Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 18 (1901)
- Issue
- 11 (15.3.1901)
- Date
- 1901-03-15
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette IW Nr. 11 Dr. Bloch's Wochensttzrifl. Wiener V Die Oesterreichische Musik-Verlags-'TuuPSortiments-Actien-Gesellschaft „Wiener Musik-Verlagshaus“, vorm. F. Rorick, hat in ihrer Generalversammlung vom 30. September 1900 beschlossen, in die Vorarbeiten zur Gründung eines Vereines behufs Erbauung einer Wiener Volksoper einzugehen. Dieser Beschluss fand vollsten Beifall in der musikfreudigen Wiener Bevölkerung. Die Wiener Volksoper soll ergänzend an der Seite unserer herrlichen, weltberühmten Hofoper ihre Thätigkeit entfalten, indem sie sich die Aufführung jener Werke der Opern-Literatur zur Aufgabe stellt, welche entweder Mangels eines geeigneten Hauses nicht zu entsprechender Wirkung gelangen oder aber in Anbetracht der für ein grosses Opernhaus in erster Leihe stehenden Aufgaben keine Berücksichtigung finden können. Auch soll durch die Errichtung einer Wiener Volksoper zahlreichen talentirten jungen Künstlern auf dem Gebiete des Gesanges und der Instrumental-Musik, wie sie alljährlich aus den Musikschulen unserer Stadt, voran aus unserem altehrwürdigen Wiener Conservatorium, hervorgehen und meist im Auslande Stellung und Anerkennung suchen müssen, dann eine würdige heimische Stätte ihrer künstlerischen Thätigkeit geboten werden Ebenso soll den heimischen Componisten Gelegenheit gegeben sein, auch kleinere Opern vorzuführen. Dem grossen Publicum aber soll eine neue Stätte der Pflege edler Musik erstehen, wo bei billigen Eintrittspreisen in dem vornehmen Rahmen eines neuen, mit allem modernen Comfort ausgestatteten Hauses nur Vorzügliches zur Aufführung gelangt. Mitbürger, Musikfreunde aller Gesellschaftsclassen! Vereinigen Sie sich mit uns und helfen Sie ein Werk begründen, das der auf unseren Wiener Boden so unvergleichlich gedeihenden Tonkunst gewidmet sein soll, der Stadt, in derunsere Meister Gluck, Haydn, Mozart, Beethoven, Schubert, Brahms, Bruckner, Lanner, Strauss (Vater und Söhne) und eine stattliche Reihe von Meistern der heiteren Tonkunst gelebt und Unsterbliches geschaffen. Lassen Sie uns zusammenstehen, eine künstlerische That zu vollbringen, welche allen Opernfreunden Wiens ohne Unterschied des Ranges und der Mittel nach des Tages Arbeit und Mühen edle Zerstreuung durch lierzerfreuenden Musikgenuss bieten soll. Möge dieser Appell nicht unbeachtet verhallen und unser schönes Wien, die Stadt der Lieder, um eine Stätte für Tonkunst und Volksbildung bereichert werden i Und diese Stätte, sie soll geschaffen werden aus dem Volke und durch das Volk für das Volk. Behufs Beschaffung der Mittel werden 7500 auf Namen lautende Antheilscheine. ä 200 Kronen mit 4percentiger Verzinsung ausgegeben, die in 2 Raten zu y5 40 Kronen und 4/5 160 Kronen einzuzahlen sind. Die erste Rate per 40 Kronen wird bei der Zeichnung, der Rest per 160 Kronen bei Beginn des Baues eingezahlt Durch Erwerbung von 1 Antheilschein wird man unterstützendes Mitglied. Durch Erwerbung von 5 Antheilscheinen wird man Gründer. Durch Erwerbung von 50 Antheilscheinen wird man Stifter des Unternehmens. Ueberdies steht jedem Besitzer von fünf Antheilscheinen das gebührenfreie Vorkaufsrecht auf Logen, Parquett-, Parterre- und Galeriesitze nach einem aufzuste lenden Turnus zu. Dieses Vorkaufsrecht wird den berechtigten Mitgliedern, deren Antheilscheine ausgelost werden, durch Einhändigung von Genussscheinen auch weiterhin gesichert. Die Namen der Stifter werden im Foyer der Wiener Volksoper für alle Zeiten auf Marmortafeln verzeichnet werden. Das Anlagecapital wird vom sechsten Geschäftsjahre nach Eröffnung der „Volksoper“ angefangen in 60 gleichen Theilen aus den eigens gebildeten Tilgungsfonds, eventuell mit Zuhilfenahme des allgemeinen Reservefonds, durch Verlosung getilgt werden. Ist auf diese Weise das ganze Anlagecapital zurückgezahlt so soll die „Wiener Volksoper“ Eigenthum eines zu gründenden Pensionsfonds fiir Tonkünstler und Tondichter werden. Beitrittserklärungen bitten wir anzumelden in den Filialen der Actien-Gesellschaft „Wiener Musik- Verlagshaus“,!., Augustinerstrasse 8, I., Kohlmarkt II, I., Johannesgasse 17, VII., Mariahilferstrasse 86, ferner im Bureau der Gesellschaft der Musikfreunde, I., Giselastrasse 12 und in der Baukanzlei Fellner & Helmer, IX., Servitengasse 7. Schriftliche Anfragen sind an das Central- Bureau des Wiener Musik-Verlagshauses, I., Johannesgasse 19, 2. Stock, zu richten, welches auch die Auskünfte ertheilt. Wien, im Februar 1901. 756 Das Agitations-Comite der Wiener Volksoper. Herausgeber und verantwortlicher Redacteur Dr. Josef S. Bloch. — Druck von L. Beck & Sohn, Wie», Vm.