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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-03-25 · 13 (25.3.1904) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
13 (25.3.1904)
Date
1904-03-25
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 200 Dr. Llocd's durchweg Doktoren der Medizin waren. Aber auch die Aerzte haben ihr Eisernes Kreuz nicht im Schlafe errungen, sondern sie haben es erhalten, weil sie oft mitten im Kugelregen ihren verwundeten Kameraden Hilfe geleistet haben. Bemerkenswert ist, daß bereits umfangreiche Nachträge zu den Listen erschienen sind. Die Tapferkeit der jüdischen Soldaten wird auch bei Besprechung des genannten Werkes in den „Jahrbüchern für die deutsche Armee und Marine" (herausgegeben vom Oberstleutnant Schnackenburg, 1897) anerkannt. Darin heißt es: „Diese Zahlen stellen der militärischen Brauchbarkeit und dcm guten Verhalten der jüdischen Soldaten vor dem Feinde ein allerdings glänzendes Zeugnis aus." Das „Deutsche H e l d e n b u ch" zählt unter den hervorragenden Taten von Offizieren »nd Soldaten eine ganze Reihe von Heldentaten deutscher Juden auf: Der Sergeant Max Löwysohn aus Bomst befreite seinen Offizier aus den Händen französischer Marodeurs. Auf Seite 72 werden die jüdischen Füsiliere Jdesheim und Schapira mit besonderer Auszeichnung erwähnt. Beide erhielten auch das Eiserne Kreuz. Auf Seite 100 wird erzählt, daß der jüdische Unteroffizier Salomon, obwohl am linken Fuß und am rechten Oberschenkel verwundet, noch fünf Feinde zu Gefangenen machte und diese, selbst schon am Boden liegend, mit geladenem Gewehr noch solange bewachte, bis Mannschaften zum Transport sich einfa.iden. Eine ähnliche Heldentat wird auf Seite 304 von dem jüdischen Gefreiten Leffcr berichtet. Die jüdischen Sergeanten Gerbert und Henschel werden auf Seite 591 als die Ersten bei Erstürmung einer Höhe genannt. Gerbert starb dabei den Heldentod, Henschel war auch Tags zuvor schon einer der Ersten bei der Erstürmung von Changs gewesen. Ausführlich schildert das deutsche Heldenbuch auch, wie der jüdische Gefreite Rosental vom brandenburgischen Infanterie-Regiment 35 m der Schlacht bei Change bei Umgehung des Ortes die äußerste rechte Seitenpatronille führte. Roscnt.al war der feindlichen Abteilung bis auf 30 Schritt nahe gekommen und bereits viermal leicht verwundet. „Als er den vierten Schuß erhielt, drang er trotz des von den Franzosen auf iün eröffneten Schnellfeuers mit gefälltem Gewehr auf den Feind ein. Die übrigen Leute der Patrouille folgten dem Beispiel ihres Führers, und die französische Abteilung ergriff die Flucht. Die rechte Flanke der Kompagnie war durch dieses tapfere Benehmen des Gefreiten Rosental gesichert. Rosental wurde für sein braves Verhalten mit dem Eisernen Kreuz II. Klaffe belohnt." Ei» jüdischer Freiwilliger, Siegfried Karfunkelstein, war es, der, nachdem er durch seinen trefflichen freiwilligen Patrouillendienst sich das EiserneKrcuz erworbei'. beim Sturm auf Le Bourget die Fahne aus den Händen der schon niedergeschossenen Fahnenträger hob undalsErsterdieBarrikadestürmte, wo ihn das mörderische Blei traf. Von dem jüdischen Füsilier Heinrich Bär erzählt die Geschichte des Badischen Leibgrenadier-Regiments auf Seite 181, wie er beim Sturm auf die Bahnlinie als einer der Verwegensten voranging und die Stimmung seiner Kameraden anzuregen wußte. Sein Gewehr wurde durch einen Granatsplitter durchlöchert und ihm aus der Hand geriffcn, er nahm ein Chaffepot und ließ sich durch zwei Franzosen, welche er persönlich gefangen genommen, die Munition sammeln und zutragcn. In rühmlicher Weise wird der jüdische Sergeant Berg und der jüdische Gefreite Harburger m der „Geschichte des Badischen Infanterie- Regiments Nr. 114" erwähnt. Auch persönliche Auszeichnungen jüdischer Soldaten durch den König und den Kronprinzen fanden statt. So erhielten Saul Daus und Alexander yirschmann vom 1. Garderegiment vom König selbst die Dekoration Ueber Otto Bibo vom 87. Infanterieregiment wird berichtet: „Bibo war es. der bei Wörth mit einem kleinen Häuflein sich tapfer gegen die Uebermacht des Feindes warf und durch sein mutiges Vorgehen und seine Ausdauer die gefährdete Fahne unseres teilweise zersprengten Bataillons zu halten vermochte. Stets an der Spitze, war er derjenige, der ermunternd auf die Soldaten einwirkte, und gehört die durch ihn ausgeführte Verteidigung der Fahne unstreitig zu den hervorragenden tapferen Taten des siegreichen Tages. Ebenso bewies er vor Sedan durch günstige Ausführung von schwierigen Patrouillen seine militärische Brauchbarkeit. Am 18. Oktober, dem Jahrestage der großen Völkerschlacht bei Leipzig, verteilte Se. königliche Hoheit der Kronprinz eigenhändig eine Anzahl Eiserne Kreuze an diejenigen Soldaten, die sich während dieses Feldzuges besonders hervorgetan