Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 11 (11.3.1904)
- Date
- 1904-03-11
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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saauBBsaaa Dr. Blocb 5 Mocdenscbrttt. Seite 171 Nr. 11 in allen Wiener Kunst- und Thealerfragen sein Volum ab, kurz, geirrt sich als Kulturmensch. Und dieser Mann hat iu offener Parlamentssitzung für den Glauben an den Ritualmord ein wortreiches Plaidoyer gehalten. Niemand spürte die en setzliche Lächerlichkeit, einen Mann von Bildung für eine Sache ernsthaft plaidieren zu hören, welche die roheste blutrünstigste Unbildung ausgeheckt hat. In Italien stellt man die Volksverhetzer vor Gericht, entzieht ihnen die Möglichkeit, ihr Gift in die breiten Schichten der Bevölkerung zu tragen. Bei uns erteilt man solchen Leuten öffentliche Mandate, wählt sie in die Gesetzgebung, und die publizistischen Vertreter der Sache werden fett und bauen sich drei Stock hohe Häuser. In Italien spendete die ganze Volksvertretung den Ausführungen des Unterstaatsfekretärs über die Bekämpfung dieser niedrigsten antisemitischen Propaganda stürmischen Beifall. Bei uns rührt sich kein Mensch, wenn ein von Alkohol vergifteter Narr im Parlament Schußgeld für die Inden verlangt und ein gebildeter Mann, ein heimlicher Ministerkandidat, Reden für die Existenz des Ritualmordes hält. Bukarest. Aus Rußland komniende Reisende berichten, daß seit dem Ausbruch des russisch-japanischen Krieges die jüdische Bevölkerung des russischen Reiches in fortwährender Angst lebt, da sie den Ausbruch neuer und blutiger antisemitischer Exzesse befürchtet. Die Ursachen dieser Besorgnis sind verschiedener Art, wurzeln aber in erster Reihe in der Konstatierung, daß in Rußland Straßenbewegungen Vorkommen, die Russen der niederen Volksschichten Ausschreitungen gegen die Juden begehen. Da diese Erfahrung richtig ist, so haben die Juden tatsächlich Grund zur Furcht, da niemals noch die Straßenbewegungen so groß gewesen sind, wie jetzt zur Zeit des Krieges. Man befürchtet, daß ein noch so geringer Anlaß ein schreckliches Blutvergießen zur Folge haben kvnne. Jn Bessarabien, wo die jüdische Bevölkerung noch mehr unter dem Eindrücke der im vergangenen Jahre vorgekommenen Greueltaten steht, ist die Panik am größten. Die russischen Behörden scheinen übrigens diesesmal den Ausbruch der Judenverfolgungen verhindern zu wollen, da sie strenge Sicherheitsmaßregeln ergriffen und den Zeitungen verboten haben, gegen die Juden zu hetzen. Immerhin werden die Juden doch nur so weit geschützt, als der „Staatskredit" dessen bedarf. Aber es gibt noch immer reiche Juden in Kischenew und in Deutschland Juden, die Rußland durch den Erwerb seiner Papiere unterstützen. In Poltuwa (Rußland) wurde ein Bolksbildungsverein gegründet, in dessen Statuten ans Befehl des Ministers die Ausnahme von Juden ausgeschlossen sein soll. Die große Mehrheit des Vereins, welche aus Christen besteht, verwarf die Bedingung als bildungs- und menschenfeindlich und die Bevölkerung gegen die Juden aufwiegelnd. Eine Kommission soll beim Minister die Zurücknahme dieser Verordnung erwirken. Biele russische Christen sind brave und wahre Christen, wenn sie nicht verhetzt werden. — Die Dienstbotenfrage ist auch in Rußland so gelagert, daß nach der Ansicht der „Hazefira" viele Nervenkrankheiten der Frauen von der Dienstbotenmisbre Herkommen. Christliche Dienstboten wollen infolge der Hetze selten mehr bei Juden dienen und treten, wenn sie bei ihnen dienen, mit Anmaßung auf. Das Blatt schlägt vor, jüdische Koch- und Dienstbvtenschulen zu errichten. Das wäre sehr zu empfehlen. Vermischtes. Ktinijablösuiinsspeude»z» Gunstenin LLie» l., Seiten stettengaffe 4 für arme krank? Glaubensgenosse». Anläßlich des Ablebens des seligen Herrn Heinrich K o h n : Aon Ignaz nnd Lofie Löwy X 10.—, Arnold, Leopold, Gisela und Lori Feig! K 20.—, S. Grasgrün K 3.—; zus. K 33.—. Anläßlich des Ablebens der seligen Iran Fanni N c f f: Von der Familie Schütz K 150.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Herrn Tr. Aipad Epstein: Von Ferdinand Pickler K 2.