Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 28 (8.7.1904)
- Date
- 1904-07-08
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Seite 456 Dr. Dlocb's Mocbenscbrtrd Nr. 38 M. K a n i tz seine Ansprache ein. Die klassische Welt betrachte das Greisenaller vom rein sinnlichen Standpunkte aus, daher der Schluß: das Greisenaller ist keine Krankheit, eine Last, die man geduldig ertragen muß. Anders das Judentum. Demselben ist das Greisenaller die höchste Zierde. Der Jubilar schilderte in seiner Erwiderung, wie er mit allen Fasern seines Lebens an der Schule hänge, wie er nur, wenn er Verdruß, Aerger und Kummer im Leben hatte, in der Schule Zuflucht suchte und dort seine Seelenruhe fand. Er betonte nochmals, er könne mit ruhigem Gewissen auf seine Lehrtätigkeit zurückblicken. Die Schule war seine Ehre und sein Reichtum. Herr Rabbiner Dr. E. David sprach als Rabbiner der Leopoldstadt Er war überaus erstaunt über die Leistungen, die die Schule aufzuweisen hatte. Er hob das Verdienst des Jubilars nach der Seite hervor, daß Oberlehrer Löw der Vater so vieler die Schule besuchenden bueau^iw war und ist. Unsere Weisen sprechen: bisabarn bidus anijim. Herr Präses Markus Bondi überbrachte die Glückwünsche des Gesamtvorstandes, sprach Dank und Anerkennung aus und überreichte dem Jubilar eine Adresse und Ehrengabe. Von großer Bedeutung für die jüdische und nichtjüdische Welt ist die Ansprache des Schlußredners. Herr Landesschulrat Vizepräsident Dr. Gustav K o h n knüpfte an die Entstehungsgeschichte der Schule an, gedachte in pietätvoller Weise des sel. Herrn Heinrich Berger, um dann auf die Verdienste des Jubilars überzugehen. Ihm allein ist es zu verdanken, daß die Schule, die früher eine einseitig hebräische war, zu einer allgemeinen Schule umgestaltet wurde. Alle Aufsichtsbehörden sind voll des Lobes über diese Schule. Sie gestehen es unumwunden ein, daß diese Schule in Bezug auf Leistungsfähigkeit weit die anderen ähnlichen Vereinsanstalten sowie Kommunalschulen überrage Mit der Absingung des Kaiserliedes fand die überaus gelungene Feier ihren Abschluß. Möge es dem Jubilar vergönnt sein, den Ausbau der Schule zu einer achtklassigen Schule und den Umbau des Lehrhauses in körperlicher und geistiger Frische zu erleben. Da die ehemaligen Schüler bei der kurz angemessenen Zeit nicht zu Worte kommen konnten, sei dem Jubilar im Namen derselben auf diesem Wege Dank für die weisen Lehren ausgesprochen, seien ihm die innigsten Glückwünsche dargebracht. Böslau. In Ergänzung unseres Berichtes in der letzten Nummer sei erwähnt, daß der Mietsvertrag des neuen Betlokales von Dr. B r ö s l e r als Obmann und dem Hotelier Max Schwarz als Kassier unterfertigt wurde. Ueberdies hat Herr Schwarz sich verpflichtet, seinen großen Saal für die hohen Feiertage gratis dem Verein zur Verfügung zu stellen, nachdem das neue Lokal nur für 100 Personen Platz hat. Dr. Gottfried F r e u d m a n n. ehemaliger Schüler. Levee. (S p e n d e u a u s w e i s III.) Auf Grund unseres Aufrufes, betreffend eine arme Witwe mit fünf kleinen Kindern, sind dem hiesigen Rabbinate zugekommen von den Herren: Philipp Lebenhart, Selean K 4 —; Anonymus, Wolin K; Em. Steiner für Fr. Adele Klein (dessen Tochter) Gablonz a. N. K 5.