Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 10 (4.3.1904)
- Date
- 1904-03-04
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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8m"wrgffTfaTa «■»MB Nr. 10 halten, und zwar die Kantoren Josef Weiß aus Jglau (Böhmen), Philipp Kraus - BeßterczebLnya. Mathias Mätyks-Ujpest, Kaspar Lifschitz-Szabadka und Jakob Weiß-Karlsbad. Sämtliche Probegesänge wurden im großen Tempel (Dohäny-utcza) aehal en und hatten jedesmal ein zahlreiches und sachverständiges Publikum. Die Entscheidung in der Kantorwahl wird demnächst erfolgen. — In der Synagoge der Landesrabbinenschule fand kürzlich die Entlassungsfeier folgender Rabbinatskandidaten statt: Dr. Michael Guttmann, Dr Emanuel Hirschfeld, .Dr. Karl Schönwald, Dr. Bernhard Sik und Dr. Jakob Süderfeld. Die Prüfungskommission bestand aus den von der leitenden Kommission entsendeten Herren: Oberrabbiner Dr. Moritz Klein aus Nagy-Becskerek und Oberrabbiner Dr. Adolf Sidon aus Versecz und den prüfenden Professoren Bacher, Blau, Bloch und Goldziher. Vorsitzender der Prüfungskommission war Herr Oberrabbiner Dr. Moriz Klein. Bei der Entlassungsfeier empfingen die Kandidaten in Begleitung einer hebräischen Ansprache vom Vorsitzenden des Lehrkörpers das Rabbinerdiplom. Im Namen der Prüfungskommission hielt deren Vorsitzender eine Ansprache an die Kandidaten, in deren Namen sodann Dr. Michael Guttmann Worte des Dankes und des Abschiedes an das Professorenkollegium und die leitende Kommission richtete. Haag. Durch königliches Dekret ist Herr A. A. Pinto hier zum Vizepräsidenten des höchsten Gerichtshofes ernannt worden. Fiume. Frl. Charlotte Gerlo czi, Tochter Sr. Ehr'' würden des Herrn Rabbiners G e r l o c z i, hat sich am Purimtage mit Herrn Lazar T a u ch n e r, Kaufmann aus Budapest, verlobt. Pisa. Hier starb infolge eines Schlaganfalles Graf Leonetto Ottolenghi, der für seine Vaterstadt ein wahrer Mäcen gewesen ist. Ihm verdankt Asti nicht nur zwei prächtige Monumente, sondern auch das großartige Alfieri-Museum, das zahlreiche Erinnerungen an den großen italienischen Dramatiker enthält. Ottolenghi, der, ein verwandter des früheren italienischen Kriegsministers, aus einer jüdischen Familie stammte, war vom König Humbert in den Grafenstand erhoben worden. Feuilleton. Alle Rechte Vorbehalten. Jüdische K«tt«rl»ilder. Von Dr. Armin Schnitzer, Oberrabbiner in Komärom. III. In der Fremde. L e i p n i k. Wieder war Frühjahr ins Land gekommen und an mich trat wieder die schwere, aber unvermeidliche Aufgabe heran, das Elternhaus zu verlassen und in die Fremde zu. ziehen. Das erste Erfordernis hiezu war ein Ding, welches bisher in Ungarn ganz unbekannt gewesen. Dieses Ding war — ein Reisepaß. Um einen solchen zu erlangen, mußte man auf einem „Stempelbogen" — auch eine neue Bescherung — ein Gesuch an den k. k. Komitats- — eigentlich Kreiskommissär — richten und ihm dasselbe eigenhändig in Leutschau, der Zipser Komitatsstadt, überreichen. Dieser Kreiskommissär, ein Adam Mariüssy, hauste mit raffinierter Grausamkeit im Komitate, das seine prononziert patriotische Gesinnung schwer zu büßen hatte. Ich ging also nach Leutschau. Als ich das Komitatshaus betrat, kam eben eine ganze Schar Hunsdorfer jüdischer Knaben im Alter von dreizehn bis sechzehn Jahren die Treppe herab, alle bleich, verstörten Angesichts. Dasselbe Anliegen hatte auch sie hergebracht. Auch sie wollten hinaus „ins feindliche Leben", auch sie wollten einen Paß, aber Mariüssy hatte ihnen — den Laufpaß gegeben. „Ihr elenden Hunde, bleibt im Lande!" Mit diesen liebreichen Worten trieb er sie fort. Ich ließ mich aber nicht abschrecken. Bescheiden, aber entschlossen, näherte ich mich dem Furchtbaren. Er war eine martialische Gestalt, hoch, breitschultrig, mit einem finsteren Gesichte, dessen stechende Augen, von buschigen Brauen überschattet, mich zu durchbohren schienen. „Was willst du, Hund?" herrschte er mich an. Aber meinen Blick fest auf ihn gerichtet, rückte ich ihm näher, immer näher, und wollte ihm die Hand küssen. Es