—. Anläßlich des Ablebens der sel. Iran Mathilde G reiner: Von Berta Bondy K 2.—. Anläßlich des Ablebens des seligen Herrn Jakob Weiser: oii Jacques Schindler K 20.—, Jakob S. Straß erg K 20.-, Berta Bondy K , David Tänzer K 5.—, Ernst Fürth K 10.—; zus. K 57.—. Anläßlich des Ablebens der seligen Frau Fanny Adler: Von I. May K 20.—, Julius May K 2().—, Hock K. 20.—, Philipp Popper K 1«».—, Grünwald K. 10.—; zus. K 80.—. Anläßlich des Ablebens des seligen Herrn Ignaz Singer: Von Dr. Bernhard Singer K 10.—, Ernst Fürth K 10.—; zus. K. 120.—. Wien Der bisherige zweite Vorstand der Eskvmpte- Abteilung des Wiener Bankvereines Herr Eugen Singer (Sohn des Herrn Oberkantors Singer) wurde zum Direktor- Stellvertreter und Prokuristen der Lemberger Filiale des genannten Institutes ernannt. Wien. (T r a u u n g.) Sonntag den 20. März l. I. um halb 4 Uhr nachmittags findet im israelitischen Tempel, VII]., Neudeggergaffe 12, die Trauung des Fräulein Gisela G u t t m a n n. Tochter des Herrn Leopold G u t t m a n n, mit Herrn Emil Müller statt. Wien. (Verlobung.) Die Tochter des k. k. Hoflieferanten A. I. L ö w, Fräulein Sofie L ö w, hat sich mit Herrn Edwin Strauß verlobt. Wien. (Verein z u r H e b u n g d e r G e w e r b e.) Am Sonntag den 13. Mürz l. I., präzise 7 Uhr abends, findet im großen Festfaale des Niederösterreichischen Gewerbevereines, I., Efchenbachgasse Nr. 11 ein Vortragsabend des Vereines statt: 1. Vortrag unseres Mitgliedes Herrn Stadtbaumeisters Viktor Schwadron über „Hebung und Verschiebung von Gebäuden" (mit Skioptikon-Lichtbildern). 2. Vortrag des Herrn Dr. Jur. Hugo Schönbrunn: „Der Günstling einer Königin". Damen und Gäste willkommen. Wien. (W äh ringer israelitischer Friedhof.) Der nächst der Stadtbahnstation „Nußdorser Linie" gelegene Wühringer israelitische Friedhof wird über Veranlassung der israelitischen Kultusgemeinde einer umfassenden Restaurierung unterzogen, welche die Erhaltung der Gräber und Grabsteine, sowie die Ausgestaltung des Friedhofes zum Zwecke hat. Hiebei sind bei einzelnen Gräbern die Reparatur oder Instandsetzung von Grabsteinen, die Entfernung von dürr gewordenen und abgestorbenen Thujen, von Epheuranken und Schlingpflanzen, sowie andere derartige Veränderungen erforderlich. Angehörige von Verstorbenen, die auf dem Währinger Friedhofe bestattet sind, werden sonach dringend st ersucht, etwaige Wünsche in Bezug auf die erwähnten Veränderungen dem Sekretariate der israelitischen Kultusgemeinde Wien, I., Seitenstettengasse 4, unverweilt bekannt zu geben, damit auf solche Wünsche bei den bereits in Angriff genonunenen Restaurierungsarbeiten tunlichst Bedacht genommen werden könne. kn. (Kaiserlicher Rat Alois Pollak g e st o r b e n.) Der Verein der reisenden Kaufleute Oesterreichs hat durch das am Montag den 7. d. M. abends erfolgte Hinscheiden feines Ehrenpräsidenten, des kaiserlichen Rates Herrn Alois Pollak, einen schweren Verlust erlitten. Biele Jahrzehnte lang gehörte Herr Pollak dem Vereine an, der ihn wegen seiner großen Verdienste um die Hebung der Standesinteressen der Mitglieder im Jahre 1894 zum Präsidenten wählte. Als er im Jahre 1901 aus Rücksicht auf feine erschütterte Gesundheit von der Leitung zurücktrat, wurde er zum Ehrenpräsidenten ernannt. Während seiner Funktion an der Spitze dieser größten kaufmännischen Korporation der Monarchie hat kaiserlicher Rat Pollak die sozialen und humanitären Institutionen des Vereines in einer Weise gefördert, daß die Fonds durch feine Tätigkeit in der Lage find, jährlich bedeutenden Ansprüchen nachzukommen. In Anerkennung seiner Verdienste hat die Zentralleitung beschlossen, die Fonds „Alois Pollak Wohlfahrts-Einrichtungen" zu benennen. Auch für die Wahrung der Standesinteressen der reisenden Kaufleute Oesterreichs trat der Präsident stets ein. In der Geschäftswelt erfreute sich kaiserlicher Rat Pollak, welcher Chef der Papierwaarenfabrik D. R. Pollak und Söhne war, großen Ansehens und er bekleidete zahlreiche Ehrenstellen. Während der Weltausstellung in Chicago fungierte er im Auf