Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 28 (8.7.1904)
- Date
- 1904-07-08
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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Nr. 28 Dr. Mocb's MocbenscbrM. Seite 459 gelegt (e. VII), die Targnmzitate. die bibelexegetischen und etymologischen Worterklärungc«, Erklärungen griechischer Vokabel, alles, was überhaupt interessant und wissenswert im Buche ist, wird da mit einem Fleiße und mit einer Gründlichkeit mitgeteilt und behandelt, wie sie nur Professor Bacher eigen ist und wie wir sie bet diesem hervorragenden Gelehrten gewohnt sind. Nur in einem Punkte wäre etwas mehr Ausführlichkeit erwünscht gewesen: in der Begründung der von Bacher mitgeteilten Ansichten Tanchum's über die Sprache der Halacha. Ta Bacher selber bas Werk Tanchum's als ein „neuhebräisches Wörterbuch mit vorwiegender Berücksichtigung der halachischen Ueberlieferung bezeichnet, hätten wir gerade über die Sprache der Halacha etwa:' mehr zu hören gewünscht. Daß die ueuhebräische Sprache der Halacha sich von der biblischen durch Verschiedenheit in Sprachbildung und Wortschatz unterscheidet, ist ja bekannt und wurde schon von dem größten Amora Palästinas, von R. Jochanan (st. 279) betont: „Tir6 'örn jie6i nr6 min p®b". (Chullin 137b: man sage neuhebräiich im Gegensätze zum biblischen D’bm; Aboda sara 58b: UTtt nicht 12OI2. Vergleiche auch To3apb. jom tob zur Mischna Pesachim I, 2 und Erubin 10, 13 u. a. St.). Das VII. Kapitel ist etwas knapp gehalten und die wenigen daselbst angeführten Stellen, von welchen manche, wie die zu v. miK, dazu noch dem Aruch entnommen, lassen die halachischen Kenntnisse Tanchums nicht in besonders günstigem Lichte erscheinen. Schon Bacher bemerkt gegen Tanchum, daß unter N1-U2V miJK (Baba m. I. 8) auch mehr als drei Dokunlente gemeint sein können. Möglich, daß ihm an dieser Stelle Llmebnsb Tora bileb. Sukka 5,10 vorgeschwebt, wo nach Maimuni, der den palästinensischen Talmud berücksichtigt, ein Bündel von drei Stengel mit rn:K. ein größeres Bündel hingegen mit bezeichnet wird, aber dieser Ausdruck bezeichnet auch nach dieser Stelle nur ein Bündel von 25 Stengel. Irrtümlich ist auch die Angabe, daß das Wort snn in der Halacha immer nur die Bedeutung „taubstumm" habe, obgleich dies in der Llisebua Theruma I, 2 als Regel aufgestellt wird. Der der nach Megillah II. 4 die Megillah liest, kann, wie schon Toxaphot zu Chagiga 2 b mit Recht bemerkt, nicht taubstumm sein. Auch in der Mischna Chagiga I, 1 und Jebamoth a. m. St. ist nur von eineni Tauben die Rede. (Vgl. den palästinensischen Talmud zur angeführten Stelle in Chagiga m ’ibba jv^Y, die Tanchum entgangen, Gittin 71a und Lebemotb rabba zu Exod. 5, 11.) 2'22 in Baba b. I, 1 ist nicht „der kleine Ziegel, der bei dem Bau zur Ansfüllung verwendet wird" und noch weniger der „zerbrochene Ziegel", sondern der 1'/, n2to große Ziegel; zur Ausfüllung wurden kleine Steinchen oder Sand mit Kalk vermengt genommen. Der eigentliche Terminus für diese Ziegelgattung war übrigens ■>ma, und war es nur eine traditionelle Ueberlieferung, daß man an dieser Stelle diesen Halbziegel gemeint habe. in dem von Tanchum daselbst angeführten Sinne, „weil sie in den Städten umherziehen", kommt wohl Llaam-ot II, 3 vor. N1Y'P2 p-ptnan pbrrnn. Ueberhaupt ist an „ein Uebereinkommeu der Halachisten" in Bezug auf die Bedeutung von halachischen Termini schon aus dem Grunde schwer zu denken, da viele im Laufe der Jahrhunderte. die die talmudische Epoche umfaßt, ihre Bedeutung gewechselt haben. Dies ist auch der Grund, daß für „Säge" bald der Ausdruck ,YUia, bald “iüö gebraucht wird. (Sabbat 17, 2 und 4) “122 bedeutet mir in Verbindung mit bvnn große Säge (Vergl. Maim. Mischnacomment. z. St. und Baba k. 119 b.) Diese Bemerkungen, die freilich vermehrt werden könnten, erwecken in uns nur das Verlangen, das ganze Material kennen zu lernen, mit welchem T. seine Ansichten über den Sprachgebrauch der Halacha begründet hat. So viel uns auch in dem Werke Bacher's geboten wird, der Wunsch nach Veröffentlichung des ganzen Werkes, womöglich, wie dies schon Nappaport in der Einleitung zu seinem Erech Millin verlangt, in hebräischer Uebersetzung, wird nicht mehr verstummen. Gar viel des Wissenswerten muß wohl noch in demselben zu finden sein, manche Anregung für weitere Forschungen, manche Belehrung und wären es auch nur einige Erklärungen, wie die schöne zum Worte anan, die wir hier mit den Worten Bacher's wiedergeben, da dieselbe einen Einblick in die Denkweise Tanchum's gewährt und die Person des Verfassers charakterisiert: „Au die Angabe, daß die Weisenjttnger „Genossen" (tr-Qit) heißen, knüpft nämlich Tanchum die Erklärung: „Es ist Jeder von ihnen em Genosse des Andern in innerer Aufrichtigkeit und ohne Mißtrauen und Heuchelei. Vielmehr blickt jeder Einzelne auf den Andern mit dem Auge, mit dem er sich selbst ansieht. Daher findest du, daß die echten Gelehrten, die in Wahrheit Weise genannt zu werden verdienen, Genossin und Freunde sind im vollem Einverständnisse mit einander, indem kein Zwiespalt, kein Hader und keine Widersetzlichkeit zwischen ihnen ist Dies beruht darauf, daß das Ziel ihrer Aller die Wahrheit ist, ohne Haften an dem Gewohnten und ohne Hang zu vergänglicher Lust. Keiner von ihnen hat einen besonderen Wunsch, den er mit Hintansetzung seines Genossen wünschte, damit seine eigene Vorzüglichkeit sichtbar werde. Keiner von ihnen hat ein Ziel oder eine Absicht, die nicht zu dem Andern hinneigt, denn ihr Ziel ist es, sich gegenseitig beizustehen in dem Streben nach der wahren Vollkommenheit und in dem Erlangen des ewigen Lebens durch die Mittel der Erkenntnis Gottes und der Liebe zu ihm. Jeder von ihnen ist sich dessen inne, daß er und sein Gefährte Glieder eines und desselben Ganzen sind, wenn sie auch körperlich von einander getrennt und der Zahl nach gesondert sind, Aber sie können so gezählt werden, wie Glieder einer einzigen Person, deren alle Glieder einer einzigen Seele dienen in der Vollziehung des göttlichen Willens für die Gesammtheit. und von denen jedes dem andern behilflich ist durch die von ihm ausgeübte, dem Wohle des Ganzen heilsame Funktion. So hilft auch von den Männern der Wissenschaft jeder Einzelne dem Andern in solcher Weise, daß dadurch der Gesammtheit Nutzen zu Teil werde. Darum gesellen sie sich, wo immer die Wahrheit erscheint, um ihretwillen zu einander, und so sind sie in Wahrheit Genossen (Chaberim)." Boskowitz, 17. Juni 1004. Dr. S. Funk. Neue Bücher. 9N. Frredtänder. Griechische Philosophie im Alten Testament. Eine Einleitung in die Psalmen- und Weisheitsliteratur. Berlin 1904. Georg Reimer. Unsere Hoffnung, Monatsschrift für die reifere jüdische Jugend. Redaktion und Administration: Wien, III/2, Unt. Viaduktgasse 25. I. Jahrg. Heft'Nr. 4. Juli 1904. Inhalt: H . . . z: Judenwanderung und Fremdengesetze. Ch. N. Bialik: Verwaister Sang. D. R o t h b l u m: Chaim Nachman Bialik. M. Guttmann: Lungengymnastik. K. Zdiechowski: Perle. Bücherschau. Rundschau. Dr. I. Rnbbinowiez. R e b S ch a j e h H u r w i tz. Russische Dorfgeschichten. I. Heft. Verlag der Pachtung der Genossenschafts-Buchdruckerei und Papierwaren-Fabrik in M ä h r.- Weißkirchen. 1904. Krieskake«. K. Indische Feldgeistliche gibt es in der russischen Armee nicht. Ein russischer Rabbiner hat beim Kriegsministerium in Petersburg um die Erlaubnis angesucht, ans eigene K o st e n nach dem Kriegsschauplätze fahren zu dürfen, um den jüdischen Soldaten religiöse» Beistand zu leisten. Eine Erledigung dieses Gesuches steht noch aus. N. S. Die Armut in Galizien nimmt unter der jüdischen Bevölkerung immer mehr zu. Die Statistik zeigt auch eine stete Abnahme der Zahl der Geburten bei den Juden. In Krakau z. B. war im Jahre 1900 die Anzahl der Geburten 1028. Im Jahre 1901 blos 919, im Jahre 1903 nur »12. S. in St. Das jüoische Knltuspersonal in Frankreich zählt 57 Beamte, von denen der Großrabbiner des Zentralkmsistoriums 14.000, der Großrabbiner des Pariser Konsistoriums 5000, 8 Großrabbiner je 4' 00, 24 Rabbiner je 1750 bis 250,) und 23 Vorbeter je 600 bis 2000 Franken Gehalt beziehen. B. Eine Aufsehen erregende Taufe fand am 26. Mai im erzbischöflichen Palast zu Mailand statt: Fräulein Andreina Costa, die Tochter des bekannten sozialistischen Abgeordneten Andrea Costa und der Frauenrechtlerin Anna Kulischow, trat vom jüdischen zum katholischen Glauben über, und der Kardinal-Erzbischof Ferrari gab ihr nach der Taufe auch das Sakrament der Firmung und der Kommunion. Sie, die Tochter des aufrichtigsten und sympathischesten unter den italienischen Sozialistenführern, heiratet den bekannten Mailänder Großindustriellen Gavazzi. der ein Neffe des streng monarchisch gesinnten Abgeordneten gleichen Namens ist. M. M. in Ledetsch. Sie haben recht. Die Reisenden des A.Wilet a l, Feigenkaffee-Erzeuger in Mau k der St.Pölten, sollten entsprechend dem krassen Antisemitismus dieses Chefs, „der keinen Juden über die Schwelle läßt", behandelt werden. Dieser Herr sollte aus die jüdische Kundschaft ganz verzichten. Wir ersuchen unsere geschätzten Abonnenten um rechtzeitige Einsendung der laufenden Abonnements gebühr, bamit die Zusendung des Blattes keine Unterbrechung erleide. Zur Einsendung der Beträge wolle man sich der in voriger Nummer beigelegten Pcstefiag» scheine bedienen. Die AdminiAratian der ..Oeyerr Wochenschrift.