils wegen unfachmännischer Leitung und last not least wegen lückenhafter statuarischer Bestimmungen nach kurzem Bestehen wieder eingehen. Es wäre daher wie eine Erlösung aus einem schweren Banne zu begrüßen, wenn tatsächlich einmal ein Verein erstehen sollte, welcher, wie aus dem Memorandum zu ersehen, alle Bedingungen der Existenzfähigkeit in sich vereinigen würde. Eine auf solcher Basis geschaffene Genossenschaft, mit gehörigen Betriebsmitteln ausgestattet und mit Um- und Vorsicht geleitet, würde erfolg- und segensreich wirken und für zahlreiche Existenzen eine Verbesserung und Erleichterung ihrer wirtschaftlichen Lage bedeuten. Daß diese Genossenschaft bald ins Leben gerufen werde, wünsche ich aus vollem Herzen. Hochachtungsvoll Arthur Schapire. IX., Porzellangasse 56. Kremsier. Sonntag den 10. Juli, um 2 Uhr nachmittags, hielt seine Exzellenz der Erzbischof Dr. Franz S. Bauer seinen Einzug in seine Svmmerresidenz Kremsier. Die Stadt hatte Festschmuck angelegt. Der Gemeinderat, mit dem Bürgermeister Dr. Josef Pistecky an der Spitze, empfing den Erzbischof bei dem alten Wassertor, wo demselben auch die Honoratioren der Stadt vorgestellt wurden. Im Schlosse erteilte der Erzbischof Audienzen. Nachdem die Stadtgemeinde, der Adel, der Klerus, das k. k. Offizierskorps, die k. k. Beamten, sowie die Lehrkörper der verschiedenen Anstalten empfangen worden waren, gelangte die Vertretung der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde zur Vorstellung. Der Kultusvorsteher Herr Ignaz Kn öpfelmacher begrüßte den Erzbischof namens der israelitischen Kultusgemeinde und erbat dessen Wohlwollen für dieselbe. Hierauf stellte er den Rabbiner Dr. Adolf Frankl-Grün vor. Dieser drückte die Hoffnung aus, daß der Erzbischof, wie seine

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.