war zwar nicht männlich, auch durchaus nicht patriotisch, einem Mariüssy, dieser Geißel des Komitats, die Hand küssen Seite 157 zu wollen — aber ich berichte Wahres, Erlebtes und will mich nicht besser machen, als ich war. Er wehrte mich barsch ab. Womit ich bei alldem den Allgewaltigen bezwungen habe, weiß ich nicht: aber — ich brachte den Reisepaß heim, ich, der einzige von allen Hunsdorfer Jungen, zur Verwunderung der ganzen Gemeinde,^., die darin ein glückliches Vorzeichen für meine Zukunft sah. Nun aber galt es, die passende Talmudschule auszusuchen, die ich beziehen sollte. Mein Vater — Gott segne ihn dafür im Grabe! — sonst eine weiche, passive, energielose Natur, hatte diesmal einen festen unbeugsamen Willen. „Ich gebe dich in keine ungarische Jeschiwa (Talmudschule); es sind dies lauter Brutstätten des finsteren Zelotismus, die jedem Lichtschimmer von weltlichem Wissen den Zugang wehren. Du wirst nach Mähren gehen, wo man ein tüchtiger Talmudist und dabei ein wissenschaftlich gebildeter Mensch werden kann. Du gehst nach Leipnik zu dem berühmten Rabbi S a l a m o n Quets ch". Der armen Mutter fiel der Gedanke schwer auf's Herz. „Um Gotteswillen!" schrie sie, „wo denkst du hin? Du wirst doch das Kind in eine fremde Medina (Provinz) nicht schicken. Du wirst doch nicht einen dreizehnjährigen Knaben mutterseelenallein von Hunsdorf nach Leipnik fahren lassen?" „Ich weiß das alles und doch wird er nach Leipnik gehen!" '-IM Die Mutter, erstaunt über die ungewohnte Energie des Vaters, schaute ihn groß an und schüttelte den Kopf, aber ein ironischer Zug spielte um ihren Mund, als wollte sie sagen: „Nun, er sitzt noch nicht auf dem Wagen; du kannst lang reden, es wird doch auch diesmal wie immer das geschehen, was ich will". Der Vater ahnte wohl den Hintergedanken der Mutter, und sagte: „Lass' mich nur, mein Kind! Ich weiß, was ich tue. Ich habe einen Plan. Siehe, der Leipniker Rabbi ist kinderlos, er — und da meinte er mich und nicht den Leipniker Rabbiner — ist ein schön', gescheit' Jüngel" — welcher Vater findet sein Kind nicht schön und klug? — „du wirst sehen, er wird ihn an Kind es statt annehmen. Und warum denn nicht? Kann er sich denn ein besseres Kind wünschen?" Das alles sprach der Vater im Flüstertöne, als fürchtete er, daß ein anderer das hören und mir die Adoption vor der Nase wegkapern könnte, wie einst Vater Jakob den Segen, der Esau bestimmt war. Das gab den Ausschlag. Auch der Mutterliebe schmeichelte der Gedanke, daß ihr Kind der Adoptivsohn des Leipnikers Rabbiners werden sollte, und diese Perspektive war zu schön, um nicht auch die Phantasie eines Knaben gefangen zu nehmen. Ich rüstete mich also zur weiten Reise. Die Mutter stellte mir mein Bündel zusammen: Talis und Tefilin, Wäsche und Kleider, die ich für mein selbsterworbenes Geld mir angeschafft hatte, gab alles in ein blaubarchentenes Säckchen, nähte mir fünf Gulden Konventions-Münze (10 Kr. 50 H.) als mein erspartes Vermögen in mein „Arba-Kanföss“ (ein Kleidungsstück, an dessen vier Enden Schaufäden hängen) und ich trat die Reise an. Der Schmeiß des Äbschiedes vom Vaterhause ward dadurch gelindert, daß ich bis Bielitz mit einem Onkel, dem Bruder meiner Mutter, einem Tuchhändler, reiste, der dort seinen Einkauf besorgte. Das Heimweh mit seiner ganzen überwältigenden Macht überkam mich erst, als ich auch vom Onkel Abschied nahm und nun auch das letzte Band sich löste, das mich an Heimat und Vaterhaus knüpfte. Doch die Notwendigkeit ließ mich bald das Weh überwinden. Ein Paar verschluckte Tränen — und ich suchte mir einen Wagen zur Weiterreise. Ich hatte das Glück, einen solchen bis Teschen zu finden. Von dort fuhr ich um ein geringes Trinkgeld von Station bis Station, bis ich in einem Dorfe, eine Wegstunde von Leipnik entfernt, festsaß, ohne daß ein Wagen zur Weiterreise sich traf. Freitag war's, die Sonne stieg immer höher; ich wollte noch vor Sabbat Leipnik erreichen, und ich entschloß mich, die Reise zu Fuß fortzusetzen. So keuchte ich im Sonnenbrand mit Dr. Mocb's MoebenscbrM.