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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-03-11 · 11 (11.3.1904) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
11 (11.3.1904)
Date
1904-03-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
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U-. ll Dp- Bloch S Jahrgang XII crrnnii Centralorgan für die gesammten Interessen des =3* A. k. Pofisparragen-Arnl Clearing-Verkehr Nr. 810.976. Drdartton und Administration: Viru IX/1, Verggasfe Nr. 39. Telephon Nr. 14.847. --—--... . - Wen. 11. Marz 1904 -H- —- Erscheint jeden Freitag. -.» t «K>- Brief-Adresse: Wien, IX/1, Berggaffe 39. Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift» Wien. Judenthums. «— ■ —m Vezngsprri» für Oesterreich: Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplare 50 Heller, Für'» Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Banzjährig 20 . Anzeigen: Die 4mal gespaltene Petitzeile 24 Heller. * -. * Inhalt: Leitartikel: Salomon Snlzer und der Wiener Tempel. — Gesellschaft und Gesell ^keil. — Das Urteil von Zablotow: — Vom Jahrmarkt des Lebens: Glossen zur Tagesgeschichte. — Correspondenzen: Wien. Eine oberstgerichtliche Entscheidung in Sachen der Chaliza. Ein antisemitischer Ehrenmann als Bürgermeister. Budapest, Prag. Rabbinerband in Böhmen. Lemberg. Das Nitualmordmärchen in Italien. — Vermischtes: Krauzablösungsspenden zu Gunsten der „Chewra-Kadischa" in Wien. Wien. Gewitsch, Wischau, Agram, Pöchlarn, Preßburg, Leipzig, Magdeburg, Warschau, Kiew. — Feuilleton: Jüdische Kulturbilder. — Neue Bücher. — Briefkasten. — Notiz. — Inserate. Kalornorr Sulzer mrd der Wiener Tempel. Geschichtliche und persönliche Erinnerungen eines alten Gemeinde- Mitgliedes.*) (Fortsetzung und Schluß.) Der Tondichter Sulzer fand am Sänger Snlzer einen geeigneten Interpreten. Seine Stimme, damals ein hoher Baryton von erstaunlichem Umfange, war biegsam und modulationsfähig sondergleichen. Die Töne reihten sich aneinander ohne die geringste Unebenheit, jeder Ton in gleicher Fülle und Klarheit; Vibrationen, Rauhheiten, Entgleisungen kamen niemals vor — Sulzer konnte über seine Stimmmittel verfügen, wie über ein wohlgestimmtes Instrument. Schwierigkeiten in der Ausführung bestanden für ihn nicht; jede Tonart, jeder Uebergang, jede Anordnung galt ihm gleich. Das Vorbeten nach der typischen Cantilene führte Sulzer in ein Rezitativ über, welches rituell wie musikalisch den eigentlichen Höhepunkt seines persönlichen Vortrages bildete. Dem in den sogenannten „Chasunoth" wuchernden Mißbrauch setzte der Vortrag Sulzer's Grenzen. Durch wirksame Betonung und deutliche Aussprache . führte er das Wort und den Inhalt der Gebete zu besserem Verständnisse. Sulzer's Rezitativen konnte auch der Indifferenteste sich nicht entziehen. Dieses Moment hob Hanslik, der erste Musikkritiker unserer Zeit, besonders hervor, als er bei seiner begeisterten Anerkennung der Sulzer'schen Musik deren nationalen und charakteristischen Typus „in dem Vorwiegen des Rezitativischen" zu finden erklärte. Es war damals die Zeit der großen Sänger — nach dem Urteil der kompetentesten Zeitgenossen übertraf aber Sulzer *) Zur Centennarfeier Salomon Sulzer's werden gegen Monatsende festliche Veranstaltungen in den Wiener Bethausern stattfiuden. Wir glauben dieselben nicht besser einleiten zu können, als durch die in unserer vorwöchentlichen Nummer unseres Blattes begonnenen und in der vorliegenden Nummer fortgesetzten „Erinnerungen" eines Zeitgenoffen des ausgezeichneten Begründers unseres Synagogengesanges. Die Redaktion der „Oesterr. Wochenschrift". alle anderen. Franz Schubert stellte ihn über den als ersten Liedersänger geltenden Vogl. Auch außerhalb der Synagoge fand Sulzer's Meisterschaft allscitige Anerkennung. Er wurde zu Hofkonzerten herangezogen und bekannt ist, daß der Erzbischof Pyrker, ergriffen von der Macht seines Gesanges, ihn öffentlich umarmte. Die fteigebigsten Anerbietungen kamen ihm zu, falls er sich der Bühne oder dem Konzertsaale widmen wolle. Allein nicht der gesellschaftliche Erfolg, sondern der im Bethause war es, den er als seinen Lebenszweck ansah. Dem Ausdruck begeisterter Andacht, dem jubelnden Emporwallen seiner Keduscha, dem Aufschrei seiner Bußgebete konnte kein Hörer widerstehen. Nie hat man ähnlichen Schmelz wahrgenommen, wie in seinem Mezzavoce — so demütig leise und doch so klar vernehmlich, daß auch am fernsten Platze jede Sylbe verstanden wurde. Und mehr noch als der eigentliche Gesang wirkte seine Rezitation: der überzeugende, Jedem verständliche Ausdruck der schlicht vorgetragenen Rede. Um Sulzer zu hören, fanden sich die vornehmsten Musikfteunde im Tempel ein. Distinguierte Fremde drängten sich dazu, unter ihnen Lablache, Meyerbeer, Schumann, die sich wiederholt mit bewundernden Worten über Sulzer ausgesprochen haben — am meisten Liszt, welcher den tiefgehenden Eindruck seines ersten Tempelbesuches emphatisch schilderte. Sie gewannen unerwartete Eindrücke von dem würdigen und geregelten Gottesdienst, den sie sich vorher als einen abstoßenden, regellosen Götzendienst vorzustellen pflegten. Viele touristische Beschreibungen, darunter das Reisetagebuch der Mrs. Troloppe aus dem Jahre 1832 berichten über solchen Besuch. Trotz alldem hatte Sulzer mit mancherlei Schwierigkeiten zu kämpfen. Zunächst fiel es ihm schwer, einen Chor zu begründen. In demVortvort zum 7. Bande des „Schir Zion" spricht Suher sich über den Chorgesang in der Synagoge aus. Er zitiert aus Herder: „Ein Chor ist gleichsam eine Gesellschaft Brüder. Das Herz wird geöffnet und sie fühlen im Strome des Gesanges sich eine Seele und ein Herz." Er konstatiert, daß sich das Institut des Chorgesanges bei vielen Gemeinden eingebürgert habe, daß es aber noch sorgsamer Pflege bedarf und insbesonders beim Schulunterricht „des bildenden Einflusses wegen auf Geist und Gemüt eine Stelle finden sollte" — was bekanntlich bis heute ein ftommer Wunsch geblieben ist.

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