Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 9 (26.2.1904)
- Date
- 1904-02-26
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3020846-3021547-3021557--13395-3038044- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Rr. 9 Dr. Blocb’s Mocbenscbrttt. Sette 135 „Vorbildliche Persönlichkeit" genannt. Es kam dann eine Zeit, in der die Schule in Folge der Ausdehnung der Stadt und ihrer räumlichen Entfernung, auch launenhafter Grundsätze der Eltern einen Rückgang erfuhr. 1877 waren noch 322 Schülerin der Realschule, im letzten Jahrzehnt nur 207 (abgesehen von Vorschule und Mädchenschule). Andere Schulen wurden bevorzugt. Ganz unbestreitbar richtig ist ein Wort der Denkschrift: „Die Gemeinde verdankt der Schule ihr Ansehen und ihre Blüte." Auf der Humanitätsidee baute sie sich auf. Stiftungen von Belang kamen ihr zu gut: Goldschmidt, Maas, Königswerther, Rütten, Odrell u. a. vermachten große Summen. Treffliche Lehrer der älteren Generation gingen freilich nach und nach viele dahin: Tendlau, Jakob Auerbach, Zirudorfer, Lehmann, Teblee, Ferdinand Neubürger. Mancher von ihnen war weit in der Welt und in der Literatur bekannt geworden; sie zeigten die Summe der Leistung eines intensiv tätigen Arbeitslaboratoriums. Dann wurde auch eines Tages die Auflösung der Schule aus finanziellen Rücksichten in Erwägung gezogen, aber man kam darüber hinaus. Freilich betrug der Zuschuß, den die Anstalt erforderte, mehr als die Hälfte der Gemeindesteuern und geringe Anmeldungen ergaben sich um 1897. Aber ein Bericht des Direktors Baerwald über die Bedeutung ihrer Erhaltung und die Pflicht der Pietät rettete die Schule, die Gemeindeverwaltung gab dem Schulrat nach. Handfertigkeitsunterricht ward eingeführt und manches gebessert. Schon 1899 trat Baerwald zurück, Dobriner wurde stellvertretender Direktor. Jener hatte der Anstalt das Relief eines bedeutenden Namens gegeben. An seine Stelle trat Dr. Adler, Rektor der Mädchenschule der jüdischen Gemeinde in Berlin, eine vortreffliche Wahl. Er wurde Juli 1900 eingeführt. Verlieren mußte die Schule noch einige Kapazitäten: Isaak Blum, Emil Strauß, Steinhard, Dobriner, Wertheim; als Pensionierte nahm sie meist der Tod hinweg. Sicherlich gilt von jeder Schule der Satz: an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen! Halbwegs läßt sich das auf die Lehrer, in größerem Maße auf die Schüler anwenden. Ich kann nur sagen: das Philanthropin, das fast Konfessionsschule ist, hat eine solche Fülle von Talenten unter Lehrern und Schülern aufzuweisen, daß es getrost mit den meisten Gymnasien wetteifern kann. Das hat mich früher schon überrascht und ich habe mir die Mühe genommen, bei kompetenten Stellen die Kapazitäten auszumitteln. Leicht war das nicht, da das Leben die Menschen auseinandertreibt, und mancher mag wohl nicht ermittelt sein. Bei den Schülern der Realschule handelt es sich außerdem nicht um akademisch graduierte Größen, die jedermann kennt. Mir erschien aber gerade dieses Aufsuchen und diese Ausstrahlung aus unscheinbarem Kreise in die Ferne sehr lehrreich für die jüdische Universalität. So fand ich unter den Lehrern gleich Albert Bielschowsky, den neuesten und geistreichsten Goethe-Biographen, der wohl hier in Frankfurt noch nicht allzusehr zu Ansehen kam, als er von 1872 bis 1874 als Lehrer an der Schule wirkte. Allzufrüh ist er in Straßburg dahingestorben. Aber auch der Straßburger Historiker Harry Breßlau, ein gediegener Kopf und erfolgreicher Gelehrter, war 1871 und 1872 hier als Lehrer tätig. Unser Ludwig Oelsner, der später (1868) zur Wöhlerschule überging, ist bekannt genug. Als Schulmänner renommiert find Philippson und Tachau, jener zu Seesen a. G., dieser zu Wolfenbüttel Schuldirektor; sie waren beide in den Achtziger-Jahren Lehrer des Philanthropins. Alles das wird nach meinem Dafürhalten übertroffen durch den einzigen Lazarus Geiger, der als Lehrer schon erwähnt ist. Kein idealerer Mensch, keine geistigere Physiognomie, kein mächtigerer Finder ist seit Savigny in der Frankfurter Gelehrtenwelt aufgetaucht. Eduard