—; Rudolf Sgall, LuLe bei Ebrast K 10.—; Wander & Zimels, Tarnopol K :J.—; die Fam. Anna Kohn und Jul. Böhm in Tremosnie bei Oaslau L 16. -; zusammen K 39.—. Hiezu die früher ausgewiesenen K 57.75. In Summa K 96.75, wofür allen Spendern der Dank ausgedruckt wird. Klattau. Unter reger Beteiligung haben die Wahlen in den Vorstand und in die Stenerkommission der hiesigen Kultusgemeinde stattgefunden. Gewählt erscheinen in den engeren Vorstand die Herren: Dr. Isidor Fleischer, Advokat; Josef Feigl, Kaufmann; Lazar Pollak, Kaufmann; Samuel I. Krauskopf, Obmann der Chewra-Kadischa: Adolf Löwy. Fabrikant; Dr. N. Reiser. Arzt; Moritz Brummel, Fabrikant; Heinrich Singer, Fabrikant; Albert Schütz, Greßtrafikant. Als Ersatzmänner die Herren: Karl Gottlieb, Fabriksdirektor; Will, Bruml, Fabrikant; Gustav Kraus, Kaufmann In den erweiterten Vorstand erscheinen gewählt die Herren: Ignaz Lederer, Kaufniann; Franz Löwy, Brauereibesitzer: Leopold Schleißner, Kaufmann; Ignaz Pollak, Kaufmann; Rudolf Wiener, Fabrikant; Fritz Lascbansky. Kaufmann. Zu Vertrauensmännern der Steuerkommission: Rudolf Fleischer, Dr. Joachim Steiner, Simon Hahn, Leo Ehrlich. Die Ebeleute Adolf und Frau Emilie Holub schenkten dem hiesigen Tempel eine prachtvolle Predigerstuhldecke aus rotem Samnit mit Goldwidmung. Die Ausführung besorgte Frl. Agnes Berka. Unser Rabbiner Herr Dr. B r e t feierte seine Hochzeit mit Frl. Anna Bloch im Hotel Bristol zu Prag. Eine Unzahl Telegramme von hier und ans weiter Ferne beglückwünschte das Paar zu dem ernsten Schritte des Lebens. In unserer Gemeinde wurden die Neuvermältcn feierlichst begrüßt. Die Schüler unserer israelitischen Volksschule überreichten Blumensträuße mit einer sinnigen Ansprache und dann folgte Deputation auf Deputation. Die Kapelle der hiesigen Veteranen begrüßte den jüdischen Seelsorger zu Mittag mit einem Ständchen. Wodttia«. Am 1. Juli starb hier der allseits hochgeehrte Herr k. u. k. Major des Ruhestandes Seligman Edler von Lederer im 74. Lebensjahre. Derselbe war ein Stolz des Judentums, das er mit ganzem Herzen treu liebte. Von Sr. Majestät wurde er vor mehreren Jahren in den Adelsstand erhoben, er diente 40 Jahre treu seinem Kaiser, hat 4 Feldzüge mitgemacht. An seiner Bahre trauern außer 4 Schwestern noch die 3 Neffen Herr Dr. Wolf Brock in Sulz, Herr k. u. k. Hauptmann-Rechnungsführer Ignaz Brock in Theresienstadt, Herr Rabbiner Heinrich Brock in Bilin, die mit unsäglicher Liebe an den Verstorbenen hingen. Friede seiner Asche! Lemberg. Am 26. v. M. hat sich hier der neugewählte Kultusvorstand konstituiert. In den engeren Vorstand wurden gewählt die Herren Salomon Buber, Reichstagsabgeordneter Dr. Byk, Dr. Gottlieb, Dr. Tschescher, S. Landau, Emil Edler v. Mieses und Dr. Schaff. Zum Präsidenten wurde Dr. Byk wiedergewählt. Der Wiedergewählte nahm die Wahl dankend an und kündigte an, daß der neue Kultusrat sich zunächst mit der Regelung des Religionsunterrichtes, mit besonderer Berücksichtigung der hebräischen Sprache, insoferne