hatten. Bei dieser Gelegenheit erhielt auch Unteroffizier Bibo das Eiserne Kreuz (es wurden neun im 87. Regiment ausgegeben), und hatte Se. königliche Hoheit die Gnade, sich in herablassender Weise mit ihm zu unterhalten. Es war nur eine Stimme in der Kompagnie über dessen ruhmvolles Verhalten, und es wurde dem Bibo diese Ehre als wohlzukommend von allen gegönnt." Mocbenscbrttl. Nr. 13 Der erste in diesem Feldzuge mit dem Eisernen Kreuz dekorierte Soldat der bayerischen Arme war ein Jude, Ludwig Heilbronncr aus Memmingen vom >2. bayerischen Infanterieregiment Er erhielt laut Schreiben des Regimentskommandos fein Eisernes Kreuz für sein ausgezeichnetes Verhalten in der Sch l a cht b ei S ed a n, wo er bei der wiederholten Erstürmung der Anhöhen zwischen LaMonteltes undBalan in den vorder st en Reihen kämpfte und deshalb von drei Offizieren gleichzeitig zur Dekoration vorgeschlagen wurde. Bei der Einnahme von Orleans wurde ihm ferner laut bayerischem Armeeverordnungsblatt r 05 vom Jahre 1870 wegen tapferen Verhaltens eine Belohnung zu teil. Und wie dachte der S i e g e r v o n W ö r t h über die Bewegung, die heute wieder den Juden zum Paria der Gesellschaft stempeln will? Es gibt Leute, welche glauben, das bekannte Wort Kaiser Friedrichs: „Die antisemitische Bewegung ist eine Schmach unseres Jahrhunderts" in Abrede stellen zu sollen, obwohl dasselbe im Stöcker-Bommertschen Beleidigungsprozeß gerichtlich festgestellt und durch Erkenntnis des Reichsgerichtes vom Jahre 1886 bestätigt ist. Ich will aber noch ein anderes Wort des edlen Friedrich anführen, das abzuleugnen keiner Macht der Welt gelingen wird, denn es steht in dem Auftuf, welchen der sterbende Held am ersten jener 99 Schmerzenstage seiner Regierung an das deutsche Volk gerichtet hat: . . . „Ich will, daß der seit Jahrhunderteil in Meinem Hause heilig gehaltene Grundsatz religiöser Duldung auch ferner allen Meinen Untertanen, welcher Religionsgemeinschast und welchem Bekenntnisse sie auch angehören, zum Schutze gereiche. Ein jeglicher unter ihnen steht Meinem Herzen gleich nahe — haben doch alle gleichmäßig in den Tagen der Gefahr ihre volle Hingebung bewährt" ... Und angesichts solcher Zeugnisse wagen die Abgeordneten Liebermann v. Sonnenberg und Böckler den deutschen Reichstag zum Schauplatz ihrer Ergüsse zu machen gegen diejenigen, welche in der Stunde der Gefahr ihre volle Hingebung bewährt haben! Endlich verdient wohl besondere Hervorhebung der Umstand, daß nach den neuen schlimmen Nachrichten aus Deutsch- Südwestafrika in dem unglücklichen Gefechte bei Owikokörero ein Jude als deutscher Offizier vor den Hereros gefallen ist. Es ist dies der Lieutenant der Reserve Bendip. Von einem Freunde des Verstorbenen wird über Bendix Folgendes mitgeteilt: Geboren zu Dülmen (Kreis Coesfeld) in Westfalen, widmete er sich dem Studium des Eisenbahnbanfaches. Nachdem er im vorigen Jahre zum Regierungs-Baumeister ernannt worden war, ging er, von seiner Vorgesetzten Behörde beurlaubt, im Dienste der Firma Arthur Koppel zum Bau der Otavibahn nach Demsch-Südwestafrika. Nach dem plötzlichen Ausbruche des Herero-Aufstandes wurde er znr kaiserlichen Schutztruppe eingezogen. Bendix hatte seiner Dienstpflicht in Bayern genügt, dem einzigen Bundesstaate, in dem noch htiite auch ein Jude auf gerechte Würdigung seiner militärischen Leistungen hoffen darf. Dank seiner Tüchtigkeit wurde er Lieutenant der Reserve im kgl. Bayer. 3. Pionnier-Bataillon. Nun hat er seine Pflicht gegen das Vaterland mit seinem Leben besiegelt, einem Leben, das bei den hervorragenden Eigenschaften des Gebliebenen zu den schönsten Hoffnungen berechtigte. So hat die Liste der vor dem Feinde gebliebenen jüdischen Kämpfer auch in diesen Tagen einen Zuwachs erhalten. Werden angesichts dieses Todes auf dem Felde der Ehre die Antisemiten sortfahren, die militärische Brauchbarkeit der Juden höhnisch in Zweifel zu ziehen? Wird in Preußen auch weiterhin alles getan werden, um den Juden, die in der Stunde der Not gleich den Deutschen germanischer Abstammung für das Vaterland kämpfen, die Freude an diesem Vaterlande zu schmälern? Ueber den aus Berlin ausgewiesenen jüdischen Studenten Mandelstamm hat die Sozialdemokratin Klara Zetkin in einer sozialdemokratischen Versammlung in Breslau Folgendes mitgeteilt: „Hut ab vor Mandelstamm!" sagte sie. Zweimal ist dieser russische Jude um seiner Ueberzeugung willen in Sibirien gewesen und hat sich dabei als ein Held benommen. Gemeinsam mit einer Anzahl gemeiner Verbrecher wurde er nach den Eiswüsten transportiert.. Als die schmalen Rationen des Transports durch Unterschlagungen der Schergen noch weiter herabgesetzt waren, beschwerte sich ein Sträfling über die mangelhafte Ernährung. Er wurde ans Befehl des Offiziers erschossen und zum

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