Hiller, der Hallenser klassische Philolog, der aus unserem Gymnasium hervorging, auch ein eminenter Kopf — sein Vater gehörte der Verwaltung des Philantropins an, sein Onkel war der Kölner Komponist — war wohl gelehrter als Geiger, aber an Original- Verstand und Jdeenkraft immerhin kein Geiger. Schüler der Anstalt war auch Ferdinand Hiller, der genannte Tonkünstler, ebenso der Dirigent des Stern'schen Konservatoriums in Berlin, Gernsheim. So komme ich zu der großen Reihe derer, die hier emporgewachsen und gebildet sind. Da muß denn in erster Linie Theodor Creizenach genannt werden, der Unvergeßliche, der das literarische Leben unserer Stadt durch seinen Geist und sein Wissen bald nach der Mitte des vorigen Jahrhunderts auf einer anderen Höhe hielt als es heute sich darbietet. Da ist Ludwig Braunfels, der fast gleichgeordnete Publizist und Poet, da treten als Schüler Ludwig Fulda und Alfted Friedmann vor uns hin, die Lebenden. Michael Flürfcheim muß genannt werden und Arthur Pfungst; die Maler Schüler, Elkan, Schwarzschild und ganz bedeutende Männer, die der Fremde zufielen: der Physiolog Hugo Schiff in Florenz, der Anatom Hanau in Zürich. Wie überraschend, daß solche Männer aus einer einfachen Bürgerschule hervorgingen! Es zeigt die Güte der Schule. Ob der Pariser Astronom Goldfchmidt aus der Schule kam, konnte ich nicht ermitteln; ein anderer Astronom, Professor Karl Schwarzschild in Göttingen, gehörte ihr an. Die beiden Löning besuchten das hiesige Gymnasium. Von Kapazitäten der praktischen Berufe genügt es als Zöglinge der Anstalt zu nennen: Erlanger, Jacques Reis, Wertheimber (Wien), B. H. Goldschmidt, Stern und L. H. Reiß, den Präsidenten unserer Zoologischen Gesellschaft, einen „kolonialen" Kaufmann. Auch diese kleine Liste zeigt, wie achtunggebietend die Frankfurter Judengemeinde, die die Rothschild erzeugte in der Welt dasteht. Korrespondenzen. Aus der Plenarsitzung des Kultusvorstandes vom 21. Februar 1904, unter dem Vorsitze des I. Vize-Präsidenten Herrn Dr. Alfred Stern. Beginn der Sitzung 10 Uhr vormittags. - Im Einlaufe befindet sich ein Schreiben der Frau Leontine Moor, mit welchem dieselbe für die Teilnahme des Kultusvorstandes anläßlich des Hinscheidens ihres Gatten, des Bethausvorstehers Jakob Moor, ihren Dank ausspricht. An Spenden find eingelaufen: Von Herrn Louis Ortlieb aus Anlaß der Hochzeitsfeier seiner Tochter: Fiir den Verein zur Unterstützung und Versorgung hilfsbedürftiger Waisen der israelitischen Kultusgemeinde .... X 200.— fifur die israelitische Armenanstalt. . . . „ 200.— Für den Verband zur Unterstützung armer israelitischer Wöchnerinnen.. 200.— Für verlassene Kinder . - . . - . „ 100.— Zur Ausspeisung armer^Schulkinder . - . „ 100.— Für die Fanny Jeiteles'sche Pftündnerstistung (zu Gunsten der Pfründnerinnen) ... „ 200.— K 1000.— Von Herrn Heinrich Weiner, Sammelspende zur Ausspeisung armer israelitischer Schulkinder in der Brigittenau . . . ... „ 163.40 Von Herrn Dozenten Dr. Josef Grünfeld anläßlich der Vermälung seiner Tochter: Für die Chewra-Kadischa ..K 20. — Für den Verein zur Unterstützung mittelloser israelitischer Studierender 20.— Für die israelitische Versorgungsanstalt . „ 20.— Für den Verein für israelitische Ferienkolonien „Ferienheim" . .„ 50 — Für den israelitischen Frauen-Wohltätigkeitsverein „Frauenhort" . . „ 20.— „ 130.— Von Frau Arnold Rosenthal zur Verteilung an bedürftige israelitische, aus dem Spital entlassene Frauen . . . „ 100.— Von Frau Frieda Nagel: Für das israelitische Blindeninstitut.K 20.— Für das israelitische Mädchen-Waisenhaus . . „ 20.— „ 40.— Sammlung des Herrn Dr. Alfred Berger für arme Schulkinder in der Brigittenau .. . „ 26.— Sammlung des Herrn Dr. Alfred Berger für arme Schulkinder in der Brigittenau .„ 21.— Von Herrn Abraham Schmetterling zur Verteilung an Arme „ 20.— Von Herrn Leopold Hugo Schüller für das israelitische Altersversorgungshaus ..... . . - . . „ 20.— Sammlung der Redaktion des „Neuen Wiener Tagblatt" für die israelitischen Schulkinder in der Brigittenau . „ 17. -