deren Kenntnis für die Religion notwendig ist, befassen werde. Es soll auch ein zweiter Tempelrabbiner angestellt werden. Der Kultusrat wird auch die Frage ernstlich in Erwägung ziehen, ob es nicht entsprechender wäre, die bestehenden zwei Schulen der Kultusgemeinde, welche gar keine Erfolge aufweisen, auszulassen und an deren Stelle Kindergärten und Gewerbeschulen zu errichten. Orlarr. Am 27. Juni wurde eine Deputation des hiesigen Bethausvereines von Seiner Exzellenz dem Herrn Landeshauptmann von Schlesien, Grafen Heinrich Larisch-Moennich auf Schloß Solza-Karwin empfangen, welche ein Gesuch um eine Spende für den Tempelbau überreichte. Seine Exzellenz stellte mit lebhaftem Interesse Fragen, betreffend den neuen Friedhof und den zu erbauenden Tempel, und spendete in seiner bekannten Munifizenz den namhaften Betrag von zweitausend Kronen. Moskau. Der am 26. v. M. verstorbene Philanthrop Kalman Wissotzki hat sein gesamtes Privatvermögen in Höhe von einer Million Rubel unter gewissen, eigenartigen Bestimmungen jüdisch-gemeinnützigen Zwecken vermacht. Das aus Staatspapieren und Anteilscheinen der großen Teegesellschast K. Wissotzki u. Co. bestehende Kapital soll in Beträgen von je 20.000 Rubel jährlich realisiert werden. Alle fünf Jahre tritt das Kuratorium zusammen, um über die Verwendung der inzwischen realisierten 100.000 Rubel zu beschließen. Zu Kuratoren wurden testamentarisch bestellt der Schriftsteller Ascher Ginzburg (Achad Hoorn), der Moskauer Kronrabbiner Dr. Mase und der ehemalige Direktor der Moskauer Internationalen Bank, Herr Schmelkes. Feuilleton. Alle Rechte Vorbehalten Indische Knllnrdilder. Von Dr. Armin Schnitzer, Oberrabbiner in Komärom. (Fortsetzung.) Voll freudiger Hoffnung verließen wir die Residenzstadt, nachdem Ludasy uns die Mitteilung gemacht hatte, daß unser mittlerweile an die Hofkanzlei herabgelangtes Gesuch mit der großen Signatur Seiner Majestät versehen wurde, was ein seltenes Glück sei, da diese Signatur soviel bedeutet, daß Se. Majestät der Bitte das größte Wohlwollen entgegenbringt. Doch monatelang warteten wir vergebens auf die Entscheidung, bis endlich im April 1864 der königliche Kommissär als Komitats-Administrator uns verständigte, daß die ungarische Hofkanzlei eine Abschrift unseres „von SeinerMajestät signierten" Gesuches telegraphisch abverlangt habe. Unser Originalgesuch wurde nämlich im Instanzenwege an die hiesige Stadtbehörde behufs Begutachtung geschickt, ein böser Mensch aber, der aus Haß gegen den Vorstand dessen Erfolg verhindern wollte, hatte den betreffenden Referenten durch Bestechung veranlaßt, das Gesuch hier monatelang unerledigt liegen zu lassen. Der Hofkanzler Forgüch aber, der seine Stunde gekommen sah, wollte dieses Gesuch noch vor seinem Abgänge erledigt wissen, und darum hatte er eine Abschrift des Gesuches telegraphisch abverlangt, um über den Kopf der ungarischen Statthalterei hinweg die Entscheidung Sr. Majestät zu erwirken, und zwar fiel diese so günstig als möglich aus. Der Zinsenrückstand im Betrage von viertausend Gulden wurde gänzlich erlassen und das schuldige Kapital in dreißig halb-