Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 20 (1903)
- Issue
- 3 (16.1.1903)
- Date
- 1903-01-16
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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»t. 3 Dr. Bloch’s Sahrgan, XX ♦ ermtm Centralorgan für die gessmmten Interessen des Iudenthums. Wie«, 16. Aiinuer 1963. -•»- «. —<-- Erscheint jeden Freitag. -- Brief-Adresse: Wien, IX/1, Berggaffe SS. Telegramm-Adresse: Dloch'8 Wochenschrift, Wien. U. k. Postsparcaffrn-Arnt Clearing-Verkehr Nr. 810.976. Lrdartion und Adminiprstiom Wien IX/1, Berggaste Nr. 39. Talephon Nr. 14.847. *=• .R »ejugspret* für Srstrrrrich Halbjährig 8 äkrone». Einzelexemplare Sv Heller. FLr'» »n»l»ud: I Halbjährig 10 Lroneu. I Banzjährig 20 „ Anzeigen- Die4malgespalte« Detiizeile 24 Heller. »--- - - ----- II Inhalt: Leitartikel: Arischer Wucher in alter und neuer Zeit. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Glossen zur Tagesgeschichte. Der neue Magistratsdirector. — Zum medicimschm Kongresse in Kairo, Egypten. — Die Juden in Padua. — Correspondenzen: Aus der öffentlichen Sitzung des Wiener Cultusvorstandes. Baden, Wr.-Neustadt, Bielitz. Saybusch, Troppau, Odessa, Berlin, Paris, London. — Vermischtes: Wien. Kranzablösungsspenden zu Gunsten der Chewra-Kadischa in Wien. Wien, Boskowitz, Tabor, Mähr.-Ostrau, Vukovar, Reichenberg, Arenches. —Feuilleton: Drei R. — Maaffer bezahlen. — Literatur. — Neue Bücher. — Brieflasten. — Inserate. Arischer Wucher i« alter und neuer Zeit. Pan Verganew ist in Bezug auf Gelderwerb zweifellos ein strenger Moralist. Andern nämlich pflegt er die strengsten Rechtsgrundsätze einzuschärfen; gegen sich war er stets nachsichtiger. Die Mühldorfer Obligationsgeschichte und manche andere Affaire zeigte seine Profitwuth in bedenklichen Blößen. Der Urgermane aus Sollenz in Galizien, der einst auf seine Bettelbriefe von Herrn Schönerer den freundschaftlichen Rath empfing, er möge einen starken Strick wählen und einen guten Haken sich aussuchen, ist heute ein dickbäuchiger Hausherr von vielfachem Vermögen. Wie sein Reichthum entstanden und aus welchen Quellen Pan Verganew sein Geld geschöpft hat, verdiente genauer gezeichnet zu werden. Er zieht es indessen vor, über die „Historischen Quellen des Judenreichthums" Artikel zu publiciren. Ein christlicher Leser und Mitarbeiter sendet uns nachstehenden Beitrag zur Entstehungsgeschichte arischer Vermögen. Derselbe schreibt uns: Je hoffnungsloser für den Kleinbürger und den Agrarier die Gegenwart sich zeigt, umso eifriger sucht er nach Personen, an welchen er, als Sündenböcke, seine Wuth auslassen kann. Gefälschte historische Tradition und sociale Stellung weisen ihn nun, wo keine anderen, z. B. nationale Gegensätze, vorhanden sind, auf den Juden hin. Da nun in Folge des herrschenden Jndifferentismus religiöse Momente bei den Massen keine rechte Zugkraft mehr haben, so prägte man sich, allerdings in vollster Unkenntniß der großen wirthschaftlichen Fragen, ein neues Schlagwort und präcisirt die Feindschaft gegen die Juden, dev Antisemitismus, als einen Gegensatz der Bodenaristokratie zu jener des Geldes und sucht damit den denkunfähigen Massen einzureden, daß die größten Reichthümer sich in Judenhänden befinden und diese es sind, welche die Völker und Staaten in das Joch spannen. Indem man hiemit dem verstandesarmen Kleinbürgerthume und der geistesträgen Bourgeoisie an deren empfindlichsten Nerv unsanft greift, hofft man, und nicht immer vergebens, die in denselben schlummernde Bestie zu erwecken und gegen die Juden loszulassen. Untersuchen wir nun die Behauptung der Antisemiten, daß in den Händen der Juden nicht blos die größten Reichthümer sich befinden, sondern daß der Krebsschaden der Volks- und Einzelwirthschaft, der Wucher, nur von den Juden erzeugt und cultivirt wird, auf ihre Wahrheit und innere Berechtigung. Wir werden da an der Hand von Beweisen gerade der christlichen Welt nahestehender Geschichtsforscher finden, daß auch für die Juden das Wort gilt, was gegenüber der unglücklichen Königin Maria Stuart: Sie sind besser als ihr Ruf. Beginnen wir zunächst mit dem Vorwurfe des Wuchers. Aus Hunderten von Beweisen nur einige wenige. So sagt der um das Ende des 16. Jahrhunderts lebende, dem Orden der Jesuiten augehörige Prediger Georg Scherer in einer seiner Predigten*) an seine christlichen Zuhörer: „Wir reisten und beisten, schinden und schaben, drücken und pressen einander, daß es ein ewiger Spott nnd Schande ist. Es fället einer den andern mit dem Wucher an, wie die Jagdhunde ein Wild anfallen, und sind die Juden gegen einander viel barmherziger und mitleidiger als wir Christen, die wir uns der Taufe und der wahren Erkenntniß des heiligen Evangelii rühmen. Durch den verdammten Wucher bringen wir unfern Nächsten um Haus und Hof und um Alles, was er hat, wie dann die Wucherer daraus fein abgerichtet sein. Ich weiß einen Wucherer, der nimmt wöchentlich von Einem Gulden 5 Pfennig zu Wucher, das macht im Jahr von 100 nicht mehr als 105: Pfui der Schande! Mancher leiht einem 1000 Gulden, gibt aber nur 500 an baaremGeld, und dazu in einem solchen Geld, daran der Entlehner verlieren muß, die anderen 500 gibt er in verdorbenen Waren, auf das Theuerste geschätzt, in verlegenem Tuch, in ungewissen Schuldbriefen, in zähem Wein, in hinkenden Rossen u. s. w.; aus diesem Allem macht er die Hauptsumme völlig und schlägt noch darauf 8 oder 10 Prozent. Ist das nicht ein unchristlicher und teuflischer Wucher. So thun sie das öffentlich und ohne alle Scheu und gehen großen Fürsten und *) Abgedruckt in dem von den Clericalen so übermäßig gepriesenen Geschichtswerk vonJannsen „Geschichte des deutschen Volkes", Band Vlli.